Wiener Opernsommer im Schlosspark Belvedere

©Anna Stöcher

Unter der Leitung von Joji Hattori präsentiert sich der Wiener Opernsommer im Schlosspark Belvedere als neues kulturelles Highlight.

Der Wiener Opernsommer im Schlosspark Belvedere feiert seine Premiere. Die innovative Veranstaltung unter dem Ehrenschutz von Bürgermeister Dr. Michael Ludwig und der künstlerischen Leitung von Intendant Joji Hattori bereichert den Wiener Festivalsommer mit zehn Open-Air Aufführungen von Mozarts „Don Giovanni“.

Opern-Fest

Die Veranstaltung geht auf eine Initiative des Vereins „Freunde des Wiener Opernsommers“ zurück, als Intendant will Joji Hattori, namhafter Musiker und Unternehmer, sowohl für Einheimische als auch für Touristen ein kulturelles Angebot schaffen, das seinesgleichen sucht.
„Mit der Vision, Wien als Kulturmetropole auch in den Sommermonaten lebendig zu halten, steht der Wiener Opernsommer für Zugänglichkeit, ohne auf künstlerische Exzellenz zu verzichten“, so Hattori, der über viele Jahre seine Erfahrungen in der Durchführung von Open-Air Oper in Kittsee gesammelt hat.
„Wir planen ein Festival, das sowohl die Herzen der Wiener als auch der internationalen Besucher erobern soll, indem wir versuchen, die genialste Oper Mozarts ohne zu viel Avantgardismus zu präsentieren.“
Das Anliegen teilt Hattori mit Regisseur und Casting Director Dominik Am Zenhoff-Söns: „Die majestätische Kulisse des Schloss Belvedere, kombiniert mit einem imposanten Bühnenbild, spektakulären Licht- und Videoeffekten sowie opulenten Kostümen, bietet eine einzigartige Kulisse, welche die Zuschauer in eine andere Welt eintauchen lässt. Eine klassische Inszenierung, die durch moderne Dialog-Elemente eine zeitgemäße Aktualisierung erfährt und darüber hinaus alle Altersgruppen anspricht, erwarten die Zuschauer an diesem geschichtsträchtigen Ort.“
Für das Bühnenbild zeichnet Manfred Waba verantwortlich, auf der Bühne glänzen um den Titelrollendarsteller Thomas Tatzl viele junge Namen der heimischen Opernszene.

Künstlerförderung

Mit dem Plan, jährlich etwa 100 Künstler zu beschäftigen, stellt der Wiener Opernsommer nicht nur eine Bereicherung für das kulturelle Angebot der Stadt dar, sondern bietet auch vielen lokalen Künstlern, die seit der Pandemie mit einem Rückgang privater Kulturveranstaltungen konfrontiert sind, wertvolle Auftrittsmöglichkeiten. Ein besonderes Augenmerk liegt dabei auf der Förderung junger Gesangstalente am Anfang ihrer Karriere, was dem Festival eine dynamische Ausrichtung verleiht. Im Falle von „Don Giovanni“ wird beim Wiener Opernsommer auch ein neues Konzept verfolgt, die Oper wird mit Musik in der Originalsprache und Dialogen auf Deutsch kombiniert. Intendant Hattori über die Hintergründe: „Mein Ziel ist es, durch den Ersatz italienischer Rezitative mit unterhaltsamen, verständlichen Dialogen die Oper lebendiger zu gestalten. Das erleichtert das Verständnis und erhöht den Unterhaltungswert.“

Jugendprogramm

Ein spezielles Jugendprogramm öffnet jungen Menschen die Türen zur faszinierenden Welt der Oper. Exklusive Probenbesuche mit anschließender Backstage-Führung, bei denen die SchülerInnen und Schüler erleben können, wie eine Opernproduktion von den ersten Proben biszur finalen Aufführung entsteht. Im Anschluss an die Proben gibt es ein Meet & Greet mit den Künstlern, welche den Jugendlichen inspirierende Einblicke in die beruflichen Möglichkeiten der Opernwelt zeigen.


