Hass auf einen erfolgreichen türkischen Mitbürger – Cihan Acars Roman „Casino“

Cumali ist der reichste Bürger in der fiktiven deutschen Kleinstadt Steinheim nahe Hamburg. Sein Geld machte er mit Automatencasinos. Und jetzt will er sich mit einem riesigen Casino auf einem Hügel über der Stadt sozusagen die Krone aufsetzen. Das ist der Ausgangspunkt des in Heilbronn geborenen Autors Cihan Acar, der vor 6 Jahren mit seinem Roman „Hawaii“ einen Überraschungserfolg landen konnte.

Cuma – wie ihn alle nennen – stammt aus der Türkei und die älteren Bürger der Stadt neiden ihm seinen Erfolg und sehen ihn gar als einen Mörder. Denn vor langer Zeit wurden sein ehemaliger Vorgesetzter und dessen Frau ermordet, nachdem ihn dieser trotz seiner makellosen Arbeit gekündigt hatte. Beim Prozess wird Cuma aus Mangel an Beweisen freigesprochen. Aber die Zweifel an seine Unschuld bleiben lange aufrecht – sogar in der eigenen Familie. Seine Frau Hannah leidet an der gesellschaftlichen Diskriminierung in Steinheim – selbst im Bonsai-Klub ist sie unerwünscht. Die kluge Tochter Zaha wird trotz bester Zeugnisse an der Berliner Uni zunächst abgelehnt und der jüngere Sohn Ediz leidet an Panikattacken und meidet daher Mitmenschen. Es gibt aber auch eine Menge Spinner in der Stadt, denen man einen Anschlag auf Cuma zutraut, immer wieder taucht auch eine Drohne in seiner Nähe auf.

Cihan Acar bringt viel Geschehen in dem schmalen Roman unter und lässt offen, ob Cuma tatsächlich ein Mörder ist. Und er spitz die Handlung auf das letzte Kapitel – in dem das Casino feierlich im Beisein von Boxsuperstar Mike Tyson eröffnet wird – zu. Ein bisschen Twin-Peaks-Stimmung bringt Acar auch ein, indem er Cuma eine irrationale Angst vor Eulen zuschreibt. Wie das ausgeht, sei hier natürlich nicht verraten. Dass man sich trotz der etwas unbefriedigenden Personenzeichnungen gut unterhalten kann, aber schon.  

Cihan Acar: Casino. Hanser, 216 Seiten, € 24,70

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