Frauengesundheitswoche

Linett Tunc – ©Wiener Frauengesundheitswoche

Die Erste Wiener Frauengesundheitswoche


Das Wiener Programm für Frauengesundheit bietet heuer erstmals eine Woche lang ein umfangreiches Online-Angebot zur Frauengesundheit. Von 28. September bis 2. Oktober werden zahlreiche Radio- und TV-Beiträge, Online Vorträge in Livestreams, Podcasts zum Nachhören sowie diverse On- und Offline-Beteiligungsaktivitäten angeboten. Mädchen als auch Frauen in allen Lebenslagen sollen zu den verschiedensten Themen der Frauengesundheit sensibilisiert und informiert werden. Denn Frauengesundheit ist weit mehr als PAP-Abstrich oder Brustkrebsvorsorgeuntersuchung. Um den Themen auch ein Gesicht zu geben, wurden 8 Wienerinnen gefunden, die für diese stehen.


Themenschwerpunkte für Gesundheit von Mädchen und Frauen in allen Lebenslagen

An fünf Schwerpunkttagen – „Seelische Gesundheit“, „Sexuelle Gesundheit“, „Frauengesundheit ein Leben lang“, „Gesund ins Alter“ und „Schwangerschaft und Geburt“ – wird dieser Frage nachgegangen. Corona war und ist auch eine Belastung für die Seele, daher geht es in der Wiener Frauengesundheitswoche auch um die seelische Gesundheit: Stichwort Depressionen, Entschleunigung oder auch Gewalt gegen Frauen. Sexualität begleitet Frauen ein Leben lang – von der Wahl des richtigen Verhütungsmittels, über das Thema Wunschkind oder unerfüllter Kinderwunsch bis hin zu den Wechseljahren oder auch Sexualität im Alter. Einen Tag lang dreht sich alles rund um Schwangerschaft und Geburt, ein anderes Mal geht es in der 1. Wiener Frauengesundheitswoche nur ums gesund älter werden.

5 Thementage

· Montag, 28.9.: Seelische Gesundheit
· Dienstag, 29.9.: Frauengesundheit ein Leben lang
· Mittwoch: 30.9.: Sexuelle Gesundheit
· Donnerstag, 1. 10.: Gesund ins Alter – und auch Brustgesundheitstag
· Freitag, 2.10.: Schwangerschaft und Geburt

Alle Informationen & Details finden Sie auf: wienerfrauengesundheitswoche.at


Indielabelwoche

Frisch & jung: Die 2. Österreichische Indie Label Woche


Wiens Alt-Bürgermeister Michael Häupl meinte einmal: „Alles, was in Wien mehr als einmal stattfindet, hat Tradition“. Nun, wenn nicht irgendwelche Viren wieder einen Strich durch die Rechnung machen, geht vom 19.-24.10. im Wiener REIGEN die traditionelle, weil bereits Zweite, Österreichische Indie Label Woche über die Bühne.


Wer nun dachte, Corona wäre das endgültige Ende vieler Indie-Initiativen, irrt. Von 19. bis 24. Oktober 2020 geht die 2. Österreichische Indie Label Woche über die Bühne. Dazu ließen sich die Künstlerinnen und Künstler selbst eine Menge an Aktivitäten einfallen, von denen nun einige zur Präsentation gebeten werden. Hier wird frische, junge und heimische Musik quer durch die Genres geboten. Hier nur einige wenige der vertretenen KünstlerInnen:

The Rising Sun – ©Pavol Kulkovsky

The Rising Sun
Im Kaninchenbau des Klangs, eingängige Melodien mit fesselnden Basslinien und Trommelgrooves das sind die wesentlichen Fragmente ihrer Musik. Aus dem nördlichen Teil der Slowakei stammend, entziehen sich The Rising Sign jeder einfachen Genre-Definition. Sie spielen die Musik einfach so, wie sie sie mögen und wie sie sie empfinden.

Nine Lives – ©Agnes Salzer

NINE LIVES
Rock With The Devil! Erfrischend, mitreißend und soundtechnisch am Puls der Zeit rotzen sich die hochtalentierten Jungspunde von NINE LIVES durch ihr vielgelobtes Debütalbum „Dance With The Devil“. Mit ihrem hochenergetischen Classic-/Alternative- Rock werden sie am 23.10. den „Reigen“ eröffnen!

