Himmelsleiter

Billi Thanner, Himmelsleiter, 2021, Installation für den Stephansdom (außen), Aluminium, goldgelb lackiert, 36 Meter, 33 Sprossen, Foto Jenni Koller, © Bildrecht Wien, 2021

Symbol der Hoffnung


In der Nacht von Karsamstag auf Ostersonntag 2021 erstrahlt Billi Thanners Himmelsleiter erstmals mit 33 Sprossen neongoldleuchtend an der Spitze des Südturms des Wiener Stephansdoms als Symbol der Hoffnung.


In der Nacht von Karsamstag auf Ostersonntag, vor Beginn der Osternacht, erstrahlt Billi Thanners Himmelsleiter erstmals mit 33 Sprossen neongoldleuchtend an der Spitze des Südturms des Wiener Stephansdoms als Symbol der Hoffnung. In der Performance Die 33 Tugenden, die am Mittwochabend vor der Segnung der Himmelsleiter durch Dompfarrer Toni Faber im Stephansdom in Anwesenheiten der Medienöffentlichkeit stattfand, veranschaulichte die Wiener Künstlerin die Idee der Himmelsleiter.

Billi Thanner, Die 33 Tugenden, 2021, Performance im Stephansdom begleitend zur Installation Himmelsleiter, Foto Jenni Koller, © Bildrecht Wien, 2021

HIMMELSLEITER
Die Himmelsleiter, die die Wiener Künstlerin für das bevorstehende Osterfest konzipiert hat, besteht aus einer Neonleiter, die im Inneren des Stephansdoms, bei der Taufkapelle beginnt, das Gewölbe durchstößt und dann bis auf die Spitze des Südturms beginnend bei einer Höhe von 90 Meter bis auf eine Höhe von 136 Meter führt. Die Installation, die besteht aus zwei Teilen – eine im Inneren des Stephansdom – 18 Meter hoch mit 21 Sprossen –und eine weitere an der Südspitze des Südturms – 36 Meter hoch mit 33 Sprossen – . Beide Leitern sind aus Aluminium und Neon gefertigt und goldgelb lackiert. Um den Verhältnissen – Wind und Regen – standhalten zu können, denen die auf der Turmspitze montierte Leiter immer wieder ausgesetzt sein wird, hat Billi Thanner die Leiter so konstruiert, dass sich beiden Holme nach oben hin fortlaufend verjüngen. In der Nacht von Karsamstag auf Ostersonntag wird die Himmelsleiter vor dem Beginn der Osternachtfeier im Stephansdom (21 Uhr) feierlich zum ersten Mal erleuchtet. Erstrahlen wird die Himmelsleiter dann neongoldleuchtend in den Wiener Nächten bis 31. Mai 2021.

DIE 33 TUGENDEN
Mit der Performance Die 33 Tugenden veranschaulicht Billi Thanner die Idee der Himmelsleiter. Jede der 33 Sprossen, jener Leiter, die sich an der Spitze des Südturms befindet, steht für eine der 33 Tugenden, die Billi Thanner ausgewählt hat und welche für sie den Leitfaden für unser menschliches Zusammenleben darstellen. Gemeinsam mit 32 TänzerInnen verdeutlicht Billi Thanner unter der choreografischen Leitung von Nadja Puttner, die von ihr ausgewählten Tugenden. Jede Tugend wird performativ von einer Tänzerin oder einem Tänzer gestaltet. Die Künstlerin selbst verkörpert die Tugend Freiheit. „Freiheit, ist für mich Ausdruck und Mittel der individuellen Selbstverwirklichung und das einzige jedem Menschen angeborene Recht, aus dem andere Urrechte allenfalls folgen, ohne ihr darum doch gleichgestellt zu sein. Die Performance ‚Die 33 Tugenden“ verdeutlicht was ‚Freiheit’ bedeutet und wie stark andere Tugenden wie z.B. ‚Mut’, ‚Zielstrebigkeit’, ‚Tapferkeit’, ‚Gerechtigkeit’ und ‚Respekt’ damit zusammen hängen. Wenn wir uns der ‚Freiheit’ bewusst sind, was auch voraussetzt ‚Selbstsein-Können’, auch gegenüber ‚dem anderen Selbstsein’, erkennen wir, dass nur mit „Kollektiver Standhaftigkeit“ – dem kollektiven Zusammenhalt – der Einzelne in der Gemeinschaft existieren kann und von ihr getragen wird. Es sind nicht die einzelnen Tugenden, die beliebig zu etwas führen, was unserem Begriff von Moral gerecht wird, sondern möglicherweise die Gesamtheit aller.“ Billi Thanner BILLI THANNER: ANLEITUNG ZUR PERFORMANCE Die Achtsamkeit begleitet von Anstand, getrieben von Ausdauer. Sich selbst raus-nehmen zeigt Bescheidenheit. Meine Dankbarkeit mit bringe ich mit dieser Performance zum Ausdruck. Diskretion sowie Disziplin machen es möglich. Getanzt wird heute durch alle diese Tugenden, weil viel Fleiß dahinter steckt. Und mit Ehrlichkeit, Freundlichkeit, Geduld, Gerechtigkeit, Gutherzigkeit und Großzügigkeit erleben wir die Hingabe.


