Verena Stauffer, geboren 1978 im oberösterreichischen Kirchdorf an der Krems und nun in Wien lebend, schreibt Gedichte und Romane. In ihrem neuesten Roman „Strahlen“ beschreibt eine Ich-Erzählerin ihr Leben nach der Trennung von ihrem Partner. Dabei erleidet die Wiener Malerin Ava auch gleich eine Schaffenskrise. Ihre Freunde in New York besuchend geht sie danach mehrere Beziehungen mit ganz unterschiedlichen Männern ein. Das erinnert mich stark an Connie Palmens Debütroman „Die Gesetze“, in dem eine Philosophiestudentin sich anhand ihrer Männerbegegnungen emanzipiert. Der Roman war 2019 auch das Aktionsbuch von „EineSTADT.EinBUCH.“.
Avas Liebschaften sind ähnlich seltsam. Männer, die sich nicht binden wollen, gibt es ja zuhauf, manche verweigern aber ihren Namen, verfolgen sie oder zwingen sie, verrückte Hygienevorschriften einzuhalten. Am liebsten ist ihr ein Mann aus dem Iran, der leider einen schweren Herzfehler hat und schließlich auch stirbt. In ihrer Trauer taucht sie immer mehr in die virtuelle Welt eines Spielentwicklers ein. Am Ende hat sie ihre bildnerische Kraft wiedergefunden, gebiert ein Kind – wohl eine Metapher! – und präsentiert ihrem Galeristen ein vielschichtiges Meisterwerk. „Strahlen“ ist in Details sehr interessant, manchmal scheint aber ihre Sprache etwas zu sehr abgegriffen. Das Buch einer Emanzipation.
Verena Stauffer: Strahlen. Frankfurter Verlagsanstalt, 318 Seiten, € 27,95
