Zweiter D-Day für Doderer im Café Landtmann

Nach einer Initiative des echo medienhauses wird seit 2021 der D-Day für Heimito von Doderer am 21. September gefeiert. Das ist jener Tag, an dem „Die Strudlhofstiege“, der bekannteste Roman Doderers, – natürlich mit vielen Rückschauen – 1925 spielt. Im gut besuchten Café Landtmann gab Hans Baierl, Chef des Wiener Verkehrsmuseums in der Remise, Auskunft über jene Frage, die sich alle Leserinnen und Leser der Strudlhofstiege stellen: Konnte 1925 tatsächlich eine Straßenbahn ein Bein abtrennen. Nun, das war damals tatsächlich nicht so unwahrscheinlich, denn die Trams hatten unten noch keine Verkleidung, was das heute so gut wie verhindert. Baierl erinnerte aber auch an den spektakulärsten Straßenbahnunfall in Wien bei dem 1960 21 Menschen ums Leben kamen als ein Triebwagen in der Billrothstraße entgleiste.

Nach einer Initiative des echo medienhauses wird seit 2021 der D-Day für Heimito von Doderer am 21. September gefeiert.
Die Autorin Nadja Bucher sprach mit Helmut Schneider, Chefredakteur von Wienlive, über ihren 2020 veröffentlichten Roman „Die Doderer-Gasse oder Heimitos Menschwerdung“. – ©Arman Rastegar

Die Autorin Nadja Bucher sprach dann mit Helmut Schneider, Chefredakteur von Wienlive, über ihren 2020 veröffentlichten Roman „Die Doderer-Gasse oder Heimitos Menschwerdung“, in dem Doderer in den 80er-Jahren in einem Mädchen mitten in der Großfeldsiedlung – wo es tatsächlich die Doderer-Gasse gibt – wiedergeboren wird. Dabei stellt sich Bucher auch den weniger angenehmen Seiten des Autors wie seine Nähe zum Nationalsozialismus und seine Scheuklappen gegenüber dem arbeitenden Volk. Aufgelockert wurde der Abend durch stimmungsvolle Musik aus den 80ern – etwa Nicoles Gassenhauer „Ein bisschen Frieden“ oder Cyndi Laupers „Girls wanna have fun“. Die Schauspielerin und Regisseurin Chris Pichler las sehr plastisch und eindrucksvoll unter anderen die Darstellung einer Wutbehandlung in Doderes „Die Merowinger“. Wutbürger soll es ja auch heute noch geben…


Der D-Day für Doderer bedankt sich für die Unterstützung durch die Stadt Wien Marketing und das Café Landtmann.

D-DAY für Doderer. 21. September, 19 Uhr, Café Landtmann, 1010 Wien, Universitätsring 4

Nächsten Mittwoch: D-Day für Heimito von Doderer im Café Landtmann

Die Strudlhofstiege endet mit einem tragischen Verkehrsunfall, der schon auf der ersten Seite vorweggenommen wird:
Mary K wird am Althanplatz (heute Julius-Tandler-Platz) beim Franz-Josefs-Bahnhof am 21. September 1925 von einer Straßenbahn ein Bein abgetrennt. Wenn man so will, spielt der ganze 900-Seiten-Roman quasi an einem einzigen Tag, der freilich mit unzähligen Rückschauen auf dieses Ereignis hingeschrieben ist. Grund genug für uns, diesen 21. September – sozusagen als Wiener Pendant zum „Bloomsday“, der international am 16. Juni (dem Tag, an dem „Ulysses“ spielt) gefeiert wird – als Gedenktag für Heimito von Doderer zu begehen. Unser erster D-Day (mit Klaus Nüchtern) fand mit großem Erfolg schon im Vorjahr statt.
Für heuer planen wir wieder Besonderes.

Als „Special Guest“ wird Hans Baierl, Leiter des Verkehrsmuseums der Wiener Linien Remise, kurz darlegen, ob ein solcher Straßenbahnunfall 1925 realistisch ist. Schließlich ist dieser Vorfall und besonders die Rettung Mary Ks durch ihren Bekannten Melzer, der durch seine Erfahrung als Offizier im Ersten Weltkrieg sofort Erste Hilfe zu leisten vermag, quasi der Angelpunkt des Romans. Und jeder, der die Strudlhofstiege liest, rätselt bei dieser Szene sofort, ob dies auch heute noch möglich wäre.

Doderer an der Peripherie

2020 überraschte die Wiener Autorin Nadja Bucher (Foto) mit ihrem Roman „Die Doderer-Gasse oder Heimitos Menschwerdung“ mit einem literarischen Kunstgriff. Sie lässt den 1966 verstorbenen Literaten ausgerechnet in einem Mädchen, das in der Großfeldsiedlung – dem größten Gemeindebau Wiens – aufwächst, wiederauferstehen. Doderer muss sich plötzlich Kinder- und Teenagerproblemen stellen und ist natürlich heillos überfordert, möchte er doch nichts anderes, als seinen „Roman No 7“ fertigstellen. Inmitten von Zeitphänomenen – Nicole singt „Ein bisschen Frieden“, im Kindergarten geht es rund und der Gemeindebau wird von Drogensüchtigen heimgesucht – will er seine junge „Wirtin“ Marie dazu bringen, eine literarische Karriere einzuschlagen. Allein, er hat nicht die geringste Macht über Marie, denn diese weiß nicht einmal, dass es ihn gibt. Wenig befriedigt Doderer, dass man eine Gasse nach ihm benannt hat, befindet sich diese eben in der Großfeldsiedlung, die der k.u.k-Ästhet naturgemäß als hässlich empfinden muss. Und wenig trösten kann ihn, dass in Maries Freundin Isa ein anderer Berühmter wohnt, nämlich Adolf Loos, der hier ebenfalls mit einer Gasse verewigt wurde und mit dem er sich unterhalten kann.