Die Security

Zwei Gesichter


Die Security-Mitarbeiter in den Clubs können momentan nicht in ihrem Job arbeiten. Der Fotograf Meinrad Hofer hat sie jetzt in zwei Situationen abgelichtet – privat und im Einsatz.
Fotos: Meinrad Hofer


Die Ausstellung „in security“ von Meinrad Hofer ist im öffentlichen Bereich beim Filmquartier Wien, 5, Schönbrunner Straße 31, bis Mai zu sehen. Die Porträtstudie von Securities bringt zwei Gesichter zutage: das autoritäre, das dem Berufsbild entspricht, und ein privates, das die Person hinter der Arbeitsmaske zeigt. Sie sind Securities, oder – auf gut wienerisch: Türlsteher.

Anders als man erwarten würde, hat Meinrad Hofer jedoch die offensichtliche Ordnung umgedreht und sie gebeten, im neutralen Fotostudio ihren Beruf regelrecht zu verkörpern und dann auf der Location sozusagen privat zu posieren. Die Idee kam den 1977 in Graz geborenen Fotografen, der eine Zeitlang auch in New York lebte und schon Persönlichkeiten wie den Dalai Lama oder John Malkovic vor der Linse hatte, als er im Zuge eines Auftrags den Inhaber einer Security-Firma kennenlernte. Momentan arbeiten übrigens viele Security-Mitarbeiter in den Wiener Teststraßen.


Details
Wo: Filmquartier Wien, 5, Schönbrunner Straße 31, 1050 Wien

Wann: 8.3. – 8.5.2021

Musiktipps

Otto Brusatti empfiehlt


Ein Musiktipp von Radiomoderator Otto Brusatti. Entdecke Beethovens Symphonien in einer neuen Aufnahme, gespielt von William Steinberg mit dem Pittsburgh Symphony Orchestra.
Foto: Ludwig Schedl


Beethoven noch immer. Diesmal schon 1964–66 aufgenommen. William Steinberg vermittelt wie wenige ein Mix-up aus deutscher Tradition und amerikanischer Lässigkeit. Er, der in Prag noch als Zemlinsky-Nachfolger und in Frankfurt Opernchef gewesen, als Flüchtling das Israel Philharmonic Orchestra mitbegründet hatte, als Assistent von Toscanini arbeitete und dann mit Reiner, Klemperer oder Monteux Amerikas Classic-Musikleben prägte, bringt den Titanen sozusagen locker, gelöst, weitgehend pathosbefreit rüber. Beethoven zum Anhören und für neu zu entdeckende Details (und nicht zum Fürchten).

Das Orchester – zugegeben – spielt engagiert und flott. Sozusagen: Es ist alles da. Nach mehr als einem halben Jahrhundert muss man sagen: Spieltechnisch liegen zwischen damals und heutigen Prominenz-Produktionen doch Welten. Aber Beethovens Zweite, Sechste oder Achte mit Steinberg – durchaus auch so empfehlenswert.


