„Wenn ich mich frage, was ich denn eigentlich wirklich haben möchte und mir wünschte: so wäre es – viel Geld, um in einer Folge schwerster sexueller Excesse, sinnloser Saufereien und dementsprechender Gewalthändel endlich und endgültig unterzugehen. Statt dessen hab‘ ich das weitaus gewagtere Abenteuer der Tugend gewählt“, notierte Heimito von Doderer am 18. Oktober 1951 – also im Erscheinungsjahr seines Romans, der ihn berühmt machte, „Die Strudelhofstiege“ – um „12 Uhr 20 nach Mitternacht“ in sein Tagebuch.
Nun ist bekannt, dass Heimito von Doderer in jungen Jahren durchaus zum Exzess neigte und auch später immer wieder gerne Wirtshäuser aufsuchte. Aber tatsächlich muss auch seine Disziplin bewundert werden, denn er hinterließ ein sehr umfangreiches Werk und tausende Seiten Tagebücher. Doderer war sicherlich ein Workoholic, aber einer, der wie Goethes Faust sich irdische Freuden keineswegs versagte. Heimito von Doderer war bis zu seinem Tod 1966 Österreichs bekanntester Schriftsteller, 1957 schaffte er es sogar – nach Erscheinung seines Opus Magnum „Die Dämonen“ – aufs Cover des SPIEGEL.
Am 21. September – dem Tag, an dem die „Strudelhofstiege“ spielt – ist heuer bei der 6. Ausgabe unseres „D-Day für Doderer“ der Dichter, Filmer, Regisseur und Sänger Max Gruber zu Gast, der mit seiner Band „Des Ano“ den Song „Doderers Nachtgebet“ im Repertoire hat und der auch ein begeisterter Fan von Doderers Prosa ist.
Mit ihm wird D-Day-Gründer Helmut Schneider über Doderes „Rausch und Raufhändel“ diskutieren. Etwa über die vielen Gewaltexzesse in seinem satirischen Roman „Die Merowinger oder Die totale Familie“ (1961), in dem es auch um eine skurrile Behandlung von Wutexzessen geht.
D-Day für Doderer: „Rausch und Raufhändel bei Heimito von Doderer“
21. September 2026, 18.30 Uhr, Café Frauenhuber (Himmelpfortgasse 6, 1010 Wien)