Maddy Rose – ©Christina Karagiannis

Maddy Rose
Kraftvoll, Soulig, Jazzig: Maddy Rose zieht ihre ZuhörerInnen mit ihrer starken Stimme in den Bann – Norah Jones meets Amy Winehouse. Mit ihrer kommenden Single “In a better place” trifft sie genau auf den Nerv der Zeit – eine neue Wende im Leben von uns allen. “In a better place” versprüht Euphorie und Optimismus. Es ist der Neubeginn und ein neuer Anfang nach einer schwierigen und herausfordernden Zeit. Der internationale Einfluss der Londoner Musikszene ist bei ihren Live Performances und ihrer Musik heute noch hör- und spürbar.

©Odd Ashes

Odd Ashes
Deep, acid, trippy, moody Underground Techno. Seltsame Asche. Ein weiteres Projekt von Daniel Stöger alias FNX, bekannte Figur aus den Projekten Disordered Kind und Anacle. Diesmal hat er sich mit seinem alten Kumpel Andi Leschitz zusammengetan und den ersten rein lokalen österreichischen – Land Burgenland – Act auf Mai Lei Bel gegründet.


Neben den „Mentoren“ des Vorjahres, Till Philippi und Dietmar Hoscher gesellten sich heuer auch die Jungs von Noise Appeal Records zum Team hinzu, Dominik Uhl und Michael Marlovics. Diese Labels sind bei der Indielabelwoche dabei: Rhythm & Poetry, Mai Lei Bel, Silvertree Records, monkey./Blind Rope Records, Stark!Strom! Nacht presented by Mars Music Productions sowie Problembär Records. An Bands wird es alles von Hardcore über Rock und Techno bis Electronic geben, etwa Naplava, Voodoo Smurfs, Go! Go! Gorillo, Brofaction, Helmut Rhode, Noir Voir, The Rising Sign, Odd Ashes, Maddy Rose, Anja Thaler, pauT, Amanda oder auch Jansky, Cil City, Autumn Bride, Nine Lives. Mit dabei sein wird auch Labelchefin Anne Eck, deren 2018 auf Silvertree erschienene EP „Rise“ in ihrer intensiven, introspektiven Sinnsuche nach wie vor Maßstäbe im Pop setzt, uneingeschränkt nach einem Nachfolgealbum schreit und erfreulicherweise in die bisherige Männer-Label-Domäne einbricht. Wie schon im Vorjahr: mehr Vielfalt geht (fast) nicht!

Informationen & Details sowie das gesamte Programm gibt es auf: indielabelwoche.at


Ein Kommentar

Spitze Feder


Am 11. Oktober wird in Wien gewählt – der Wahlkampf is allseits voll im Gange. Für die ÖVP tritt Finanzminister Gernot Blümel an. Als potenzieller Bürgermeister will er laut einer Plakatkampagne „Wien nach vorne bringen“. Dieser Spruch stößt einigen Wienern sauer auf – unter anderem dem Schriftsteller Robert Menasse.
Foto: Bubu Dujmic


„Wien nach vorne bringen“ – dieser Spruch ziert derzeit ÖVP-Wahlplakate in der Bundeshauptstadt. In sozialen Medien ärgern sich Wiener über den Slogan – und kontern zum Teil mit Kritik. So auch der Schriftsteller Robert Menasse, der seinem Unmut in einer Antwort auf ein öffentliches Facebook-Posting von Gernot Blümel Luft verschaffte. Hier der Kommentar:

„Lieber Gernot Blümel, was meinen Sie mit „Wien wieder nach vorne zu bringen“? Was ist „vorne“? Wo ist dieses „vorne“? Wieso „wieder“? Das bezieht sich offenbar auf die Geschichte der Stadt – wann war Ihrer Meinung nach Wien „vorne“, und daran müsse man nun „wieder“ anschließen? Meinen Sie Zeit VOR dem roten Wien, als die Stadt einen antisemitischen Bürgermeister hatte, von dem Hitler lernte? Können Sie sich bitte konkret ausdrücken?

Ich möchte Sie an Folgendes erinnern: So gut wie alles, was Wien heute so lebenswert macht und international bewundert und von den Wienern geliebt wird, hätte es mit Christdemokratischer bzw ÖVP-Regierung nicht gegeben: Gemeindebauten, sozialer Wohnbau (und dadurch immer noch einigermaßen leistbares Wohnen), denn Christdemokraten haben nie gezeigt, dass sie in Wien bauen können oder wollen, sie haben nur gezeigt, dass sie in Gemeindebauten hineinschießen, weiters: es gäbe keine Fußgängerzonen (ich erinnere mich, wie die ÖVP schon gegen die erste Fußgängerzone, am Graben, mobilisiert hat), es gäbe keine U-Bahn (ich erinnere mich, wie die ÖVP gestänkert hat, dass mit der U1 jetzt Proleten in 10 Minuten in die City kommen können…), es gäbe keine Donauinsel (ich erinnere mich, wie die ÖVP dagegen mobilisiert hat, zum Glück hilflos!), es gäbe keine UNO-City und kein Konferenz-Zentrum (die ÖVP hat ein Volksbegehren gegen Wien als Internationale Metropole gestartet), und es gäbe keine Stadterneuerung (die ÖVP wollte, dass Hauseigentümer abreißen und demolieren können, wenn es Spekulantenprofit verspricht), und und und und – und Sie, Herr Blümel, wagen es, Wien schlecht zu machen und glauben im Ernst, dafür gewählt zu werden?

