Man wird als Leser schnell zum Psychoanalytiker, denn der Neuseeländer Carl Nixon, Jg 1967, ordnet seine Flashlights aus dem Leben der Familie Waters keinesfalls chronologisch, sondern fasst sie in Zeitabschnitten zusammen und so sind wir am Ende des Romans weit vor dem Beginn. Die Zentralfiguren sind dabei die beiden Brüder Mark und Davey – ihre Schwester Sam kommt dabei etwas zu kurz. Nach und nach ergibt sich das Bild einer Familie, die unter der Erfolglosigkeit und der sich abzeichnenden Alkoholsucht des Vaters Pat und der schwer depressiven Mutter, die schließlich Selbstmord begeht, als ihr Ältester Mark gerade einmal 13 ist. Der jüngere Davey ist unbeschreiblich hübsch – was ihm im Laufe seines Lebens aber eher behindert als nützt. Und Sam, die schließlich einen unbeholfenen, schrägen Maler heiratet der großes Zeichentalent besitzt, hat dann eine Tochter, die schwer magersüchtig wird. Davey wurde mutmaßlich von einem Nachbarn sexuell missbraucht während Mark ein exzellenter Handwerker ist, mit seinem Ballonunternehmen nach einem Unfall wie sein Vater bankrott geht. Was ist also letztendlich die Ursache für das Scheitern der Waters? Nixon legt viele Fährten, überlässt die Analyse aber natürlich seinen Lesern – zumal wir in den 21 Kapiteln ja immer nur Bruchstücke der Leben seiner Protagonisten serviert bekommen. Oft berichten noch dazu Nebenfiguren. Aber das ist eben die Kunst eines guten Geschichtenerzählers – es müssen immer noch genügend Leerstellen bleiben.
Gerade weil er die Kombiniergabe seiner Leser fordert und der Autor große Emotionen eher ausspart, fesselt Carl Nixons Roman „Die Waters“ von Beginn an – Neuseeland mag weit weg sein – die Probleme, in die seine Figuren verstrickt sind, wirken in diesem Roman aber sehr nahe.
Carl Nixon: Die Waters. Aus dem Englischen von Jan Karsten. Culturbooks, 294 Seiten, € 24,70