Vorlesen und gewinnen

Vorlesen und gewinnen


Am 18. März ist wieder Österreichischer Vorlesetag! Zielsetzung dieser bundesweiten Initiative ist es, auf die Wichtigkeit des Gut-Lesen-Könnens aufmerksam zu machen. Denn wer gut lesen kann, hat bessere Chancen auf eine bessere Bildung. Und auf einen besseren Job. Und daher auf ein besseres Leben!


Vorlesen
Der erste Schritt dazu ist das Vorlesen. Vorgelesen zu bekommen gilt als Motor, selbst lesen zu wollen.
Außerdem fördert Vorlesen die soziale Kompetenz. Denn: Gemeinsam sind wir weniger allein.
Unter diesem Motto wird jährlich das Österreichische Vorlesebuch aufgelegt. Mit vielen interessanten Kurzgeschichten wie z.B. von Mark Twain, Christine Nöstlinger, Roda Roda, Joachim Ringelnatz, Erich Schleyer, u.v.m.

Mitmachen & Gewinnen
Jede und jeder, die bzw. der sich auf der Website www.vorlesetag.eu mit einer Vorlesung anmeldet, bekommt ein solches Vorlesebuch kostenlos zugesandt. Zusätzlich dazu haben wir uns ein ganz besonderes Gewinnspiel überlegt. Unter allen Anmeldungen werden 10 Überraschungslesepakete verlost. Und einem von diesen 10 Gewinnen liegt außerdem ein 50 Euro Gutschein der Volkshochschulen Wien bei! Egal ob man eine neue Sprache lernen, die Berufsreifeprüfung machen will oder schon immer wissen wollte wie man literarische Texte richtig schreibt– der Gutschein kann für jeden Kurs verwendet werden.
Wie macht man mit? Einfach hier eine Vorlesung anmelden und am Österreichischen Vorlesetag 2021 vorlesen.

Jede Vorlesung zählt! Sie ist ein Zeichen für die Wichtigkeit des Lesens und Vorlesens.

Charlie Kaufman

Psychotrip durch ein Seelenleben


Mit dem Drehbuch zu „Being John Malkovich“ wurde Charlie Kaufman berühmt, jetzt hat er seinen ersten Roman veröffentlicht, einen 860-Seiten Psychotrip durch das Seelenleben eines erfolglosen New Yorker Filmkritikers.
Text: Helmut Schneider


So etwas muss man mögen: Schon Spike Jones Film „Being John Malkovich“ war ja äußerst schrullig. Dass ein Puppenspieler in einem Bürogebäude einen Tunnel findet, der direkt in den Kopf eines bekannten Schauspielers führt – das muss einem erst einmal einfallen. Aber der Film wurde in den USA und Europa zu einem Nischenerfolg und gilt als Kultfilm. Der Mann, der sich den Plot ausgedacht hatte, schrieb dann noch weitere ähnlich skurrile Drehbücher und produzierte bzw. inszenierte eigene Filme. Seinen letzten Streifen „I’m Thinking of Ending Things“, der allerdings ziemlich erfolglos im Kino lief, kann man sich aktuell etwa auf Netflix anschauen. 

Erstroman
Aber jetzt erschien bei Hanser sein erster Roman, und der ist fest im Kaufman-Universum angesiedelt. In „Ameisig“ geht es um den Filmkritiker B. Rosenberg (durch die Abkürzung seines Vornamens will er sein Geschlecht verschleiern, um niemanden zu nahe zu treten), der in Florida aus Zufall den sehr alten Filmemacher Ingo Cutbirth kennenlernt, der ihm als ersten seinen einzigen – allerdings drei Monate langen – Film zeigt. Der von Neurosen zerfressene New Yorker sieht darin die Chance seines Lebens, berühmt zu werden – als Entdecker eines Streifens, der die Filmgeschichte umschreiben wird. Als Cutbirth stirbt, mietet er einen LKW, um das hinterlassene Material nach New York zu schaffen. Doch leider geht der LKW in Flammen auf, Zelluloid brennt bekanntlich sehr gut und Rosenberg kommt mit leeren Händen zu Hause an. Fast das gesamte Buch hindurch versucht sich Rosenberg nun an den Film zu erinnern – unter Zuhilfenahme von Therapien und Hypnosesitzungen mit wechselnden Ärzten, die sich wie Scharlatane gebärden.