Sie, als Vertreter einer Partei, die, zum Glück erfolglos, die Entwicklung Wiens zu einer lebenswerten und bunten Metropole bekämpft hat, wollen Wien in ein „vorne“ bringen, das Sie selbst nicht genauer definieren können, das aber nach allen Erfahrungen mit Ihrer Partei näher beim Mittelalter ist als bei den Bedürfnissen der Zeitgenossen. Als Finanzminister wurden Sie auffällig als einer, der sechs Nullen vergisst. Dann waren Sie nicht imstande, ein EU-Formular korrekt auszufüllen. Ich empfehle Ihnen zu schweigen.“


Kunstmesse

Der Besuch lohnt sich


Die Kunstmesse „viennacontemporary“ in der Marx-Halle im dritten Bezirk in Wien trotzt der Coronakrise. Noch bis Sonntag, den 27. September, können Besucher Werke von 65 teilnehmenden Galerien aus 16 Ländern sehen.


Weniger Aussteller, dafür haben die 65 teilnehmenden Galerien aus 16 Ländern mehr Platz und die Besucher sind vor Ansteckungen sicher. Von 24. bis 27. September 2020 trotzt die viennacontemporary 2020 der Coronakrise. Um die Sicherheit aller angesichts der aktuellen Situation zu gewährleisten, folgt die Veranstaltung einem umfassenden Schutzkonzept unter strenger Einhaltung aller Vorgaben der Österreichischen Bundesregierung. So wurde ein Timeslot-System für die Besucherinnen und Besucher sowie ein Kontakt-Rückverfolgungssystem eingeführt. Für alle gilt die Maskenpflicht.

Der Besuch lohnt sich jedenfalls. Die viennacontemporary ist auch heuer eine gute Gelegenheit, sich einen Überblick über die heutige Kunstproduktion zu verschaffen. Es gibt eine kuratierte Ausstellung österreichischer Jungkünstler und Diskussionsveranstaltungen. Dazu kommen auch dieses Jahr wieder Sonderschauen:
Das von Cathrin Mayer kuratierte Ausstellungsformat ZONE1 präsentiert ausschließlich KünstlerInnen unter 40, die in Wien leben, arbeiten oder studieren.
Elisa R. Linn & lennart Wolff bringen in der pointierten Werkpräsentation Explorations künstlerische Positionen zusammen, die zwischen 1945 und 1980 entstanden sind. Eine spannende Auswahl an Video-Arbeiten wurde von Jen Kratochvil zusammengestellt und wird auf der Messe gezeigt.

Alle Infos sowie Karten unter: viennacontemporary.at


Tausendsassa

Der Meister wurde 80


Christian Ludwig Attersee. Segel-Staatsmeister, Maler, Autor, Sänger, Bühnenbildner, Professor – Österreichs bekanntester Künstler hatte und hat viele Facetten. Das Gespräch zum Geburtstag des Tausendsassas.
Text: Helmut Schneider / Fotos: Sabine Hauswirth; APA Picturedesk


„Als Künstler bin ich schon geboren“ – jenes Statement, das man bei anderen Kreativen vielleicht belächeln würde, nimmt man Christian Ludwig Attersee ohne Weiteres ab. Denn der Universalkünstler, der sich nach dem Ort seiner Jugend – Attersee – benannte, hat schon früh auf allen Orgeln der Kunstgenres gespielt. Er schrieb Romane, textete Lieder, komponierte, zeichnete und malte. Und zwischendurch segelte er noch: dreimal wurde er zwischen 1957 und 1962 österreichischer Staatsmeister. Und gefragt, welches natürliche Talent er noch gerne hätte, fällt ihm nur ein:
„nicht zu altern“.
Der Erfolg als Maler kam freilich keineswegs sofort. Im konservativen österreichischen Nachkriegsmief hatte es neue Kunst denkbar schwer, die sogenannten Wiener Aktionisten, mit denen Attersee befreundet war, wurden stark angefeindet. Zehn Jahre lang konnte Attersee kein einziges Bild verkaufen. Im Jahr 1984 vertrat er dann freilich bereits Österreich bei der Biennale in Venedig. Attersee war neben seiner Malerei immer aber auch für Sidesteps und Aktionen zu haben. Für eine Textilkette entwarf er etwa in der Mariahilfer Straße das größte Glasmosaik Europas. Sein Gesamtwerk war in zahlreichen Retrospektiven im In- und Ausland zu sehen.


