Kunstmesse

Der Besuch lohnt sich


Die Kunstmesse „viennacontemporary“ in der Marx-Halle im dritten Bezirk in Wien trotzt der Coronakrise. Noch bis Sonntag, den 27. September, können Besucher Werke von 65 teilnehmenden Galerien aus 16 Ländern sehen.


Weniger Aussteller, dafür haben die 65 teilnehmenden Galerien aus 16 Ländern mehr Platz und die Besucher sind vor Ansteckungen sicher. Von 24. bis 27. September 2020 trotzt die viennacontemporary 2020 der Coronakrise. Um die Sicherheit aller angesichts der aktuellen Situation zu gewährleisten, folgt die Veranstaltung einem umfassenden Schutzkonzept unter strenger Einhaltung aller Vorgaben der Österreichischen Bundesregierung. So wurde ein Timeslot-System für die Besucherinnen und Besucher sowie ein Kontakt-Rückverfolgungssystem eingeführt. Für alle gilt die Maskenpflicht.

Der Besuch lohnt sich jedenfalls. Die viennacontemporary ist auch heuer eine gute Gelegenheit, sich einen Überblick über die heutige Kunstproduktion zu verschaffen. Es gibt eine kuratierte Ausstellung österreichischer Jungkünstler und Diskussionsveranstaltungen. Dazu kommen auch dieses Jahr wieder Sonderschauen:
Das von Cathrin Mayer kuratierte Ausstellungsformat ZONE1 präsentiert ausschließlich KünstlerInnen unter 40, die in Wien leben, arbeiten oder studieren.
Elisa R. Linn & lennart Wolff bringen in der pointierten Werkpräsentation Explorations künstlerische Positionen zusammen, die zwischen 1945 und 1980 entstanden sind. Eine spannende Auswahl an Video-Arbeiten wurde von Jen Kratochvil zusammengestellt und wird auf der Messe gezeigt.

Alle Infos sowie Karten unter: viennacontemporary.at


Tausendsassa

Der Meister wurde 80


Christian Ludwig Attersee. Segel-Staatsmeister, Maler, Autor, Sänger, Bühnenbildner, Professor – Österreichs bekanntester Künstler hatte und hat viele Facetten. Das Gespräch zum Geburtstag des Tausendsassas.
Text: Helmut Schneider / Fotos: Sabine Hauswirth; APA Picturedesk


„Als Künstler bin ich schon geboren“ – jenes Statement, das man bei anderen Kreativen vielleicht belächeln würde, nimmt man Christian Ludwig Attersee ohne Weiteres ab. Denn der Universalkünstler, der sich nach dem Ort seiner Jugend – Attersee – benannte, hat schon früh auf allen Orgeln der Kunstgenres gespielt. Er schrieb Romane, textete Lieder, komponierte, zeichnete und malte. Und zwischendurch segelte er noch: dreimal wurde er zwischen 1957 und 1962 österreichischer Staatsmeister. Und gefragt, welches natürliche Talent er noch gerne hätte, fällt ihm nur ein:
„nicht zu altern“.
Der Erfolg als Maler kam freilich keineswegs sofort. Im konservativen österreichischen Nachkriegsmief hatte es neue Kunst denkbar schwer, die sogenannten Wiener Aktionisten, mit denen Attersee befreundet war, wurden stark angefeindet. Zehn Jahre lang konnte Attersee kein einziges Bild verkaufen. Im Jahr 1984 vertrat er dann freilich bereits Österreich bei der Biennale in Venedig. Attersee war neben seiner Malerei immer aber auch für Sidesteps und Aktionen zu haben. Für eine Textilkette entwarf er etwa in der Mariahilfer Straße das größte Glasmosaik Europas. Sein Gesamtwerk war in zahlreichen Retrospektiven im In- und Ausland zu sehen.


wienlive: Können Sie sich noch erinnern, wann Sie Ihr erstes Bild verkauft haben?
CHRISTIAN LUDWIG ATTERSEE: Bei meiner ersten Ausstellung in Wien 1967 in der Galerie im Griechenbeisl wurde das Bild „Blaues Butterbrot“ an Peter Noever verkauft.

Wie war die Stimmung in Wien, als Sie als Künstler angefangen haben?
ATTERSEE: Es herrschte ein absolutes politisches Desinteresse an Kunst, später wurde das mit gleichaltrigen Künstlern wie Günter Brus und Hermann Nitsch zu einer fast revolutionären Kampfsituation gegen die sogenannte „Öffentlichkeit“, auch ein Großteil der österreichischen Kulturpresse war bis Ende der 1960er-Jahre gegen die Erneuerer der österreichischen Kunst.

Sind Sie wie andere aus Wien nach Berlin geflohen?
ATTERSEE: Mein erster Berufsaufenthalt in Berlin war Ende 1965; ich habe einige Monate bei Gerhard Rühm gelebt und danach eine Zeit lang mit H. C. Artmann. Diese Reise war keine Flucht, sondern hat im Mai 1966 zu meiner ersten Einzelausstellung in der Galerie Benjamin Katz geführt.

Sie waren dreimal österreichischer Staatsmeister im Segeln, gehen Sie auch heute noch segeln?
ATTERSEE: Wenn möglich, chartere ich jedes Jahr mit Freunden in den Sommermonaten eine größere Segeljacht und wir besegeln ein, zwei Wochen Teilstücke des Mittelmeers.

Was bedeutet Ihnen Erfolg?
ATTERSEE: Für mich bedeutet es etwas Einmaliges, ein Künstler zu sein, der den Menschen Lebenswege erweitern und erneuern kann. Erfolg war mir nie so wichtig wie der Beruf an sich.

