Spannender historischer Wien-Roman – Vladimir Vertlibs „Der Jude der Kaiserin“

Der Roman hebt mit einem Bad in der eiskalten Donau an, das Pedro de Rojas, der Leibarzt der Kaiserin Margarita Teresa, im November 1668 zum Entsetzen der Wiener nimmt – wo doch jedermann weiß, dass Baden die Haut durchlässig für Krankheiten macht. Aber Pedro ist ein Sonderling, ein Fremdling, der gemeinsam mit der Infantin aus der spanischen Linie der Habsburger nach Wien gekommen ist. Misstrauisch wird er am Hof wie in der Stadt beäugt. Denn zudem trägt er ein Geheimnis mit sich. Pedro ist ein spanischer Converso, ein konvertierter Jude, der seinen Glauben im Geheimen praktiziert.  Vladimir Vertlib malt sehr plastisch ein Bild von Wien im 17. Jahrhundert. Es ist schmutzig, ein Menschenleben ist nicht viel wert – sofern man nicht zur privilegierten Klasse gehört. Sehr bildreich schildert er auch das Kaiserpaar. In Folge der zahlreichen Eheschließungen unter Verwandten – der Kaiser ist der Onkel seiner Frau – ist das Kaiserpaar potthässlich – Leopold sabberte ununterbrochen, da er seinen Mund nicht schließen kann, die kleinwüchsige Margarita Teresa starb geschwächt von den vielen Schwangerschaften bereits mit 21 Jahren.

Vertlib zeichnet aber auch ein Bild des verdorbenen Klerus der Stadt. Pedro deckt ein Netzwerk auf, das mittellose Kinder an hohe Geistliche als Lustknaben vermittelt und die oft dabei ums Leben kommen. Neben Pedro lernen wir aber auch die jüdische Hebamme Esther kennen, deren beste Kenntnisse über die Geburt sie vor der judenhassenden Kaiserin schützen. Das Leben aller Juden hängt immer an einem seidenen Faden. Am Ende lesen wir einen spannenden Thriller in dem es um nichts Geringeres als das Leben von Pedro und Esther geht. Wird ihnen die Flucht vor dem Judenpogrom gelingen?

Vladimir Vertlib ist ein wirklich packender und historisch authentischer Roman gelungen.

Vladimir Vertlib: Der Jude der Kaiserin, Residenz Verlag, 416 Seiten, € 28,-

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