Mit „Franz West in Wien“ im WienMuseum und „Die Revolution der Skulptur“ in der Albertina Modern würdigt Wien den 2012 verstorbenen Künstler

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Franz West wuchs im Karl-Marx-Hof auf, seine Herkunft war allerdings durchaus eine bildungsbürgerliche. Seine Mutter, eine Zahnärztin, behandelte immer wieder auch Künstler gratis und so ergab sich für den 1947 Geborenen nach gescheiterten Schulversuchen ein Dasein als Künstler quasi wie von selbst. Der junge Mann probierte so einiges aus – suchte die Nähe zu den Stars der Nachkriegsära wie Ernst Fuchs und Friedensreich Hundertwasser und inhalierte die Wiener Moderne.

Genau darauf weist die wunderbare Schau „Franz West in Wien“ im WienMuseum hin. Und es ist auch durchaus empfehlenswert, vor der großen Retrospektive in der Albertina Modern anlässlich des 80. Geburtstag des Künstlers in der Albertina Modern das WienMuseum zu besuchen. Hier wird das Werden des Franz West als internationaler Star, der freilich nicht oft Wien verließ, dokumentiert. Seine erste Skulptur ist etwa sein Kinderbett, das er mit Pappmaché und Stanniol verfremdete. Auch seine vielen Ateliers in Wien sind hier dokumentiert.

In „Die Revolution der Skulptur“ erleben wir dann in der Albertine Modern die Selbsterfindung des Künstlers als Schöpfer von „Passformen“ aus Gips und ähnlichen Materialien, die Menschen angreifen und tragen sollten. Erklärung: West sah diese seltsamen Körperfortsetzungen als sichtbaren Ausdruck von Neurosen. Der Künstler war eben an Freud und Wittgenstein geschult. In den Schauräumen finden sich nicht nur viele Objekte aus dem Fundus der Albertina, sondern auch Leihgaben. West war und ist international gefragt.

Von den Passformen geht es weiter zu den Lemuren, das monumentalen Larven, weiß bandagiert, mit leeren Augen, markanten Nasen und meist aufgerissenen Mündern – die der Künstler Mitte der 1980er-Jahre auch im öffentlichen Raum positionierte. Auch die Lemuren wirken wie aus der Psychoanalyse entsprungen. Daneben gibt es unzählige weitere Objekte wie Möbel und Schaubilder sowie die riesigen Objekte, die mit ihren phallischen Formen damals viel Aufregung verursachten.

Was beide Ausstellungen perfekt zeigen: Franz West war ein Wiener Künstler, eine Auseinandersetzung mit ihm ist immer auch eine Auseinandersetzung mit uns selbst.

Parallel zur Ausstellung im Wien Museum öffnet das Atelier Franz West im 3. Wiener Gemeindebezirk seine Türen. Es war von 1996 bis 2012 Wests letztes Atelier. Die Kunstwerke von West und Weggefährt:innen, die der Künstler in der Küche arrangiert hatte, werden anlässlich des Jubiläumsjahres neu installiert.

Bis 2. Mai 2027 – Infos: albertina.at, wienmuseum.at

Foto: Franz West mit Passstück im Salon Berndorfer/WienMuseum

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