Der D-Day für Doderer bedankt sich bei der Stadt Wien Marketing und beim Café Landtmann für die Unterstützung.


D-DAY für Doderer
21. September, 19 Uhr
Café Landtmann
1010 Wien, Universitätsring 4


Highlights

Wienlive-Chefredakteur Helmut Schneider wird mit Nadja Bucher über ihr Romanprojekt und Heimito von Doderer diskutieren.

Die Schauspielerin & Autorin Chris Pichler wird Stellen aus „Die Doderer-Gasse“ sowie Doderers Werken lesen.

Als Special Guest wird Hans Baierl vom Wiener Verkehrsmuseum die Frage klären, ob eine Straßenbahn 1925 tatsächlich ein Bein abfahren konnte. Büchertisch: Oliver Hartlieb von Hartlieb in der Porzellangasse.

www.facebook.at/d-day für doderer

Festival der Vielfalt künstlerischer Ausdrucksweise – Der Vienna City Gallery Walk

Die Galerien geben der Kunst eine Bühne. Der Vienna City Gallery Walk ist ein Festival der Vielfalt künstlerischer Ausdrucksweise – und das in und vor den Galerien.

Das Motto der Veranstaltung, „KUNST + KULTUR IM PLURAL“, schafft einen spielerischen, melodiösen Zugang zu den Ausstellungen. Das Betrachten von Bildern und Skulpturen, das Hören von Musik, das Erzählen von Geschichten – wir komponieren Erlebnisse. Neben zahlreiche Gallery Touren, die versteckte Schätze präsentieren, gibt es auch noch andere Highlights im heurigen Programm.

Verbotene Früchte

Ein musikalisch-performativer Rundgang. Der Spaziergang ist eine Art der körperlichen Ertüchtigung, die Bodo Hell, Werner Zangerle und Götz Bury eigentlich nur vom Hörensagen kennen. Denn aus ihrer Sicht kann Fortbewegung, ob in den Bergen, oder in urbanen Räumen niemals zweckfrei sein, da am Wegrand regelmäßig etwas interessantes zu entdecken ist, Bezüge herzustellen und weiterreichende Überlegungen anzustellen sind.

Details & Uhrzeiten


Musik zum Gehen und (Auf)Stehen 

Die zeitgenössische Musik betrachtet das gesellschaftliche und politische leben oft aus dem toten Winkel. Die reihe ZYKAN + liefert ein Gegenmittel. Das 2020 von Irene Suchy und Michael Mautner gegründete Vokal- und Instrumentalensemble widmet sich, neben dem diesbezüglichen Repertoire der Moderne, auch einem Aspekt der in der zeitgenössischen Musiklandschaft unterbelichtet ist, dem Humor, der Satire.  

Details & Uhrzeiten


Imago Sonus

Miniatur-Kompositionen.

Der Ausgangspunkt dieser Veranstaltungen ist die Symbiose von musikalischer Komposition und angewandter und bildender Kunst bzw. Komponist*innen und Künstler*innen. Gemeinsam verbinden wir für unser Publikum die unterschiedlichen Kunstrichtungen miteinander und schaffen parallele, sich befruchtende, erlebnisse und eindrücke aus Wort, Musik, Bild und Skulptur.

Details & Uhrzeiten


Private Banking Incorporated

Die neue Bank-Kultur. Besetzen und Betreten erwünscht!

KünstlerInnen brauchen Mittel, es gibt auch kaum eine Bank für sie. Es gibt auch kaum eine Bank in der Stadt zum Rasten.  Ein Aufruf mit synonymischer Konnotation. Kinder, Frauen und Männer, 1. und 2. Klasse, haben die Möglichkeit, Kunst und Sitzen unspektakulär und ohne Kostenaufwand zu erfahren. Sitzbänke werden von Künstlern bearbeitet und stehen in und vor den Galerien als Kennzeichen.

Details & Uhrzeiten


Die Galerien geben der Kunst eine Bühne. Der Vienna City Gallery Walk ist ein Festival der Vielfalt künstlerischer Ausdrucksweise – und das in und vor den Galerien.

Vienna City Gallery Walk

Donnerstag 22. bis Samstag 24.9.2022

16.00 bis 21.00 Uhr

Ein Multimedia-Spektakel präsentiert die weltberühmten Kunstwerke von Gustav Klimt (1862 – 1918).

Kunst als Erlebnis: „KLIMT – The Immersive Experience“ verlängert

Ein Multimedia-Spektakel präsentiert die weltberühmten Kunstwerke von Gustav Klimt (1862 – 1918). Die Gemälde des österreichischen Künstlers werden mit Hilfe von aufwendigen Lichtinstallationen und Projektionen mehrfach vergrößert und an den Wänden der Präsentationsräume zum Leben erweckt. Meisterhafte Kunst trifft auf modernste Technik – eine Symbiose, die Klimts Genialität in ein neues Zeitalter tragen und unvergessen machen wird. Es ist eine wie selten berührende, multimediale Reise, in der die bedeutendsten Werke des „goldenen Künstlers“ ins Rampenlicht gerückt werden: „KLIMT – The Immersive Experience“ – in der Wiener MARX HALLE wird bis 2. Oktober verlängert!

