Schriftsteller Bodo Hell verschollen

Foto: Stefan Joham

Der österreichische Schriftsteller Bodo Hell wurde das letzte Mal am 9. August frühmorgens im Gebiet des Dachsteins gesehen. Seither fehlt von ihm jede Spur, die großangelegte Suche nach ihm wurde wiederholt abgebrochen. Hell arbeitete seit Jahrzehnten dort immer im Sommer als Senner und Hirte, es ging ihm nicht um den bescheidenen Lohn – die Arbeit im Gebirge, der Aufenthalt in der Natur, war für den 1943 in Salzburg geborenen Autor ein Lebenselixier. Nie vergaß er bei unseren Treffen auch in Wien Kostproben vom Berg mitzubringen. Überhaupt kann man sich keinen lebensfroheren und offeneren Schriftsteller vorstellen – eine Begegnung mit ihm war immer eine Freude.

Wir hoffen natürlich noch immer auf eine glückliche Wendung.

Anlässlich seines 80. Geburtstags erschien im wienlive 2023 folgendes Porträt: 

Beim letzten Treffen zeigte mir Bodo Hell, wie er beim Melken in die Hocke gehen müsse – und das im Sommer täglich am Dachstein auf der 1.300 Hektar großen Alm mit weit mehr als 100 Kühen und einigen Ziegen. Auf die Frage, wie es ihm kurz vor seinem 80er gehe, antwortet er: „Die Frage ist nicht, wie es mir geht, sondern wie meine Beine gehen. Solange die gehen, gehe ich mit.“

Auch heuer will er daher wieder den Sommer auf der Grafenbergalm verbringen – sein 45. Einsatz im Dienste der Almwirtschaft. Hell: „Es ist mein Jungbrunnen, obwohl ich das Jahr zweimal erlebe, denn wenn ich im Juni raufkomme, ist dort noch Frühling.“

Dieses karge Leben – anfangs noch ohne Strom und auch heute noch nicht durchgehend mit Handyempfang – voller körperlicher Arbeit in der Natur und mit den Tieren, hat natürlich auch das Werk des in Salzburg geborenen und in Wien lebenden Autors beeinflusst. Hell studierte zunächst Orgel beim Salzburger Domorganisten Franz Sauer, sah dann aber, dass eine professionelle Musikkarriere mit seiner Leidenschaft für Literatur unvereinbar wäre. In Wien landete er an der Uni und in der damals noch erzkonservativen Filmakademie. Er machte auch einige Filme – etwa den kurzen Streifen „13A“. Der 13A war damals noch ein Doppeldeckerbus.

Hell: „Der 8-Minuten-Film, der auch in Saarbrücken gezeigt wurde, hatte schon den Zusammenhang mit Lesen und der Bedeutung von Wörtern, die ich im Stadtbild vorgefunden habe.“ Gerne bezeichnet er sich nämlich selbst als „Schriftenleser und Wortklauber“ – der Übergang von der fast schriftlosen Alm zum schriftüberfluteten Wien ist jedesmal eine Herausforderung. Aber Spuren und Zeichen findet Hell natürlich auch in der Natur. Carl von Linnés „Lappländische Reise“ von 1737, in der Übersetzung von H. C. Artmann, ist ihm da ein wichtiger Führer. Hell: „Heute findet man ja viel im Netz und in Buchhandlungen, aber früher war ich Tage in den Bibliotheken.“ Auch sein neuestes Buch „begabte Bäume“ ist alphabetisch geordnet – von Ahorn bis Zirbe.

Ausgehend von den Pflanzen entspannen sich da auch viele Geschichten – in der letzten wird etwa der traurige Fall eines Kindesmissbrauchs durch einen Mönch berichtet.

Neben hunderten Büchern – meistens erscheinen 2 pro Jahr! – verwirklichte Bodo Hell auch Opern- und Theaterprojekte. Markus Kupferblum realisierte etwa die Dschungeloper „Anfechtungen! San Ignacio“. Basierend auf einer originalen bolivianischen Barockoper schrieb Hell einen neuen Text um einen Tiroler Pater, der den Indios zeitgenössische Musik vermitteln wollte.

