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Mit Joseph Roth im Ukrainekrieg – „Ukrainomania“ im Volkstheater

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Die Idee, mit einem ukrainischen Theater – dem Nationaltheater Maria Zankovetska Lviv – gemeinsam ein Stück zu entwickeln, ist zweifelsohne gut. Und weil einer der größten altösterreichischen Dichter, nämlich Joseph Roth, in der heutigen Ukraine – im damaligen Galizien – aufwuchs, bietet sich der Autor des „Radetzkymarsch“, des „Hiob“ und der „Kapuzinergruft“ auch als gemeinsame Figur auch an. Und: Die Ukraine kann momentan sicher jede Unterstützung brauchen, die sie bekommt. „Ukrainomania“ im Volkstheater ist also unbedingt ein passendes Projekt für das Volkstheater. Regisseur Jan-Christoph Gockel lässt also Joseph Roth nach seinem Begräbnis wieder losziehen und unter Verwendung seiner zahlreichen Zeitungsreportagen in einer der vielen Umbruchsphasen des Landes herumirren. Dafür braucht er nur 8 Schauspieler/Schauspielerinnen, eine Videowand und ein bisschen Musik- und Lichteffekte.

Es beginnt freilich schon mit einer langen Einleitung, in der Solomia Kyrylova aus Lviv (früher Lemberg) in Ukrainisch (wird simultan übersetzt, später gibt es auch Übertiteln) vom Projekt und vor allem vom aktuellen Krieg erzählt. Etwa, dass sie wichtige Dinge in einem entkernten Kühlschrank aufbewahrt, weil sie hofft, dass sie so einen Einsturz des Hauses und einen Brand überleben könnten. Abgefragt wird auch, wie viele Landsleute bei der Premiere anwesend sind und diese werden auch auffordert, auf allen Social-Media-Kanälen fleißig zu posten. Dadurch kippt der Abend schon früh in eine Solidaritätsveranstaltung für das überfallene Land.

Bernardo Arias Porras spielt den noch jungen, langhaarigen Dichter und melancholischen Trinker, der nur 44 Jahre alt wurde und jetzt staunend als Untoter in einer fremden Welt herumwandelt. Er ist schon früh heimat- und trotz vieler Zeitungshonorare mittellos, ein Schnorrer, der seine Geliebten immer wieder enttäuscht. Aber „Ukrainomania“ ist kein Theaterstück, auch nicht wirklich die „Revue eines Lebens“ wie im Untertitel angekündigt. Es zerfällt in Szenen, die irgendwie mit der Ukraine zu tun haben. Wir erleben etwa mittels Video den Besuch des Ensembles bei den Kollegen in Lviv inklusive Stadtführung und ein Treffen mit dem Joseph-Roth-Übersetzer ins Ukrainische ebenso wie die Schäden eines langen aktuellen Krieges. Der Premierenjubel galt so nicht zuletzt den Menschen, die einen Krieg erleiden müssen.

Foto: Marcella Ruiz Cruz

Karten und Infos: volkstheater.at

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