Der Film (The Odyssey, nach Homer?) des Christopher Nolan ist der inszenierte und vorprogrammierte Jahreshit.
Und nach einigen Laufzeit-Monaten bzw. nach vielen kritischen oder bewundernden Artikeln, Rezensionen oder historischen Besserwissereien bietet sich ein kleiner Bericht an, nach dem unvoreingenommenen 3-Stunden-Schauen, nach viel Beschäftigung vorweg mit dem Epos, der Mär, dem Gang entlang der menschlichen Psyche und mehr.
(N.B. der Autor dieser Zeilen hatte sogar, für sein Basiswissen, seinerzeit das Glück, noch locker zu den Humanismus-Gymnasiasten und später alt-geschichtlichen Uni-Besuchern zählen zu dürfen, was heute, nach so manchem ministeriellen Mies-Machen der antiken Sprachlichkeiten ja nicht selbstverständlich, oft sogar zu einer mit Häme begleiteten Sache geworden ist.)
Nun, die Dichtung ist (wie ihre viel minimalistischere Schwester Ilias) als riesiges Märchen weiterhin überwältigend – die Odyssee! Sie ist es zum Teil auch als Film, den man leichthin wegen der Besetzungen (die Götterwelt, eine Schwarze als Helena, die Kostüme, die Zeit-Unverträglichkeiten …) viel gescholten hat.
Gehen wir weg von den Beckmessereien: Ja, Nolan hält sich nicht an die Dramaturgie des Epos, er verzichtet sogar auf ein wesentliches Gerüst (Odysseus erzählt im Original zur Hälfte von seinen Irrfahrten). Aber er macht keinen Science Fiction Jahrmarkt. Zugegeben, die Riesen und Toten, die Zauberfrauen und minutenlangen Gemetzel, sie sind auch das desiderierte Märchenbuch des Regisseurs.
Doch bloß die besonderen Details aufzuzählen für eine gute Rezension, die man bisher weltweit vermisst, sprengte auch hier jegliches Platzangebot:
Schauen Sie doch auf die Farben (gedeckt, Brauntöne, in Landschaften, die zwar nirgendwo nach Kleinasien und zu Ägäis passen, egal), auf die Nebenfiguren, das vielfältige Meer, die Realdarstellungen von Mythen, lauschen sie vor allem den begleitenden Klängen und Klopf-Passacaglien.) Zugegeben, die Schauspielerinnen und Schauspieler sind größtenteils vordergründige Besetzungs-Typen, doch die Penelope der Anne Hathaway oder manche Szene-Figuren (Teresias, Kirke, Eumaios …) sind großartig.
Also, Hingehen oder Nochmals-Anschauen und dabei den Film-Rhythmus (die oft seltsamen Schnitte und Rückblenden) beachten!
Und: Selbst den Kitsch-Schluss während der letzten rund eineinhalb Minuten in Kauf nehmen …
An Freitag, 28.8., kann man im Wiener Gartenbaukino die Odyssee in 70 mm sehen.
Foto: Universal Pictures
Text: Otto Brusatti