Obwohl Hell vielgereist ist, findet er auch auf seiner Alm immer wieder Plätze, wo er noch nie hingekommen ist. Meist auf der Suche nach einem ausgebüchsten Vieh. In der Hütte trifft man ihn daher nur selten an, denn er ist meistens unterwegs. Beobachten kann er dort oben auch die Auswirkungen der drohenden Klimakatastrophe. Der Gletscher ist etwa schon fast weg, die früher begehrten Loipen für’s Sommer-Höhentraining werden immer kürzer. Und die Stützen für den Lift werden mit Schnee bedeckt, damit sie nicht den Halt verlieren.

Ab und zu kreuzen verirrte Touristen seinen Weg, die in die falsche Richtung unterwegs sind. Dafür wird sein Grätzel in Wien in der Josefstadt immer mehr zum Dorf. Hell: „Es werden mehr Bäume gepflanzt – mit den Stadtbäumen müsste ich mich auch einmal beschäftigen.“ Sein Lieblingsbuchhändler Reinhold Posch war ursprünglich Botaniker und macht im Winter für Interessierte Knospenspaziergänge durch Wien, weiß der Autor schon eine Wissensquelle.


bodohell.at


Bodo Hell: begabte Bäume, mit Zeichnungen von Linda Wolfsgruber
Literaturverlag Droschl
216 Seiten
€ 25,-

Foto: Stefan Joham

Leopold Strobl ist derzeit auf der Biennale im Österreich-Pavillion zu sehen

Bild: ©iStock by Getty images

Leopold Strobl ist derzeit auf der Biennale im Österreich-Pavillion zu sehen – ein großer Erfolg für die galerie gugging. Hier ein Gespräch mit der Leiterin Nina Katschnig.

„Wir sind noch immer im Überraschungsstadium“, sagt Galeristin Mag. Nina Katschnig über die Tatsache, dass mit Leopold Strobl ein Künstler ihrer galerie gugging (galeriegugging.com) bei der Biennale Venedig vertreten ist. Am 20. April wurde die diesjährige Biennale eröffnet, zu sehen sind Strobls Werke bis 24. November (und abseits davon in der galerie gugging). Im Interview spricht Nina Katschnig, die 2016 auf Strobl aufmerksam wurde, über dessen Werk und seinen rasanten Aufstieg: Strobls Werke wurden u. a. bereits vom Museum of Modern Art, New York, angekauft.

wienlive: Wie kam es zur Zusammenarbeit mit Leopold Strobl? 

Nina Katschnig: Leopold Strobl hat immer wieder im Atelier bei uns gearbeitet, über viele Jahre. 2016 zeigte mir eine Atelierbetreuerin eine Mappe mit seinen Arbeiten. Er wollte sie nicht selbst bringen, Leopold Strobl ist eher scheu. Ich war von seinen Arbeiten fasziniert. Diese Werke waren anders als alles, was ich bis dato gesehen hatte: übermalte Zeitungsfotos … so klein, so schön, so besonders, das hat mich begeistert. Ich habe die Magie gespürt, die diesen Werken innewohnt. Mir war klar: Das ist jemand, der seinen Stil gefunden hat.

Kurz danach haben Sie Leopold Strobls Werken bereits eine Ausstellung gewidmet. Wie erkennen Sie, ob ein Künstler sich am internationalen Kunstmarkt behaupten kann – was macht sein Werk besonders?

Wenn mir die Werke eines Künstlers gefallen, heißt das noch lange nicht, dass er am Kunstmarkt in der Welt reüssieren kann. Es gibt also eine subjektive und eine objektive Sicht. Bei Leopold Strobls Werk passt beides. Ich schätze seine Werke sehr und er kann den Kunstmarkt begeistern. 