wienlive: Können Sie sich noch erinnern, wann Sie Ihr erstes Bild verkauft haben?
CHRISTIAN LUDWIG ATTERSEE: Bei meiner ersten Ausstellung in Wien 1967 in der Galerie im Griechenbeisl wurde das Bild „Blaues Butterbrot“ an Peter Noever verkauft.

Wie war die Stimmung in Wien, als Sie als Künstler angefangen haben?
ATTERSEE: Es herrschte ein absolutes politisches Desinteresse an Kunst, später wurde das mit gleichaltrigen Künstlern wie Günter Brus und Hermann Nitsch zu einer fast revolutionären Kampfsituation gegen die sogenannte „Öffentlichkeit“, auch ein Großteil der österreichischen Kulturpresse war bis Ende der 1960er-Jahre gegen die Erneuerer der österreichischen Kunst.

Sind Sie wie andere aus Wien nach Berlin geflohen?
ATTERSEE: Mein erster Berufsaufenthalt in Berlin war Ende 1965; ich habe einige Monate bei Gerhard Rühm gelebt und danach eine Zeit lang mit H. C. Artmann. Diese Reise war keine Flucht, sondern hat im Mai 1966 zu meiner ersten Einzelausstellung in der Galerie Benjamin Katz geführt.

Sie waren dreimal österreichischer Staatsmeister im Segeln, gehen Sie auch heute noch segeln?
ATTERSEE: Wenn möglich, chartere ich jedes Jahr mit Freunden in den Sommermonaten eine größere Segeljacht und wir besegeln ein, zwei Wochen Teilstücke des Mittelmeers.

Was bedeutet Ihnen Erfolg?
ATTERSEE: Für mich bedeutet es etwas Einmaliges, ein Künstler zu sein, der den Menschen Lebenswege erweitern und erneuern kann. Erfolg war mir nie so wichtig wie der Beruf an sich.

Die Titel Ihrer Bilder sind immer sehr poetisch, Sie haben ja auch Texte geschrieben. Welche Literatur ist Ihnen am liebsten, was sind Ihre Lieblingsdichter?
ATTERSEE: Mein Lieblingsdichter ist derzeit Wladimir Sorokin, von dem ich gerade „Manaraga. Tagebuch eines Meisterkochs“ lese, mein absolutes Lieblingsbuch ist „Kyra Kyralina“ von Panait Istrati.


Christian Ludwig Attersee mit seinem Rhesusäffchen mit Banane, in originalem Texashemd –
Plakat 1968

Ihre Bilder erzählen meistens Geschichten. Was ist zuerst da – das Bild oder die Geschichte?
ATTERSEE: Eine Welt ohne Geschichten gibt es für mich nicht. So ist es auch in der Kunst, auch in der gegenstandslosen. Ich beginne zu malen und die Bilder erzählen sich von selbst.

Sie haben eine riesige Schallplattensammlung und wollten ja ursprünglich Opernsänger werden. Was hören Sie am liebsten?
ATTERSEE: Bei meiner Kunstjagd höre ich nahezu täglich 4–6 Stunden Musik aus allen Musikrichtungen. Am liebsten höre ich Jazzballaden, koreanische Hustenchöre, Debussy und Schönberg, Popmusik aus Ende der 1960er-Jahre usw. Sie haben auch viele Musiker persönlich getroffen, etwa David Bowie und Bob Dylan.

Was ist Ihnen besonders in Erinnerung geblieben?
ATTERSEE: Ein Treffen mit Freddy Quinn in Memphis, Tennessee: Ich wollte mich als Elvis einkleiden und er hat immer wieder versucht, mich zu verführen, in sein billiges Country-Ausstattungsgeschäft zu kommen. Den vielleicht lustigsten Abend mit bekannten Musikern habe ich mit Joe Zawinul und dem Saxophonisten Cannonball Adderley in Harlem erlebt.

Sie haben einmal die Malerei mit dem Streichen eines Butterbrots verglichen. Wie ist das gemeint?
ATTERSEE: Die Tätigkeit des Butterbrotstreichens ist für mich sehr vergleichbar mit dem Auftragen von Farbe auf eine Leinwand.

