Aus dem Leben einer Autorin – „Iris“ von Laura Freudenthaler

Iris ist Schriftstellerin und sie ist viel auf Reisen, wir erfahren detailliert über die Unterkünfte in bekannten und unbekannten Städten, die auch ihren Status und den jeweiligen Status von Literatur in diesen Ländern – in Tirana, Belgrad, Hamburg oder Rom – abbilden. In Wien lebt sie eine offene Beziehung mit dem Fotografen Anton, der vom Ertrag seiner ererbten Wohnungen im Salzburg sein Auskommen findet. Zwischendurch gibt es Sex, bei dem sie sich fesseln und quälen lässt. Das spiegelt irgendwie auch ihr gegenwärtiges Schreibprojekt wider – sie arbeitet an den bereits vielbeschriebenen Hexenprozessen in Salem im 17. Jahrhundert. Aber wohl auch ihr Lebensgefühl als Schriftstellerin im 21. Jahrhundert.

Der Erzählstil von „Iris“ wirkt geradezu atemlos, denn Laura Freudenthaler macht immer nur am Ende der 13 Kapiteln einen Punkt. So springt man bei dieser Ich-Erzählung stets von einem Gedanken zum nächsten – sowohl zeitlich als auch räumlich.

Gleich im ersten Kapitel berichtet Anton von einer New Yorker Kritikerin, die lautstark in einer Autorenrunde verkündete, sie wollte auch Schriftstellerin werden, bis ihr klar wurde, dass sie ja auch ihren Zahnarzt bezahlen müsse. Die prekären Verhältnisse von Kulturschaffenden schwingen im Roman also quasi immer im Hintergrund mit.

Laura Freudenthalers Roman „Iris“ ist ein dichter Text aus dem Leben von Künstlern in der Gegenwart. Es ist durchaus reizvoll, sich beim Lesen quasi im Kopf einer Autorin zu befinden.

Am 8. Mai, 17.30 Uhr, wird Iris Freudenthaler ihren Roman beim Festival RUND UM DIE BURG im Café Landtmann vorstellen. Alle Infos in Bälde auf: www.rundumdieburg.at

Laura Freudenthaler: Iris, Jung und Jung, 172 Seiten, € 24,95

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