Er hat eine einzigartige, ganz spezielle Formensprache, einen eigenen Ausdruck. Ich war tief berührt von seinen Arbeiten, von dieser fast Zen-artigen, meditativen Ruhe, die sie ausstrahlen. Leopold Strobl überzeichnet Zeitungsfotos, jeden Tag in der Früh, Bilder mit Landschaften, Menschen und/oder Gebäuden. Alles, was ihn stört, wird überzeichnet, er gibt dem Störenden eine neue Form, ob Dingen oder Menschen. Er übermalt das ihn Irritierende schwarz, es wird daraus eine Art Hinkelstein oder ein hybrides Wesen, man weiß nicht genau, was es ist …

Durch diese Übermalung des ihn Störenden entstehen ganz eigene Formen, damit bringt er Ruhe in das Werk und schafft etwas ganz Neues. Ich habe noch nie zuvor gesehen, dass jemand in dieser Kleinheit einen solchen Ausdruck kreiert.
Auf der einen Seite sind seine Werke so fein und filigran, auf der anderen Seite so stark und so massiv. Durch den Rand, den er seinen Arbeiten gibt, hat der Betrachter zusätzlich eine Schlüssellochperspektive.

Auch die Farben, die Leopold Strobl einsetzt, sind speziell. Er liebt Grün …

Mich fasziniert auch, wie er die Dinge sieht, dieser grüne Himmel zum Beispiel … er hat völlig Recht, denn wenn ich an einem Sommerabend durch Niederösterreich fahre, ist der Himmel tatsächlich grün. Dann denke ich immer: der Strobl-Himmel …


labiennale.org

Einen aufregenden Abend beim ImPulsTanz Festival gewinnen!

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©Lauge Sorense

Noch bis 11. August bringt ImPulsTanz, Europas größtes Festival für Tanz und Performance, wieder Tanz aus der ganzen Welt in all seinen Facetten in Performances auf die Bühnen Wiens, in Ausstellungen ins Museum und in Filmen auf die Kinoleinwand.

Im Burgtheater versetzt die Ballett-Meisterin Dada Masilo mit ihrer Version von HAMLET Shakespeares elisabethanischen Hof ins südafrikanische Jetzt.

Dass Fragen zu menschlich-nichtmenschlichen Beziehungsweisen in der aktuellen Choreografie stilprägend sind, zeigt die neue Arbeit eines anderen Meisters seines Genres – Non human dances von Jérôme Bel in Zusammenarbeit mit der Kunsthistorikerin Estelle Zhong Mengual. Nicht-menschlich wird es auch bei der österreichischen Choreografin und Tänzerin Silke Grabinger die in ihrem Stück 150 Minuten mit dem Roboterhund-Modell Spot von Boston Dynamics verbringt.

Im Volkstheater kann man sich auf einen Publikumsliebling des letzten Jahres freuen: Alexander Vantournhout, der nun in seinem ersten Gruppenstück Foreshadow zu sehen ist. Ebenfalls im Volkstheater mischen Ultima Vez den griechischen Olymp auf. In Infamous Offspring arbeitet Choreograf Wim Vandekeybus mit einem einzigartigen Cast – neben den neun virtuosen Tänzer*innen der Compagnie kann man den Flamenco-Star Israel Galván als blinden Propheten Teiresias erleben.

Zum ersten Mal zu Gast ist Kim Sungyong mit der Korea National Contemporary Dance Company. Mit seiner 17-köpfigen Compagnie präsentiert er in JUNGLE einen Versuch, den Tanz auf ein so hohes Intensitäts-Level zu treiben, dass dem Publikum sozusagen keine andere Wahl bleibt, als grundlegend über Gewicht und Tiefe der Existenz nachzudenken.

Gemeinsam mit ImPulsTanz verlosen wir 2×2 Tickets für KIM Sungyong / Korea National Contemporary Dance Company JUNGLE am 3.8. um 21:00 Uhr im Volkstheater

Tickets & das gesamte Programm: www.impulstanz.com


Mehr Ohren- als Augenschmaus bei Kaiserwetter im Kaiserhof

operklosterneuburg bringt Bellinis „Norma“

„Melodien schöner als Träume“ – urteilte Richard Wagner über Bellinis Norma trotz seiner lebenslang geübten Skepsis gegenüber italienischen Opern. „Norma“ ist vielleicht „die“ Belcantooper schlechthin. Berühmt geworden in den 1950igern in fesselnden Aufführungen mit Maria Callas, gipfelt die Handlung im Höhepunkt eines der größten musikdramatischen Frauenmonologe, der Arie „Casta Diva“, und fulminanten Duetten zwischen der Titelheldin Norma und ihrer Rivalin Adalgisa – mit Karina Flores in der Titelpartie und Margarita Gritskova als Adalgisa sind zwei hervorragende Sängerinnen zu hören.