1. bis 20. 7. 24
opernsommer.at

Isidor – Shelly Kupferberg liest aus ihrem Roman

Foto: ©Stefan Diesner

Heute Abend (14. 6. 24) liest Shelly Kupferberg im Buchcafé-Bar Tiempo in der Taborstraße 17a, 1020 Wien, um 19 Uhr, aus ihrem Roman „Isidor“ über das Leben ihres Großonkels, der ein Opfer Hitlers wurde. Hier können Sie unseren Artikel im Heft nach Erscheinen des Romans lesen. Wir haben 2022 Shelly Kupferberg auch vor dem Haus ihrer Vorfahren in Wien fotografiert.

Die sonntäglichen Bankette im Palais Rothschild gegenüber dem Musikverein, wo Isidor Geller standesgemäß auf zehn Zimmern wohnte, waren für seinen staunenden Neffen Walter Grab ein Blick in die mondäne Welt der Metropole. Hier saßen wichtige Männer aus der Wiener Wirtschaft, aber auch Künstlerinnen und Künstler wie die ungarische Sängerin Ilona Hajmassy – die Geliebte des Onkels –, die später in Hollywood als Ilona Massey Karriere machte und neben Stars wie Peter Lorre spielte. Denn Isidor hatte es in Wien zu etwas gebracht. In einer bettelarmen Familie in einem Schtetl bei Lemberg geboren, war er nach Wien gekommen, hatte seinen Namen von Israel auf Isidor geändert, Jus studiert und war durch sein kaufmännisches Geschick reich geworden. Er durfte sich Kommerzialrat nennen und verkehrte in besten Kreisen. Doch leider war er politisch naiv und übersah bis zuletzt die lebensbedrohende Gefahr durch die Nationalsozialisten, die ihn sofort nach dem „Anschluss“ 1938 verhafteten, seinen Besitz konfiszierten und ihn so brutal folterten, dass er kurz nach der Freilassung mit nur 52 Jahren starb. Seinem Neffen Walter, der später Historiker wurde und ihn nach dem Einmarsch zur Flucht drängte, gelang die Ausreise nach Palästina.  

„Vor einigen Jahren habe ich in Berlin eine Tagung über NS-Raubkunst moderiert. Und während der Vorträge dachte ich – ich hatte doch einen Urgroßonkel in Wien, der angeblich in einem Palais lebte und der sicher auch Kunst besessen hat. Mit diesem Funken im Kopf startete ich dann – zuerst im Österreichischen Staatsarchiv – eine Privatrecherche und wurde bald fündig“, erzählt Shelly Kupferberg, Enkelin von Walter Grab, der in Isidors Palais oft zu Gast gewesen war. Kupferberg ist Journalistin und vielbeschäftigte Moderatorin in Berlin. Durch die Spurensuche – anfangs noch ohne Absicht, daraus ein Buch zu machen – kam sie oft nach Wien. „Isidor“ beginnt auch mit einem Kapitel, in dem ihr Großvater 1956 Wien besucht, um zu erkunden, ob er hierher zurückkehren sollte. Denn er vermisste in Tel Aviv die Wiener Kultur ganz schrecklich. Als er – nach dem Besuch von Oper und Burg – in seiner ehemaligen Wohnung am Bauernfeldplatz vorbeischaut, öffnet ihm die ehemalige Hausmeisterin und schreit in die Wohnung hinein „Der Jud’ is wieda doa!“ Dann schlägt sie ihm die Tür vor der Nase zu. Da weiß Walter, dass er in dieser Stadt nicht bleiben kann.

