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Statistik einmal spannend

Echte Zahlen


Klemens Himpele, Chef der Wiener Statistik, hat ein wunderbar lesbares Buch
über „echte Zahlen“ geschrieben und stellt dabei einige Halbwahrheiten richtig.
Text: Helmut Schneider / Fotos: Wiener Linien/Johannes Zinner; Ludwig Schedl


Statistiken mögen knochentrocken sein. Wer sie aber zu lesen weiß, gewinnt dadurch wichtige Erkenntnisse über unsere Gesellschaft und unseren Lebensraum. Klemens Himpele, Leiter der Magistratsabteilung Wirtschaft, Arbeit und Statistik der Stadt Wien, weiß, wie man Statistik
anschaulich präsentiert. In seinem neuen Buch nimmt er sich selbst als „zuagraster Piefke“ auf die Schaufel und berichtet über seine neue Wahlheimat (seit 2012) unterhaltsam und trotzdem
wissenschaftlich fundiert. Er klärt etwa auch selbstkritisch auf, wo Zahlensammler nur vermuten können und welche Tücken manche Vergleiche in sich haben. Etwa die vielen Listen, in denen Wien global an erster Stelle ist. Da werden natürlich immer verschiedene Kriterien verschieden gewertet. Außergewöhnlich ist freilich trotzdem, dass Wien immer hervorragend abschneidet, manchmal als eine der wenigen Städte in Europa.

WIEN UND DIE BUNDESLÄNDER
Der Wahlwiener Himpele ist als geborener Deutscher in Wien bekanntlich keine Einzelerscheinung. Die meisten Deutschen in Österreich leben ja auch in Wien. Den höchsten Anteil an der Bevölkerung stellen sie freilich in Tirol. Was man auch nicht vermuten würde:
Wien hat die niedrigste Quote an Kindern, die unehelich geboren werden. Kärnten hat die höchste. Und: Im Jahr 1910 waren 49 Prozent der Bevölkerung in Wien geboren. Heute sind es 47 Prozent. Aber noch nie kamen auch so viele Menschen aus den Bundesländern nach
Wien, um hier zu leben. Klarerweise sind darunter viele Studenten, denn Wien ist schließlich die größte deutschsprachige Universitätsstadt – noch vor dem viel größeren Berlin.

UMWELTSTADT WIEN
Bemerkenswert ist ebenso, dass die einzige Großstadt Österreichs auch in Sachen Umwelt vorne ist. In Wien gibt es die bei weitem niedrigste PKW-Dichte pro 1.000 Einwohner (273,7 – zum Vergleich: Burgenland 668,2 oder Graz 474,6). Und Wien hat auch den geringsten Primärenergieverbrauch aller Bundesländer – Wohnungen lassen sich eben besser heizen als Einfamilienhäuser, die vielleicht auf lange Sicht sowieso ein Auslaufmodell sind. 2016 wollten noch 53 Prozent der Befragten aufs Land ziehen, 2018 sind es nur noch 42 Prozent …
Interessant ist aber auch Himpeles fast nebenbei präsentierte Darstellung unseres Wirtschaftskreislaufes. Ein Buch, das sich liest wie ein Roman!


KLEMENS HIMPELE: STATISTISCH GESEHEN
Echte Zahlen statt halber Wahrheiten
aus Deutschland und Österreich.
ecowin Verlag, 214 Seiten,
€ 24,–
ecowin.at