In der Provinz-Restaurant-Hölle – Heinz Strunks Eheroman „Memories of Heidelberg“

Bertram und Isolde machen in Heidelberg Urlaub – in einem völlig überteuerten Boutique-Hotel–, denn Isoldes Mutter liegt in der Nähe im Krankenhaus und muss besucht werden. Die Liebe der beiden ist längst erkaltet, sie sind ja auch nicht mehr die Jüngsten. Bereits am ersten Abend besuchen sie ein Schiffsrestaurant am Neckar – ein Italiener – und werden gleich vom Padrone freundschaftlich empfangen. Das ändert sich aber von Besuch zu Besuch und man fragt sich, ob das deutsche Paar aus Oldenburg zur Gattung der Masochisten gehört. Heinz Strunk ist eben ein Meister des Komischen und lässt nur selten eine gute Pointe aus. Isoldes Bruder ist ein Nerd und Bertram hat den Kampf gegen sein viel zu hohes Gewicht längst aufgegeben. Meist befolgt er freilich alles, was ihm seine Frau verordnet, denn Streit meidet er wie der Teufel das Weihwasser. Sex verweigert ihm Isolde freilich bereits seit Jahrzehnten. Wenn er allein ist weil seine Frau ihre Mutter besucht kann er absolut nichts mit sich anfangen.

„Memories of Heidelberg“ – der Titel stammt vom Schlager, der beim Italiener in Endlosschleife läuft – ist ein unterhaltsam zu lesender Roman mit dem man sich ein paar vergnügliche Stunden machen kann. Nur ganz selten blitzt die Verzweiflung Bertrams, aus dessen Sicht erzählt, wird auf. Schade, denn Strunk hat ja durchaus schon bewiesen, dass er viel mehr kann als Satiren auf seine Zeitgenossen zu liefern.

Heinz Strunk: Memories of Heidelberg. Rowohlt, 172 Seiten, € 24,95

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