Kupferberg erzählt geschickt abwechselnd von Isidor und Walter und füllt Lücken mit viel Gefühl für die historischen Hintergründe literarisch auf. So gehen wir mit dem Blick ihres Großvaters durch das Wien von 1956 oder besuchen das Schtetl, in dem Isidor aufwuchs, wo sein Vater ein angesehener Talmud-Gelehrter war und nur die Frauen Geld verdienten.

„Bei meinen Recherchen stellte ich mir bald die Fragen: ,Was bleibt von einem Menschen, wenn offensichtlich gar nichts übrig bleibt?‘ Isidor hatte ja keine Kinder und ich musste ständig überlegen, ,Wo könnte er Spuren hinterlassen haben?‘ Wäre ich gescheitert, hätten die Nazis erreicht, was sie wollten – ein jüdisches Schicksal auslöschen …“, erzählt Kupferberg bei dem Gespräch in Wien.

Sehr erstaunlich war Isidors schneller Aufstieg vom Hungerleider zum Berater der österreichischen Regierung. War das Wien um den Ersten Weltkrieg trotz des herrschenden Antisemitismus durchlässiger als heutige Gesellschaften? Kupferberg: „Ich habe mich auch gewundert, wie schnell das ging. Es war vielleicht einfach die Zeit der Selfmademen und auch Selfmadewomen – auch Isidors Schwester hat sich mit einem kleinen Hutsalon auf ihre Weise in Wien selbst verwirklicht. Ich glaube, es war gerade für Juden, für ethnische Minderheiten, eine durchlässige Gesellschaft. Historiker erklären das so, dass sich der Adel nur für Pferderennen und die Jagd interessiert hat – und kaum für Kunst. Da scheint es eine Lücke gegeben zu haben für Menschen, die etwas Neues wollten. Wobei die Unverblümtheit des Antisemitismus im damaligen Wien sogar mich noch erstaunen konnte.“

Vier Jahre hat Shelly Kupferberg recherchiert und geschrieben und dabei auch alle relevanten Wiener Institute und Stellen kennengelernt. Stets wurde ihr freundlich weitergeholfen. „Immer wenn ich erzählte, es geht um eine jüdische Geschichte, waren alle sehr aufgeschlossen und hilfsbereit. In Wien habe ich als Berlinerin ja immer das Gefühl, ich wandle durch eine Filmkulisse – man spürt noch immer das Imperium. Diesen Prunk, diesen Zuckerguss finde ich total faszinierend.“


Festspiele Reichenau – Klassiker prominent besetzt

Foto: ©Lalo Jodlbauer

Die Festspiele Reichenau 2024 bieten ein facettenreiches Programm quer durch die österreichische Dramatik. Johann Nestroys „Lumpazivagabundus“, Arthur Schnitzlers „Anatol“, Thomas Bernhards „Der Ignorant und der Wahnsinnige“ sowie Ödön von Horváths „Der jüngste Tag“ stehen auf dem Programm. 

Maria Happel selbst wird Horvaths „Der jüngste Tag“ inszenieren. Ein Stück, das sich, wie sie meint, perfekt in die Landschaft in und um Reichenau einfügt. (Premiere 7. Juli) Mit Burgschauspieler Daniel Jesch als Stationsvorstand Thomas Hudetz ist die Hauptrolle vielversprechend besetzt. An seiner Seite spielen unter anderen Mercedes Echerer, Nicolaus Hagg, Johanna Mahaffy oder Kaspar Simonischek. 

Weiters u.a. zu sehen in Reichenau: AntoN Widauer, Claudius von Stolzmann, Stefan Jürgens, Julia Stemberger, Miriam Fussenegger, Paula Nocker, Thomas Frank, Florian Carove und viele andere.

