Durch das Maul eines Monsters mit spitzen Zähnen blicken wir in eine Art Dschungelhöhle, wo eine junge Frau von oben herab auf den Boden schwebt. Wesen mit Hörnern und Schwänzen bevölkern diese Welt, die aus einem Alptraum stammen könnte (Bühnenbild: Pia Maria Mackert). Die junge Frau, bekleidet nur mit einem körperfarbigen Miederkostüm, ist Elisabeth, die in Ödön von Horváths „kleinen Totentanz in fünf Bildern“ „Glaube Liebe Hoffnung“ vergeblich nach einer Lebensgrundlage sucht und dabei von einer Katastrophe in die nächste stolpert. Die sie spielende Marie-Luise Stockinger ist die einzige an dem Abend ohne Höllenoutfit, ihre Menschlichkeit ist ein Fremdkörper in diesem Grottenreich. Oder ist das alles sowieso nur ihr Traum in der Sekunde ihres Todes?
Der Präparator in der ersten Szene sieht schon aus wie Luzifer persönlich, allein die Latexhandschuhe weisen auf seine Profession hin. Nicht freundlicher sind die Miederverkäuferinnen, die Richter und Polizisten. Weil Elisabeth in ihrer Not mit der Bürokratie in Konflikt gerät, wird sie vom Gericht gnadenlos bestraft. Horváths Offenlegung der wirtschaftlich-gesellschaftlichen Zwänge, an denen ein Individuum allein gelassen nur zerbrechen kann, sind in diesem Stück überdeutlich sichtbar.
Regisseurin Lucia Bihler, deren Kafka-Adaption „Die Verwandlung“ noch gut in Erinnerung ist, legt jedenfalls eine sehr eigenwillige Horváth-Interpretation vor. Am Beginn und am Ende des Abends wird das fatalistische Gedicht aus dem Mittelalter mit seinem berühmten Ende „Mich wundert, dass ich so fröhlich bin“ zitiert, das Johannes Mario Simmel als Romantitel verwendete. Sabine Haupt, Andrea Wenzl, Tilman Tuppy, Felix Rech und Dietmar König verkörpern die Schreckgespenster des unmenschlichen Systems. Eine Höllenfahrt. (Foto: Tommy Hetzel)
Infos & Karten: burgtheater.at