Großes Drama und große Gefühle nicht nur auf der Bühne: Im Dezember des Vorjahrs hatte der langjährige Intendant Michael Garschall seinen Rücktritt bekanntgegeben. Die von ihm noch geplante Oper wurde nun von Franz Brenner, Geschäftsführer der operklosterneuburg und Kulturamtsleiter der Stadtgemeinde, sowie vom Leading Team allein auf die Bühne gebracht. In Klosterneuburgs prächtigem Kaiserhof inszenierte die Rumänin Monica I. Rusu-Radman über weite Passagen eher kammerspielartig, Hans Kudlich ließ einen monumentalen Druiden-Hain hinter die Stiftsmauern bauen, mit einem mondhellen Felsen und einem güldenen Mondtor.

Die Produktion von „Norma“ wartet mit prominenter internationaler Besetzung auf: Karina Flores und Arthur Espiritu als Norma und Pollione sowie Margarita Gritskova als Rivalin Adalgisa bescheren dem Publikum einen spannenden und mitreißenden Opernabend.

Als Oroveso debütierte der junge Bass Benjamin Pop. Das Dirigat liegt in den bewährten Händen von Christoph Campestrini, der auch die spezielle Fassung der Oper für Klosterneuburg erstellt hat.

Tickets

Bestellhotline Tel. 02243 444 – 351
E-Mail: kulturamt@klosterneuburg.at
Kartenbestellformular: www.operklosterneuburg.at
Online Ticketkauf: https://shop.eventjet.at/klosterneuburg


Musik, Lärm und Stille bei Heimito von Doderer – der 4. D-Day für Doderer am 21. September im Café Landtmann

©Creative Commons (BY-SA 4.0)

Heimito von Doderer, 1966 verstorben, war gewiss einer der eigenständigsten Autoren, die Wien je hervorgebracht hat. Wienlive und das echo medienhaus erinnern seit 2021 alljährlich am 21. September – das ist der Tag, an dem sein bekanntestes Werk „Die Strudlhofstiege“ spielt und mit einem brutalen Unfall mit einer Straßenbahn beginnt – an diesen Schriftsteller, der in der Nachkriegszeit als der Dichter Österreichs galt. Am D-Day für Doderer wird über ihn und sein Werk im Rahmen einer Veranstaltung mit Gästen diskutiert. 

Heuer, beim 4. D-Day für Doderer, geht es mit dem Autor, Regisseur, Ausstellungsmacher und Musikexperten Otto Brusatti um „Musik, Lärm und Stille“ im Werk von Heimito von Doderer. Die Schauspielerin Chris Pichler wird ausgewählte Stellen lesen, Wienlive-Chefredakteur Helmut Schneider wird moderieren.

Doderer war ein leidenschaftlicher Bewunderer Ludwig van Beethovens, auf seinem Schreibtisch stand stets eine Partitur der VII. Symphonie und er behauptete sogar, täglich darin zu lesen. Sein letztes, unvollendet gebliebenes Romanprojekt nannte er im Tagebuch Roman No 7. – davon wurde nur der Teil „Die Wasserfälle von Slunj“ veröffentlicht, „Der Grenzwald“ erschien posthum als Fragment. Brusatti: „Doderer war auch ein heimlicher Musikstrukturalist  – wie viele andere und vor allem in der österreichischen Literatur, wie Ingeborg Bachmann etwa oder Thomas Bernhard. Er baute musikalische Formen ein, in seine Texte. Man merkt es vorerst kaum, man soll es zumeist auch gar nicht merken.“

Bezeichnend war auch, dass er seine frühen Erzählungen Divertimenti nannte – ein Ausdruck aus der Musik für unterhaltsame Stücke. Auch darüber wird beim D-Day gesprochen werden, besonders über die Erzählung „Die Posaunen von Jericho“, in der Verdis Triumphmarsch aus „Aida“ für einen derben Streich herhalten muss.