Tickets & Informationen unter festspiele-reichenau.at

Hurra, wir lesen noch – das Alternativprogramm zur Fußball EURO ab 12. Juni

Foto: ©Katharina Schiffl

„Hurra, wir leben noch“ ist ein Bestseller des österreichischen Autors Johannes Mario Simmel aus dem Jahr 1978. Heuer wäre der 2009 verstorbene Dichter 100 Jahre alt geworden. Originellerweise nennt sich eine Veranstaltungsreihe auf der Sommerbühne des MQ „Hurra, wir lesen noch“ bei der ab 12. Juni Frauen über Bücher plaudern. Die Moderatorinnen Lilian Klebow und Teresa Vogl wollen dabei an die Tradition der Buchklubs in den USA anschließen, die bei uns nur im Roten Wien bestanden. Wahrscheinlich weil es in Europa keine riesigen Vorstadtsiedlungen mit über Tagesfreizeit verfügenden Frauen gibt. Deren Wirken sollte man auch nicht unterschätzen, Bernhard Schlink erzählte etwa, dass er den internationalen Erfolg seines Vorlesers eben jenen Buchklubs zu verdanken hat. Der Zeitpunkt für den Start des MQ-Buchklubs ist nicht zufällig gewählt, denn parallel dazu findet ja die Fußball-EURO statt. Am 12. Juni werden Lilian Klebow und Teresa Vogl ab 19 Uhr Näheres erklären. Ein Buchklub natürlich nicht nur für Frauen – der Eintritt auf der Sommerbühne ist sowieso frei.

mqw.at/programm/hurra-wir-lesen-noch

Das Naturparadies Oberösterreich zu Fuß erkunden

„Auf Wandertour mit Bahn und Bus“ präsentiert abwechslungsreiche Routen, die nachhaltig und stressfrei durch das Bundesland führen.

40 abwechslungsreiche Touren quer durch Oberösterreich, die bequem mit Bus, Bahn oder Schiff erreichbar sind. Detaillierte Wegbeschreibungen, übersichtliche Landkarten, praktische Hinweise sowie interessante Informationen zu vielen Sehenswürdigkeiten: Im neuen Buch „Auf Wandertour mit Bahn und Bus“, erschienen im Linzer Trauner Verlag, haben die Autoren Sabine Neuweg und Alois Peham auf rund 160 Seiten eine abwechslungsreiche Auswahl an Routen zusammengestellt, die von einfachen Spaziergängen bis hin zu mittelschweren Bergtouren reichen.

Das Buch zielt darauf ab, Wanderbegeisterten die Schönheit der oberösterreichischen Landschaften näherzubringen, ohne dass ein eigenes Fahrzeug benötigt wird. Mit detaillierten Wegbeschreibungen, übersichtlichen Landkarten und praktischen Hinweisen soll den Lesern die Planung ihrer Ausflüge erleichtert werden. Zusätzlich bieten Informationen zu lokalen Sehenswürdigkeiten und Einkehrmöglichkeiten einen Mehrwert für Wanderer. Um die Orientierung auf den Wanderungen zu vereinfachen, werden neben Distanzen, Gehzeiten und Angaben zu Höhendifferenzen auch GPS-Daten zum Download angeführt. 

Der neue, praktische Wanderführer ist in enger Kooperation zwischen dem Trauner Verlag und den Oberösterreichischen Nachrichten erschienen. Die beiden Autoren Sabine Neuweg und Alois Peham schreiben seit fast 30 Jahren gemeinsam als „Tourenerkunder“ für die OÖNachrichten. 

Der neue Wanderführer ist ab sofort im Handel sowie online auf www.trauner.at erhältlich.

Wandern in der Hochsteiermark

Foto: ©Andreas Steininger

In seinem neuen Buch beleuchtet Andreas Steininger eine malerische Region, von der einst schon Peter Rosegger schwärmte.

Die Hochsteiermark, eine wunderschöne Region im Nordosten der Steiermark, umfasst die vielfältige Bergwelt von Roseggers Waldheimat, dem Mariazeller Land, vom Hochschwab, dem Naturpark Mürzer Oberland und den sanften Fischbacher Alpen. Sie umfasst aber auch die Kornmesserstadt Bruck an der Mur, mit Mariazell den wichtigsten Wallfahrtsort Mitteleuropas oder mit dem Neuberger Münster im Naturpark Mürzer Oberland einen der bedeutendsten Sakralbauten Österreichs.

