Verschwunden in der Provinz – Heinrich Steinfests Novelle „Die Linkshändlerinnen“

Novellen sind in der neueren deutschen Literatur eher selten – weil man erstens nicht so genau weiß, was das ist und zweitens der Titel Roman immer das bessere Verkaufsargument ist. Die noch immer beste Definition stammt von Goethe, wonach eine Novelle eine „unerhörte Begebenheit“ behandelt. In Heinrich Steinfests Novelle „Die Linkshändlerinnen“ gibt es diese Begebenheit zweifelsohne. Aber nicht etwa, dass drei ganz unterschiedliche linkshändische Frauen eine Bar in der österreichischen Provinz betreiben, ist so ungewöhnlich, sondern dass in dem kleinen Ort mitten in der Nacht 35 französische Psychoanalytiker und Floristinnen, die zufällig im selben Ort eine Tagung abhalten, beim Nachhauseweg von ebendieser Bar ins Hotel spurlos verschwinden.

Aber zugegeben – es ist nicht die einzige unerhörte Begebenheit, denn Steinfest merkt man die Lust am Erfinden skurriler Situationen und Figuren auch in diesem Buch auf jeder Seite an. Da gibt es eine Passionsspielbühne, wo ein angeblich genialer Regisseur Sartres „Das Spiel ist aus“ aufführen will, einen autistischen Jungen, der bei der Suche nach den Verschwundenen von einer der Barbetreiberinnen – einer ausgebildeten Biologin – zufällig nach einem Jahr im Wald gefunden wird, die lesbische Ärztin eines Rugby-Teams, einen gebildeten Wiener Kriminalisten und dann noch viele Nebenhandlungen. Da wird etwa die Geschichte eines von einer Krähe verschleppten Schmuckstücks penibel erzählt. Kurzum: ein Buch für Leser, die sich gerne überraschen lassen und die Fabulierkunst des Wiener – im Süden Stuttgart lebenden – Autors zu schätzen wissen. Bücher, die einem schlechte Laune machen, gibt es ja sowieso genug.

Heinrich Steinfest: Die Linkshändlerinnen, Piper, 144 Seiten, € 19,95

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