Gustav Klimt war einer der markantesten und bedeutendsten Künstler der Moderne, Pionier des Jugendstils und Anführer des Umbruchs. Ein Mann mit vielen Talenten, bekannt für seine Allegorien, Akte und Landschaften, manchmal Zeichner, manchmal Lithograph und Dekorateur mit einem Interesse an Gebäuden, Teppichen, Mosaiken und Keramiken.

Im Sommer 1862 in Wien als Sohn eines Goldschmieds und einer Opernsängerin in der unteren Bevölkerungsschicht der K+K Monarchie und als eins von sieben Kindern geboren, lebte er sein Leben als einfacher Mensch, besaß nie eine eigene Wohnung, wohnte sein Leben lang mit Mutter und Schwestern unter einem Dach – und wurde mit seinen Goldgemälden, Landschaftsbildern und Zeichnungen zum bedeutendsten Maler seiner Stilepoche!

Während sich der Übergang vom Historismus zur zeitgenössischen Kunst in vielen Ländern nur allmählich vollzog, war Österreich mit der Wiener Secession Ende des 19. Jahrhunderts Schauplatz eines echten Umbruchs und neben Paris, München oder London einer der Geburtsorte der Moderne – und Gustav Klimt Vorreiter und wichtigster Akteur dieser Revolution! Ein Einfluss, der in seinem architektonischen Erbe ebenso zu spüren ist wie später in seiner Bildkunst.

Gustav Klimt ist ein Künstler mit tausend Facetten und den beeindruckendsten Farborgien, die nun auf über 2.000m² Ausstellungsfläche dank der Magie der Multimedia-Technologie vor den Augen der Besucher zum Leben erwachen! Es könnte kaum einen besseren Zeitpunkt für diese Österreich-Premiere geben als das Jahr, in dem Klimts 160. Geburtstag gefeiert wird.

Tickets können unter www.klimt-experience.com sowie bei allen bekannten Vorverkaufsstellen erworben werden.

Bilingual & barrierefrei:

Texte in deutscher und englischer Sprache. Die Ausstellung ist rollstuhlgerecht.


DI / MI / SO: 10.00 – 18.00 Uhr

DO / FR / SA & Feiertage: 10.00 – 20.00 Uhr

Marx Halle
Karl-Farkas-Gasse 19, 1030 Wien, Österreich

Die Künstlerinnen-Gruppe „Arts of the Working Class“ aus Berlin präsentiert gemeinsam mit wohnpartner und der Kunsthalle Wien bedruckte Fahnen mit Zitaten aus Lieblingsliedern von Gemeindemieterinnen.

Flaggen auf den Gemeindebauten

Die Künstlerinnen-Gruppe „Arts of the Working Class“ aus Berlin präsentiert gemeinsam mit wohnpartner und der Kunsthalle Wien bedruckte Fahnen mit Zitaten aus Lieblingsliedern von GemeindemieterInnen.

Themen der Lieder sind Arbeit, Arbeitslosigkeit und ArbeitnehmerInnen-Rechte. Die Fahnen werden ab 9. September bis Ende Oktober auf den Dächern der städtischen Wohnhausanlagen Karl-Marx-Hof, Fischerstiege, Reumann-Hof, George-Washington-Hof, Metzleinstaler Hof und Im Werd im Herbstwind wehen.
Der 1. Wiener Gemeindebauchor begleitet die Eröffnung am 9. September von 18 bis 20 Uhr am 12.-Februar-Platz passend zum Thema mit ArbeiterInnen-Liedern.

Für Speis und Trank ist gesorgt.


9. September von 18.00 bis 20.00 Uhr
12.-Februar-Platz, 1190 Wien

Der 5 Kilometer lange erste bank ­vienna night run auf der Wiener Ringstraße ist sicher einer der schönsten Läufe der Welt – heuer am 22. September im 16. Jahr. Ein Interview mit dem Organisator & Erfinder Hannes Menitz.

Der erste bank vienna night run 2022

Der 5 Kilometer lange erste bank ­vienna night run auf der Wiener Ringstraße ist sicher einer der schönsten Läufe der Welt – heuer am 22. September im 16. Jahr. Ein Interview mit dem Organisator & Erfinder Hannes Menitz.

Sportmedia-Geschäftsführer Hannes Menitz war ursprünglich im Anzeigengeschäft tätig. Als Manager von Sport-veranstaltungen hat er aber schon vor Jahren seine Leidenschaft – das Laufen – zum Beruf gemacht. -Neben dem erste bank vienna night run organisiert er auch die Herzläufe in ganz Österreich, die x cross runs in Wien und Podersdorf und den Pride Run vor der Pride-Parade im Prater. Nebenbei betreibt er in der Wiener Innenstadt das Fitnesscenter Urban Fitness Vienna. 

Wie kam es zur Erfindung des erste bank vienna night run in Wien?