Mit seinem Buch „Wandern in der Hochsteiermark. Auf der BergZeitReise unterwegs in den Wiener Hausbergen“ macht Bergretter, Skiführer, Wanderexperte und Geschäftsführer des Naturparks Mürzer Oberland Andreas Steininger Lust darauf, in dieser vielfältigen Region auf Entdeckungsreise zu gehen. Steininger führt uns in eine alpine Region mit reicher kulturhistorischer Vergangenheit vor den Toren Wiens. In eine Region, in der Hochtechnologie ebenso beheimatet ist wie einsame Bergerlebnisse auf Hochschwab, Rax und Schneealm. Mit Tipps für Tagestouren und mit Wandervorschlägen ist dieses Buch auch ein praktischer Ratgeber für wunderschöne Erlebnisse in der Hochsteiermark, einer Gegend, von der schon Peter Rosegger, der „Waldbauernbub“ aus dem Mürztal, schwärmte.


hochsteiermark.info

hochsteiermark.at

In seinem neuen Buch beleuchtet Andreas Steininger eine malerische Region, von der einst schon Peter Rosegger schwärmte.

160 Seiten
€ 19,90
Kral-Verlag
ISBN 978-3-99103-198-7

Nächte der Philosophie – Interview mit Anna Gius

©Sandra Oblak

Bei den Nächten der Philosophie wird vom 22.–26. Mai an verschiedenen Locations bei freiem Eintritt über Philosophie gesprochen. Veranstaltungen u. a. von Lisz Hirn (Nietzsche und die Frauen), Regula Stämpfli (Die Hannah-Arendt-Kontroversen), Alfred Pfabigan (When I’m 64. Altern als Kunst) und Simone Klein (Philosophisches im Wiener Lied und Austropop). Programm: www.gap.or.at

Zur Einstimmung bringen wir ein Interview mit Anna Gius, die über „Die Schwierigkeit zu lieben“ referieren wird.

Anna Gius ist geborene Südtirolerin und kam zum Studium nach Wien, wo sie sich später in der „Philosophischen Praxis“ engagierte. In dieser Einrichtung können Gespräche mit ihr – auch etwa als Paar – zu persönlichen Problemen gebucht werden, es soll ein philosophisches Reflektieren über das eigene Leben stattfinden. Daneben arbeitet Gius in der Kinder- und Jugendkultur bei WIENXTRA.

Philosophie als Lebenshilfe. Wie geht das?

Anna Gius: Ich habe das zum ersten Mal bei mir selbst erfahren, als ich als Jugendliche begonnen habe, Sartre zu lesen – das hat mich damals komplett abgeholt. Als ich dann entdeckt habe, dass es den Lehrgang „Philosophische Praxis“ gibt, war für mich klar, dass das ein Ort sein kann, wo ich viel finden und viel geben kann. Meine Steckenpferde wurden dann Liebe und Beziehungen. Deshalb machen Paarsettings bei mir Sinn, gerade wenn sich Paare abseits von normativen Beziehungslogiken bewegen. Aber ich denke: Egal, wo man sich umtreibt, ist philosophisches Handeln notwendig, denn es geht darum, Denkprozessen eine Tiefe zu geben und Selbstverständlichkeiten zu hinterfragen.

Sie werden bei den „Nächten der Philosophie“ über die romantische Liebe sprechen – das ist ja das Klischee schlechthin, oder?