Höllentrip
In Wirklichkeit sind wir längst im persönlichen Höllentrip des B. Rosenberg gefangen, der geradezu paranoid über Regisseure, Drehbuchschreiber oder Kollegen schimpft. Auch mit seiner Tochter ist er längst im Clinch. Dazu gibt es unerfüllte Leidenschaften – er begehrt etwa heftig eine Frau im Clownskostüm –, skurrile Seitenstränge wie einen Präsidenten namens Trunk, der in Cutbirths Film auftaucht und sich klonen lässt, einen Doppelgänger, ein bisschen auch über Ameisen und so weiter und so fort. Am liebsten schimpft Rosenberg natürlich über Charlie Kaufman, diesen talentlosen Plagiator. Summa summarum ist das Buch wohl eine Satire auf die vergeistigte New Yorker Intellektuellenszene, wahrscheinlich könnte man den Roman auch „Being Charlie Kaufman“ nennen. Diese Art von Literatur auf 860 Seiten ist am ehesten etwas für Filmfans oder Menschen, die auch „Unendlicher Spaß“ von David Foster Wallace mit Vergnügen gelesen haben.


„Ameisig“, Charlie Kaufman

  • Erscheinungsdatum: 15.03.2021
  • 864 Seiten
  • Hanser Verlag
  • Fester Einband
  • ISBN 978-3-446-26833-3
  • Deutschland: 34,00 €
  • Österreich: 35,00 €

Vorlesetag 2021

Gemeinsam lesen gegen Einsamkeit


Der Österreichische Vorlesetag findet heuer am 18. März statt. Die PensionistInnenklubs der Stadt Wien lassen dafür mit einem starbesetzten Livestream aufhorchen!


Mit dem Österreichischen Vorlesetag soll auch im vierten Jahr ein deutliches Zeichen für Literatur, das Lesen und das Vorlesen gesetzt werden. Aufgrund der derzeitigen COVID-Vorsichtsmaßnahmen ließen sich die PensionistInnenklubs für die Stadt Wien für alle SeniorInnen österreichweit ein neues Format einfallen: So kann man ab dem 18. März heuer eine Reihe von AutorInnen-Lesungen kostenlos über die Website der PensionistInnenklubs online streamen.

Prominente LeserInnen
Unter den AutorInnen, die spontan ehrenamtlich zugesagt haben, sind Persönlichkeiten wie Alfons Haider, Barbara Stöckl, Christoph Wagner-Trenkwitz, Elisabeth Engstler, Erika Pluhar, Erwin Steinhauer, Michael Schottenberg, Silvia Schneider und Uschi Pöttler-Fellner. Weiters werden vier Mitglieder der Klubs Selbstgeschriebenes vortragen, um auf die mannigfachen Begabungen und Talente der Mitglieder der Wiener PensionistInnenklubs aufmerksam zu machen! Madlena Komitova, Bereichsleiterin der PensionistInnenklubs für die Stadt Wien: „Den PensionistInnenklubs ist es gerade jetzt ein besonderes Anliegen der Isolation bei älteren Menschen entgegegenzuwirken und neben kostenlosen und breitgestreuten Zoom-Kursen und Telefonservices eine Vielzahl an attraktiven Angeboten für und mit SeniorInnen zu realisieren.“ Jede einzelne Lesung dauert zirka 5 Minuten. Eingeladen sind alle PensionistInnen Wiens und literaturinteressierte ZuhörerInnen jeden Alters!