In Ihren Bildern kommen oft Tiere vor, warum?
ATTERSEE: In meiner Kunst kann man das Dreieck Tier – Landschaft – Mensch jederzeit finden; außerdem werden die Tiere in meinen Bildern von mir als Schauplatzwächter bezeichnet.

Auch ein Zitat von Ihnen: Ich lebe ewig, bis zu meinem Tod. Heißt das, nur der Augenblick ist wichtig, die Nachwelt ist Ihnen egal?
ATTERSEE: Beim Fertigen meiner Kunst versuche ich immer, so nahe wie möglich an das Jetzt zu kommen, um zuletzt in diesem Jetzt auch das ewige Leben zu erleben.

Erotik & Liebe ziehen sich ebenfalls durch Ihre Arbeiten. Ohne Erotik gäbe es wahrscheinlich keine Kunst, oder?
ATTERSEE: Ich denke, ohne Erotik gäbe es eigentlich kein lebenswertes Leben, Erotik ist bei mir die höchste Form der Kunst.

Wären Sie nicht Künstler geworden, wären Sie heute vielleicht …?
ATTERSEE: Ein Kapitän auf großen amerikanischen Segeljachten.


Wien Pur

Wien Pur – Ein Fotobuch


Der Fotograf Lukas Beck hat Wien in diesem speziellen Frühling und Sommer fotografiert, Daniel Wisser hat dazu einen kleinen Essay geschrieben. Wir bringen Appetithäppchen von beiden Arbeiten.
Text: Daniel Wisser / Fotos: Lukas Beck


Was wir sehen und was wir auch in Becks Fotografien sehen, ist kein Ausnahmezustand, es ist nichts, das in irgendeiner Weise mit dem Zweiten Weltkrieg vergleichbar ist, auch wenn Politiker uns das immer wieder nahelegen wollen. Es gab keine Ausgangssperren. Und genauso gibt es kein Wiedererwachen und keine Auferstehung. Was wir sehen, ist unsere Welt, ist unser Hier und Heute.
Ähnlich suggeriert der Journalismus: Da war die Finanzkrise, dann die Flüchtlingskrise, dann Ibiza und danach kam Corona. Christian Morgenstern hat diese Sensationsgier einmal ironisch in einem Satz zusammengefasst: Wir leben in bewegten Zeiten – ein Tag folgt auf den anderen.
So zurückhaltend Beck bleibt und sich nicht durch Effekte und betonte Künstlichkeit in den Vordergrund drängt, so unterschwellig gelingt es ihm gerade durch diese Zurückhaltung, Zeitebenen bewusst zu machen.
In Becks Fotos sieht man keine Maske und keinen Babyelefanten, keine einzige Rolle Klopapier und keine Hefepackung. Der Fotograf widersteht dem Klischee, dem allzu Naheliegenen, und zeigt stattdessen Blicke, die sich auf nichts weniger als auf die Intensität der Stadt beschränken.
Im Jahr 2020 hat sich unser Lebensraum durch die Covid-Pandemie extrem verändert. Unsere gewohnten Innenräume – Wohnung, Haus, Arbeitsplatz – sind ebenso anders geworden wie das Außen. Die Stadt, in der wir leben, erschien uns plötzlich als ein anderer Ort. Dabei sind die Orte doch gleich geblieben. Einmal mehr mussten wir also lernen, dass nicht bloß bauliche Gegebenheiten einen Ort definieren, sondern auch das soziale Leben.

Lukas Beck: Wien Pur.
Mit einem Vorwort von Daniel Wisser.

echomedia Buchverlag, 160 Seiten, €29,90

Echt Wien

Echt Wien: Wiener Originale, Wiener Musik, Wiener Humor


Unter dem Motto „Echt Wien – Wiener Originale, Wiener Musik, Wiener Humor“ trotzt die Wiener Kulturszene der Corona-Krise. Von Anfang September bis Ende November 2020 finden 60 Veranstaltungen in Wiener Cafés statt. Dabei wollen sich Künstler*innen und Kaffeehäuser gegenseitig helfen. Von kleinen, feinen Lesungen über Wienerlied-Konzerte bis zu Kabarett: Beim neuen Festival Echt Wien werden sich Künstlerinnen und Künstler in Wiener Kaffehäusern unterhaltend und anregend mit dem „Wienerischen“ beschäftigen.


Das Programm bis jetzt (Achtung: Teilnahme an den Veranstaltungen ab sofort nur noch mit telefonischer Anmeldung!):

24. 9. 2020

Agnes Palmisano:
17 Uhr Cafe Prückel, 18 Uhr G’schamster Diener, 19 Uhr Cafe Westend

26. 9. 2020

Bobby Sommer:
10.30 Uhr Sluka Kärntnerstraße

@Stefan Joham – Otto Brusatti und Nicola Djoric beim Auftakt von Echt Wien.