Genau, ich möchte weniger über die Liebe in der Philosophie reflektieren als über die Liebe im Leben. Das Romantikideal ist eine machtvolle Vorstellung, wenn es um ein gutes und glückliches Leben geht. Ich finde es gerade heute wichtig, Philosophie mit den Erkenntnissen aus anderen Fachbereichen zu verschränken. Die Glücksforschung zeigt uns etwa ganz deutlich, was Menschen am wichtigsten für ihr eigenes Glück erkennen, nämlich die Beziehungen, die sie führen. Gleichzeitig berichten Soziolog*innen, dass Menschen gerade dabei Erfahrungen des Scheiterns machen. Mich interessiert die Verschränkung von gesellschaftlichen Normvorstellungen mit den eigenen Selbsterzählungen – also dem eigenen Bewusstsein des Individuums, als das man sich sieht.

Das Scheitern ist in der romantischen Liebe ja fast schon angelegt – also die Liebe zu einem, einer und das für immer und ewig …

Obwohl wir alle anerkennen, wie unwahrscheinlich und selten die Erfüllung dieses Ideals ist, hören wir trotzdem nicht auf, es zu verfolgen. Wir müssen das Ideal hinterfragen, ohne den Wunsch nach liebevollen, erfüllenden Beziehungen aufzugeben. Viele Potenziale, die vorhanden sind, werden nicht genutzt. Wir haben sehr viel mehr Handlungsspielräume, ein erfülltes Leben zu führen und erfüllt zu lieben, als wir uns bewusst machen.

Nun gab es ja schon in den 60er-Jahren andere Formen wie die „freie Liebe“, aber das ist ja oft in der Praxis gescheitert …

Ich glaube, es gibt mehrere Gründe, warum alternative Beziehungsmodelle bisher nicht breitenwirksam geworden sind. Zum einen hat man nicht ehrlich genug auf die Auswirkungen und Handlungspraktiken im Patriarchat geschaut und zum anderen hat es gesellschaftliche Gegeninteressen gegeben, die das erschwert haben. Die Kleinfamilie galt als ein gesellschaftlich stabilisierender Faktor. Es wurden also Machtdynamiken übernommen, die nur die Verhältnisse reproduzieren und keine wirklichen Veränderungen ermöglichen können. Solange wir so starke patriarchale Hierarchien in unsere intimsten Beziehungen mitnehmen und dort keine Gleichberechtigung und Gleichwertigkeit erlauben, werden wir scheitern.

Sie sprechen konkret über die Schwierigkeiten in der Liebe. Was sind die größten Schwierigkeiten?

Ich gehe von der lebenskundlichen Erfahrung aus, dass wir alle sehr vertraut sind mit Liebeskummer und vielleicht auch mit der Erkenntnis, dass es ein Ideal ist, an dem wir scheitern, und nicht die Liebe an sich. Die Schwierigkeiten können sehr individuell sein, deshalb ist gerade ein philosophisches Gespräch ein guter Ort, um sich das anzuschauen. Wenn wir in der Liebe eigene Wege gehen, gibt es auch Schwierigkeiten, denen wir alle begegnen: dass wir gelernt haben, dass Eifersucht natürlich ist und ein Beweis der Stärke unserer Gefühle zum Beispiel, oder dass es nicht möglich ist, mehrere Menschen gleichzeitig romantisch zu lieben, oder dass die romantische Liebesbeziehung wichtiger sein muss als Freund*innenschaften.

Rund um die Burg – Großer Andrang beim Buchfestival

Nino aus Wien las aus seinem neuen Buch „Kochbuch Take 16“. – ©Stefan Burghart

Am 10. & 11. Mai kamen an drei ausgewählten Orten in Wien Literaturfans zusammen um Lesungen und Gesprächen über Literatur zu lauschen.

Alle drei Locations trugen ihren Teil zur guten Stimmung beim Festival „Rund um die Burg“ bei. Im randvollen Vestibül des Burgtheaters konnte Bühnenluft geschnuppert werden, das Stelldichein Meierei im Volksgarten verströmte Gartenflair im Freien und das Restaurant Vestibül brachte am Samstag Kaffeehausatmosphäre ein. Baruch Pomper von der Buchhandlung „analog“ sorgte zudem überall für ein „erlesenes“ Erlebnis.