Über den Österreichischen Vorlesetag
Ganz Österreich liest vor: Der österreichische Vorlesetag bringt jährlich unter dem Motto „Wir lesen alle vor“ bundesweit Literatur in den Alltag der Menschen. Mitmachen kann jede/r, die/der Spaß am Vorlesen hat und mit anderen ihre/seine Begeisterung für das Vorlesen teilen möchte. Beschränkungen gibt es keine: Ob jung, ob alt; ob Märchen oder Epos, Popliteratur oder Philosophie, Lyrik oder Prosa; ob auf dem Sofa, in Kindergärten, Schulen oder Pensionisten-Wohnhäusern, Krankenhäusern, Sozialeinrichtungen oder auf öffentlichen Plätzen; ob einsprachig oder mehrsprachig – wichtig dabei ist nur die Freude am Lesen und Vorlesen, an guten Geschichten und der Schönheit der Sprache.


Black Box

Eine Liebeserklärung


Das Vokstheater bringt mit Black Box „eine Liebeserklärung an all die Räume, in denen Kunst erlebbar gemacht wird“. Stefan Kaegi hat ein alle Sinne beanspruchendes Werk entwickelt, das glücklicherweise nach den Regeln der Pandemie-Eindämmung funktioniert.
Fotos: Volkstheater


Das Volkstheater holt sein Publikum direkt von der Couch auf die Bühne. Ab dem 20. Februar können Zuseher alle fünf Minuten im inszenierten Audiowalk „Black Box“ endlich wieder Theaterluft schnuppern. Stefan Kaegi und das Autoren-Team „Rimini Protokoll“ haben mit „Black Box“ ein alle Sinne beanspruchendes Werk entwickelt, das glücklicherweise nach den Regeln der Pandemie-Eindämmung funktioniert. Der Raum an sich steht im Zentrum der Installation und erwacht mit Ihren Schritten, Ihren Impulsen zum Leben.



Das Volkstheater verspricht ein echtes Theatererlebnis:
„Kopfhörer aufgesetzt, Handschuhe angezogen und hinein in die Fiktionsmaschinerie namens Volkstheater. Eine wohlige Stimme wird Sie quer durch das gesamte Haus weisen, Ihnen für Zuseherinnen üblicherweise unzugängliche Orte zeigen und an mancher Stelle werden Sie Anwesender vergangener Gesprächssituationen, die von Expertinnen und Ensemblemitgliedern aufgezeichnet wurden – Stichwort binaurale Aufnahmetechnik. Eine berührende Spurensuche nach dem, was Gemeinschaft ausmacht und eine Liebeserklärung an all die Räume, in denen Kunst erlebbar wird. Praktisch betrachtet, ist diese Installation im Fünfminutentakt durchkonzipiert, wodurch jeder Besucherin im ausgewählten Zeitfenster alleine durch das Theater geht.“
Alle Termine und Tickets finden auf der Website des Volkstheaters.

Termine
Sa. 20.02.21
13:00 – 17:30 Uhr
So. 21.02.21
11:00 – 17:30 Uhr
Sa. 27.02.21
13:00 – 17:30 Uhr
So. 28.02.21
11:00 – 17:30 Uhr

One World Foundation

Benefizauktion für


Am 22. März 2021 veranstaltet das Auktionshaus Dorotheum eine Benefizauktion für die One World Foundation. Der Hintergrund: Einreisebeschränkungen und gesperrte Flughäfen aufgrund der Coronakrise betreffen Länder wie Sri Lanka, die zu einem großen Teil von Tourismus abhängig sind, besonders stark.
Fotos: Claudia Larcher, Werner Reiterer


Seit 25 Jahren betreibt die one world foundation, gegründet von Kathrin Messner und Joseph Ortner, als gemeinnützige Organisation in Ahungalla (Sri Lanka) eine Schule für über 1100 Kinder und Jugendliche. Die Einreisebeschränkungen und gesperrten Flughäfen aufgrund der Coronakrise führen derzeit zu massiven Ein-nahmeausfällen, wobei noch nicht absehbar ist, wie lange diese schwierige Zeit anhalten wird. Aktuell fehlen der one world foundation Coronabedingt essenzielle finanzielle Grundlagen durch die hohen Einnahmeausfälle, die für den Erhalt des Schulprogramms und die rund 40 Lehrerinnen-Gehälter dringend benötigt werden.

