Kastanienfest im Prater

KASTANIENFEST IM PRATER

Das „Wiener Bezirksblatt“ lädt gemeinsam mit dem Restaurant „die Allee im grünen Prater“ am 10. Oktober 2021 zum Kastanienfest für Groß und Klein. FeinschmeckerInnen können sich auf viele Köstlichkeiten rund um die Kastanie freuen und die Kinder suchen den großen Kastanienschatz und nehmen mit etwas Glück am Kastanien-Quiz mit Robert Steiner teil. Hauptpreis ist ein nigelnagelneues Kinder-Mountainbike.

Kulinarische Highlights rund um die Kastanie

„die Allee im grünen Prater“ verwöhnt mit hausgemachten und frisch zubereiteten Maronigerichten und bietet einen speziellen Kastanien-Brunch ab 11.00 Uhr an. Ab 10.00 Uhr wird den Gästen kostenfrei Kaffee der echo-Ape – solange der Vorrat reicht – geboten.

Wer findet den Kastanienschatz?

Mit diesem Motto laden wir alle jung und junggebliebenen BesucherInnen ein am vielfältigen Kinderunterhaltungsprogramm teilzunehmen. Ein Gewinnspiel mit spannenden Quizfragen und tollen Preisen runden das erste Kastanienfest im Prater ab.

Durch das Kindeprogramm führt Robert Steiner, bestens bekannt aus der Radiosendung  WOW-die Rätselshow mit Robert Steiner und Rolf Rüdiger.

Ein weiteres Highlight sind die Kinderaktions-Fahrräder von WienXtra, die ein Garant  für jede Menge Spaß und Action sind. Geboten wird den Kindern eine Auswahl verschiedenster Brett- und Gesellschaftsspiele, Pedalos, Stelzen sowie ein Riesen-4-Gewinnt und die beliebte WienXtra-Fotobox für Jung und Alt.

Der Eintritt ist frei – es gelten die aktuellen Corona-Regeln für Wien.

Das Restaurant „die Allee zum grünen Prater“ befindet sich nur eine Gehminute von der Bim-Linie 1 (Station Prater Hauptallee) entfernt.

Dank gebührt unseren Partnern familiii, WienXtra und Waldquelle, die das Kastanienfest in der Allee im grünen Prater möglich machen.

Impfen ohne Voranmeldung

Als besonderer Service ist außerdem ein Impfbus der Stadt Wien zwischen 11.00 und 20.00 Uhr vor Ort, in dem unkompliziert die Corona-Schutzimpfung allen BesucherInnen geboten wird.

Eine Anmeldung ist nicht notwendig – einzig ein Lichtbildausweis und wenn vorhanden eine E-Card sind vorzuweisen.

INFO:

10. 10. 2021 , 10 bis 16 Uhr, Prater Hauptallee 124, 1020 Wien, bit.ly/kastanienfest2021

Anmeldung zum Kastanien-Brunch erbeten unter: Tel. 01/25 209 oder zumgenuss@dieallee.at

Schmuckstars 2021

Moderatorin Silvia Schneider führte die heimische Prominenz und Ehrengäste durch den funkelnden Abend. – ©Andreas Tischler
Moderatorin Silvia Schneider führte die heimische Prominenz und Ehrengäste durch den funkelnden Abend. – ©Andreas Tischler

Das sind die Schmuckstars 2021


Die Schmuckstars 2021 standen im Zeichen besonderer Leistungen der heimischen Uhren- und Schmuckbranche. Nach pandemiebedingter Online-Preisverleihung ohne Publikum im letzten Jahr, ging heuer die glamouröse „Schmuckstars – Galanacht der Uhren und Juwelen“ in all ihrer Pracht über die Bühne.


Moderatorin Silvia Schneider führte die heimische Prominenz und Ehrengäste im Andaz Vienna Am Belvedere durch den funkelnden und glitzernden Abend. Bereits zum dritten Mal zeichnete „Schmuckstars“-Initiator Christian Lerner die renommiertesten Betriebe und Handwerker der Schmuck- und Uhrenbranche aus Österreich in 15 Kategorien aus. Von über 120 Nominierten schafften 36 den Einzug ins Finale.

