2 Freundinnen im italienischen Faschismus – Beatrice Salvionis Roman „Malacarne“

Die junge Italienerin Beatrice Salvioni legte mit ihrem ersten Roman „Malnata“ einen internationalen Bestseller vor. Darin geht es um die zwei ungleichen Freundinnen Maddalena und Francesca, die in Monza nahe Mailand von allen gemieden werden. Es heißt, Maddalena – die „Malnata“ – könne Menschen verfluchen. Und tatschlich stirbt der Mann, der Francesca zu vergewaltigen versuchte im nahen Fluss. Mit „Malacarne“ – übersetzt Taugenichts oder Schurke – wird Francesca geschimpft, die als 17jährige ihre Eltern verlässt und bei einem Freund – Noe – Zuflucht sucht und das ist auch der Titel der Fortsetzung des ersten Romans. Maddalena hat man ins Irrenhaus gesperrt, was Francesca wahnsinnig macht. Wir sind mitten im dunklen Kapitel des italienischen Faschismus. Frauen gelten nichts, man braucht Helden an der Front und prophezeit einen baldigen Sieg – obwohl die Italiener an allen Fronten versagen und die Deutschen dringend als Bündnispartner brauchen. Bald schon fallen Bomben auf Italien, Lebensmittel werden knapp und der Widerstand formiert sich. Das ist auch der große Verdienst Beatrice Salvionis. Sie hat gut recherchiert, der Alltag in der Lombardei der 40er-Jahre wird lebendig. Da verzeiht man auch manche klischeehaften Figuren, zumal der Roman ungemein spannend ist. Maddalena und Francesca sind laufend lebensgefährlichen Situationen ausgesetzt. Francesca heiratet Noe, um der Bevormundung ihrer begüterten Eltern zu entkommen. Und sie schließt sich dem Widerstand an, wird gefasst und steht schon vor dem Erschießungskommando. Maddalena wird die Geliebte eines hohen Mussolini-Getreuen. „Malacarne“ liest sich wie eine gelungene TV-Serie. Eine anspruchsvolle Sommerlektüre!

Beatrice Salvioni: Malacarne. Aus dem Italienischen von Anja Nattefort. Penguin, 512 Seiten, € 26,95

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