Es beginnt wie eine Lesung mit Bühnenbild – Martin Schwab erzählt vom Glück, wieder lebendig zu werden – und endet auch mit demselben Bild. Dazwischen viele Monologe und einige wenige angedeutete Dialoge. „Der irrende Planet – ein Spaziergang mit Robert Walser“ ist vor allem Literatur und wurde von Barbara Frey auch so inszeniert – ohne Ambitionen, uns eine Handlung zu suggerieren. Denn natürlich liebt jeder, der sich für Sprache interessiert, die Texte des 1956 in geistiger Umnachtung verstorbenen Schweizers Robert Walser. Seine Form ist die Miniatur, die einen Spaziergang zum spannendsten Erlebnis ever werden lässt – und aus einer verzehrten Wurst ein Drama um schmerzvollsten Verlust. Im Akademietheater bringen neben Schwab als Dichter Alter-Ego Maria Happel, Dorothee Hartinger, Sabine Haupt, Katharina Lorenz, Elisa Plüss und Max Simonischek die Texte auch ganz famos. Zum düsteren Bühnenbild (Martin Zehetgruber) mit schwebenden Felsbrocken und Gazevorhängen spielt Josh Sneesby live die passende Musik. Die anderthalb Stunden haben den Charakter einer Weihefeier für die Literatur – so etwas ist heute wohl auch wieder nötig. Das von Poesie ausgehungerte Publikum applautierte dankbar und heftig für die darstellerischen Leistungen. (Foto: Tommy Hetzel/Burgtheater)
Alle Infos: burgtheater.at
