„Corpus Delicti“ – Juli Zehs Bestseller über eine Gesundheitsdiktatur als Film von Lena Stahl

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Juli Zeh beschreibt in ihrem Erfolgs-Roman „Corpus Delicti“, dem ein Theaterstück vorausgegangen war, was passiert, wenn sich eine Gesellschaft der Gesundheit als höchstem Gut (führt ja zuverlässig in allen Umfragen, was uns denn am wichtigsten ist) verschreibt. Nachdem es ja ansteckende Krankheiten gibt und ungesund lebende Menschen hohe Kosten verursachen, ist Gesundheit dann keine Privatsache mehr, sondern wird rigoros mittels täglicher Checks überwacht. Die Gesundheitsdiktatur ist perfekt, individuelle Freiheit, das natürlich auch Risiko bedeuten könnte, gibt es nicht mehr. Etwas, das wir – zumal in Österreich, einem der wenigen demokratischen Staaten, der eine Impfpflicht einführen wollte – auch in der Covid-Pandemie spüren konnten.

Die deutsche Regisseurin und Drehbuchschreiberin Lena Stahl bringt jetzt – etwa 17 Jahre nach Juli Zehs Vorlagen – „Corpus Delicti“ auf die Leinwand. Auch heute noch brisant, vielleicht sogar brisanter. Wir erleben wie die anfangs systemtreue Neurologin Mia Holl (Hannah Herzsprung) zur Gegnerin des Systems wir, als ihr Bruder (Damian Hardung), ein harmloser Freiheits- und Naturfreak, aufgrund DNA-Beweisen eines Mordes bezichtigt wird.

Schon bald weiß sie nicht mehr, wem sie vertrauen kann. Und als sie schließlich mit ihren Zweifeln recht behält, nützt ihr das auch nichts mehr. Ein dystopischer Film eben, der nur Dank der Schauspielkunst seiner Hauptdarstellerin fesseln kann. Denn das Produktionsteam konzentrierte sich mehr auf den Thrillerstoff und weniger auf die Gesundheitsproblematik, die ja die Grundlage der Geschichte ist. In Zehs Roman wacht etwa Mias Hausgemeinschaft streng auf die Einhaltung der Hygieneregeln, die Angst vor einer Seuche ist allgegenwärtig. Im Film haben wir zuvorderst den eh schon oft gezeigten Kampf Individuum gegen Überwachung. Schade, denn die Frage, was einem wichtiger ist – (gesundheitliche) Sicherheit oder individuelle Freiheit – ist sehr, sehr knifflig und spannend.

Ab 1. Oktober, in den heimischen Kinos.

Foto: LEONINE Studios / Stanislav Honzik / Constantin Film Österreich

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