Bekannt ist auch, dass Doderer in seinen Romanen viel mit dem Gegensatz Stille und Lärm arbeitet – namentlich die Straßenbahnen verbreiten etwa in der „Strudlhofstiege“ gehörigen Lärm. Im Roman „Die Dämonen“ werden etwa die Revolutionsversuche rund um den Justizpalast oder dann – vice versa – die Schilderungen über psychische Probleme mancher Protagonisten von geschilderten Klang-Spuren begleitet.

Dazu gibt es an diesem Abend kurze Musikstücke (W.A. Mozart) aus der Konserve zu hören. Die Buchhandlung analog wird wieder vor Ort einen Büchertisch aufstellen.

21. September, 19 Uhr, D-Day für Doderer – Café Landtmann, Universitätsring 4, 1010 Wien, Eintritt frei – Anmeldung ist nicht nötig!


Bis zum Wahltermin: Das Jüdische Museum zeigt „Die letzten Tage der Demokratie“

Bild: ©Mischa Nawrata

Das Jüdische Museum Wien, ein Museum der Wien Holding, zeigt bis 29. September die Ausstellung „Die letzten Tage der Demokratie“ mit Werken von Deborah Sengl und Texten von Lydia Haider. Die Ausstellung ist nicht nur eine Hommage an den großen Schriftsteller und Satiriker Karl Kraus, der heuer 150 Jahre alt geworden wäre, sondern auch ein eindringlicher Appell an die Gesellschaft: Wenn wir jetzt nicht die Demokratie verteidigen und für unsere liberalen und humanistischen Werte kämpfen, könnte es bald zu spät sein.

Politischer Kontext und Verantwortung

In Zeiten, in denen in ganz Europa Parteien erstarken, die Grundrechte in Frage stellen, mit Hass Politik machen und die Gesellschaft weiter spalten, trägt das Jüdische Museum Wien eine besondere Verantwortung. Es verwahrt das Erbe der ehemals drittgrößten jüdischen Gemeinde Europas, einer Gemeinde, die in der Schoa fast ausgelöscht wurde. Die Objekte seiner Sammlung sind Zeugnisse davon, wohin eine Politik des Hasses geführt hat – und auch in Zukunft führen kann.

„Vor den österreichischen Nationalratswahlen Ende September wollen wir mit der Ausstellung ‚Die letzten Tage der Demokratie‘ darauf aufmerksam machen, was passiert, wenn Demagogen und Populisten regieren. Wir wollen ein politisches Zeichen setzen und uns für eine gelebte Demokratie, die unsere Grundwerte als höchstes Gut achtet, stark machen“, so Barbara Staudinger, Direktorin Jüdisches Museum Wien.

Künstlerische Umsetzung

Die Ausstellung „Die letzten Tage der Demokratie“ übersetzt die Essenz des Werkes von Karl Kraus ins Heute. 16 Szenen aus der 2014 von Deborah Sengl gestalteten Ausstellung „Die letzten Tage der Menschheit“ stellen den Weg zum Ende der Demokratie dar. Die künstlerisch inszenierten Ratten stehen dabei sowohl stellvertretend für jeden Menschen als auch für die Menschheit als Gesamtes. Die lyrischen Texte Lydia Haiders kommentieren die einzelnen Stationen in ihrer kraftvollen, oft auch wütenden Sprache. Zusammen schaffen sie ein zeitaktuelles Kunstwerk, eine Ausstellung über unsere Zeit und eine Mahnung an die Gegenwart. Oder, um es mit den Worten Lydia Haiders zu sagen: „Viel Freude mit der Zukunft.“

Das Jüdisches Museum Wien, Dorotheergasse 11, 1010 Wien, ist von Sonntag bis Freitag 10 bis 18 Uhr geöffnet.
Weitere Informationen unter www.jmw.at

