Felix Mitterers Stück über den Wiener Komponisten Alexander Zemlinsky feierte Uraufführung im Theater in der Josefstadt

Meistgelesen

Anders als seine Kollegen Schönberg und Mahler oder sein Schüler Korngold hatte der 1871 geborene Alexander Zemlinsky niemals den großen Durchbruch und arbeitete zeitlebens als Dirigent oder Opernchef auch mit weniger guten Orchester. Und so heißt es für ihn – der nicht den Luxus eines reichen Elternhauses besaß – in Felix Mitterers Drama „Zemlinsky“, das jetzt im Theater in der Josefstadt uraufgeführt wurde, immer wieder „Zemlinsky kann warten“, wenn andere ihm vorgezogen werden. Rückblickend lässt sich sein Leben freilich als Spiegel der Wiener Moderne und deren Zerstörung spätestens durch die Nazis sehen. Regisseurin Stephanie Mohr hat sich dafür von Miriam Busch ein Bühnenbild schaffen lassen, das das Disparate dieses Komponistenschicksals als Rumpelkammer materialisiert. Ein Klavier steht sehr schief, überall sind andere Orchesterinstrumente zu sehen, Lichter wie auf einer Broadwaybühne blitzen auf, Standmikrofone, Opernsessel und seltsame Schaukästen werden nach Bedarf aktiviert. Zemlinsky floh ja nach New York, seine Mutter war Jüdin, dem Filmbusiness in Hollywood verweigerte er sich freilich.

In den zwei Stunden kann Mitterer sehr viele Stationen dieses Lebens einpacken. Alma – die spätere Frau Mahlers – war Zemlinskys Schülerin, seine Schwester Mathilde heiratete seinen Kollegen Arnold Schönberg – das Drama mit Selbstmord des genialen Malers Richard Gerstl wird natürlich auch gezeigt – der verheiratete Zemlinsky hat immer wieder Affären mit jungen Sängerinnen und Alma erscheint auch immer wieder in seinem Leben. Als zweite Ebene erzählen unterschiedliche Stimmen Oscar Wildes Kunstmärchen „Der Geburtstag der Infantin“, das Zemlinsky vertont hatte und in dem ein hässlicher Zwerg an gebrochenem Herzen stirbt.

Die dichten Handlungsstränge werden von einem sehr gewitzten Ensemble zum Leben erweckt. Fast alle spielen mehrere Rollen, Melanie Hackl, Susa Meyer und Kymberly Rydell haben auch Gesangparts, die sie erstaunlich gut meistern – Martin Vischer und Günter Franzmeier spielen den jungen und den alten Komponisten, Robert Joseph Bartl bekommt als alte Alma Mahler sogar Szenenapplaus.

Wieder ein Drama über die Zerstörung der geistigen Wiener Elite durch die dumpfen Kräfte des Faschismus. (Foto: Moritz Schell)

Infos & Karten: josefstadt.org

Kultur-Newsletter

Melden Sie sich zur wienlive Kulturlektüre an. Texte, Interviews und Reportagen in Langform – wöchentlich.

Neueste Beiträge