Mehr als 30 Lesungen, begeisterte Besucher:innen und ein frisch gekürter Preisträger: Die 22. Wiener Kriminacht verwandelte am 22. Oktober die Wiener Kaffeehäuser erneut in Schauplätze voller Spannung. Der Wiener Krimipreis ging in diesem Jahr an Fabian Navarro, der noch am selben Abend im Café Museum aus seinem Roman „Vienna Falling“ las. Ausreservierte Lesungen und ein zunehmend junges Publikum machten deutlich: Die Begeisterung für Kriminalliteratur ist in Wien ungebrochen.
Zu den Höhepunkten der diesjährigen Kriminacht zählte auch die traditionelle Verleihung des Wiener Krimipreises. Fünf Autor:innen standen auf der Shortlist: Angelika Hager, Ursula Poznanski, Fabian Navarro, Stefan Slupetzky und Martina Parker, die krankheitsbedingt leider nicht an der Veranstaltung teilnehmen konnte. Über die begehrte Auszeichnung durfte sich schließlich Fabian Navarro freuen. Durch den Abend führte Helmut Schneider, der zahlreiche Persönlichkeiten aus der Wiener Literatur- und Kulturszene auf der Bühne begrüßte. Heide Kunzelmann richtete als Vertreterin der Stadt Wien bestärkende Worte an die heimische Literaturszene und unterstrich deren kulturelle Bedeutung. Autor und Drehbuchautor Ivo Schneider gab Einblicke in das Leben als Schriftsteller und sprach über sein neues Buch.
Auch Benedikt Föger, Präsident des Hauptverbands des Österreichischen Buchhandels, war auf der Bühne vertreten. Mit einem augenzwinkernden Vergleich brachte Thomas Peschta, Obmann der Fachgruppe Gastronomie der Wirtschaftskammer Wien, die besondere Verbindung zwischen Kriminalliteratur und Wiener Kaffeehauskultur auf den Punkt: „Krimis und Kaffee haben ja schon seit jeher vieles gemeinsam: Sie sind dunkel und finster, oft ein wenig bitter und sie treiben den Blutdruck in die Höhe. In der Kriminacht im Kaffeehaus kommt somit zusammen, was zusammengehört. Literarischer und kulinarischer Genuss, und die Auflösung des Krimis ist dann das Sahnehäubchen am Cappuccino.“
Eine besondere Rolle kam Petra Hartlieb zu. Die Wiener Buchhändlerin und Autorin hatte 2025 selbst den Wiener Krimipreis (damals noch Leo-Perutz-Preis) gewonnen. In diesem Jahr kehrte sie auf die Bühne zurück, um die fünf Nominierten vorzustellen und schließlich die Laudatio auf den neuen Preisträger Fabian Navarro zu halten. Der Autor zeigte sich von der Ehrung sichtlich bewegt. Noch am selben Abend las er im Café Museum aus seinem Roman „Vienna Falling“.
„Ich glaube es selber immer noch nicht so ganz, da muss ich erst noch drauf klarkommen. Es ist eine enorme Würdigung. Ich bin selber nicht aus Wien und habe mir die Stadt durch dieses Buch quasi angeschrieben. Dass das so gelungen ist, dass mir dafür ein Preis verliehen wird, bedeutet mir wirklich sehr viel“, freute sich Navarro über die Auszeichnung.
Mit „Vienna Falling“ hat sich der Autor erstmals an einen Kriminalroman mit menschlichen Hauptfiguren gewagt. Zuvor machte er sich mit seiner humorvollen Katzen-Krimiserie „Miez Marple“ einen Namen. In seinem Roman wird ein deutsches Touristenpaar während eines Wien-Aufenthalts unvermittelt in einen Kriminalfall verwickelt. Die österreichische Bundeshauptstadt wird dabei selbst zur literarischen Hauptdarstellerin – mit all ihren Eigenheiten, Schauplätzen und Geschichten.