Alsergrunder Kultursommer: Frauenbilder einst und jetzt – Rollenzuschreibungen und Erwartungshaltungen von 1914 bis in die Gegenwart 

Gabriele Kögl im Gespräch. – Foto: ©Stefan Burghart

Bei den Open-Air-Autor:innenlesungen mit Musik am 1. Juli werden Gabriele Kögl und Christian Klinger aus ihren aktuellen Romanen „Brief vom Vater“ und „Die Geister von Triest“ lesen. Anna Anderluh wird selbst Komponiertes singen und sich auf der Autoharp begleiten. Moderator der Veranstaltung des Alsergrunder Kultursommers ist Gerhard Danner. 

In Kögls Roman „Brief vom Vater“ geht es um eine Frau in einer Kleinstadt – die Friseurin Rosa, die den gesellschaftlichen Aufstieg versucht. Rosas erster Ehemann, Sigi, ist der Schützenkönig im Ort. Mit ihm hat sie einen Sohn und lebt einfach und zufrieden. Nach ein paar Jahren wird ihr das Leben mit ihm allerdings langweilig – sie verlässt ihn und heiratet den wohlhabenden Klaus, der stolzer Besitzer einer Drogerie ist. Rosas Sohn vermisst den Vater und läuft vergebens dessen Liebe hinterher. Sigi beginnt ein neues Leben mit neuer Frau und neuer Familie, verwindet jedoch nicht, dass auch seine zweite Ehe in die Brüche geht, und verübt Selbstmord. Ein neu gebautes Shoppingcenter leitet unterdessen den wirtschaftlichen Niedergang zahlreicher Geschäfte im Ort ein. Rosa und Klaus verlieren alles. Und Rosa muss miterleben, wie auch ihr Sohn sich viele Jahre nach dem Freitod des Vaters das Leben nimmt. 

In Klingers „Die Geister von Triest“ wird im Triest des Ersten Weltkriegs eine schrullige alte Frau, die von allen nur „die Hexe“ genannt wird, bestialisch ermordet in ihrem Häuschen aufgefunden. Der leidenschaftliche Rennradfahrer Gaetano Lamprecht, Ispettore der Triestiner Polizei, begibt sich auf die Spur des zunächst noch sehr rätselhaften Mörders. Dabei taucht er tief ein in die Geschichte Triests und in die Verstrickungen des Kunsthandels. Er muss sich mit halbseidenen Ganoven und generationenübergreifenden Flüchen herumschlagen. Dabei an seiner Seite: seine kluge Schwester Adina, seine Sekretärin Clara und die schöne Witwe Alessia – die Gaetanos Leben gehörig auf den Kopf stellt … 
  

Montag, dem 1.7.2024 um 19 Uhr am Spittelauer Platz 4, 1090 Wien
Der Eintritt ist frei. 

Spiel & Spaß beim Wiener Kinderlesefest

Am 29. Juni geht das 13. Wiener Kinderlesefest über die Bühne – ­diesmal im Donaupark. Es gibt Bücher geschenkt und Preise zu gewinnen. – ©Sandra Oblak

Heuer findet das beliebte Wiener Kinderlesefest wieder am ersten Samstag in den Schulferien, am 29. Juni, im Donaupark von 14 bis 19 im Umfeld der Eröffnung des Wiener Ferienspiels statt. 

Leseförderung

Das Wiener Kinderlesefest wurde vor 12 Jahren ins Leben gerufen und ist eine Initiative zur Leseförderung der Vor- und Volksschüler*innen Wiens. Ziel ist es, das Lesen barrierefrei als positives Erlebnis zu vermitteln. In den vergangenen Jahren fand die Veranstaltung an verschiedenen Locations statt und wurde von zehntausenden Kindern sowie erwachsenen Besuchern frequentiert.

Das Grundprinzip der Aktion ist dabei immer gleich geblieben: Volksschüler*innen bekommen zum Sommerferienbeginn ein Buch geschenkt, das sie sich selbst aussuchen können. Heuer werden Autor*innen außerdem aus ihren Büchern vorlesen und um 18 Uhr gibt es ein Kinderfahrrad von woom zu gewinnen.

