-3.9 C
Wien

Noble Begierden am Kunstmarkt

- Anzeige -

Meistgelesen

Ab 30. Jänner ist im Palais Liechtenstein bei freiem Eintritt eine Schau über die Geschichte des europäischen Kunstmarktes zu sehen. Hier ein Gespräch mit Stephan Koja, Dorektor der fürstlichen Sammlungen Liechtenstein.

Kunst ohne Markt ab es vielleicht noch in der Steinzeit. Aber spätestens mit den ersten Hochkulturen schufen Künstler:innen auch nach den Bedürfnissen ihrer Kund:innen. Die Fürstlichen Sammlungen Liechtenstein wagen sich in ihrer Schau an eine Darstellung des Kunstmarktes und zeigen in der bis jetzt größten Sonderausstellung hochkarätige internationale Leihgaben und Meisterwerke aus den eigenen Sammlungen.

Nach dem spektakulären Einbruch im Louvre – auch Raub ist leider Teil des Kunstmarktes: wie sicher ist Ihr Haus?

Stephan Koja: Unsere Sicherheitsmaßnahmen sind hervorragend. Was man beobachten kann, werden vor allem Stücke mit einem hohen Materialwert gestohlen, die sich anonymisieren lassen – dabei geht natürlich der viel höhere Kunstwert verloren.

Was ist Ihr besonderes Interesse am Kunstmarkt?

Stephan Koja: Wir möchten mit der Ausstellung zeigen, wie der Kunstmarkt mit seinen Akteuren – Künstlern, Institutionen und Händlern – funktioniert und warum er seit jeher fasziniert. Erstmals werden in dieser bahnbrechenden Schau zahlreiche internationale Leihgaben präsentiert, um Dynamiken wie Marktplätze, Verkaufsstrategien und Preisgestaltung zu beleuchten. Meisterwerke von der Antike über Rembrandt bis hin zu Monet und Klimt werden mit Werken aus der eigenen Sammlung ergänzt. Daher auch der Titel „Noble Begierden“: das jahrtausendealte Phänomen des Kunstmarkts bewegt Künstler, Museen, Händler und letztlich auch die Kunstgeschichtsschreibung – damals wie heute.

Bekanntlich hat sich ja der Aktienmarkt beim Handel eines absolut nicht lebensnotwendigen Produkts – Tulpenzwiebel in Holland – entwickelt…

Stephan Koja: Genau – aber wir beginnen unsere Ausstellung schon in der Antike. Bei ihren Eroberungszügen kamen die Römer mit der hochentwickelten griechischen Kultur in Kontakt.

Sehr schnell gehörte es für die römische Oberschicht zum guten Ton, griechische Kunstwerke zu besitzen, und es entstanden erste private Kunstsammlungen. Ab dem Zeitpunkt, als es keine oder nur eine begrenzte Zahl an Originalen gab, begann man, diese zu kopieren.

Schon damals gab es Kunstagenten und in Rom ganze Straßenzüge voll mit Händlern – sogar Auktionen wurden durchgeführt. Kunstwerke, die zunächst ausschließlich in einem kultischen Kontext entstanden waren – wie die berühmte Aphrodite von Knidos – wurden so populär, dass sie tausendfach kopiert wurden.

Was sind Ihre Schwerpunkte – bei der Fülle dieses Themas?

Stephan Koja: Wir zeigen beispielsweise Antwerpen als Zentrum des Kunstmarkts zu Zeiten von Bruegel, wo eigene Werkstätten und Ausstellungshallen sehr erfolgreiche Serien von Kompositionen entwickelt haben, wie z. B. der berühmte „Blindensturz“ von Pieter Bruegel d. Älteren, den wir als Beispiel für Serienproduktion an einer eigenen „Brueg(h)el  Enterprise“-Wand zeigen werden.

Es ist uns gelungen, vier Werke von Claude Monet in die Ausstellung zu bringen – diese zählen zu den absoluten Highlights, neben vielen anderen wie z.B. Tizian, van Dyck, Rembrandt, Rubens, Courbet und Klimt.

Was für eine Bedeutung hatte der Wiener Hof?

Stephan Koja: Im 17. und 18. Jahrhundert gab es einen großen Konkurrenzkampf zwischen den europäischen Höfen. Es gab sogar Agenten, die mit falschen Bärten, Identitäten zu verschleiern versucht haben, für wen sie unterwegs waren, um die Preise niedrig zu halten. Der Wiener Hof hatte ja mehrere Residenzen, auch in Innsbruck oder Prag, war also ein großer Player auf dem Kunstmarkt. Im 19. Jahrhundert kam dann auch das aufstrebende Bürgertum als Sammler dazu.

Historisch geht die Ausstellung bis wann?

Stephan Koja: In den Fürstlichen Sammlungen befinden sich unglaubliche Kunstschätze, die bis ins 19.  Jahrhundert reichen und anhand derer wir die Entwicklung des Kunstmarktes sehr wirkungsvoll darstellen können. Die Ausstellung spannt einen Bogen von der Antike bis zu Klimt.

Profitiert das Palais Liechtenstein auch vom boomenden Wien-Tourismus?

Die Ausstellung wird zweifellos zu den Höhenpunkten des Kunstkalenders 2026 gehören und zahlreiche Besucherinnen und Besucher nach Wien locken.

(Abbildung: Rembrandt Harmensz van Rijn, Amor mit Seifenblase, 1634, Öl auf Leinwand.)

NOBLE BEGIERDEN – Eine Geschichte des europäischen Kunstmarkts.
Ab 30. Jänner – 6. April 2026 |
GARTENPALAIS Liechtenstein
täglich von 10 bis 18 Uhr, Eintritt frei

palaisliechtenstein.com

Kultur-Newsletter

Melden Sie sich zur wienlive Kulturlektüre an. Texte, Interviews und Reportagen in Langform – wöchentlich.

Neueste Beiträge