Moderatorin Silvia Schneider führte die heimische Prominenz und Ehrengäste im Andaz Vienna Am Belvedere durch den funkelnden und glitzernden Abend. Bereits zum dritten Mal zeichnete „Schmuckstars“-Initiator Christian P. Lerner die renommiertesten Betriebe und Handwerker der Schmuck- und Uhrenbranche aus Österreich in 15 Kategorien aus.

GEWINNER*INNEN
Die prominente Fachjury unter der Leitung von Uhren- & Schmuck-Fachjournalistin Ines B. Kasparek hat gewählt:

  •  „Schmuckstück des Jahres“: Tahiti Keshiperlen Ohrringe (Christopher Norz, Innsbruck), Ring „Der Schatz des Oktopus“ (Richard Schipflinger, Innsbruck), Ring „Spectrum“ (Hans Schullin, Klagenfurt), Collier „Sea Splash“ (Ursula Neuwirth, Wien), Ohrringe „Wave“ (Anna Marie Schullin, Graz), Anhänger „Sissi’s goldener Käfig“ (Reinhard Köck, Wien), Collier „Symphonie“ (Franziska Trippl-Jahrbacher, Wildon), Perlennetz-Collier (Roland Auer, Vösendorf), Tahitiperle Weißgoldring (Katja Seitner, Wien), Single-Statement-Tahitiohrring (Susanne Ball, Wiener Neustadt), Collier „Edelheid und Adeltraut“ (Atelier Krainer, Wien), Ring „Perlenspiel“ (Elisabeth Habig, Wien), Brosche „Behind the Sea“ (Rosa Marlene, Wien), Perlencollier (Goldschmiede Uhren Pinter, Neusiedl am See), Perlenanhänger mit Brillanten (Norbert Graf, Matzendorf), „Octopus Teacher“ (Bernhard Garbe, Wien)
     
  • „Gold- und Silberschmiede des Jahres“: Goldschmiede Ursula Neuwirth (Wien), Goldschmiede Gassner (Egg), Die Silberschmiede Jarosinski & Vaugoin (Wien), Roland Auer (Vösendorf)
     
  • „Uhrenwerkstätte des Jahres“: Uhrenhandwerk Ro & Ro (Wien), Juwelier Schwödt (Wien), Juwelier Präg (Dornbirn)
     
  • „Trendjuwelier des Jahres“: Ciro (Wien), Lifestyle by Barotanyi (Wien), Thurzo for You (Wien)
     
  • „Klassischer Juwelier des Jahres“: Juwelier & Goldschmied Gebrüder Armbruster (Seefeld), Juwelier Kopf (Götzis), Juwelier Rindler (Hartberg), Rozet & Fischmeister (Wien), Juweliere Ellert (Wien)
     
  • „Premium Juwelier des Jahres“: Juwelier Nadler (Salzburg), Von Köck (Wien), A. E. Köchert (Wien), Juwelier Wempe (Wien)
     
  • „Uhrenhändler des Jahres“: Juwelier Kopf (Götzis), Timelounge (Wien), Uhren Schmollgruber (Ried), Bargello Uhren (Baden bei Wien)
     
  • „Trauringspezialist des Jahres“: Juwelier Holzhammer (Wien), Juwelier Kopf (Götzis), Juwelier Rindler (Hartberg), Uhren & Juwelen Winkler (Landeck)
     
  •  „Webstar of the Year”: Schullin Juweliere (Graz), Juwelier Freiberger (Wiener Neustadt), Ciro (Wien)
     
  • „Rookie of the Year“: Paul Schützlhoffer (Villach), Mathias Podpera (Wien), von Ehlers „Fines Jewelry Selection“ (Wien), Magdalena Hall & Paul Pichler „Steindlgasse 2“ (Wien)
     
  • „Lehrling des Jahres“: Birgit Domandl von Ro&Ro Uhrenhandwerk (Wien), David Zehetner von Schmuckwerkstatt Emmerstorfer (Wels)
     
  • „Konzept des Jahres“: Select – The Concept Studio (Wien), One of One Concept Store (Wien), Atelier Krainer (Wien), Wiener Packerl (Wien), Magdalena Hall & Paul Pichler „Steindlgasse 2“ (Wien)
     
