Torsten Fischer dichtet Büchners „Leonce und Lena“ in den Kammerspielen leider weiter

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Eines der bezauberndsten Paare der deutschen Literatur: Georg Büchners Geschichte von den zwei Königskindern Leonce und Lena, die verheiratet werden sollen und auf der Flucht voreinander sich in Liebe finden ist eine Allegorie auf das Schicksal. Aufgrund seiner luziden philosophischen Sprachspiele könnte man dieses Lustspiel durchaus als erstes Beispiel für das absurde Theater betrachten.

In den Kammerspielen holt Torsten Fischer dieses literarische Kleinod freilich brutal in die schnöde Realität zurück und zeigt uns im ersten Drittel des nur anderthalbstündigen Abends den Prinzen von Popo und die Prinzessin von Pipi als Bewohner eines Altersheims, wo sie auch noch Banalitäten über ihre schwindende Lebensfreude von sich geben müssen. Wie heißt es bei Erich Kästner: „Und darum wird beim happy end im Film jewöhnlich abjeblendt.“ Hätte man sich nur daran gehalten…

Sandra Cervik und Michael Dangl sind als Liebespaar natürlich dem Teenageralter längst entwachsen. Aber das ist doch völlig nebensächlich – hat man sich doch längst daran gewöhnt, dass Frauen Männerrollen verkörpern und umgekehrt. Die beiden spielen dann – allerdings mit gehörigem Augenzwinkern – ihre Königskinderrollen dann auch. Der Zauber des Textes ist da freilich längst gebrochen. Tonio Arango bemüht sich redlich, das wieder zu richten. Marks Blohm und Susanna Wiegand kämpfen auf verlorenen Posten. Die Kostüme und das Bühnenbild sind wenigstens hübsch anzusehen.

Bei der Premiere in den Kammerspielen der Josefstadt wurden Sandra Cervik und Michael Dangl, die ab nächster Saison hier nicht mehr zu sehen sein werden, mehr für ihre langjährigen Leistungen für das Haus als in dieser Inszenierung vom Publikum heftig mit Applaus bedankt. Schade, denn „Leonce und Lena“ wird in Wien sicher nicht zu oft realisiert. (Foto: Moritz Schell)

Infos & Karten: josefstadt.org 

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