Hannes Menitz: Ich hab mir gemeinsam mit Christian Pöttler, dem Chef des echo medienhauses, in London den Nike Night Run angesehen – und wir waren beide begeistert. Lustigerweise hat es das in London – wo ja sehr kreativ ständig neue Laufveranstaltungen ausprobiert werden – nur einmal gegeben. Wir wollten aber sofort in Wien auch einen Night Run machen.

Warum hat das in Wien gleich funktioniert?

Der erste bank vienna night run hat in Wien extrem viel bewegt, denn wir haben sozusagen erst jene große Welle ausgelöst, die zu Nachtläufen in Europa und sogar weltweit geführt hat. Wir haben 2007 relativ klein begonnen – mit einem Lauf im 7. Bezirk, in der und um die Mariahilfer Straße mit 3.500 Teilnehmern. 2008 sind wir vom Rathausplatz aus durch die Innenstadt bis zum Stephansplatz gelaufen – und das schon mit 7.000 Startern. Wir haben dann gewusst, bei so vielen Läufern brauchen wir eine neue, breitere Strecke. Mit der Verlegung auf die Ringstraße haben wir dann sozusagen den Turbo gezündet.

Die Ringstraße hatte aber auch noch andere Vorteile …

Ja, denn dadurch sind wir einmalig geworden – es existiert nirgendwo sonst eine solche Strecke mit Baudenkmälern links und rechts. Natürlich gibt es inzwischen in vielen Städten Night Runs, aber die Ringstraße ist eben unverwechselbar und unique. Fünf Kilometer sind zudem ideal, auch für Einsteiger. Dazu die einzigartige Stimmung, denn rund um die City ist ja immer etwas los. Die Teilnehmerzahl von 20.000 ist zudem ideal – wir sind keine Massenveranstaltung, aber trotzdem entsteht ein großes Gefühl von Gemeinschaft. 

Was ist am erste bank vienna night run noch anders und so besonders?

Unsere Shirts! Es gibt viele Fans, die sie sammeln. Bei den meisten Läufen gibt es ja nur Baumwollshirts, die zum Laufen nicht geeignet sind. Beim erste bank vienna night run gibt es seit dem ersten Jahr ein Langarm-Funktionsshirt, und das jedes Jahr in einer anderen Farbe. Sie werden aus 100% recyceltem Polyester unter fairen Bedingungen in Europa hergestellt. Unsere Shirts sieht man längst überall – beim Tourenskifahren, im Fitnessstudio und natürlich beim Laufen. 

Der erste bank vienna night run ist ja auch ein Charity-Lauf …

Für „Licht für die Welt“ haben wir über die Jahre mehr als 800.000 Euro gesammelt, heuer haben wir erstmals eine Kooperation mit „Pink Ribbon“.       

FACTS ZUM LAUF AM 20. September 2022

  • 5 km, eine Runde um die nächtliche Wiener Ringstraße
  • Start: Parkring, Höhe Kursalon Hübner
  • Gestartet wird in 4 Startblöcken ab 20:15 Uhr
  • Ziel: Stubenring, Höhe MAK
  • Garderobe: Umkleiden im Stadtpark

viennanightrun.at

„Love me Kosher. Liebe und Sexualität im Judentum“ – eine Ausstellung im Jüdischen Museum

Im Judentum nehmen Liebe und Sexualität einen hohen Stellenwert ein. Dass der Anfang des Lebens eine zwischenmenschliche Beziehung voraussetzt, proklamiert schon die Tora: „Gott segnete Adam und Eva und sprach zu ihnen: Seid fruchtbar und mehret Euch und erfüllet die Erde.“ Sexualität ist somit ein natürlicher Bestandteil des Lebens.

Dass beide Partner dabei Glücksgefühle empfinden, gilt als Pflicht. Die freudige und lebensbejahende Tradition des Judentums wirkt in Ehe und Beziehungen ein. Reinheitsgebote spielen dabei eine wichtige Rolle. In der Kabbala hat die Sexualität eine spirituelle und kosmische Dimension. Die Verbindung von Mann und Frau ist eine Vereinigung von Weisheit und Verstand, die Erkenntnis schafft. Die Hochzeit ist ein heiliges Ereignis, das den Menschen vollkommen macht. Um die stetige Neuverhandlung dieser Grundlagen zu zeigen, sollen in der Ausstellung „Love me Kosher. Liebe und Sexualität im Judentum“ auch die Ansichten aktuell in Wien tätiger Rabbiner zu den unterschiedlichsten Themen durch Interviews aufgezeigt werden.


Ein offener Umgang mit Sexualität zeigt sich vor allem in der künstlerischen Auseinandersetzung mit dem Thema. Viele Kunstschaffende, wie Arik Brauer, Marc Chagall, Eva Schlegel, Benyamin Reich, Pablo Picasso und Friedensreich Hundertwasser, beschäftigen sich in ihren Werken mit Liebe und Sex und sind mit ihren Arbeiten in der Ausstellung vertreten.

„Love me Kosher. Liebe und Sexualität im Judentum“ ist bis 13. November 2022 im Jüdischen Museum Wien, einem Museum der Wien Holding, zu sehen. Zur Ausstellung, die von Danielle Spera, Daniela Pscheiden und Julia Windegger kuratiert und von Fuhrer, Wien gestaltet wurde, gibt es einen Katalog zum Preis von 29,90 €.