  • “Shop Design des Jahres”: Timelounge (Wien), Schullin Juweliere (Klagenfurt), Juwelier Rindler (Hartberg)

DAS EVENT
Seit 2019 ist „Schmuckstars“ der „Oscar“ der heimischen Uhren- und Schmuckbranche und Initiative im Dienst von Einkaufserlebnis und Qualität am Standort Österreich. Mit der Galanacht der Uhren und Juwelen veranstaltet „Schmuckstars“ rund um Initiator Christian Lerner die größte österreichische Auszeichnung des Uhren- und Schmuckhandels. In insgesamt 16 Kategorien werden einmal pro Jahr die „Schmuckstars“-Awards für besonderes Engagement, für Service am Kunden, handwerkliche Kreativität, stilvolles Ambiente und zukunftsorientierte Konzepte verliehen. Schmuckstars steht im Dialog mit der gesamten österreichischen Uhren- und Schmuckbranche und rückt heimische Akteure in den Vordergrund.

Aus dem Heft: Webergrill gewinnen

Weber Traveler


Der neue und praktische Weber Traveler ist für alle Genussmenschen gedacht, die ihre Grillmenüs auch unterwegs genießen möchten. Mit seinem faltbaren Rollwagen ist er leicht zu transportieren, damit man ihn überall hin mitnehmen kann. Man zieht ihn einfach wie einen Trolli hinterher. Der Aufbau des Grills ist schnell, unkompliziert und leicht zu handhaben. Er wird mit einer Gaskartusche betrieben, lässt sich einfach reinigen und im Kofferraum verstauen.

Spielen Sie hier mit und gewinnen Sie einen Weber Traveler!


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Dein Wien

Puls4-Moderatorin Julia Furdea liebt die Natur – und geht mit ihrer Hündin Lumi am liebsten im Wiener Prater spazieren. – ©Stefan Diesner

Dein Wien. Eine Liebeserklärung an unsere Stadt


Das vormagazin gibt eine Liebeserklärung an Wien ab und feiert die schönsten Plätze der Stadt.


Wien ist die lebens­werteste Stadt der Welt, doch was macht die hohe Lebensqualität in der Donaumetropole aus? Neben dem kulturellen Angebot, den sozialen Errungenschaften und dem gut ausgebauten, öffentlichen Verkehr ist es vor allem die Vielfalt der Bezirke und Grätzeln, die das Leben in Wien so lebenswert macht. Ob auf der Donau­insel, im Freihausviertel, im MuseumsQuartier, am Brunnenmarkt oder in der Seestadt Aspern – die Stadt hat viele Gesichter und selbst Menschen, die schon seit Jahren hier leben, entdecken immer wieder neue Facetten. Im Rahmen unserer neuen Aktion „Dein Wien“ wollen wir die Vielfalt der Wiener Grätzeln vor den Vorhang holen!

Mitmachen
Alle WienerInnen und WienliebhaberInnen sind herzlich eingeladen, ihre Lieblingsplätze in Wien zu herzuzeigen und zu erklären. Lade hier ein Foto deines liebsten Platzerls hoch und zeig uns dein Wien! Die besten Einsendungen werden Teil des Fotobuches „Dein Wien“.

Leser Roman B. findet als Hobbyfotograf die Neubaugasse und den ganzen, hügeligen 7. Bezirk besonders interessant.
Leserin Sabine H. genießt gerne die gute Küche im geschichtsträchigen Griechenbeisel in der Wiener Innenstadt.

Z

Neuheit

Liebe und Bestätigung im digitalen Zeitalter


Peter Zirbs brachte mit der französischen Sängerin und Songwriterin Christelle Constantin ein neues Video heraus.


„Ideal“ ist eine von französischen Elektronik- und New Wave- Sounds inspirierte Vorab-Single, die auch gleichzeitig eine neue Zirbs-EP für Herbst 2021 ankündigt. Der Song handelt von „Liebe und Bestätigung im digitalen Zeitalter und den damit verbundenen Irrwegen“, so Christelle Constantin.