Die Titel Ihrer Bilder sind immer sehr poetisch, Sie haben ja auch Texte geschrieben. Welche Literatur ist Ihnen am liebsten, was sind Ihre Lieblingsdichter?
ATTERSEE: Mein Lieblingsdichter ist derzeit Wladimir Sorokin, von dem ich gerade „Manaraga. Tagebuch eines Meisterkochs“ lese, mein absolutes Lieblingsbuch ist „Kyra Kyralina“ von Panait Istrati.


Christian Ludwig Attersee mit seinem Rhesusäffchen mit Banane, in originalem Texashemd –
Plakat 1968

Ihre Bilder erzählen meistens Geschichten. Was ist zuerst da – das Bild oder die Geschichte?
ATTERSEE: Eine Welt ohne Geschichten gibt es für mich nicht. So ist es auch in der Kunst, auch in der gegenstandslosen. Ich beginne zu malen und die Bilder erzählen sich von selbst.

Sie haben eine riesige Schallplattensammlung und wollten ja ursprünglich Opernsänger werden. Was hören Sie am liebsten?
ATTERSEE: Bei meiner Kunstjagd höre ich nahezu täglich 4–6 Stunden Musik aus allen Musikrichtungen. Am liebsten höre ich Jazzballaden, koreanische Hustenchöre, Debussy und Schönberg, Popmusik aus Ende der 1960er-Jahre usw. Sie haben auch viele Musiker persönlich getroffen, etwa David Bowie und Bob Dylan.

Was ist Ihnen besonders in Erinnerung geblieben?
ATTERSEE: Ein Treffen mit Freddy Quinn in Memphis, Tennessee: Ich wollte mich als Elvis einkleiden und er hat immer wieder versucht, mich zu verführen, in sein billiges Country-Ausstattungsgeschäft zu kommen. Den vielleicht lustigsten Abend mit bekannten Musikern habe ich mit Joe Zawinul und dem Saxophonisten Cannonball Adderley in Harlem erlebt.

Sie haben einmal die Malerei mit dem Streichen eines Butterbrots verglichen. Wie ist das gemeint?
ATTERSEE: Die Tätigkeit des Butterbrotstreichens ist für mich sehr vergleichbar mit dem Auftragen von Farbe auf eine Leinwand.

In Ihren Bildern kommen oft Tiere vor, warum?
ATTERSEE: In meiner Kunst kann man das Dreieck Tier – Landschaft – Mensch jederzeit finden; außerdem werden die Tiere in meinen Bildern von mir als Schauplatzwächter bezeichnet.

Auch ein Zitat von Ihnen: Ich lebe ewig, bis zu meinem Tod. Heißt das, nur der Augenblick ist wichtig, die Nachwelt ist Ihnen egal?
ATTERSEE: Beim Fertigen meiner Kunst versuche ich immer, so nahe wie möglich an das Jetzt zu kommen, um zuletzt in diesem Jetzt auch das ewige Leben zu erleben.

Erotik & Liebe ziehen sich ebenfalls durch Ihre Arbeiten. Ohne Erotik gäbe es wahrscheinlich keine Kunst, oder?
ATTERSEE: Ich denke, ohne Erotik gäbe es eigentlich kein lebenswertes Leben, Erotik ist bei mir die höchste Form der Kunst.

Wären Sie nicht Künstler geworden, wären Sie heute vielleicht …?
ATTERSEE: Ein Kapitän auf großen amerikanischen Segeljachten.


Wien Pur

Wien Pur – Ein Fotobuch


Der Fotograf Lukas Beck hat Wien in diesem speziellen Frühling und Sommer fotografiert, Daniel Wisser hat dazu einen kleinen Essay geschrieben. Wir bringen Appetithäppchen von beiden Arbeiten.
Text: Daniel Wisser / Fotos: Lukas Beck


Was wir sehen und was wir auch in Becks Fotografien sehen, ist kein Ausnahmezustand, es ist nichts, das in irgendeiner Weise mit dem Zweiten Weltkrieg vergleichbar ist, auch wenn Politiker uns das immer wieder nahelegen wollen. Es gab keine Ausgangssperren. Und genauso gibt es kein Wiedererwachen und keine Auferstehung. Was wir sehen, ist unsere Welt, ist unser Hier und Heute.
Ähnlich suggeriert der Journalismus: Da war die Finanzkrise, dann die Flüchtlingskrise, dann Ibiza und danach kam Corona. Christian Morgenstern hat diese Sensationsgier einmal ironisch in einem Satz zusammengefasst: Wir leben in bewegten Zeiten – ein Tag folgt auf den anderen.
So zurückhaltend Beck bleibt und sich nicht durch Effekte und betonte Künstlichkeit in den Vordergrund drängt, so unterschwellig gelingt es ihm gerade durch diese Zurückhaltung, Zeitebenen bewusst zu machen.
In Becks Fotos sieht man keine Maske und keinen Babyelefanten, keine einzige Rolle Klopapier und keine Hefepackung. Der Fotograf widersteht dem Klischee, dem allzu Naheliegenen, und zeigt stattdessen Blicke, die sich auf nichts weniger als auf die Intensität der Stadt beschränken.
Im Jahr 2020 hat sich unser Lebensraum durch die Covid-Pandemie extrem verändert. Unsere gewohnten Innenräume – Wohnung, Haus, Arbeitsplatz – sind ebenso anders geworden wie das Außen. Die Stadt, in der wir leben, erschien uns plötzlich als ein anderer Ort. Dabei sind die Orte doch gleich geblieben. Einmal mehr mussten wir also lernen, dass nicht bloß bauliche Gegebenheiten einen Ort definieren, sondern auch das soziale Leben.