Auch Werner Reiterer ist unter den Künstlern, die Werke für die Auktion bereitstellen.

Empowerment
Insbesondere für Schülerinnen aus armen und sozial benachteiligten Familien ist die Ausbildung der one world foundation von größter Bedeutung. Dank staatlich anerkannter Zeugnisse können die Absolventinnen ihre Chancen am Arbeitsmarkt deutlich verbessern. Die Schule legt großen Wert auf Empowerment, insbesondere von Mädchen und Frauen, und bietet Kurse von der Vorschule bis zu Berufsbildung an. Vor 15 Jahren wurde bereits mit großem Erfolg eine Benefiz-Auktion mit über 100 Werken internationaler Künstlerinnen für die one world foundation realisiert. Damals mussten die Schulgebäude nach dem verheerenden Tsunami neu aufgebaut werden, was mit den Einnahmen aus der Auktion und durch die Planung des Architekten Carl Pruscha ermöglicht wurde. Herzlichen Dank an alle Künstlerinnen und Künstler, die in dieser Krisensituation mithelfen, die Zukunft der Schule abzusichern!


In Therapie

Anspruchsvolle TV-Unterhaltung


In Therapie. Die Arte Mediathek lädt zu einer Psychoanalyse nach den Terroranschlägen in Paris 2015 – die momentan anspruchsvollste TV-Unterhaltung.
Text: Helmut Schneider / Foto: ARTE


2005 ging in Israel eine TV-Serie auf Sendung, deren Konzept ebenso einfach wie spannend ist: Die Zuschauer erleben eine halbstündige Therapiesitzung bei einem Analytiker und bekommen dabei eindrucksvoll mit, wie Menschen Probleme, Ängste, Begierden verdrängen und wie das Unbewusste ihr Leben bestimmt. Jede Folge eine Sitzung, nach ein paar Folgen sind wir wieder bei Patient 1 und so weiter. Die Serie „BeTipul“ (deutsch: In Behandlung) wurde zu einem internationalen Erfolg, denn sie ließ sich leicht für jedes Land adaptieren. In den USA hieß sie etwa „In Treatment“, es gibt aber auch eigene Fassungen in den Niederlanden, Serbien, Polen oder in Tschechien. Fast fragt man sich, warum in Österreich, wo bekanntlich die Psychotherapie erfunden wurde, noch niemand an eine Adaption gedacht hat.

Neufassung
Jetzt hat Frankreich die Idee aufgegriffen und dem Ganzen noch einen zusätzlichen Kick verpasst. „En thérapie“ (Hier geht es zum Trailer.) spielt nämlich in Paris unmittelbar nach dem größten Terroranschlag, den die Stadt nach dem 2. Weltkrieg erleiden musste. Kein Franzose wird je vergessen, wo er am 13. November 2015 war, als 130 Menschen getötet und mehr als 500 verletzt wurden – mitten bei einem Sport- oder Kulturevent, im Café oder auf der Straße im Zentrum von Paris. Ein solcher Anschlag lässt niemand kalt, auch wenn er nicht direkt betroffen ist. Und das wird auch bei den Therapiesitzungen schnell klar, in denen es natürlich zuvorderst um Probleme wie Leistungsdruck, Ehekrisen oder männliche und weibliche Rollenzwänge geht. Die Serie ist in Frankreich jedenfalls schon ein Hit. Noch vor dem Fernsehstart hatten dort bereits sechs Millionen Menschen die Serie in der Arte-Mediathek angeklickt, wo bis Sommer jetzt auch bei uns alle 35 Folgen jederzeit online zu sehen sind.