Das höchst interessierte Publikum erlebte aber nicht nur Lesungen, denn die Autorinnen und Autoren beantworteten jeweils zu Beginn auch die Fragen von Ani Gülgün-Mayr (ORF 3) und Festival-Programmmacher Helmut Schneider.

Literarische Autorinnen und Autoren machten zwar das Gros der Auftritte aus, diskutiert wurde aber auch über die Neue Oper, die Wirtschaft nach Corona und dem Angriff Russlands auf die Ukraine oder die propagandistische Kulturpolitik von Dollfuß und Schuschnigg.

Rund um die Burg dankt seinen Unterstützern Stadt Wien und dem Bundesministerium Kunst & Kultur.


rundumdieburg.at

Performative Rundgänge und Ausstellungen beim VIENNA CITY GALLERY WALK

Für Kunstliebhaber:innen gibt es beim VIENNA CITY GALLERY WALK viel zu erleben. Ausstellungen, Performances, musikalisch performative Rundgänge, zeitgenössische Musik-Komposition und viele weitere kulturelle Höhepunkte – der Vienna City Gallery Walk von 22. bis 25. Mai 2024 lädt auf eine Entdeckungsreise durch Wien.

Der VIENNA CITY GALLERY WALK inszeniert den spielerischen Zugang zu Kunst und Kultur in Wien. Musikalisch performative Rundgänge, Performances, Literatur, Musikkomposition sowie Ausstellungsführungen laden ein zum zwanglosen, Kunst-inspirierten Gehen, zum begeisternden Miteinander der Menschen in der Stadt und bereichern die einzigartigen Präsentationen der Wiener Galerien-Szene.

Hochwertige Kunst früherer Zeiten wird in sechs Gallery-Touren mit aktuellen zeitgenössischen Werken in Verbindung gebracht. So wird die gesellschaftliche Auseinandersetzung mit Kunst und Design zum Erlebnis und schafft Bewusstsein für Qualität und Individualität.

Die Tour Guides gehen durch die Wiener City, führen aber auch zu den Programmpartner:innen außerhalb des ersten Bezirks. Freuen Sie sich auf vier engagierte Programmtage! Genießen Sie Kunst. Machen Sie mit. Kostenfrei.

Programm

TOUR 1 / MITTWOCH, 22. MAI 2024 / 16.00-21.00
STORY / HISTORY – Thema: Die Bedeutung von Kunstsammlungen für die Gesellschaft
Start 16.00 bei WAM Wiener Aktionismus Museum, 1010 Wien, Johannesgasse 26 bis zum OPENING EVENING bei GALERIE AMART, Halbgasse 17, 1070 Wien

TOUR 2 / DONNERSTAG, 23. MAI 2024 / 16.00-21.00
FEUER / WASSER / ERDE / LUFT – Ein materialsprachlicher, musikalisch, performativer Rundgang mit Bodo Hell, Götz Bury, Werner Zangerle
Start 16.00 am Josefsplatz, 1010 Wien zu 7 weiteren Ausstellungs- und Themenorten im 1. Bezirk

TOUR 3 / DONNERSTAG, 23. MAI 2024 / 16.00-22.00
ARTWORK STORIES / MUSIC COMPOSITION – Thema: Die Entgrenzung des Bildfeldes
Start 16.00 bei 42c DISTRICT4ART, Hahngasse 9, 1090 Wien, weiter zur HEIDIHORTENCOLLECTION und zu 5 weiteren Ausstellungsorten im 1. Bezirk