Lukas Beck: Wien Pur.
Mit einem Vorwort von Daniel Wisser.

echomedia Buchverlag, 160 Seiten, €29,90

Echt Wien

Echt Wien: Wiener Originale, Wiener Musik, Wiener Humor


Unter dem Motto „Echt Wien – Wiener Originale, Wiener Musik, Wiener Humor“ trotzt die Wiener Kulturszene der Corona-Krise. Von Anfang September bis Ende November 2020 finden 60 Veranstaltungen in Wiener Cafés statt. Dabei wollen sich Künstler*innen und Kaffeehäuser gegenseitig helfen. Von kleinen, feinen Lesungen über Wienerlied-Konzerte bis zu Kabarett: Beim neuen Festival Echt Wien werden sich Künstlerinnen und Künstler in Wiener Kaffehäusern unterhaltend und anregend mit dem „Wienerischen“ beschäftigen.


5. 10. 2020

Peter Patzak:
18 Uhr auf der Summerstage

8. 10. 2020

Flickentanz:
17 Uhr im Cafe Museum (Tel. 01 241 006 20)

18.15 Uhr im Cafe Prückel (Tel. 01 512 61 15)

19.30 Uhr im Cafe Westend (Tel. 01 522 33 68)

9. 10 . 2020

Bobby Sommer:
18 Uhr im Cafe Brey (Tel. 01 216 2457)

Maria Jelenko:
18 Uhr im Thalia Landstraße (Tel. 0732 761 567 522)

12. 10. 2020

Otto Brusatti & Nicola Djoric

16.00 Uhr im Operncafe (Tel. 01 512 33 96)

17.15 Uhr im Cafe Volkstheater (Tel. 01 522 05 96)

18.30 Uhr im Cafe Weidinger (Tel. 01 492 07 02)

15. 10. 2020

Ingo Steinbach & Gitarre

17.00 Uhr im Ignaz & Rosalia Marktcafe (Tel. 0660 163 72 51)

18.00 Uhr im Cafe Schönbrunn (Tel. 01 295 73 46)

19.15 Uhr im Heuren Schneider Gössl (Tel. 01 877 61 09)

20. 10. 2020

Paul Schuster & Keyboard

17.00 Uhr im Anker Bistro (Tel. 01 236 68 11)

18.00 Uhr im Gingerhof (Tel. 0699 114 136 44)

19.00 Uhr im Mitzi Tant (Tel. 01 523 62 97)

Lukas Beck: Präsentation „Wien pur“

18.30 Uhr im Cafe Libelle (Tel. 01 966 38 33)

21. 10. 2020

Freude – Solo mit Gitarre

17.00 Uhr im Cafe Ritonka (Tel. 0664 346 24 42)

18.15 Uhr im Mae Aurel (Tel. 01 968 70 93)

19.30 Uhr im Cafe Zweisam (Tel. 01 968 00 85)

Chris Lohner

19.00 Uhr im Thalia Landstraße (0732 761 567 522)

27. 10. 2020

Maddy Rose am Klavier

17.00 Uhr im Cafe Nebenan (Tel. 0650 337 00 00)

18.15 Uhr im Cafe Prückel (Tel. 01 512 61 15)

19.30 Uhr im Cafe Westend (Tel. 01 522 33 68)

28. 10. 2020

Michael Schmid

18.00 Uhr im Cafe Museum (Tel. 01 241 006 20)

29. 10. 2020

Mini & Claus

17.00 Uhr im Cafe Frauenhuber (Tel. 01 512 53 53)

18.15 Uhr im Cafe Nebenan (Tel. 0650 337 00 00)

19.30 Uhr im Anker Bistro (Tel. 01 236 68 11)

30. 10. 2020

Prof. Roland Girtler

18.00 Uhr im Cafe Schopenhauer (Tel. 01 406 32 88)

3. 11. 2020

Mel Merio

17.30 Uhr im Cafe „The Legends“ (Tel. 01 952 41 71)

18.45 Uhr im Cafe Zweisam (Tel. 01 968 00 85)

20.00 Uhr im Cafe Tethys (Tel. 01 890 79 62)

4. 11. 2020

Erich Schleyer

19.00 Uhr im Cafe Frauenhuber

5. 11. 2020

Lukas Antos

17.00 Uhr im Cafe Ritonka (Tel. 0664 34 24 42)

18.15 Uhr im Mae Aurel (Tel. 01 968 70 93)

19.30 Uhr im Cafe Zweisam (Tel. 01 968 00 85)

7. 11. 2020

Sebastian Grandits & Gitarre

16.00 Uhr in der Meierei Diglas (Tel. 01 479 43 76)

17.00 Uhr im Cafe Mocca (Tel. 01 890 35 93)

18.15 Uhr im „Die Koberantinnen“ (Tel. 01 925 24 15)

9. 11. 2020

Präsentation Beethoven-Buch

18.00 Uhr im Cafe Frauenhuber (Tel. 01 512 5353)

10. 11. 2020

Wenzel Beck

17.00 Uhr im Mae Aurel (Tel. 01 968 70 93)

18.00 Uhr im Cafe Ritonka (Tel. 0664 346 24 42)

17. 11. 2020

Präsentation Staatsopernbuch

18.00 Uhr im Operncafe (Tel. 01 512 33 96)

19. 11. 2020

Otto Brusatti & Nicola Djoric

18.15 Uhr im Cafe Raimund (Tel. 01 523 25 82)

19.30 Uhr im Mitzi Tant (Tel. 01 523 62 97)

23. 11. 2020

Andreas Pittler

18.00 Uhr im Cafe Klim Bim (Tel. 01 278 41 39)

26. 11. 2020

Ingo Steinbach & Gitarre

17.00 Uhr im Cafe Volkstheater (Tel. 01 522 05 96)

18.00 Uhr im Mitzi Tant (Tel. 01 523 62 97)

19.00 Uhr im Cafe Westend (Tel. 01 522 33 68)

30. 11. 2020

Präsentation Wiener Originale Buch

18.30 Uhr im Cafe Frauenhuber (Tel. 01 512 53 53)

Kommen Sie also zu uns genießen Sie „Wienerisches“ bei einer Tasse Kaffee!
Dadurch unterstützen Sie nicht nur die Künstler in dieser schwierigen Zeit, sondern auch die Kaffeehäuser – DANKE!