Talent
Die beiden Regisseure Olivier Nakache und Éric Toledano konnten – und das ist auch das Wichtigste bei dieser Art von TV-Show – grandiose Schauspieler verpflichten. Allen voran Frédéric Pierrot als Therapeut Philippe Dayan, der natürlich in allen Folgen zu sehen ist. Ein bisschen erinnert er in seiner professionellen Distanz an Michelle Piccoli. Auch wenn ihm selten aber doch einmal der Kragen platzt, wenn seine Patienten ihre Vorurteile und Neurosen an ihm abzuarbeiten versuchen. Deswegen geht er ja auch wie jeder gute Analytiker zu einer Supervision, nämlich zu einer früheren Kollegin und Freundin, dargestellt von Carole Bouquet, die als 20-Jährige für Buñuel spielte, neben Roger Moore in „James Bond – In tödlicher Mission“ das Bondgirl und viele Jahre lang das Gesicht für Nummer 5 von Chanel war. Zu seinen Patienten gehören so unterschiedliche Charaktere wie die 16-jährige Hochleistungsschwimmerin Camille (Céleste Brunnquell), eine Chirurgin (Mélanie Thierry), die am Abend der Attentate Notdienst hatte, ein Paar (Clémence Poésy und Pio Marmaï), das vor der Frage steht, ob es das zweite Kind abtreiben soll oder nicht und Adel Chibane, Mitglied einer Spezialeinheit der französischen Polizei, der an Panikattacken leidet und sich das natürlich nicht eingestehen will. TV-Unterhaltung ist selten anspruchsvoller.


Lockdown Re-Opening

Wien pur


Pop-Up Kunst. Die Lukas Feichtner Galerie in der Wiener City, Seilerstätte 19, hat am 11. Februar ein Lockdown Re-Opening gefeiert. Nach dem Lockdown Nr. 3 zeigt die Galerie Fotografien von Lukas Beck. Eindrücke aus einer Stadt im Lockdown.
Fotos: Lukas Beck


„Was für ein Moment! Ein paar Stufen erhöht, die Klanginstallation des Kunsthistorischen Museums im Rücken, stehe ich mit meiner fotografischen Apparatur, um die menschenleere Weite, den Blick auf Maria Theresia und das Naturhistorische Museum abzulichten, da radelt ein kleiner Junge daher, baut sich mitten am Platz vor mir auf und schaut mich mit seiner coolen Sonnenbrille so selbstbewusst an, Dennis Hopper nichts dagegen. Ich habe verstanden. Das ist es, was da erzählenswert ist.“

Intensität
Der Wiener Lichtbildner Lukas Beck zeigt in „Wien pur“ Fotografien seiner Geburtsstadt, Bilder von überraschender Dichte, die jene Intensität wiedergeben, die Wien auf seine Bewohner ausstrahlt. Auf jeder Fotografie gibt es ganz viel zu schauen und mitunter auch Erheiterndes zu entdecken. Von magischen Momenten, Liebenden, Bewegungen, die sich in Details der Szenerie wiederfinden, bis zu der beeindruckenden Ausstrahlung der Wiener Bauten, die viel erlebt und noch mehr zu erzählen haben. „Wien pur“ ist aus einem Guss und für den Porträtisten Lukas Beck eine neue Übung. Mit dem Buch „Ostbahnkurti und die Chefpartie“ startete er 1993 sehr jung eine lange Karriere als Fotograf in der Kulturwelt. Als Covid-19 die Stadt zum Erliegen brachte, waren gerade erst seine neuen Plakate für das Wiener Konzerthaus gehängt worden. Plakate, die über Nacht in einer menschenleeren Stadt den Stillstand der Livemusik symbolisierten.

Lukas Beck nahm die Herausforderung an, die Situation für einen Paradigmenwechsel in seiner Arbeit zu nutzen. Seine ruhigen, inszenierten Porträts im gesetzten Licht wichen für „Wien pur“ zufälligen Momenten in der im vollen Sonnenlicht stehenden Stadt.

Wo: Seilerstätte 19, 1010 Wien, feichtnergallery.com
Wann: Di – Fr 10 bis 18 Uhr, Sa 10 bis 16 Uhr

Für einen Vorgeschmack auf die Ausstellung gibt es auch einen online viewing room.


Wien Pur, Lukas Beck.
160 Seiten, gebunden
ISBN 978-3-903989-08-5
Erschienen im echomedia Buchverlag. Erhältlich z.B. bei Thalia.