Kommen Sie also zu uns genießen Sie „Wienerisches“ bei einer Tasse Kaffee oder ähnlichem!
Dadurch unterstützen Sie nicht nur die Künstler in dieser schwierigen Zeit, sondern auch die Kaffeehäuser (durch den Konsum eines Getränks) – DANKE!

In unserem wienlive Newsletter halten wir Sie über Neuigkeiten und das Programm von „Echt Wien – Wiener Originale, Wiener Musik, Wiener Humor“ auf dem Laufenden!


Lady Bluetooth

Lebensgeschichte einer Hollywood-Ikone


Das Jüdische Museum Wien bis 8. November die Lebensgeschichte der Hollywood-Ikone und genialen Erfinderin Hedy Lamarr. Die Ausstellung im Museum Judenplatz zeigt die facettenreiche Biographie und setzt einen besonderen Schwerpunkt auf ihre Lebensjahre in Wien und Berlin.
Fotos: Antohny Loder Archive, Jüdisches Museum Wien


Von Wien nach Hollywood
Hedy Lamarr zählte zu den strahlenden Hollywood-Stars. Lange Zeit unbekannt blieb jedoch, dass sie die Erfinderin des Frequenzsprungverfahrens war, auf dem Mobilfunk, Bluetooth und WLAN basieren. 1914 als Hedwig Kiesler in Wien geboren, wurde die Tochter eines jüdischen Bankdirektors aus dem Wiener Nobelbezirk Döbling von Max Reinhardt für das Theater entdeckt. 1933 avancierte sie durch eine Nacktszene im Film Ekstase zum internationalen Star. Im selben Jahr heiratete Hedwig Kiesler den einflussreichen Munitionsfabrikanten und Waffenhändler Fritz Mandl. Vor seinem herrischen Wesen und seiner Eifersucht flüchtete sie 1937 nach Hollywood. Auf Anraten von Filmmogul Louis B. Mayer wurde ihr Name in Hedy Lamarr geändert. Gleich ihr erster Spielfilm Algiers machte sie weltberühmt. Nach dem Kriegseintritt der USA engagierte sie sich im Kampf gegen die Nazis, zu dem auch ihre mit dem Komponisten George Antheil ausgearbeitete Funkfernsteuerung für Torpedos beitragen sollte. Sie galt als schönste Frau der Welt und war insgesamt sechs Mal verheiratet und starb 2000. Seit 2018 verleiht die Stadt Wien den Hedy-Lamarr-Preis an innovative Wissenschaftlerinnen.

Lady Bluetooth
Hedy Lamarr war aber auch eine versierte Erfinderin. Sie entwickelte sowohl kleine Helfer als auch komplexe Waffensysteme. Für ihren Freund Howard Hughes entwarf sie einen Flugzeugrumpf, der Schnelligkeit mit guten Flugeigenschaften vereinte. Mit George Antheil erfand sie eine störungssichere Funkfernsteuerung für Torpedos, die sie sich patentieren ließen, um sie der US-Navy zu schenken. Das dafür entwickelte Frequenzsprungverfahren gilt heute als Vorläufer für Drahtlostechnologien wie Bluetooth und Mobilfunk. Ihr Patent verschwand damals in den Schubladen und blieb für viele Jahre ungenutzt,

Eine Wienerin bleibt eine Wienerin
Neben ihren filmischen Rollen, spielte Hedy Lamarr häufig verschiedene Rollen in ihrem Privatleben. Von der ersten Rolle als höhere Tochter einer gutsituierten, assimilierten jüdischen Familie in Wien-Döbling, zur Schauspiel-Ikone, schönste Frau der Welt, Hausfrau, Ehefrau, Mutter, Unternehmerin, Erfinderin bis hin zur Rolle der verletzlichen Diva, der Zurückgezogenen und aus österreichischer Perspektive besonders interessanten Rolle, der der Österreicherin bzw. Wienerin. In zahlreichen Interviews sprach Hedy Lamarr davon, dass Wien ihre eigentliche Heimat sei und sie sich nicht als Amerikanerin, sondern als Österreicherin betrachtete. Tatsächlich kam sie aber nach ihrer Emigration 1937 nur noch ein einziges Mal in das Land ihrer Geburt zurück: Im Sommer 1955.Das österreichische Medienecho auf ihren Besuch zeigt, dass man stolz auf den aus Wien gebürtigen Weltstar war, und gerne hob man hervor, wie sehr sie immer noch eine Wienerin war.