Kaffeesieder-Obmann Wolfgang Binder war gleich von der Initiative begeistert: „Mit den Appetithäppchen aus dem Wiener Kulturleben können wir Cafétiers und Künstlern, die jetzt dringend Auftritte brauchen, gleichermaßen helfen. Außerdem sind unsere Cafés ja unbestritten ,echt Wien‘.“
So helfen Künstler den Kaffeehäusern – und Kaffeehäuser helfen den Künstlern.

In unserem wienlive Newsletter halten wir Sie über Neuigkeiten und das Programm von „Echt Wien – Wiener Originale, Wiener Musik, Wiener Humor“ auf dem Laufenden!


Lady Bluetooth

Lebensgeschichte einer Hollywood-Ikone


Das Jüdische Museum Wien bis 8. November die Lebensgeschichte der Hollywood-Ikone und genialen Erfinderin Hedy Lamarr. Die Ausstellung im Museum Judenplatz zeigt die facettenreiche Biographie und setzt einen besonderen Schwerpunkt auf ihre Lebensjahre in Wien und Berlin.
Fotos: Antohny Loder Archive, Jüdisches Museum Wien


Von Wien nach Hollywood
Hedy Lamarr zählte zu den strahlenden Hollywood-Stars. Lange Zeit unbekannt blieb jedoch, dass sie die Erfinderin des Frequenzsprungverfahrens war, auf dem Mobilfunk, Bluetooth und WLAN basieren. 1914 als Hedwig Kiesler in Wien geboren, wurde die Tochter eines jüdischen Bankdirektors aus dem Wiener Nobelbezirk Döbling von Max Reinhardt für das Theater entdeckt. 1933 avancierte sie durch eine Nacktszene im Film Ekstase zum internationalen Star. Im selben Jahr heiratete Hedwig Kiesler den einflussreichen Munitionsfabrikanten und Waffenhändler Fritz Mandl. Vor seinem herrischen Wesen und seiner Eifersucht flüchtete sie 1937 nach Hollywood. Auf Anraten von Filmmogul Louis B. Mayer wurde ihr Name in Hedy Lamarr geändert. Gleich ihr erster Spielfilm Algiers machte sie weltberühmt. Nach dem Kriegseintritt der USA engagierte sie sich im Kampf gegen die Nazis, zu dem auch ihre mit dem Komponisten George Antheil ausgearbeitete Funkfernsteuerung für Torpedos beitragen sollte. Sie galt als schönste Frau der Welt und war insgesamt sechs Mal verheiratet und starb 2000. Seit 2018 verleiht die Stadt Wien den Hedy-Lamarr-Preis an innovative Wissenschaftlerinnen.

Lady Bluetooth
Hedy Lamarr war aber auch eine versierte Erfinderin. Sie entwickelte sowohl kleine Helfer als auch komplexe Waffensysteme. Für ihren Freund Howard Hughes entwarf sie einen Flugzeugrumpf, der Schnelligkeit mit guten Flugeigenschaften vereinte. Mit George Antheil erfand sie eine störungssichere Funkfernsteuerung für Torpedos, die sie sich patentieren ließen, um sie der US-Navy zu schenken. Das dafür entwickelte Frequenzsprungverfahren gilt heute als Vorläufer für Drahtlostechnologien wie Bluetooth und Mobilfunk. Ihr Patent verschwand damals in den Schubladen und blieb für viele Jahre ungenutzt,

Eine Wienerin bleibt eine Wienerin
Neben ihren filmischen Rollen, spielte Hedy Lamarr häufig verschiedene Rollen in ihrem Privatleben. Von der ersten Rolle als höhere Tochter einer gutsituierten, assimilierten jüdischen Familie in Wien-Döbling, zur Schauspiel-Ikone, schönste Frau der Welt, Hausfrau, Ehefrau, Mutter, Unternehmerin, Erfinderin bis hin zur Rolle der verletzlichen Diva, der Zurückgezogenen und aus österreichischer Perspektive besonders interessanten Rolle, der der Österreicherin bzw. Wienerin. In zahlreichen Interviews sprach Hedy Lamarr davon, dass Wien ihre eigentliche Heimat sei und sie sich nicht als Amerikanerin, sondern als Österreicherin betrachtete. Tatsächlich kam sie aber nach ihrer Emigration 1937 nur noch ein einziges Mal in das Land ihrer Geburt zurück: Im Sommer 1955.Das österreichische Medienecho auf ihren Besuch zeigt, dass man stolz auf den aus Wien gebürtigen Weltstar war, und gerne hob man hervor, wie sehr sie immer noch eine Wienerin war.


Informationen & Details

Jüdisches Museum Wien

Unsichtbar

When They See Us


Warum Sie sich jetzt um die Rassenkonflikte in den USA zu verstehen die Netflix Serie „When They See Us“ anschauen sollten und was das mit Donald Trump zu tun hat.
Text: Helmut Schneider / Fotos: Netflix


Im April 1989 wurde eine junge Frau beim Joggen im Central Park vergewaltigt und so schwer misshandelt, dass sie nur sehr knapp überlebte – auch weil sie erst Stunden nach der Tat gefunden worden war.