Das Jüdische Museum Wien, Dorotheergasse 11, 1010 Wien, ist von Sonntag bis Freitag 10 bis 18 Uhr geöffnet. www.jmw.at

Oscar-Koch Wolfgang Puck goes Vienna

Puck goes Vienna –  Der mit zwei Michelin-Sternen dekorierte Oscar-Koch Wolfgang Puck hat weltweit mehr als 100 Restaurants und macht 430 Millionen Euro Jahresumsatz. Jetzt eröffnete er sein erstes Restaurant in Österreich – am Flughafen Wien-Schwechat. Das nächste soll, so Puck, in der City sein.
Foto: ©Bubu Dujmic

Wolfgang Puck in seinem exquisiten Restaurant „Spago“ in Beverly Hills zu erleben, ist ein Ereignis. Seine Augen sind überall, er korrigiert sanft, greift unauffällig ein, wenn es nötig ist, begrüßt die Gäste. Perfektion ist oberstes Gebot. Nicht nur bei den Speisen, auch bei Service und Ambiente. Denn, so Puck: „Bei uns zu essen soll ein Erlebnis sein, eine tolle Erfahrung.“ Und dank des Chefs läuft im von VIPs hochfrequentierten Kulinarik-Tempel im Los Angeles County alles wie am Schnürchen.

Mit vielen Hollywoodstars, die regelmäßig eines von Pucks Restaurants besuchen, ist der mit zwei Michelin-Sternen dekorierte Spitzengastronom eng befreundet, darunter u. a. Robert de Niro, Al Pacino, Ashton Kutcher und Rapper und Musikproduzent Jay-Z. Wenn er ins „Spago“ kommt, lässt ihm Puck prompt die legendäre „Smoked Salmon Pizza“ – Räucherlachspizza mit Kaviar – servieren. Eine Eigenkreation des Starkochs, die er vor 40 Jahren schuf – damals für Joan Collins, weil nicht mehr genug Brot zum von ihr georderten Räucherlachs vorrätig war. Nicht nur Jay-Z liebt die legendäre Pizza, auch bei den Oscars, bei denen Puck alljährlich kocht und catert, ist sie nicht mehr wegzudenken.

Ab sofort können sich auch die Österreicher – sowie internationale Gäste – an Pucks Pizza-Kreation delektieren. Vor kurzem eröffnete der Kärntner Stargastronom, der übrigens auch einen Stern am Hollywood Boulevard hat, sein erstes Restaurant in der Heimat Österreich – am Flughafen Wien-Schwechat. In „Wolfgang Puck Kitchen + Bar“ in der Ankunftshalle im Terminal 3 steht die „Smoked Salmon Pizza“ auf der Speisekarte. Unbedingt probieren müsse man, so Puck im Talk, aber „auch die Nudelgerichte und die Mehlspeisen!“ Sein ganz persönliches Lieblingsgericht ist ein Wiener Klassiker: „Das Schnitzel – vor allem zu Mittag. Abends esse ich sehr wenig, damit ich in Form bleibe. In Österreich legen die Menschen mehr Wert auf Qualität, sie wollen etwas essen, das ihrem Körper gut tut. In Amerika gibt es viel mehr Leute, die Fast Food essen.“
Durchaus möglich, dass der Spitzenkoch seine österreichischen Fans bereits in naher Zukunft mit einem weiteren Restaurant beglückt: „Vielleicht in der Wiener Innenstadt – wenn wir einen guten Standort finden.“

An Ruhestand denkt Puck, der Anfang Juli den 73. Geburtstag feiert, nicht.
Vor ein paar Jahren wurden ihm 200 Millionen Dollar für sein Imperium geboten, er lehnte ab: „Ich kann nicht nur herumsitzen, das wär’ mir zu langweilig. Ich brauche das Adrenalin bei der Arbeit. Das tut mir gut.“
Klar bleibt da manchmal die Familie auf der Strecke, die ihm aber dennoch, so betont Puck, am wichtigsten ist: seine Ehefrau, die Äthiopierin Gelila Assefa, mit der er seit 2007 verheiratet ist, und die beiden gemeinsamen Söhne sowie seine weiteren zwei Söhne aus einer früheren Beziehung. Byron, der älteste Sprössling, könne, so Puck, das Imperium vielleicht in zehn Jahren übernehmen.

Bis dahin ist allerdings noch reichlich Zeit und Vater Puck hat ununterbrochen Ideen und Pläne. Derzeit – so verriet er Claudia Stöckl in der Ö3-Sendung „Frühstück bei mir“– arbeite er mit einem Freund, Stararchitekt Frank Gehry, der u. a. das spektakuläre dekonstruktivistische Guggenheim-Museum in Bilbao schuf, an den Plänen für ein Restaurant am Strand von Malibu.

Neben seiner Kreativität sind für den nimmermüden Gastronomen Wolfgang Puck auch die sozialen Medien ein probates Anti-Aging-Mittel. Insgesamt fast 1,5 Millionen Follower verzeichnen seine Accounts auf Instagram, TikTok und Facebook, weit mehr als drei Millionen Likes gab’s bereits für seine YouTube-Videos.
„Social Media ist einfach unglaublich“, ist Puck fasziniert.
„Kim Kardashian, die ich kenne, seit sie ein Kind war, ist jetzt ein Social-Media-Star. Wenn sie ins Restaurant kommt, stehen die meisten Paparazzi vor meinem Lokal. Mehr als bei jedem Hollywood-Schauspieler und jedem Popstar.“

Gastronomie-Imperium

Manchmal könne er seinen Erfolg selbst kaum fassen, sagt Puck. Immerhin schaffte er den Aufstieg vom Tellerwäscher zum Multimillionär, von St. Veit aus eroberte er die Welt. Nach einer schweren Kindheit mit einem prügelnden Stiefvater arbeitete Wolfgang Puck bereits mit 14 in einer Restaurantküche. Mit so gut wie nichts in der Tasche ging er danach nach Frankreich und lernte bei den Besten der Branche. In Amerika baute Puck dann ein Gastronomie-Imperium auf. Heute besitzt er mehr als 100 Restaurants, hat weltweit mehr als 5.000 Mitarbeiter*innen und der Jahresumsatz wird mit 430 Millionen Euro beziffert.