Informationen & Details

Jüdisches Museum Wien

Unsichtbar

When They See Us


Warum Sie sich jetzt um die Rassenkonflikte in den USA zu verstehen die Netflix Serie „When They See Us“ anschauen sollten und was das mit Donald Trump zu tun hat.
Text: Helmut Schneider / Fotos: Netflix


Im April 1989 wurde eine junge Frau beim Joggen im Central Park vergewaltigt und so schwer misshandelt, dass sie nur sehr knapp überlebte – auch weil sie erst Stunden nach der Tat gefunden worden war.

Noch in der gleichen Nacht nahm die Polizei fünf Jugendliche fest, von denen vier ein Geständnis ablegten. Später zogen sie dies aber zurück und sagten, die Polizei habe Druck auf sie ausgeübt. Denn den Jugendlichen – vier Schwarze und ein Latino – wurden vorgespielt, sie müssten nur gestehen, um wieder nach Hause gehen zu können. Anwälte oder Eltern hatte man nicht informiert. Die Namen der Jungen wurden bekanntgegeben, obwohl vier noch unter 16 waren. In der Presse wurde sie danach nur als die „Central Park Five“ tituliert und entsprechend vorverurteilt.

Justizskandal
Auch im Prozess gab es dann jede Menge Ungereimtheiten, schließlich wurden die fünf aber zu Strafen von bis zu 15 Jahren verurteilt. Vier der Jungen saßen etwa sieben Jahre im Gefängnis, einer 13 Jahre. Erst nach Jahren wurde bekannt, dass ein einzelner Mann, der wegen einer anderen Tat in Haft saß, der alleinige Täter ist. Den Unschuldigen wurde hohe Entschädigungen zugesprochen. Die „Central Park Five“ stehen für einen der größten Justizskandale der jüngeren US-Geschichte.

Trump, seinerzeit noch Immobilienunternehmer, forderte damals mit ganzseitigen Anzeigen in 4 New Yorker Tageszeitungen die Todesstrafe für die Täter, ohne deren Namen zu nennen. 85 000 Dollar soll er laut Medienberichten für die Zeitungsannoncen ausgegeben haben. Darin heißt es unter anderem: „Ich möchte diese Räuber und Mörder hassen dürfen. Sie müssen leiden – und wenn sie töten, dann müssen sie wegen ihrer Verbrechen hingerichtet werden.“ Und das obwohl in New York die Todesstrafe bereits Geschichte war. Trump soll sich dafür übrigens später niemals entschuldigt haben.

Skandalöse Geschichte
Regisseurin Ava DuVernay erzählt in der vierteiligen Netflix-Serie „When They See Us“, die seit etwa einem Jahr online ist, die skandalöse Geschichte der Jugendlichen, die in unbarmherzigen Verhören von den Polizisten zu falschen Geständnissen genötigt werden. Denn im New York jener Tage werden mehrere Tausend Vergewaltigungen pro Jahr gemeldet, und die Bürger möchten endlich Täter sehen.

DuVernay, die 2014 mit dem Bürgerrechtsdrama „Selma“ bekannt wurde, macht die Dynamik der Verurteilungen anschaulich. Sie zeigt die Hintergründe dieses Justizskandals, der ja nur stellvertretend für viele andere ähnliche Fälle steht. Denn klar ist auch, dass viele andere Ungerechtigkeiten niemals aufgeklärt wurden und werden.

„When They See Us“ fesselt und schockiert und ist streckenweise kaum zu ertragen. Auch weil die Darsteller lebensecht agieren und uns die Serie deutlich machen, dass nach der Aufklärung für die Betroffenen trotz hoher Abfindung nichts mehr so werden konnte, wie es war.

Krieg gegen Schwarze
Ava DuVernals Dokumentarfilm „Der 13.“ (13th) aus dem Jahr 2016 ist ebenfalls noch auf Netflix zu sehen. Darin beschreibt die Filmerin aus Kalifornien, warum afroamerikanische Mitbürger besonders oft in US-Gefängnissen einsitzen. Sie beginnt damit schon mit dem Ende des Bürgerkriegs, als plötzlich 4 Millionen Schwarze nominell frei wurden, tatsächlich aber wegen kleinster Delikte wie Vagabundieren sofort wieder eingesperrt wurden. Und sie entlarvt den berühmten „War on Drugs“ von Reagan als verdeckten Krieg gegen Schwarze. Denn während schwarze Crack-Dealer (Crack ist die billige, rauchbare Form von Kokain) zu hohen Strafen verurteilt wurden, stiegen weiße Kokain-Dealer weitaus besser aus. Man sollte auch einmal darüber nachdenken, warum die USA etwa 5 Prozent der Weltbevölkerung aber 25 Prozent aller Menschen in Gefängnissen stellen.