Noch in der gleichen Nacht nahm die Polizei fünf Jugendliche fest, von denen vier ein Geständnis ablegten. Später zogen sie dies aber zurück und sagten, die Polizei habe Druck auf sie ausgeübt. Denn den Jugendlichen – vier Schwarze und ein Latino – wurden vorgespielt, sie müssten nur gestehen, um wieder nach Hause gehen zu können. Anwälte oder Eltern hatte man nicht informiert. Die Namen der Jungen wurden bekanntgegeben, obwohl vier noch unter 16 waren. In der Presse wurde sie danach nur als die „Central Park Five“ tituliert und entsprechend vorverurteilt.

Justizskandal
Auch im Prozess gab es dann jede Menge Ungereimtheiten, schließlich wurden die fünf aber zu Strafen von bis zu 15 Jahren verurteilt. Vier der Jungen saßen etwa sieben Jahre im Gefängnis, einer 13 Jahre. Erst nach Jahren wurde bekannt, dass ein einzelner Mann, der wegen einer anderen Tat in Haft saß, der alleinige Täter ist. Den Unschuldigen wurde hohe Entschädigungen zugesprochen. Die „Central Park Five“ stehen für einen der größten Justizskandale der jüngeren US-Geschichte.

Trump, seinerzeit noch Immobilienunternehmer, forderte damals mit ganzseitigen Anzeigen in 4 New Yorker Tageszeitungen die Todesstrafe für die Täter, ohne deren Namen zu nennen. 85 000 Dollar soll er laut Medienberichten für die Zeitungsannoncen ausgegeben haben. Darin heißt es unter anderem: „Ich möchte diese Räuber und Mörder hassen dürfen. Sie müssen leiden – und wenn sie töten, dann müssen sie wegen ihrer Verbrechen hingerichtet werden.“ Und das obwohl in New York die Todesstrafe bereits Geschichte war. Trump soll sich dafür übrigens später niemals entschuldigt haben.

Skandalöse Geschichte
Regisseurin Ava DuVernay erzählt in der vierteiligen Netflix-Serie „When They See Us“, die seit etwa einem Jahr online ist, die skandalöse Geschichte der Jugendlichen, die in unbarmherzigen Verhören von den Polizisten zu falschen Geständnissen genötigt werden. Denn im New York jener Tage werden mehrere Tausend Vergewaltigungen pro Jahr gemeldet, und die Bürger möchten endlich Täter sehen.

DuVernay, die 2014 mit dem Bürgerrechtsdrama „Selma“ bekannt wurde, macht die Dynamik der Verurteilungen anschaulich. Sie zeigt die Hintergründe dieses Justizskandals, der ja nur stellvertretend für viele andere ähnliche Fälle steht. Denn klar ist auch, dass viele andere Ungerechtigkeiten niemals aufgeklärt wurden und werden.

„When They See Us“ fesselt und schockiert und ist streckenweise kaum zu ertragen. Auch weil die Darsteller lebensecht agieren und uns die Serie deutlich machen, dass nach der Aufklärung für die Betroffenen trotz hoher Abfindung nichts mehr so werden konnte, wie es war.

Krieg gegen Schwarze
Ava DuVernals Dokumentarfilm „Der 13.“ (13th) aus dem Jahr 2016 ist ebenfalls noch auf Netflix zu sehen. Darin beschreibt die Filmerin aus Kalifornien, warum afroamerikanische Mitbürger besonders oft in US-Gefängnissen einsitzen. Sie beginnt damit schon mit dem Ende des Bürgerkriegs, als plötzlich 4 Millionen Schwarze nominell frei wurden, tatsächlich aber wegen kleinster Delikte wie Vagabundieren sofort wieder eingesperrt wurden. Und sie entlarvt den berühmten „War on Drugs“ von Reagan als verdeckten Krieg gegen Schwarze. Denn während schwarze Crack-Dealer (Crack ist die billige, rauchbare Form von Kokain) zu hohen Strafen verurteilt wurden, stiegen weiße Kokain-Dealer weitaus besser aus. Man sollte auch einmal darüber nachdenken, warum die USA etwa 5 Prozent der Weltbevölkerung aber 25 Prozent aller Menschen in Gefängnissen stellen.

Ein Tipp noch für Buchleser zu diesem Thema: Die im Penguin-Verlag erschienenen Kurzgeschichten „Friday Black“ von Nana Kwame Adjei-Brenyah blicken in die Seelen von Schwarzen in den USA. Gleich in seiner ersten Geschichte erzählt der in New York aufgewachsene Autor von einem Fall, in dem ein Weißer, der in South Carolina unter schwarzen Kindern vor einer Bibliothek mit einer Kettensäge gewütet hatte, freigesprochen wurde. Als Schwarzer in den USA muss man eben vorsichtig sein, wenn man auf die Straße geht und Weißen begegnet. Kürzlich berichtete ein gut verdienender Schwarzer auf Facebook, dass er nur in Begleitung seiner kleinen Tochter spazieren gehen kann um in seiner privilegierten Neighbourhood nicht misstrauisch beäugt zu werden.


