Im Belgrad der 90er-Jahre – Maja Iskras Debütroman „Uppercut“

Natürlich denkt man bei Belgrad in den 90er-Jahren sofort an den Jugoslawienkrieg. Aber Gewalt, Unterdrückung und Demütigungen fanden auch auf dem Schulhof und nicht nur an den Fronten statt wie Maja Iskras Debütroman „Uppercut“ schildert. Ihre Ich-Erzählerin ist sowohl Opfer als auch Täterin. Wie alle bringt sie die Gewalt aus dem Elternhaus in die Schule mit. Der Krieg wird in diesem Roman kaum angesprochen, es reicht die ganz normale Alltagsaggression. Dabei verstand sich doch Jugoslawien als eine klassenlose Gesellschaft, in der es keine Diskriminierungen geben sollte.

Hintergrund sind nicht funktionierende Eltern. Die Erzählerin arbeitet so ihr Verhältnis zu ihrem Vater auf, der ihr in frühester Kindheit vermittelte, eine Versagerin zu sein, während er eine Schnapsflasche nach der anderen leert und dabei die Wohnung mit Zigarettenrauch verpestet.

Der Roman funktioniert wie eine Rückschau. Die Erzählerin ist – wie die Autorin – längst in Wien und erinnert sich in Flashbacks an Belgrad, der Stadt, von der sie nie loskommt. Konkret spielt das meiste in einem Sozialviertel, in dem sich die Abgehängten tummeln. Iskra schildert die Schicksale vieler Gleichaltriger, die alle ihre seelischen Schäden davontragen. Bereits mit 12 unternimmt eine Freundin einen Selbstmordversuch. Viele verlieren sich nach der Schulzeit aber aus den Augen.

Die Erzählerin kreist immer wieder um die Tragödien von damals – meist mit einem Freund von dort mit dem sie in Wien durch die Lokale zieht. Ruhe findet sie nicht.

Ein sehr dichter Roman, der ein genaues Bild einer Gesellschaft im Umbruch liefert.

Maja Iskra: Uppercut. Zsolnay Verlag, 156 Seiten, € 23,70

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