Das ist nun ein kurzer, vielleicht auch bloß zusammenfassender, lobender und gar zurechtrückender Essay.
Ja, zugegeben, noch einmal: Salzburg, Festspiele, 2026, Programm, Erfolg, Intendanz – also Dauerbrenner, Überraschung, wohlige Erregungen. Der Rekapitulationen bedarf es jetzt wohl kaum. Lieber in drei Abschnitten was versucht, wenige Tage nach Beendigung die gewesene Fülle zu bewältigen.
Es war insgesamt wahrscheinlich das tollste Programm in der Festspielgeschichte. Kein Welt-Opernhaus stellt in kurzer Zeit die beiden (ja, o.k., inszenierunsgmäßig diskutablen) Frauenopern von der Carmen und der Ariadne derartig hin, gegenüber dem stundenlang sich gerierenden Franz von Assisi als eine der Großartigkeiten des Welt-Theater-Jahres. Daneben Viaggio und Così und der Homburg von Henze/Bachmann, flankiert von der zur Tradition gewordenen, inszenierten religiösen/spirituellen Thematik, flankiert und mehr vom Schauspiel, das von Salzburg sich über die National-Bühnen rundum ausbreiten wird (und von einem durchaus entsprechenden Jedermann-Kasperltheater). Flankiert zudem von Orchester- und Kammermusik (84 Konzerte!), gestaltet von einer Fülle der wohl besten Solisten heute (was auch für die Opernbesetzungen gilt). In kleiner Auswahl aus der Fülle sei hier nur exemplarisch zitiert (so wie man aus dem Bühnengeschehen geradezu eine Corona des tatsächlich perfekten Star-Tums ableiten könnte): das Verdi-Requiem oder das Brahms-Requiem in stilbildender Ausführung, die Hommage an Meister der Moderne, heuer vor allem mit Kurtág, dann und vor allem Ur-Aufführungen der beiden lebenden österreichischen Nobelpreis-Ausgezeichneten, aber dann – oft verblüffende – Prächtigkeiten mit Orchesterglanz, aus Kleinensembles und von SolistInnen mit Musik vom Mittelalter bis Neues und von Schubert, anhebend dergestalt schon mit – das sei jetzt ausnahmsweise namentlich hervorgehoben – Goerne/Hinterhäuser.
Denn. Apropos und Abschnitt zwei, knapp: Der Skandal des Hinterhäuser-Abwurfs, -Hinausschmisses fiel und fällt auf die übrig gebliebenen politischen oder schein-agierenden Leute zurück. Es wird noch manches spannend. Leider.
Abschnitt drei, allgemein: Österreich selbst geht als kleines, aber riesiges Festspielland im Sommer über. Zwischen Bregenz, Wien und dem Neusiedlersee, auch mit Niederösterreich, Kärnten, Salzkammergut, Graz und eben Salzburg inmitten. Und alles wird flankiert, eingehüllt von – jetzt schon mehr als – 5 Dutzend an Mittel-Events, besonderen Festtagen, von hochsubventionierten Bühnen bis zu den, liebevoll sogenannten, Scheunenfestivals. Tu felix Austria — eine auf vergleichslos kleinen Raum zusammengefasste Kunst-Nr.1-Stätte, wie das (Salzburg nun wieder) in 6 Wochen keine Weltstadt sonst zusammenbringt. Und jetzt? Ziemliche Neuaufstellungen in Zeitnot, und diese dann tatsächlich als Zimelien jeweils vertreten durch jene, die heuer viel, na, sagen wir, dahinagierten als strenge ExpertInnen. Spannend.
Foto: Saint François d’Assise 2026 (Regie/Bühne/Kostüme/Licht, Romeo Castellucci): Willard White (Frère Bernard), Marius Aron (Frère Sylvestre), Ivan Lyvch (Frère Rufin), Aaron-Casey Gould (Frère Élie), Philippe Sly (Saint François), Ensemble© SF/Monika Rittershaus