„When They See us“, netflix.com

Klangwelt

Klangsucher im freien Fall


Drei Jahre lang hat der Saxofonist und Komponist Ulrich Drechsler an seinem Projekt CARAMEL gearbeitet – der erste Teil seiner neuen Klangwelt Liminal Zone. Das Café Drechsler hat Ulrich Drechsler einst bekannt gemacht. Heute macht er andere Musik: Welche, zeigt nun eine Trilogie, die keine ist: „Klangsucher im freien Fall“.
Fotos: Daniel Shaked


Der Klarinettist und Komponist Ulrich Drechsler hat für sein aktuelles Album CARAMEL und das gleichnamige Ensemble den aufregenden Soundtrack zu einem imaginären Film komponiert. Klänge von grosser Leidenschaft und eindringlicher Energie sind so entstanden mit denen er sich bewusst jeglicher Kategorisierung entzieht. Auf CARAMEL verarbeitet er auf berührende Art und Weise die Einflüsse aus Jazz, Neo-Klassizismus, Minimalismus und Filmmusik, die ihn in den vergangenen Jahren am stärksten geprägt haben. Scheinbar mühelos bewegt er sich dabei zwischen den unterschiedlichen Genres um sie zu etwas komplett Neuem und Unerhörtem verschmelzen zu lassen. Ulrich Drechslers Kompositionen werden von den MusikerInnen auf CARAMEL mit Begeisterung zum Leben erweckt. Özlem Buluts strahlender Koloratursopran schwebt über dem raumfüllenden, intensiven Zusammenspiel von Oliver Stegers Kontrabass, Raphael Keuschniggs Schlagzeug und Amir Ahmadis virtuosen Klavierlinien. Dazu die hochbegabte Slam Poetin Yasmin Hafedh, die auf einigen Titeln eindringliche Rezitative erzählt. Dazwischen, darüber, darunter Ulrich Drechslers Bassklarinette. Mehr zu CARAMEL und Liminal Zone verrät der Musiker HIER.

Nicht die schillernde Oberfläche der Musik, das woraus sie gemacht ist, die Welt der Klänge, fasziniert ihn. Dabei erfindet sich der in Wien lebende deutsche Musiker und Komponist ständig aufs Neue wie seine breit gefächerten Projekte zeigen: Duette mit den Pianisten Tord Gustavsen oder Stefano Battaglia, sein „Cello Quartet“, das Club Music Trio „Café Drechsler“, ein Thelonious Monk Solo Programm, Filmmusik uvm. sind nur einige Beispiele seiner erfolgreichen internationalen Karriere. Mit CARAMEL veröffentlicht der Klangsucher Ulrich Drechsler nach mehr als dreijähriger Vorbereitung das erste Oeuvre seiner gross angelegten Klangwelt LIMINAL ZONE, auf der ab 2020 in vorerst drei komplett eigenständigen Einzelprojekten die Vielfalt seines Schaffens präsentiert werden wird. Ulrich Drechsler [bcl, cl, comp] • Özlem Bulut [coloratura spr] • Yasmin Hafedh a.k.a. Yasmo [recitative] • Amir Ahmadi [p] • Oliver Steger [b] • Raphael Keuschnigg [dr]


„CARAMEL“ – Ulrich Drechsler [bcl, cl, comp], Özlem Bulut [coloratura spr], Yasmin Hafedh a.k.a. Yasmo [recitative], Amir Ahmadi [p], Oliver Steger [b], Raphael Keuschnigg [dr]

Richard Neutra im Wien Museum

Der unbekannte Architekturstar


Richard Neutra – der Architekturstar, den man in seiner Heimat Österreich noch immer zu wenig kennt. Das Wien Museum im Musa würdigt jetzt – 50 Jahre nach seinem Tod – den Wiener mit einer großen Ausstellung.
Fotos: Wien Museum; Kramar


Es gibt nicht viele Österreicher, die es auf die Titelseite des Time Magazine schafften – und wenn dann eher mit negativen Beigeschmack wie zuletzt Kanzler Kurz als jener Politiker, der die Rechten in Europa zum Mainstream machte. Aber 1949 ehrte das Magazin den Architekten Richard Neutra. Bloß wer war der vor 50 Jahren verstorbene Wiener?

Kurz gesagt Richard Neutra (1892-1970) war der international erfolgreichste österreichische Architekt des 20. Jahrhunderts. Der Großteil seiner rund 300 Bauten steht allerdings in seiner zweiten Heimat Kalifornien, wo er seit den 1920er-Jahren lebte. Hier wurde er zum Begründer einer genuin amerikanischen Moderne, deren Wurzeln zum Teil in Wien und Österreich zu suchen sind. Neutra war begeistert von der hochentwickelten industriellen Fertigung der USA, beschäftigte sich zugleich aber auch mit Physiologie, Psychologie und Verhaltensforschung – das Ziel war eine neue humanistische Architektur. Neutras Bauten zeichnen sich durch offene Grundrisse, leichte Konstruktionen und eine enge Beziehung zur umgebenden Landschaft aus, sie folgen einem strengen System und sind zugleich auf individuelle Wohnbedürfnisse zugeschnitten.

50 Jahre nach Neutras Tod nähert sich das Wien Museum dem Werk und der Wirkung des Architekten auf zwei unterschiedlichen Ebenen: Aktuelle Fotografien von David Schreyer zeigen neun exemplarische Wohnhäuser Neutras, die nicht nur kalifornische Wohnkultur vermitteln, sondern durch ihre Raumökonomie, gestalterische Qualität und Funktionalität auch heute noch vorbildlich sind. Ergänzend dazu wird auf einer historischen Achse Neutras wechselhafte Beziehung zu seiner Heimatstadt Wien nachgespürt.

