Literaturpreis de luxe für einen mysteriösen Erzählband

Ein spanischer Flughafenbetreiber richtet erstmals den mit 1 Million Euro ausgestatteten Aena-Literaturpreis aus. Und gekürt wurde die in Berlin lebende Argentinierin Samanta Schweblin mit ihrem Erzählband „Das gute Übel“. Das ist endlich einmal eine Summe, die einer Autorin ein von kommerziellen Erwägungen freie Existenz verschafft. Und: „Das gute Übel“ ist zweifelsohne eine große literarische Leistung.

Vordergründig betrachtet sind alle sechs Erzählungen aus dem Horror-Genre. Doch der Schrecken ist hier weit entfernt von üblichen Gruseleffekten, sondern kommt aus den Untiefen unserer existenziellen Leere. Da verliert ein Kind bei einem Unfall seine Fähigkeit zu sprechen und wird dabei mit seinem Vater auf mysteriöse Weise verschränkt. Da sorgt sich eine Autorin in einem Miniappartement in China um ihre Katze und nicht um ihren Partner daheim. Und da brechen zwei Kinder bei einem Strandurlaub im Leben einer Alkoholikerin ein, geben ihr wieder Mut und die Erzählerin verliert ihre ältere Schwester. Die Geschichten sperren sich der Widergabe, gerade weil Samanta Schweblin sehr knapp erzählt und jede Ausschmückung vermeidet.

Der hochdotierte Preis ist auch eine längst fällige Würdigung der Kunst der Kurzgeschichte, wie die Autorin auch bei ihrer Dankesrede ausführte. Insgesamt werden sogar 2 Millionen Euro ausgegeben. Die zweite Tranche geht in den Kauf der Bücher aller fünf Finalisten.

Samanta Schweblin: Das gute Übel. Erzählungen. Aus dem argentinischen Spanisch von Marianne Gareis. Suhrkamp Verlag, 190 Seiten, € 26,95

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