London ist sexy, aber sehr teuer – Oisín McKennas Debüt „Hitzetage“

Maggie ist dreißig, schwanger und lebt mit ihrem Freund Ed in einer schimmeligen, winzigen Wohnung, die sich beide eigentlich gar nicht leisten können – obwohl Ed längst unter Asthmaanfällen leidet. Denn sie arbeitet als Kellnerin, er als Fahrradkurier – alles sehr prekär. Angesichts ihrer Schwangerschaft beschließen sie, in die 40 Minuten entfernte Kleinstadt zurückzuziehen, die sie als Jugendliche so schnell wie möglich verlassen wollten. Denn sie lockte der Rausch der Großstadt mit queeren Partys und schnellem Sex. Ihren Freunden geht es nicht anders. Phil erfährt gerade, dass er aus der ehemaligen Fabrik, wo er mit etwa 12 anderen wohnt, ausziehen muss. Dabei ist er gerade dabei sich in seinen Nachbarn Keith zu verlieben, der allerdings gerade einen festen Freund hat. Alles offen und easy, oder doch nicht?

Oisín McKenna beschreibt sehr präzise die Szene der Londoner Thirtysomethings, die ihre Freiheit genießen wollen, während längst der Neoliberalismus ihre materiellen Existenzen zerstört. Phils Bruder Callum hält sich mit Drogendeals über Wasser, ihre Mutter Rosaleen, die einst mit ihnen aus Irland ausgewandert war, erhält eine Krebsdiagnose, mit der die Familie nur schwer umgehen kann.

„Hitzetage“ – angesiedelt noch vor der Pandemie – gibt einen Blick in die queere Welt einer heutigen Großstadt. Während gerade die große Party zur Schließung der Fabrik vorbereitet wird, spielen sich veritable Liebesdramen ab. Ed ist vielleicht doch eher homosexuell, Phil zögert, das seiner besten Freundin Maggie zu verraten, während er selbst die besten Stunden seines Lebens mit Keith verbringt, der eben auch aus der Stadt ziehen muss. Interessant ist das Buch immer, aber Oisín McKenna verliert zwischendurch den Fokus darauf, was er eigentlich erzählen will. Die schwule Love-Story, das Rnde der Beziehung von Ed und Maggie oder doch das wiederentdeckte Irischsein von Rosaleen. Der Schluss mutet dann schon sehr nach dem Showdown besserer TV-Serien an. Trotzdem ein unbedingter Lesetipp.

Oisín McKenna: Hitzetage. Aus dem Englischen von Hans-Christian Oeser und Alexandra Titze-Grabec. Residenz Verlag, 360 Seiten, € 26,95

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