Das Geheimnis seines Erfolges: „90 Prozent Arbeit, 10 Prozent Talent. Disziplin haben, neugierig bleiben, sich stetig verbessern und immer weiter lernen.“            

In der „wolfgang puck kitchen + bar“ am Fughafen Wien-Schwechat genießen Gäste auf mehr als 700 m² im Restaurant mit Bar und To-Go-Bereich hochwertige Speisen wie internationale Klassiker, Wolfgang Puck Signature Dishes, Gourmet-Pizzen und österreichische Küche.
Die Speisekarte bietet etwa Tuna Tartar, Smoked Salmon Pizza mit Kaviar, Chinois Salad, Wolfgang Puck Burger, aber auch heimische Spezialitäten vom Wiener Schnitzel über Rindsgulasch bis zu Kärntner Kasnudeln aus Pucks Heimatort.
An der Bar werden u. a. Signature Cocktails wie Pucks legendäre Bloody Mary angeboten. Im To-Go-Bereich gibt es u. a. Smoothies, Bowls, Salate, Sandwiches und auch vegetarische und vegane Speisen aus frischen, lokalen Zutaten – Auch ohne am Flughafen anzukommen oder abzufliegen, kann Pucks Küche genossen werden: Parken ist drei Stunden lang kostenlos.

Hoch soll sie leben! Die amerikanische Krimi-Diva Donna Leon stürmt mit ihrem 31. Brunetti-Band „Milde Gaben“ die Charts, tourt mit ihrer Barock-Band Il Pomo d’Oro um die Welt und feiert am 28. September ihren 80. Geburtstag.

Hoch soll sie leben – Donna Leon

Hoch soll sie leben! Die amerikanische Krimi-Diva Donna Leon stürmt mit ihrem 31. Brunetti-Band „Milde Gaben“ die Charts, tourt mit ihrer Barock-Band Il Pomo d’Oro um die Welt und feiert am 28. September ihren 80. Geburtstag.
Foto: Michiel Hendry / Interview: Elisabeth Hirschmann

Die US-Bestsellerautorin Donna Leon, Dozentin für englische Literatur und Erfinderin des venezianischen Commissario Brunetti, bringt seit 30 Jahren im Zürcher Diogenes Verlag immer Ende Mai einen neuen Venedig-Krimi heraus, jeder mit einem Opernzitat als Motto und monatelang an der Spitze der Belletristik-Charts. Im 31. Band, „Milde Gaben“ („Give unto Others“), verzichtet sie ganz auf Gewaltverbrechen und erforscht mit großer Eleganz in philosophischer Manier und melancholischem Ton Schwächen, Verrat, Eifersucht und das Altwerden.

Vor 41 Jahren hatte sie sich in Venedig niedergelassen, heute lebt die passionierte Liebhaberin der Barockoper, besonders des „Caro Sassone“ Georg Friedrich Händel, im schweizerischen Graubünden. „La Serenissima“ ist nur noch gelegentliches Sehnsuchtsziel, wenn sie Freunde besuchen will. Die reiche Ausbeute ihrer literarischen Erfolge steckt Donna Leon, die sich als „Händel-Junkie“ bezeichnet, in die Barockmusik. 2012 hat sie das Schweizer Originalklang-Ensemble Il Pomo d’Oro gegründet, und sie begleitet – mit finanzieller und geistiger Unterstützung – die Aufnahmen der 42 erhaltenen Händel-Opern. Am 28. September feiert die kleine, kluge Lady mit dem stechenden Blick ihren 80. Geburtstag. Ad multos annos!

wienlive: „Milde Gaben“ ist ein unüblicher Krimi ohne Mord. Warum verzichten Sie darauf?

Donna Leon: Ich habe immer gesagt, dass ich die Bücher nicht plane. Ich beginne einfach, die Geschichte zu erzählen, und schreibe immer weiter, sodass ich entdecken kann, was passiert. Ob es einen Mord geben wird oder ein anderes Verbrechen, weiß ich nicht, das muss ich erst herausfinden. Wenn Dinge passieren oder nicht, ist es für mich eine ebenso große Überraschung wie für den Leser. Ich bin sicher, dass alle dramaturgischen Entscheidungen an einem unbewussten Ort in meinem Gehirn getroffen werden, aber sie springen erst im richtigen Moment auf die Seite.

Es geht um Gier, Betrug, Eifersucht, Vertrauensverlust und Altwerden. Wird Brunetti pessimistischer, je älter er wird?

