Zwei Jahrzehnte ein großes Theater zu leiten und dabei sein Publikum nicht zu verlieren, verdient gerade heute viel Respekt. Josefstadt-Chef Herbert Föttinger hat das Haus nicht immer ästhetisch, aber doch fast immer gesellschaftspolitisch moderner gemacht. Als Abschiedsabend gibt es jetzt ein Stück von Peter Turrini, der ja einer der Hausdichter seiner Ära war.
„Was für ein schönes Ende“ behandelt das Leben des Mozart-Librettisten Lorenzo da Ponte. Es ist eine Überarbeitung des in Salzburg 2002 (in der Regie Claus Peymann) durchgefallenen Dramas „Da Ponte in Santa Fe“ und ganz auf Herbert Föttinger zugeschnitten, der den Aufschneider und in den USA – wohin er vor seinen Gläubigern geflüchtet war – tragisch gescheiterten Dichter spielt. Während in diesem Provinzkaff in New Mexiko ein schleimiger Unternehmer (Raphael von Bargen) ausgerechnet mit Mozarts „Don Giovanni“ reich werden will, ist Da Ponte zum greisen Brandy-Verkäufer abgestiegen und sinniert über seine besseren Zeiten an Wiens Kaiserhof. Aber er ist noch immer ein Menschenverführer von hohen Graden, der trällernden Mädchen und aufdringlichen Leibwächtern eine glänzende Opernkarriere einreden kann. Was ihm fehlt, ist Anerkennung als Literat. Auf keinem Theaterzettel wird er zumindest gleichberechtigt mit Mozart genannt. Auch Da Pontes Frau – gespielt von Maria Köstlinger – hat ihre Pointen. Und eingerahmt wird der nur etwas über anderthalb Stunden dauernde Abend von der von Da Ponte entdeckten Diva Dorka Dušková, die freilich ihre Karriere im horizontalen Gewerbe machte. Die 83-jährige Doyenne des Hauses, Marianne Nentwich, erntete dafür schon bei ihrem ersten Auftritt Szenenapplaus. Überhaupt wurde die Premiere von „Was für ein schönes Ende“ trotz vieler dramaturgischer Schwächen (die Regie von Janusz Kica ist handwerklich okay, aber auch nicht aufregend) letztlich zu einem Dankesfest für den Direktor, der den alternden Theaterdichter auch mit viel Augenzwinkern spielt. 20 Jahre auf den Brettern, die zumindest in der Josefstadt noch manchmal die Welt bedeuten, ist eben keine kleine Leistung.
Infos & Karten: josefstadt.org (Foto: Moritz Schell)