Der Weg nach Amerika
Richard Neutra wurde 1892 als Sohn einer jüdischen Wiener Familie geboren. Bald nach Beginn seines Studiums an der Technischen Hochschule wurde er in die private Bauschule von Adolf Loos aufgenommen. Loos, der stets voller Begeisterung von seinem Aufenthalt in Amerika berichtete, war es auch, der in Neutra den Wunsch erweckte, einmal selbst in die Vereinigten Staaten zu reisen, um dort neuartige Bautechniken, aber auch das Werk von Frank Lloyd Wright zu studieren, dessen revolutionäre Bauten in Wien durch Reproduktionen bekannt waren. Der Ausbruch des Ersten Weltkriegs machte diese Pläne jedoch zunichte, Neutra wurde an die Front nach Bosnien-Herzegowina geschickt. Nach dem Zusammenbruch der Monarchie gab es für junge Architekten in Wien kaum Arbeitsmöglichkeiten. Über Zürich, wo er für den Landschaftsplaner Gustav Ammann tätig war und während dieser Zeit seine künftige Frau Dione kennenlernte, und Berlin, wo er im Atelier von Erich Mendelsohn arbeitete, gelang Neutra schließlich 1923 die ersehnte Ausreise in die Vereinigten Staaten von Amerika.

Richard Neutra und Rudolph Schindler
Ab 1925 lebten die Neutras in Los Angeles, zunächst bei dem Otto Wagner-Schüler Rudolph Schindler, der seit 1914 in den USA ansässig war. In den folgenden Jahren konnten die beiden Wiener Emigranten eine Reihe von Wohnhäusern errichten, die heute zu den bedeutendsten Bauten der kalifornischen Moderne zählen. In ihnen zeigt sich die Wiener Prägung durch Wagner und Loos ebenso wie das Interesse an der lokalen Baukultur der Pueblo-Indianer und innovativen Bautechniken und Materialien. Aus diesen vielfältigen Einflüssen entstand eine genuin amerikanische, von den historischen europäischen Stilen unabhängige Architektur. Mit dem Lovell Health House wurde Richard Neutra 1929 international bekannt und erhielt in Folge zahlreiche Bauaufträge. In Österreich dagegen konnte Neutra nur ein Haus verwirklichen – das kleine Einfamilienhaus in der Wiener Werkbundsiedlung wurde 1932 fertiggestellt.

Ein Vorreiter nachhaltigen, ökologischen Wohnens
Nach dem Zweiten Weltkrieg wurden Neutras Einfamilienhäuser zu Modellen für das neue Wohnen der Mittelschicht: Die offenen Grundrisse brachten neue Wohnbedürfnisse zum Ausdruck und machten durch innovative, leichte Konstruktionen eine maximale Öffnung zur umgebenden Landschaft möglich. Der Mensch, so Neutra, sollte möglichst „naturnah“ leben. Die Bedürfnisse der Bewohner wurden mittels Fragebögen erhoben. Standardisierung, Präfabrikation und billige Baumaterialien sollte diese Architektur allgemein erschwinglich machen. Auch in seinen einflussreichen Büchern hatte Neutra stets die großen sozialen Fragen im Blick. Heute gelten Neutras Häuser als Luxusimmobilien, während er selbst im Schaffen von leistbarem Wohnraum und einer gesellschaftlich relevanten Architektur ein wesentliches Ziel seiner Arbeit sah. Neutra galt nun als einer der prominentesten Architekten der USA. 1949, auf dem Zenit seines Ruhmes, ehrte ihn das „Time“-Magazin mit einem Titelbild.

Die Rückkehr nach Wien
In den 1960er-Jahren versuchten Richard und Dione Neutra, in Wien Fuß zu fassen. Doch trotz zahlreicher Ehrungen, Ausstellungen und Versprechen seitens einflussreicher Politiker blieben die Jahre in der alten Heimat Episode: Die Architekten Wiens fürchteten die prominente Konkurrenz aus Amerika, den Jungen galt Neutra als Vertreter des Establishments. 1969 kehrten die Neutras resigniert nach Los Angeles zurück. Das bedeutendste Dokument dieser Zeit ist ein bemerkenswerter, heute weitgehend vergessener Film mit dem Titel „Die Ideen des Richard Neutra“.

Die Architekturfotografien von David Schreyer
Von den rund 300 Bauten, die Neutra in einer fast 50-jährigen Bautätigkeit realisieren konnte, steht der Großteil in Kalifornien. Aus diesem riesigen Pool wählten die Kuratoren des Wien Museums neun Häuser aus, die im Detail dokumentiert wurden. Zeitlich parallel zu ausführlichen Gesprächen, die Andreas Nierhaus mit den heutigen Bewohnern führte, entstanden die Fotografien von David Schreyer. Sie zeigen die Häuser in ihrem heutigen Zustand und ihrer aktuellen Nutzung – es sind keine aufgeräumten Hochglanzbilder, sondern präzise Analysen der alltäglichen Wirklichkeit dieser Bauten.

Die Fotografien können auch als Antwort auf die bekannten Schwarzweiß-Aufnahmen Julius Shulmans verstanden werden, die bis heute die Wahrnehmung von Neutras Bauten prägen. David Schreyer zeigt die Häuser nicht als überhöhte Kunstwerke, sondern als ästhetische hochwertige Gebrauchsobjekte.

Die in der Ausstellung präsentierten Häuser entstanden in einem Zeitraum von
30 Jahren, von 1936 bis 1966. Räumlich liegt der Schwerpunkt auf Los Angeles und dem Stadtviertel Silver Lake, wo bis heute zahlreiche Bauten Neutras wie auch sein eigenes Wohnhaus zu finden sind. Exkursionen führen in die noble Nachbarstadt Pasadena, in die Oase von Palm Springs und die Mondlandschaft von Lone Pine.