Ich fürchte, er wird pessimistischer oder erschöpfter wegen der vielen Gräueltaten, welche die Leute einander antun. Das ist weit verbreitet unter den Menschen, wenn sie alt werden. Ich werde pessimistischer auf eine intellektuelle Weise: Es genügt, den „Guardian“ zu lesen, um pessimistisch zu sein. Aber, und es ist ein glückliches „Aber“ für mich, ich finde das Leben sehr angenehm und habe viel Freude daran. Das ist allerdings eine gefühlsmäßige Reaktion auf meine eigene Welt. Wenn ich auf die größere Welt schaue, ist es schwierig, nicht schwarzzusehen.

Wenn Brunetti über Leben und Tod nachdenkt, holt er sich Rat in der klassischen Literatur; diesmal liest er Ciceros „Orationes in Verrem“, die Reden gegen den korrupten römischen Proprätor
in Sizilien, und die „Oneirokritika“ von Artemidoros, die einzige Traumdeutung der antiken Welt …

Brunetti liest klassische Literatur auf die gleiche Weise wie ich. Ich lese die alten Texte, um herauszufinden, wie Menschen Tausende Jahre vor uns dachten und Entscheidungen trafen, was sie für selbstverständlich hielten, für gut und schlecht, für moralisch und unmoralisch. Ich finde Artemidoros faszinierend, weil für ihn und seine Zeitgenossen Träume die Zukunft voraussagten, während wir wollen, dass sie über die Vergangenheit erzählen, ein verborgenes Geheimnis enthüllen. Vielleicht sind sie nicht mehr als Träume, das psychologische Pendant zum Beine-Ausstrecken oder Schnarchen.

Das Motto stammt wieder aus einem Werk von Händel, der Hymne „Blessed are they that considereth the poor“, die „Il caro Sassone“ für das Foundling Hospital in London komponierte. Warum diesmal ein Kirchenlied?

Weil diese Hymne sagt, dass diejenigen, die den Armen geben, gesegnet sein werden. „Milde Gaben“ ist ein Buch über die Armenfürsorge.

Sie haben das Buch Heike Bischoff-Ferrari gewidmet, der Professorin für Altersmedizin in Zürich …

Über die Jahre ist Heike eine gute Freundin geworden: Sie ist anständig, intelligent und lebt für das Wohlbefinden ihrer Patienten. Vergessen wir nicht Vitamin D, Omega-3 und die körperliche Ertüchtigung! Sie erinnert mich an die Ärzte meiner Jugend, die sich auch darum gekümmert haben, dass es den Leuten gut geht.

Am 28. September feiern Sie Ihren 80. Geburtstag. Herzliche Gratulation! Was wünschen Sie sich vom Universum?

Spaß haben, liebenswürdig sein, Händels Musik hören.

Ist Ihnen Händels Musik wichtiger als die Bücher, die Sie schreiben?

Händels Musik ist sicherlich viel wichtiger als meine Bücher. Das sind Krimis, vergessen Sie das nicht! Seine Musik ist auf der gleichen Höhe, was Schönheit und Genialität betrifft, wie die besten Gedichte oder Romane der Weltliteratur.

Vor zehn Jahren haben Sie ein Originalklang-Orchester gegründet, das auf alten Instrumenten sehr viel Händel spielt: Il Pomo d’Oro. Sie treten mit den Musikern auf und unterstützen ihre Aufnahmen. Haben Sie nie daran gedacht, selbst Musikerin zu werden?

Einige Freunde und ich hatten die Idee, ein Barock-Ensemble zu gründen. Aber weil ich keine Musikerin bin und wenig über die Musikwelt wusste, konnte ich – abgesehen von meinem Enthusiasmus – nicht viel beitragen. Ich bin Zuschauerin und Zuhörerin. Ich habe nie gelernt, eine Partitur zu lesen, außerdem spiele ich kein Instrument. Aber ich liebe die Barockmusik, kenne und schätze die Musiker im Orchester und habe einen Riesenspaß daran, ihnen zuzuhören, auf den Proben oder bei den Aufführungen.

Sie leben seit ein paar Jahren nicht mehr in Venedig, sondern in der Schweiz. Wenn Sie die Palazzi der „Serenissima“ und Vivaldis Musik mit den Bergen und den Kühen vergleichen: Was sind die Vorteile der Schweiz?

Ich bin vor einigen Jahren nach Graubünden übersiedelt, davor habe ich den Sommer in der Schweiz verbracht, um der Hitze zu entfliehen und meinen kleinen Garten umzugraben. Die Gegend hat so ziemlich dieselbe Landschaft, die ich als Kind in New Jersey kannte; es gibt auch viele Kühe und wenig Leute. Ein weiterer Vorteil ist die Nähe zu Italien.         


Matthias Jakisic ist ein Musiker, der auch für Theater & Film komponiert. Ein Studiobesuch.