Als Teil der Wiener Rave- und Technoszene der späten 1990er-Jahre veröffentlichte der Multiinstrumentalist und Elektronikmusik-Produzent Peter Zirbs, der auch eine Zeitlang bei uns im Echo-Medienhaus mitarbeitete, unter mehreren Pseudonymen und sprengte im Laufe der Jahre mit der musikalischen Vielfalt seiner Veröffentlichungen gängige Genregrenzen. Zirbs experimentierte früh mit analogen (!) Synthesizern und landete mit energiegeladenen und rohen Produktionen erste Erfolge in der damals noch jungen Szene.

Nach seinem viel gelobten Albumdebüt „What If We Don’t Exist?“ (2018) und dem letztjährigen europaweiten Indie-Hit „Locked In“ (2020) gemeinsam mit Ex-Archive- Frontmann Craig Walker arbeitet Zirbs mit der französische Künstlerin Christelle Constantin an einer global verständlichen Pop-Sprache. Auf das Album im Herbst darf man gespannt sein.


Weitere Infos:
www.fabrique.at
www.peterzirbs.com

Essay

Dr. Österreich – Oder wie ich lernte, Erwin Ringel zu lieben


Seine äußere Erscheinung stand in scharfem Gegensatz zur Kraft seiner Rede. Eine schleichende Krankheit lähmte seinen Körper in den letzten Lebensjahren zunehmend. Umso unvergesslicher seine letzten öffentlichen Auftritte, etwa in der legendären ORF-Sendung „Club 2“, in denen der Seelenarzt der Nation vom Rollstuhl aus, mit hinter dicker Hornbrille blitzenden Augen seine scharfsichtigen Analysen zum Besten gab. Beide Formate, Erwin Ringel wie den Club 2, gibt es nicht mehr in diesem Land.
Text: Dominik Orieschnig


Wenn dabei seine Stimme immer höher wurde und gelegentlich hinüber kippte ins Überzogene, ins bewusst überspitzt Formulierte, dann verschwamm plötzlich der Seelenarzt mit dem Kabarettisten – jener zweiten Profession, die man nur in Österreich und hier vor allem in Wien nach allerhöchsten Maßstäben ausüben kann. Wie das? Darauf gab Ringel selbst mit raunender Stimme die Antwort, als er am 26. Oktober 1983, dem österreichischen Nationalfeiertag, seine berühmt-berüchtigte „Neue Rede über Österreich“ in einem Saal des Wiener Musikvereins hielt: „Ich will das Verdienst Freuds, dieses einmaligen Genies, wahrlich nicht schmälern, aber es war nicht schwer, in diesem Land die Neurose zu entdecken.“ Ringel und Qualtinger, das waren zwei Sprachpartituren ein und desselben Landes und seines schwierigen Verhältnisses zur Vergangenheit, das lange von den drei großen „S“ geprägt war: Schweigen, Suff und Suizid. Helmut Qualtinger verbriefte dies mit seiner Darstellung des österreichischen Mitläufers „Herrn Karl“, Erwin Ringel mittels Tausender psychiatrischer Befunde, hunderter Fachpublikationen und seiner an Anton Wildgans angelehnten, „neuen Rede“. In dieser benannte er auch gleich die heimliche Bundeshymne der Österreicher, nämlich das Lied aus der „Fledermaus“: „Glücklich ist, wer vergisst, was doch nicht zu ändern ist.“ Ringels Kernthese hinter solchen psychokabarettistischen Ausritten: Die nicht aufgearbeitete, verschwiegene und verdrängte Beteiligung und Mitschuld so vieler Österreicher am Nationalsozialismus und seinen Verbrechen seien die Ursache weit verbreiteter psychosomatischer Krankheiten mit teils dramatischen Auswirkungen in unserer Gesellschaft.