TOUR 4 / DONNERSTAG, 23. MAI 2024 / 18.30-20.30
MUSIK ZUM GEHEN + (AUF) STEHEN. Kompositorischer Rundgang durch den 1. Bezirk mit dem ENSEMBLE REIHE ZYKAN+
Zeitgenössische kompositorische Beiträge in Bezug auf Maria Lassnig, Laurie Anderson, Fanny Hensel
Start 18.30 bei 06a GALERIE BEI DER ALBERTINA ∙ ZETTER, Lobkowitzplatz 1, 1010 Wien sowie zu 3 weiteren Ausstellungen in Galerien

TOUR 5 / FREITAG, 24. MAI 2024 / 16.00-21.00
ARTWORK STORIES / MUSIC COMPOSITION – Thema: Kunst und der Aspekt des Begreifens
Rundgang in Verbindung mit IMAGO SONUS, Zeitgenössische Komposition
Start 16.00 bei 14 KUNSTHANDEL GIESE & SCHWEIGER, Akademiestraße 1, 1010 Wien

TOUR 6 / SAMSTAG, 25. MAI 2024 / 11.00-16.00
STORY / HISTORY – Thema: Diversität von Kunstdisziplinen
Rundgang im 1. Bezirk in Verbindung mit IMAGO SONUS, Zeitgenössische Komposition
Start 11.00 bei 04 GALERIE ARTZIWNA, Herrengasse 17, 1010 Wien


INFO
22. 5. 24–25. 5. 2024
16.00–21.00
25. 5. 2024
11.00–16.00
gallerywalk.at

50. Staatspreis Design – Ausstellung im designforum Wien

In Kooperation mit designaustria vergibt das Bundesministerium für Arbeit und Wirtschaft am 16. Mai den 50. Staatspreis Design im MuseumsQuartier.

Dieses Mal neu am Staatspreis Design 2024 ist die Bewertung durch eine ausschließlich internationale Jury, sowie die verstärkte Dokumentation in digitaler Form. Zusätzlich zu den drei Staatspreisen werden in der Jubiläumsausgabe auch wieder die Sonderpreise „Spaces & Environment“ und „DesignImpact-Concepts“ verliehen. Die Einreichungen der Gewinner*innen sind ab 16. Mai im designforum Wien zu sehen.

Kategorien

Vergeben werden drei Staatspreise in folgenden Kategorien:

Industrial Design | Konsumgüter
Industrial Design | Investitionsgüter
Haushalt & Tischkultur
Werkzeug & Gartengeräte
Sport & Wellness
Personal Care & Gesundheit
Unterhaltungselektronik & Freizeit
Maschinen & industrielle Fertigungsmittel
Robotik & Automation
Medizinische Geräte
Mobilität & Verkehr
Materialien & Oberfläche
Büro & Gebäudetechnik
Produktgestaltung Interior
Interior, Möbel & Stoffe
Licht & Beleuchtung
Lifestyle & Accessoires

Daneben gibt es den Sonderpreise „Spaces & Environment“, zu dem Produkte aus den Bereichen Urban Design, öffentlicher Raum & Stadtmöblierung, Leitsysteme, Informations Design & Ausstellungsgestaltung eingereicht werden können. Außerdem werden mit dem Sonderpreis „DesignImpact-Concepts“ drei innovative Designkonzepte – noch nicht umgesetzte Diplomarbeiten, Konzepte, Prototypen, unveröffentlichte Projekte mit hoher Marktrelevanz und geeignetem Umsetzungspotenzial von Studierenden und jungen Absolvent*innen, gewürdigt. Der Preis ist mit jeweils 2.000 Euro dotiert und wird von der Austria Wirtschaftsservice GmbH (aws) zur Verfügung gestellt.

218 Projekte von 157 Produktdesigner*innen und Unternehmen wurden dieses Jahr eingereicht.  Die Vielzahl und Vielfalt der Einreichungen bot der Jury einen Einblick in das breite Spektrum des österreichischen Designschaffens. Am 16. Mai werden die Preise verliehen und gleichzeitig die Austellung „Staatspreis Design 2024“ im designforum eröffnet.

Ab 16. 5. 24
designforum.at