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Wie Frauen ausrasten – „Gelbe Monster“ von Clara Leinemann

Gewalt in Beziehungen existiert in vielen Formen. Fast immer sind die Täter – zumindest bei physischer Gewalt – aber männlich. Die junge deutsche Schriftstellerin Clara Leinemann erzählt in ihrem Romandebüt „Gelbe Monster“ von der Mathematikstudentin Charlie, die gerade ein Antiagressionstraining für Frauen besuchen muss, weil ihr das ihre liebe Freundin Ella aufgetragen hat. Hintergrund ist ihre toxische Beziehung mit dem schönen, aber leider auch sehr unverbindlichen „Schriftsteller“ Valentin. Erst gegen Ende erfahren wir, warum Charlie so getobt und Valentin mit Schlägen traktiert hat. Das Buch ist eine Art Selbstfindung von Charlie, die schwer mit Selbstzweifeln kämpft. Und weil Leinemann neben der Geschichte Charlies auch vom Kurs erzählt, erfahren wir in den Fallbeispielen der Frauen mit Gewaltproblemen von den vielen Formen der Beziehungsgewalt. Dazu auch die vielen Spielarten von Besitzergreifung und Freiheit, die man dem jeweiligen Partner zugesteht.

Leinemann kann angesichts der gewaltigen Probleme ihrer Protagonistinnen durchaus flüssig und interessant erzählen. „Gelbe Monster“ ist kein Buch, das uns mit Depressionen zurücklässt. Es ist auch klug konstruiert, die Spannung wird bis zum Ende aufrechterhalten – denn natürlich wollen wir wissen, ob es Charlie schafft, wieder ein erfülltes Leben zu führen.  

Clara Leinemann: Gelbe Monster. Suhrkamp, 192 Seiten, € 23,95

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