Programm

14.30 Uhr
Kristina Sprenger liest aus ihrem Vorlese- und Erstlesebuch „Komm mit mir nach Tausendblum“. stimmungsvoll illustriert von Niki Osl. Kristina Sprenger und Niki Osl verlosen nach der Lesung, unter den Besucherinnen und Besuchern, „Blumen-Kranz-Preise“.

15.00 Uhr
Ferdinand Auhser liest aus einem aktuellen Bakabu-Buch. Viele Bakabu-Bücher werden an die Besucherinnen und Besucher kostenlos verteilt.

15.30 Uhr
Reinhard (Wieny) MUT liest aus seinem soeben erschienenen Buch „Oh du lieber Augustin“, aus der Buchreihe „WIENY-Mitmachtouren-durchs Alte Wien“. Nach der Lesung gibt es ein WIENY-Gewinnspiel.

18.00 Uhr
Verlosung eines woom-Fahrrades unter allen Anwesenden.

29. 6. 24
Arbeiterstrandbadstraße 122, 1220 Wien
kinderlesefest.at

Das Donauinselfest lässt Herzen höherschlagen

©Matthias Lechner

Von 21. bis 23. Juni wird auf 14 Bühnen ein buntes Musik- und Freizeitprogramm geboten – wie immer bei freiem Eintritt.

Unter dem diesjährigen Motto #meinherzschlägtinsel lädt das größte Freiluftfestival Europas bei freiem Eintritt zu einem großen gemeinsamen Fest im Zeichen der Solidarität und des Zusammenhalts. Mehr als 1.000 musikalische Acts aus dem In- und Ausland, 14 Bühnen, 17 Themeninseln sowie ein auf dem gesamten Gelände verteiltes Rahmenprogramm bieten große Unterhaltung für alle Generationen und Geschmäcker.

Highlights

Den Auftakt macht heuer ein Inklusionskonzert mit The BossHoss unplugged Duo feat. Sascha und Alec, moderiert von Paralympic-Schwimmer und ORF-Moderator Andreas Onea. Alle Menschen mit sonderpädagogischer Förderung, ihre Pädagog*innen, Betreuer*innen, Familien und Freund*innen sind herzlich dazu eingeladen. Zu den vielen Höhepunkten zählt das Konzert von Wolfgang Ambros, der heuer bereits seinen zehnten Auftritt am Donauinselfest feiert. Ebenfalls dabei sind Christina Stürmer, Juju, Ronan Keating, Provinz, Alice Merton und Wanda. Das Festbühnen-Publikum kommt zudem in den Genuss der drei Gewinner*innen des Rock The Island Contest 2024 NNOA, Jacob Elias und The Most Company sowie der allerersten „Rock The Island Contest 4 Kids“-Gewinnerin Stella Maria Barghouty – letztere tritt im Rahmen des Kinderprogramms auf.

21. bis 23. 6. 24
donauinselfest.at

DER MÖRDER UND ANDERE LEUT‘ IN WIEN – Georg Biron (Texte) & Steve Gander (Songs) im „Tschocherl“

Georg Biron (Texte) & Steve Gander (Songs) im „Tschocherl“.

Gemeinsam mit dem britischen Singer/Songwriter Steve Gander serviert der Wiener Schriftsteller Georg Biron ein atmosphärisch dunkles Programm mit Fantasie-Filmen für das eigene Kopfkino. Soeben ist der dritte Band von Georg Birons Autobiografie „Vogelkopf“ bei Wieser erschienen.

Vor mehr als zwanzig Jahren begann der aus London stammende Steve Gander zunächst Solo und dann mit verschiedenen Musikerkollegen aufzutreten, die unter dem Namen Steve Gander & the Dangers of… bekannt wurden und bis heute zusammenhalten. Besonders geschätzt werden seine Leonard-Cohen-Interpretationen.


Donnerstag 27. Juni 2024 um 19.30 // 1150, Wurmsergasse 42

„Tschocherl“-Tickets kosten im Vorverkauf 25€, an der Abendkassa 28€.
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