Erwin Ringel (1961) – ©MA 8 Wiener Stadt- und Landesarchiv (CC BY-NC-ND 4.0)

Erwin Ringel, Psychiater, Neurologe und Suizidforscher, geboren am 27. April 1921, kleidete seine Analysen über Österreich und die Österreicher in Worte, die sich wie ein Schwarm weißer Tauben aus der Masse öffentlicher Gebrauchsprosa erhoben. Für mich als jungen Menschen der 80er- und 90er-Jahre hatten seine Worte etwas Seherhaftes, fast Heiliges. Die Welt, in der ich mich als Wiener Sängerknabe und späterer Schüler altehrwürdiger kirchlicher und staatlicher Bildungseinrichtungen bewegte, war ja das kulturelle und klerikale Österreich mit allen seinen Qualitäten – ein fantastisches Land des Donauwalzers und des Beamtenwesens, des Dressurritts und der Mozartkugel, in einer bedeutenden Tradition, die weit in die Vergangenheit zurückreicht. Es war aber auch eine Welt des pädagogischen Drills und der Tabuisierung von Bedürfnissen, des in patriarchalen Strukturen verordneten Silentiums. In diesem Altwiener Suppentopf aus Monarchie, Klassenkampf, Nazitum, Kitsch, Kirche und 68er-Bewegung schwamm mit Erwin Ringel plötzlich einer daher, der das alles bestens zu kennen schien, ohne aber irgendeine dieser Suppeneinlagen unkritisch zu schlucken. Als ich den Ringel zum ersten Mal im Fernsehen sah, vertraute ich ihm sofort. Der ging ans Eingemachte, sprach schonungslos zur Sache, hatte offensichtlich als Österreicher schon genug andere Österreicher auf der Couch gehabt.

Als er 1994 verstarb, verlor das Land einen seiner glaubwürdigsten Mahner und Humanisten. Der kürzlich verstorbene Hugo Portisch hat uns die Oberflächenkarte Österreichs erklärt, Erwin Ringel das unterirdische Keller- und Kanalsystem des Landes. Er war ein besonderer Wissensträger, ein moderner Schamane, ein Orakel, das wissenschaftliche Evidenz mit therapeutischem Zuspruch und moralischem Anspruch verband. Der Augur Ringel las nicht im Vogelflug die Zukunft Österreichs, sondern in den nicht bewältigten Gefühlen jener Tausenden von Patienten, denen er als Seelenarzt zu helfen versuchte. Er hat in individuelle Vergangenheiten geblickt und gesehen, wie sehr der geglückte oder missglückte Umgang mit persönlichen Tragödien das Schicksal vieler anderer mitbestimmen kann. Er, der selbst eine äußerst liebevolle Kindheit genoss, erlebte früh die Verführbarkeit einer aus so vielen Unglücklichen bestehenden Gesellschaft: 1939 als Achtzehnjähriger für einige Wochen von der Gestapo in Haft genommen, weil er bei einer antinationalsozialistischen Großkundgebung am Wiener Stephansplatz als Pfarrjugendhelfer mitgewirkt hatte, stand sein Medizinstudium bereits im Schatten von Krieg und Wehrmachtsdienst.

Als Ringel in den letzten zwei Kriegsjahren im Reservelazarett im Rudolfspital ärztlich tätig war, betreute er dort 1945 mehrere Wochen lang die von der österreichischen Schauspielerin Dorothea Neff über vier Jahre vor den Nazis versteckt gehaltene Jüdin Lilli Wolff. Ringel wohnte im selben Haus wie Neff und war von ihr eingeweiht worden. Es war zugleich eine Einweihung in die Abgründigkeit der Österreicher und der Beginn von Ringels lebenslanger ärztlicher Obsession: Die Freilegung und Durchtrennung des gefährlichen roten Fadens, der die Neurosen von Individuen mit dem emotionalen Leben von Nationen verbindet. Skandalös für viele seine spätere Bezeichnung Kaiser Franz Josephs I. als den „Totengräber Österreichs“ und des Ersten Weltkriegs als Ergebnis einer in diesem Monarchen sich vollziehenden „lebenslangen neurotischen Selbstvernichtung auf allen Ebenen“. Diese Urkatastrophe des 20. Jahrhunderts sah Ringel fortgesetzt im „kleinen, unbekannten Gefreiten“ aus Braunau am Inn, „von allen verkannt und verstoßen, das ideale Identifikationsobjekt für den gedemütigten und sich getreten fühlenden Österreicher“. Hitlers menschliche Deformation im Elternhaus und später in den Schützengräben des Ersten Weltkriegs musste laut Ringel gerade in einem Österreich so vieler ähnlich Beschädigter auf fruchtbaren Boden fallen und schließlich zur Nemesis Europas und der halben Welt werden. Geleitet von dieser Einsicht in die Wechselwirkung individueller Todessehnsucht und kollektiver Selbstvernichtung baute Erwin Ringel 1948 das weltweit erste Suizidpräventionszentrum in Wien auf, ursprünglich im Rahmen der Wiener Caritas. 1975 wurde daraus das von der Kirche unabhängige „Kriseninterventionszentrum“, das bis heute existiert. Nachdem er über 700 gerettete Selbstmordkandidaten untersucht hatte, beschrieb Ringel 1953 das „Präsuizidale Syndrom“, bis heute ein Meilenstein in der Selbstmordforschung. In den USA nannte man ihn dafür liebevoll „Mr. Suicide“.