Die Häuser zeigen die ganze Bandbreite von Neutras Können im Einfamilienhausbau und vermitteln sein stringentes architektonisches System, das zugleich große Vielfalt und individuelle Abwechslung möglich macht. Viele der Häuser Neutras, ehemals häufig für die Mittelschicht konzipiert, sind mittlerweile Luxusobjekte und gleichzeitig nicht selten vom Abbruch bedroht, denn die rasant steigenden Grundstückspreise in Los Angeles machen die verhältnismäßig kleinen Bauten für die Immobilienwirtschaft unrentabel. Die Eigentümer der in der Ausstellung präsentierten Häuser waren nicht selten zugleich ihre Retter. So erzählen diese Häuser nicht nur von der Geschichte des modernen Wohnens, sondern auch von seiner radikalen Ökonomisierung in der neoliberalen Gegenwart.


RICHARD NEUTRA
Wohnhäuser für Kalifornien
Wien Museum MUSA, Felderstraße 6-8, 1010 Wien – bis 20. September 2020
Dienstag bis Sonntag und Feiertag, 10 bis 18 Uhr
www.wienmuseum.at
Erwachsene: EUR 7,- / ermäßigt EUR 5,-. Kinder und Jugendliche unter 19 Jahre – Eintritt frei!
Jeden ersten Sonntag im Monat für alle BesucherInnen – Eintritt frei!

Habibi & Hawara

Wir schaffen das miteinander


Keine leichten Zeiten für die Gastronomie. Endlich kann man in den Restaurants mit Freunden wieder essen. Und wenn es besonders gut geschmeckt hat – wie wäre es mit einer Kochparty, am besten mit Rezepten aus dem brandneuen Kochbuch von Habibi & Hawara!
Text: Ursula Scheidl / Fotos: Julia Stix


„The challenge of the 21st century is to find out what works and scale it up“, meinte schon Bill Clinton. Im Frühsommer 2015 wollten Martin Rohla, Nina Mohimi und Katha Schinkinger Flüchtlingen in der Stadtflucht Bergmühle „einfach eine schöne Zeit bereiten“. Letztlich haben sie über tausend Flüchtlinge bewirtet, aber auch für ein entsprechendes Kinderprogramm gesorgt. „Wir haben alle drei die Situation nicht mehr ertragen und wollten etwas tun“, sagt die PR- Spezialistin Katha Schinkinger. Was mit „Hosten statt Posten“ begann, wird seit Mai 2016 mit dem ersten Restaurant in der Wipplingerstraße 29 von Flüchtlingen für Österreicher weitergeführt. Mittlerweile gibt es zwei weitere Standorte in der Siebensterngasse und im neuen Nordbahnviertel.

Mit dem neuen Kochbuch können wir ab Juli selbst als Köche versuchen. Gastfreundschaft, Heiterkeit, Vielfalt und Liebe stehen im Mittelpunkt dieses Buches und, ganz klar: die Köstlichkeiten für fast jeden Anlass – von Brunch bis Barbecue, kreiert vom Head of Kulinarik Josef Pieringer, den „Habibi & Hawara“-Küchenchefs Munir Hosch und Mohammad Aljassem sowie dem Freund des Hauses Manuel Horacek –, die es bald nachzukochen gilt.


das kochbuch. 50 Rezepte. 160 Seiten, ab Juli exklusiv bei Billa und Merkur,
echomedia buchverlag, € 24,90


Orientalisch mit Twist
Habibi & Hawaras Küchenchef Mounir wohnt oberhalb des Lokals in der Inneren Stadt und kocht weiter. Regionalität ist mehr denn je ein großes Anliegen, viele Lieferanten sind mittlerweile gute Bekannte. Das Konzept kam bei den Gästen sehr gut an, was bei der Qualität der Speisen und dem freundlichen Personal aber nicht verwundert.
habibi & hawara
Wipplingerstraße 29, 1010 Wien

www.habibi.at; office@habibi.at

Kids‘ Kitchen

Focaccia mit dem Pizza-Weltmeister backen und tolle Preise gewinnen!


Die Sommerferien sind zwar schon vorbei aber mit dem neuen Kids’ Kitchen Kochvideo startet ihr gut und vor allem gestärkt in den Schulalltag. Denn dank der fortlaufenden Unterstützung der Stadt Wien und der Wiener Städtischen Versicherung konnten wir im Juli und im August vier großartige Kids‘ Kitchen Koch-Veranstaltungen für euch online möglich machen.
Fotos: Kids‘ Kitchen; Stefan Joham


Alle vier Videos sind auf https://www.kids-kitchen.at/sommer-edition/ zu finden. Im neuesten Video zeigt euch der PIZZA-WELTMEISTER Francesco wie man echte italienische Focaccia zubereitet!

Gewinnspielalarm!
Während ihr eure Kochlöffel schwingt wird es außerdem ein Quiz geben, bei dem verschiedene Fragen gestellt werden. Wenn ihr es schafft diese Fragen zu beantworten, könnt ihr tolle Preise gewinnen. Die jeweils ersten 50 Gewinner*innen erhalten eine randvolle Goodie-Bag von der Wiener Städtischen Versicherung und der Stadt Wien – von uns bekommt ihr noch dazu Kids’ Kitchen Kochschürzen, Kochlöffel und eine Kochmütze! ABER ACHTUNG! Das Gewinnspiel läuft nur noch bis Donnerstag! Mitmachen auf www.kids-kitchen.at/gewinnspiel! Also schnappt euch eure Kochlöffel und legt los.

Du bist zwischen acht und zwölf Jahren alt und möchtest mitmachen? Dann geh auf kids-kitchen.at/sommer-edition und lass dich von den tollen Videos und Rezepten der Kids’ Kitchen Sommer Edition verzaubern! So köstlich war der Schulstart noch nie!