Leben im Hotel in der mecklenburgischen Provinz – Simon Urbans Satire „German Gück“

Die 1888 in Wien geborene, 1960 in Hollywood verstorbene Autorin Vicky Baum schrieb 1929 „Menschen im Hotel – einen Bestseller, den man auch heute noch empfehlen kann. Daraus zitiert der deutsche Autor Simon Urban am Beginn seines neuen Romans „German Glück“ sicher nicht zufällig. Wie bei Baum geht es darin um die Gäste und Angestellten eines Luxushotels. Allerdings nicht in Berlin wie bei Baum, sondern ausgerechnet in der „strukturschwachen“ deutschen Provinz in Mecklenburg. Das Luxusressort „Eden“ wurde von seiner Direktorin Caroline Bedford – die ihre englische Abstammung zelebriert, aber eigentlich aus Polen stammt – exquisit eingerichtet und wird gemeinsam mit ihrer Assistentin Regina streng geführt. Im Servicebereich arbeiten viele Nationen, aber so gut wie keine Deutsche. Urban erzählt aus der Perspektive einiger – etwa von Lev, einen Ukrainer. Auch die illustren Gäste sind bunt gemischt – ein ehemaliger Manager der Tabakindustrie, eine kürzlich gefallene Kabarettistin, ein geschasster Gutverdiener. Über all diese Schicksale erzählt der Autor gewandt und witzig und zeichnet dabei das Bild eines drohenden Verfalls. Die Sparpläne des amerikanischen Mutterkonzerns könnten nämlich dem Paradies am See ein Ende bereiten – ein weltgewandter Eigentümervertreter trifft auch schon im „Eden“ ein. Urban ist ein Kenner ostdeutscher Realitäten. Im Hintergrund agiert auch ein ehemaliger SED-Capo, der über alle alles weiß. Urban wurde ja 2011 mit seinem DDR-Krimi „Plan D“ bekannt. Auch der neue Roman hat durchaus auch krimihafte Züge.

„German Glück“ ist ein – bis auf ein paar zu detaillierte und für die Handlung nicht notwendige Details – sehr unterhaltsamer und sogar spannender Zustandsbericht des Lebens im deutschen Osten. Wie bei Vicky Baum wird ein Hotel zur Welt im Kleinen, in dem sich die Verwerfungen der großen Welt spiegeln.

Simon Urban: German Glück. Kiepenheuer & Witsch, 400 Seiten, € 25,95

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