Beim bereits 6. D-Day für Heimito von Doderer (immer am 21. September, dem Tag von Mary K.s berühmten Straßenbahnunfall in der Strudelhofstiege) kamen wieder viele begeisterte Doderer-Freunde zusammen – der Extrabereich des Café Frauenhuber war bis auf den letzten Platz besetzt. Max Gruber – Filmer (zuletzt der vielbeachtete Dokumentarfilm über Karl Schwanzer mit Nikolaus Ofcarek in der Titelrolle), Schriftsteller und Interpret eigener Songs seiner Gruppe „Des Ano“, erzählte von seiner noch in die Schulzeit reichenden Beziehung zu Heimito von Doderer. Und er spielte dem Publikum auch seinen Wiener Rap „Doderers Nachtgebet“ vor (gesungen von Walther Soyka) vor, der mit den Zeilen:
„herr
mia brauchn unsa fettn
um uns fua dem lebm zu rettn
weil eines is doch ganz gewiß
das es lebm tödlich is und
das man sich schüzzn muß
mit rauchn, saufn oda schuss
denn bisd easd amoi richdig zua
kummd da füles sofü leichda fua“
beginnt. Damit war man mitten im Thema des Abends, nämlich „Rausch und Raufhändel bei Doderer“.
Doderer war bekanntlich ein großer Wirtshaus- und Kaffeehausfreund und sicher nicht dem Alkohol nicht abgeneigt. Allerdings ist auch seine tägliche Disziplin beim Schreiben legendär. Er hinterließ ein wahrlich umfangreiches Werk. Nach 900 Seiten Strudelhofstiege folgten 1400 Seiten Dämonen, dazu schrieb er täglich Tagebuch, und zwar so, dass man es veröffentlichen konnte. Geplant war ein vierbändiges Opus Magnum – Arbeitstitel Roman Nr 7 – nach Beethovens Symphonie, wovon nur der Kopfsatz „Die Wasserfälle von Slunj“ fertig wurde. „Der Grenzwald“ (das Scherzo) blieb bereits unvollendet – Doderer starb 1966. Als Spaß zwischendurch erlaubte er sich den Roman „Die Merowinger“, in dem es im Zentrum um Wut geht. Auch darüber wurde von D-Day-Erfinder Helmut Schneider mit Max Gruber diskutiert.
Als Autor vieler Drehbücher konnte Gruber auch über die Schwierigkeiten, Doderers Werk im Film umzusetzen sprechen. „Die Dämonen“, ein durchaus handlungsstarker Roman, wären zwar für eine österreichische TV-Serie geradezu ideal – bei den Kosten durch die zahlreichen Figuren und die verschiedenen Schauplätze wäre man aber bald am Limit. Am Ende des Abends herrschte im ältesten Kaffeehaus der Stadt eine geradezu „doderische“ Stimmung – das Publikum wurde zur weiteren Doderer-Lektüre in die City entlassen.
Foto: Christiane Daxböck (Max Gruber rechts im Bild)
