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„Die Tanzstunde“ in den Kammerspielen

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Ein autistischer Professor und seine nach einem Unfall gehbehinderte Nachbarin, für die das Tanzen ihr Leben bedeutete. Das ist die Konstellation von Mark St. Germains Broadway-Erfolgsstück „Die Tanzstunde“, das jetzt in den Kammerspielen gezeigt wird. Für Ever Montgomery kostet es schon Überwindung, bei der jungen Senga Quinn anzuläuten. Zwischenmenschliche, direkte Kommunikation ist nicht so sein Ding, Gefühle kann er nicht einschätzen, Gesichtsausdrücke lernt er in einem Lehrbuch. Sein Fach ist die Statistik. Und Senga will sich einer hochriskanten Operation unterziehen, damit sie wieder am Broadway auftreten kann – allein sie findet keinen Chirurgen, der diesen Eingriff wagen möchte. Doch Ever braucht aktuell ein paar Tipps, wie er bei einer Preisverleihung zumindest so tun kann, als ob er tanzte. Und so klingelt Ever eben doch bei der Nachbarin und das Stück nimmt seinen Lauf.

„Die Tanzstunde“ scheint wie gemacht für die Kammerspiele. Es ist eine Komödie, aber es geht doch um ein großes Thema, nämlich menschliche Beziehungen im hier und jetzt – und nicht via Web. Man lernt sogar einiges über Asperger/Autismus und – weil Ever Umweltforscher ist – sogar über den Klimawandel, der den Schauplatz des Stückes New York in ein paar Jahrzehnten unter Wasser setzen wird.

Mit André Pohl und Katharina Klar standen dem Regisseur Folke Braband auch zwei Schauspieler zur Verfügung, die die Möglichkeiten ihrer Rollen voll ausschöpfen können und spielerisch über manche Klischees hinwegschauen lassen. Als Bühne genügt das unaufgeräumte Appartement der Tänzerin. Leider ist das Stück für André Pohl und Katharina Klar auch ein Abschiedsgeschenk, denn unter der neuen Josefstadt-Direktion werden sie nicht mehr im Ensemble sein. Das Premierenpublikum dankte deshalb den beiden auch dafür mit einem langen und verdienten Applaus. (Foto: Christian Wind)

Infos & Karten: josefstadt.org

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