Das Infinite-Monkey-Theorem besagt in etwa, dass wenn man eine unendliche Anzahl von Affen vor eine Schreibmaschine setzt, irgendwann einmal Shakespeares „Hamlet“ getippt sein würde. Ein Gedankenspiel, um ein Gefühl für Unendlichkeit zu bekommen. Nun, die Versionen, die man als fleißiger Theatergeher von „Hamlet“ zu sehen bekommen hat sind selbstverständlich im Vergleich dazu gering, aber die Faszination dieses Klassikers überdauerte schon viele Bühnenmoden.
In der Josefstadt versucht jetzt der Schweizer Regisseur Stefan Müller, ein Regie-Altmeister, Shakespeares Text eine zeitgemäße Bühne zu bieten. Man spielt die Übersetzung von Heiner Müller, ein paar Einsprengsel gibt es auch aus dessen „Hamletmaschine“. Das Publikum hat zunächst einmal die Freude, die wunderbare Sprache dieses Klassikers unverschnörkelt hören zu können. Auch die Erscheinung von Hamlets Vater als Geist (Stimme: Johannes Krisch) mittels Films ist gelungen. Man sieht nur die Umrisse des Geistes, der wie ein Monster daherkommt. Claudius von Stolzmann ist ein Hamlet mit langen Haaren, der mühelos in den vorgetäuschten Wahnsinn kippt. Je länger der Abend allerdings dauert (mit Pause 3 Stunden), desto mehr stößt man sich am etwas brüchigen Gesamtbild. Claudius (Daniel Jesch) muss in einer Badewanne beten, gemeinsam mit Gertrud (Martina Stilp) frönt er auf einer voluminösen, verzierten Decke der imperialen Erotik (Bühnenbild: Sophie Lux). Gänzlich fehlgeleitet scheint die arme Ophelia (Johanna Mahaffy), die ihren Wahnsinn vor sich hin trällert, bevor sie dann die höchst poetischen Sätze aus der „Hamletmaschine“ in diesem Rahmen verschenkt.
Das Positive dieses Abends: Ein „Hamlet“, der die ja wirklich nicht umsonst zu unzähligen Interpretationen anregende Geschichte des Dänenprinzen brav erzählt und uns ein Gefühl dafür gibt, warum dieser Text wahrscheinlich auch noch weitere Jahrhunderte überdauern wird. Und es gibt sogar eine doch gelungene Fechtszene als würdigen Abschluss. Der Rest ist bekanntlich Schweigen. (Foto: Moritz Schell)
Infos & Karten: josefstadt.org