Ein Tipp noch für Buchleser zu diesem Thema: Die im Penguin-Verlag erschienenen Kurzgeschichten „Friday Black“ von Nana Kwame Adjei-Brenyah blicken in die Seelen von Schwarzen in den USA. Gleich in seiner ersten Geschichte erzählt der in New York aufgewachsene Autor von einem Fall, in dem ein Weißer, der in South Carolina unter schwarzen Kindern vor einer Bibliothek mit einer Kettensäge gewütet hatte, freigesprochen wurde. Als Schwarzer in den USA muss man eben vorsichtig sein, wenn man auf die Straße geht und Weißen begegnet. Kürzlich berichtete ein gut verdienender Schwarzer auf Facebook, dass er nur in Begleitung seiner kleinen Tochter spazieren gehen kann um in seiner privilegierten Neighbourhood nicht misstrauisch beäugt zu werden.


„When They See us“, netflix.com

Klangwelt

Klangsucher im freien Fall


Drei Jahre lang hat der Saxofonist und Komponist Ulrich Drechsler an seinem Projekt CARAMEL gearbeitet – der erste Teil seiner neuen Klangwelt Liminal Zone. Das Café Drechsler hat Ulrich Drechsler einst bekannt gemacht. Heute macht er andere Musik: Welche, zeigt nun eine Trilogie, die keine ist: „Klangsucher im freien Fall“.
Fotos: Daniel Shaked


Der Klarinettist und Komponist Ulrich Drechsler hat für sein aktuelles Album CARAMEL und das gleichnamige Ensemble den aufregenden Soundtrack zu einem imaginären Film komponiert. Klänge von grosser Leidenschaft und eindringlicher Energie sind so entstanden mit denen er sich bewusst jeglicher Kategorisierung entzieht. Auf CARAMEL verarbeitet er auf berührende Art und Weise die Einflüsse aus Jazz, Neo-Klassizismus, Minimalismus und Filmmusik, die ihn in den vergangenen Jahren am stärksten geprägt haben. Scheinbar mühelos bewegt er sich dabei zwischen den unterschiedlichen Genres um sie zu etwas komplett Neuem und Unerhörtem verschmelzen zu lassen. Ulrich Drechslers Kompositionen werden von den MusikerInnen auf CARAMEL mit Begeisterung zum Leben erweckt. Özlem Buluts strahlender Koloratursopran schwebt über dem raumfüllenden, intensiven Zusammenspiel von Oliver Stegers Kontrabass, Raphael Keuschniggs Schlagzeug und Amir Ahmadis virtuosen Klavierlinien. Dazu die hochbegabte Slam Poetin Yasmin Hafedh, die auf einigen Titeln eindringliche Rezitative erzählt. Dazwischen, darüber, darunter Ulrich Drechslers Bassklarinette. Mehr zu CARAMEL und Liminal Zone verrät der Musiker HIER.

Nicht die schillernde Oberfläche der Musik, das woraus sie gemacht ist, die Welt der Klänge, fasziniert ihn. Dabei erfindet sich der in Wien lebende deutsche Musiker und Komponist ständig aufs Neue wie seine breit gefächerten Projekte zeigen: Duette mit den Pianisten Tord Gustavsen oder Stefano Battaglia, sein „Cello Quartet“, das Club Music Trio „Café Drechsler“, ein Thelonious Monk Solo Programm, Filmmusik uvm. sind nur einige Beispiele seiner erfolgreichen internationalen Karriere. Mit CARAMEL veröffentlicht der Klangsucher Ulrich Drechsler nach mehr als dreijähriger Vorbereitung das erste Oeuvre seiner gross angelegten Klangwelt LIMINAL ZONE, auf der ab 2020 in vorerst drei komplett eigenständigen Einzelprojekten die Vielfalt seines Schaffens präsentiert werden wird. Ulrich Drechsler [bcl, cl, comp] • Özlem Bulut [coloratura spr] • Yasmin Hafedh a.k.a. Yasmo [recitative] • Amir Ahmadi [p] • Oliver Steger [b] • Raphael Keuschnigg [dr]


„CARAMEL“ – Ulrich Drechsler [bcl, cl, comp], Özlem Bulut [coloratura spr], Yasmin Hafedh a.k.a. Yasmo [recitative], Amir Ahmadi [p], Oliver Steger [b], Raphael Keuschnigg [dr]