Erwin-Ringel-Denkmal auf dem Schlickplatz in Wien. – ©Gerhard Murauer (CC BY-NC-ND 4.0)

Mit der Suizidverhütung war der Seelenarzt der Nation unweigerlich bei der Psychosomatik angekommen: Denn was kränkt, macht nicht nur krank (Max Herz), sondern kann unbehandelt auch zum Selbstmord führen. Unter Überwindung schwerster Widerstände gründete Ringel 1954 in Wien die erste psychosomatische Station in Österreich. Öffentlich kritisierte er die Verweigerung der Österreicher, sich ihrer Vergangenheit zu stellen. „Die österreichische Seele“, sein berühmtestes Buch und Kompendium seiner zehn Reden zur Lage der Nation, ist zum allgemein verwendeten Begriff geworden und gehört zum Besten, was je über dieses Land geschrieben wurde. Es war seine Kampfschrift für ein gesünderes, weil ehrlicheres Österreich. 1984 erschienen, enthielt sie Prophetisches: 1986 erschütterte die Affäre Waldheim das Land und der Patient Österreich begann langsam zu verstehen, dass er mit seinem sorgfältig gepflegten Narrativ, bloß ein Opfer Hitlers gewesen zu sein, nicht weitermachen konnte. Etwas war faul im Staate Österreich.

In diesen Tagen jährt sich Erwin Ringels Geburtstag zum hundertsten Mal. Wird sein Vermächtnis noch gebraucht? Als Ringel „Die österreichische Seele“ schrieb, war der Suizid in Österreich gerade dabei, mit ca. 2.200 Personen pro Jahr seinen Höchststand seit dem Zweiten Weltkrieg zu erreichen. Heute sterben hierzulande jährlich „nur“ etwa 1.200 bis 1.300 Menschen durch eigene Hand. Sind wir etwa auf dem Weg zur psychisch gesunden Gesellschaft? Als Erwin Ringel in seiner „Rede über Österreich“ beklagte, dass wir Österreicher „nirgendwo gelernt haben, mit unseren Gefühlen zurechtzukommen“ und dass wir mit unseren unbewältigten und krankmachenden Emotionen alleingelassen werden, gab es für das von ihm diagnostizierte Heer psychosomatisch Kranker in Wien ganze 16 Kranken- hausbetten. Heute gibt es einen „Psychosomatischen Versorgungsplan Wien 2030“, der eine flächendeckende medizinische Versorgung nicht nur im stationären, sondern auch im ambulanten Bereich zum erklärten Ziel hat. Seit Erwin Ringel hat ein Kulturwandel dafür gesorgt, dass heute mehr Menschen als früher psychotherapeutische oder psychiatrische Hilfe in Anspruch nehmen. Die Zahl psychischer Diagnosen ist laut den Abrechnungsdaten der Krankenkassen gestiegen. Das bedeutet nicht notwendigerweise, dass es mehr psychische Erkrankungen gibt als früher. Vieles war immer schon da, aber es wurde in unserer Gesellschaft tabuisiert. Doch es gibt auch Neues unter der Sonne: Eine ganze Generation, die von Google, Facebook und Co. geprägt wird, verfügt über nie da gewesene Möglichkeiten des sozialen Austauschs, ist aber auch den Gefahren noch nie da gewesener kollektiver Beeinflussung und Manipulation ausgesetzt. In einem neuen virtuellen Biedermeier, in dem jeder Smartphone-User zu seinem eigenen Metternich und zu dem aller anderen wird, verschwimmen Banales und Sakrales. Das Selfie mit Cappuccino-Tasse am Strand von Jesolo wird zum heiligen Gral, den es ebenso zu sharen oder zu liken gilt wie die schwer magersüchtige jugendliche Influencerin, der ein Millionenpublikum in ihren wöchentlichen Diät-Blogs online beim Sterben zusehen kann. Erwin Ringel hätte solchen Zeitphänomenen gewiss einige markante Sager entgegenzusetzen gewusst.