Studiobesuch bei Matthias Jakisic

Matthias Jakisic ist ein Musiker, der auch für Theater & Film komponiert. Ein Studiobesuch.
Foto: ©Stefan Diesner

Hier im Schlossquadrat am Margaretenplatz würde man nicht vermuten, dass jemand in Ruhe komponieren kann. Aber Matthias Jakisic arbeitet natürlich tagsüber und ein Teil seines Studios ist schallisoliert. 1977 als Sohn von Eltern, die beide an der Oper sangen, geboren, erhielt er schon mit 6 Violinunterricht, studierte auch Musik, aber eine Karriere als Orchestermusiker kam für ihn nie in Frage – Jakisic: „Ich wollte nicht nachspielen, was es seit hunderten Jahren gibt, sondern von Anfang an kreativ sein.“ Neben Geige lernte er auch Schlagzeug, aber mit 16 entdeckte er die Möglichkeiten, die Computersoftware für Musiker bieten. Und schnell spielte er in eigenen und fremden Bands – tourte mit österreichischen Freunden als „Ballycotton“ und performte irische Musik so authentisch, dass sie als Support der „Dubliners“ engagiert wurden. „Wir waren wirklich gut und vor allem trinkfest“, erinnert sich Jakisic. Ein paar Jahre arbeitete er dann auch als Studiomusiker in England, um – zurückgekehrt in Wien  – „Bauchklang“, eine A-capella-Band, zu produzieren und die Musik mitzuschreiben. Im „Dschungel“ schnupperte er als Komponist erstmals Theaterluft und wurde über die „Junge Burg“ auch ans Burgtheater engagiert. Für die größte Wiener Sprechbühne verfasste er die Musik zu Erfolgsproduktionen wie „Hotel Europa oder der Antichrist“, „Engel des Vergessens“ oder „Die letzten Tage der Menschheit“. Daneben gab es Aufträge für die Josefstadt, die Salzburger Festspiele, das Schauspielhaus sowie diverse Landesbühnen.

Vor kurzem arbeitete Jakisic mit Archim Freyer an Raimunds „Die gefesselte Fantasie“ in Gutenstein, (wird noch bis 8. August gespielt). Wobei die Zusammenarbeit mit der Regielegende denkbar einfach war, denn Freyer befand, dass die Grundlage für seine Theatermusik Jakisic’ neues Streichquartett-Album „Fragmente“ bilden soll.

Musik für Theater und Film

Was hat ihn überhaupt an der Arbeit fürs Theater gereizt? Jakisic: „Mir hat es getaugt, weil ich dabei zu Bildern komponieren kann. Musik ist da ja – wie auch beim Film – eine zweite Ebene, auf der man das Geschehen beeinflussen und etwa die Stimmung verändern kann. Das finde ich noch immer wahnsinnig spannend.“

Über seinen Kollegen Paul Haslinger, der schon lange in L.A. lebt, kam Jakisic auch zum Film. Er steuerte etwa Teile in dessen Score zur Netflix-Serie „Die Bande aus der Baker Street“ (Originaltitel „The Irregulars“) bei. Zurzeit arbeitet Jakisic an einem Megaprojekt. Gemeinsam mit einem Kollegen aus Israel schreibt er die Musik zur deutschen Serie „Two Sides of the Abyss“, die über HBO und Warner bzw. RTL international in 62 Ländern vermarktet wird – die Autorin ist Kristin Derfler. Damit ist der Musiker fast ein Jahr lang beschäftigt. „Am Anfang heißt das immer liefern, liefern, liefern, denn die Regie will für jede Stimmung etwas zur Hand haben. Vom Material bleibt dann aber nur ein Bruchteil übrig. “ Auch bei der Filmmusik gibt es Trends und Moden. Jakisic: „Es geht mehr in Richtung Kammermusik – der Hans-Zimmer-Sound ist definitiv weg. Es geht mehr um das nicht Perfekte, sogar Verstimmte – das hört man etwa bei Serien wie ,Breaking Bad‘ oder ,Ozark‘ – und das kommt mir sehr gelegen.“

Komponieren heute

Während man früher meist mit Klavier seine Komposition vorantrieb und dabei die Noten notierte, arbeitet man heute mit Computer und Software – die Noten schreibt der Rechner nebenbei. „Deshalb heißt mein Album mit Streichquartette auch ,Fragmente‘, denn ich bin dabei praktisch von Takt zu Takt vorgegangen. Ich habe einen Takt, schreibe die vier Stimmen und überlege mir für jedes der vier Instrumente, wo ich im zweiten Takt hinwill. Das Album hat sich sozusagen entwickelt – es gab keine große Anfangsidee. Man nennt das fragmentarisches Komponieren.“

Das jetzt erschienene Album klingt dann auch wie serielle Musik. Und ein Streichquartett im 21. Jahrhundert zu schreiben ist natürlich ein Wagnis, denn so etwas bedient nur eine sehr kleine Nische – die erste Live-Aufführung wird erst nächstes Jahr im Konzerthaus beim Festival „Gemischter Satz“ stattfinden.

Kinder als Publikum

Für Kinder zu komponieren ist dann wieder etwas ganz Eigenes, erzählt der Musiker: „Die haben keine Schubladen, und man kann die Reaktion nie vorhersehen. Der größte Erfolg im ,Dschungel‘ war Stephan Rabls Tanzperformance ,Überraschung‘, die für Kinder ab 2 Jahren geeignet war und nicht wirklich leichte Kost darstellte. Wir sind damit bis nach Sydney getourt. Und in allen Ländern war der Response ganz unterschiedlich – es gab da etwa vor Begeisterung tobende Kinder in Taiwan. Ein wirklich tolles Erlebnis!“


Matthias Jakisic ist ein Musiker, der auch für Theater & Film komponiert. Ein Studiobesuch.

Matthias Jakisic: Fragmente
Musik für ein Streichquartett im 21. Jahrhundert
Es spielen Lena Fankhauser, Emily Stewart, Nikolai Tunkowitsch und Asja
Erschienen auf col legno.