Die Singspiele des Liedermachers Ernst Molden gehören zu den Publikumshits im Rabenhof. Mit „Häuserl am Oasch“, „Hafen Wien“ und „Mayerling“ hat sich Molden in den vergangenen Jahren eine treue Fangemeinde aufgebaut. Jetzt nimmt er in „Döbling Burning. Ein Singspiel vom Rand“ seinen ehemaligen Heimatbezirk – Molden ist ja der Sohn des einstigen Medienzaren Fritz Molden – aufs Korn und macht sich – längst in Erdberg wohnhaft – über die Bigotterie im Nobelbezirk lustig.
Das Personal hält er überschaubar. Da gibt es die Ur-Döblinger Großmutter (großartig: Ursula Strauss) und den auf ihr Erbe erpichten Pfarrer Monsignore Schoiswohl (schön schleimig: Gerald Votava), sowie den in den Tag lebenden Enkel Otto (Skye MacDonald) und die in ihn verliebte Sagengestalt Agnes (Alina Schaller). Bleibt noch Christoph Krutzler als dämonischer Weinbauer Leopold Probus Musil, der seine Präsenz bis in die Römerzeit ausweitet. Dominique Wiesbauer schuf dazu eine Bühne aus bemalten, aber durchschimmernden Stoffen. Zu allem rockt Autor Ernst Molden mit seiner Band im Hintergrund – mit ironischen und bei der Premiere vielbeklatschten Liedern.
Viel Handlung und Dramatik benötigt dieser Abend nicht. Das Publikum erfreut sich an den Charakteren, die hart an der Grenze zu Karikaturen lustwandeln. Die beste Szene des Abends hat Ursula Strauss im Beichtstuhl, wo sie dem Pfarrer ihre sinnliche Leidenschaft für aufquellende Buchteln offenbart, die sich im Traum in Powidl spendende weibliche Brüste verwandeln. Das ist besser als jedes Kabarett.
Inszeniert hat den Abend mit viel Geschick Hausherr Thomas Gratzer himself. Am Ende schickt sich – ausgehend vom Garten der Villa der Großmutter – ganz Döbling an, in ein großes schwarzes Loch zu versinken, weil der Bub doch tatsächlich Ahnfrau Agnes ehelicht. Ein großer Spaß und ein garantierter Hit. (Foto: Pertramer/Rabenhof)
Infos und Karten: rabenhof.at