Über manches aber, vor allem über die stromlinienförmige Belanglosigkeit der heutigen politischen (und leider auch kirchlichen) Sprache, wäre vermutlich auch er ratlos. Ringels Ziel war es gewesen, die Sprache des Österreichers aus dem Dienst der Verdrängung herauszuholen. Doch wie soll man Sprache aus der Belanglosigkeit holen? Noch nie in der Geschichte der Menschheit konnte so einfach getextet, gemailt, getwittert, ge-SMS-t und ge-WhatsApp-t werden wie heute. Statt an präsuizidaler Sprachlosigkeit zu leiden, quatschen wir uns täglich zu Tode. Möglicherweise würde der Opernfreund und Opernexperte Dr. Ringel dem offiziellen Österreich heute statt einer psychoanalytischen Rede-Kur ein, wie es in Mozarts „Zauberflöte“ heißt, „heilsames Schweigen“ verschreiben. Danach aber bräuchte es dringend eine aktualisierte neue Rede über Österreich. Ein analytisches Update, das uns schonungslos ehrlich, aber respektvoll wie Ringel zeigt, wo wir heute wirklich stehen. Doch wer wird diese Rede schreiben? Und vor allem: Wer wird sie im elektronischen Stimmengewirr der Zeit noch hören?


Dominik Orieschnig geboren 1971 in Leoben, ist Bischöflicher Sekretär und Pressesprecher der Diözese Eisenstadt. Er ist Absolvent der Diplomatischen Akademie Wien und Träger des Kardinal-Innitzer-Förderpreises für wissenschaftliche Leistungen und war u. a. als Redakteur des ORF und als Rechtsreferent der Österreichischen Bischofskonferenz tätig. Orieschnig ist Herausgeber mehrerer Bücher kulturwissenschaftlichen und historischen Inhalts.

Bühne für Literatur

Rund um die Burg – Sauerstoff fürs Gehirn

Rund um die Burg 2021 – das Literaturfest am 21./22. Mai.
Fotos: Ingo Pertramer (Austrofred), Nadine Studeny (Romina Pleschko), Alain Barbero (Barbara Rieger)

Das Literaturfestival „Rund um die Burg“ verspricht auch in Corona-Zeiten einen außer­gewöhnlichen Auftritt für österreichische LiteratInnen. Motto des Festivals: „Literatur ist Sauerstoff für das Gehirn“. Stars der heimischen Szene werden online am 21. und 22. Mai live lesen und können dabei – moderiert und aufgenommen von Echo-TV – in Echtzeit im Netz verfolgt werden. „Dem Veranstalter Echo Medienhaus ist es gerade jetzt wichtig, den Autorinnen und Autoren einen Auftritt zu ermöglichen. Denn auch Literaten brauchen das Publikum“, weiß „Rund um die Burg“-Programm­macher Helmut Schneider.

Romina Pleschko hat mit „Ameisenmonarchie“ einen bemerkenswerten Roman über die Bewohner eines Mietshauses geschrieben.

Programm
Schon zugesagt haben etwa Stars wie Barbara Frischmuth, Franzobel, Daniel Wisser,
John Wray, Angelika Hager (Polly­ Adler),­ Robert Sommer, Ljuba Arnautovic,­ Mieze­ Medusa oder Stefan­ Slupetzky.­ Franz Wenzl vulgo Austro­fred beantwortet in seinem in Kürze erscheinenden neuen Buch „Die fitten Jahre sind vorbei“ Fragen seiner Fans. Und Adi Hirschal findet man mit seiner Art Autobiographie „Da stimmt was nicht“. „Rund um die Burg“ dankt seinen Unterstützern Stadt Wien und Wiener Städtische
Versicherung.

Info: rundumdieburg.at

Barbara Rieger („Friss oder stirb“).