Ganz Wien im Krimifieber: Von Kaffeehaus zu Kaffeehaus
Die Wiener Kriminacht bewies auch bei ihrer 22. Ausgabe, wie lebendig die Verbindung zwischen Literatur und Wiener Kaffeehauskultur ist. Mehr als 30 Lesungen fanden am 22. Oktober in Kaffeehäusern quer durch die Stadt statt. Ermöglicht wurde die Veranstaltung durch die Stadt Wien sowie Partner wie die Sparte Gastronomie der Wirtschaftskammer Wien.
Besonders in der Wiener Innenstadt zeigte sich, was die Kriminacht so einzigartig macht: An beinahe jeder Ecke wartete ein neues literarisches Erlebnis. Wer durch die Straßen spazierte, entdeckte entlang des Weges gleich mehrere teilnehmende Kaffeehäuser. Die Kriminacht-Locations wurden für einen Abend zu Schauplätzen spannender Verbrechen, ungewöhnlicher Ermittlungen und überraschender Wendungen. Gleichzeitig boten sie jenen persönlichen Rahmen, der die Kriminacht seit mehr als zwei Jahrzehnten auszeichnet: Autor:innen und Publikum begegneten einander auf Augenhöhe, oft nur wenige Meter voneinander entfernt.
Große Begeisterung für das traditionsreiche Literaturformat
Zahlreiche Lesungen waren bereits im Vorfeld ausreserviert, vielerorts war der Andrang groß. Besonders eindrucksvoll zeigte sich das im Café Frauenhuber, wo sich vor der Lesung von Beate Maly eine rund 15 Meter lange Warteschlange bildete.
Für Anna Pöttler, Geschäftsführerin von echo event, ist die große Resonanz ein besonders erfreuliches Zeichen: „Es ist schön zu sehen, wie groß die Begeisterung für die Kriminacht auch bei der 22. Ausgabe noch ist. Viele Lesungen waren bis auf den letzten Platz ausreserviert, und besonders freut uns, dass wir zunehmend auch ein jüngeres Publikum erreichen. Die Kriminacht bringt Menschen unterschiedlichster Generationen zusammen, begeistert für Literatur und macht die Wiener Kaffeehäuser zu lebendigen Orten der Begegnung“, so Anna Pöttler.
Österreichs Crime-Szene traf sich im Kaffeehaus
Auch inhaltlich bot die Kriminacht 2026 eine große Bandbreite. Bekannte Namen der österreichischen Kriminalliteratur trafen auf ein neugieriges Publikum und präsentierten ihre aktuellen Werke.
ORF-Moderator und Autor Patrick Budgen nahm seine Zuhörer:innen mit in die Welt seines Krimis „Der Cicero-Coup“, in dem ausgerechnet Bewohner:innen einer Seniorenresidenz einen raffinierten Kunstraub planen. Angela Szivatz sorgte mit „Mörderisches Gspür“ für Spannung, indem sie die vermeintliche Idylle am Wolfgangsee durch gleich zwei Morde erschütterte.
Stefan Slupetzky wiederum erzählte in „Nichts wie weg“ von der ungewöhnlichen Liebe zwischen einer Wiener Zuckerbäckerin und einem finnischen Fälscher, die sich plötzlich auf der Flucht vor der albanischen Mafia befinden. Auch Ursula Poznanski, Angelika Hager, Fabian Navarro und viele Weitere sorgten mit ihren Werken für literarischen Nervenkitzel. Hager präsentierte ihren Krimi „Pardon, aber da schwimmt eine Leiche in der Schokolade“.
Wenn Kriminalliteratur auf klassische Musik trifft
Ein besonderes Highlight setzte das vormagazin mit der international gefeierten Violinistin und Krimiautorin Natasha Korsakova. Die in Moskau geborene und in der Südschweiz lebende Künstlerin verbindet zwei Welten, die auf den ersten Blick wenig gemeinsam haben: klassische Musik und spannende Kriminalliteratur. Mit ihrem musikalisch-literarischen Beitrag zeigte sie, wie vielseitig das Genre Krimi sein kann und wie sich Spannung nicht nur durch Worte, sondern auch durch Musik erzeugen lässt.
Text: Carla Hoffmann, Foto: Stefan Diesner (v.l.: Benedict Föger, Fabian Navarro, Heide Kunzelmann)
