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Serie – Peaky Blinders

Peaky Blinders – Am Beispiel einer Streaming-Serie

Sagenhafte 261 Minuten – also viereinhalb Stunden – schauen die Österreicherinnen und Österreicher durchschnittlich am Tag fern oder im Netz Bewegtbild. So dokumentiert es zumindest eine aktuelle Studie. Das ist enorm viel Lebenszeit und ich will jetzt gar nicht darüber nachdenken, wie viele Menschen uns etwa erklären, sie hätten keine Zeit für Sport, Lesen oder gemeinnützige Aktivitäten. Tatsache ist freilich auch, dass das Fernsehen bei Menschen unter 30 zugunsten von Streaming immer stärker abnimmt und schon an zweiter Stelle steht. Und Tatsache ist auch, dass Serien das stärkste Argument für Streaming-Dienste sind. Und das ist eine Frage der Qualität.
Foto: Netflix

Klar gibt es auf Netflix und Co auch sehr, sehr viel Schrott. Erfreulicherweise haben sich die Ästhetik und die Machart der Spitzenserien aber wirklich weiterentwickelt. Sie stehen echten Filmkunstwerken um nichts nach. Natürlich gab es auch schon vor Streaming wirklich tolle Serien, meist bei den amerikanischen Bezahlsendern wie HBO. Man erinnere sich etwa nur an die Sopranos, Wire oder Six feet under. Aber diese zeichneten sich vor allem durch ein intelligentes Drehbuch und herausragende Schauspielerleistungen aus. Bei manchen aktuellen Serien kann man aber längst die Fortschritte in der filmischen Erzählweise und nicht zuletzt bei der Kameraführung sehen. Bestes Beispiel ist die letzte Staffel von „Peaky Blinders“, einer Zusammenarbeit von Netflix und BBC.  Da haben die Kameraleute grandiose Bilder zu dieser ebenso skurrilen wie zeitgeschichtlich interessanten (wir erleben das Aufkommen des Faschismus in England zur Zeit Hitlers) Geschichte geliefert. Man kann das nur episch nennen und dass der Gangsterboss vor seinem – wegen einer gefakten Krankheit – für sicher gehaltenem Ende eine Sozialsiedlung auf seinem Grund bauen will, erinnert gar an den Deichbau des Dr. Faust.


peakyblinders.tv

Schach-Magazin 2020

Christian Hursky, Präsident des Österreichischen Schachverbunds, mit dem neuen Schach-Magazin. – ©Christian Hursky

Schach, aber nicht matt


Diese Spiel ist ein echter Dauerbrenner: Auf dem Schachbrett treten Spieler schon seit mehr als tausend Jahren gegeneinander an. Im Lockdown erfreut sich der Klassiker großer Beliebtheit, auch die kürzlich auf Netflix erschienene Serie „The Queen’s Gambit“ kommt bei Zusehern gut an. Der Österreichische Schachbund (ÖSB) hat nun anlässlich seines 100-jährigen Jubiläums ein Magazin veröffentlicht.
Text: Helmut Schneider / Fotos: Christian Hursky, Phil Bray/Netflix 2020


1886 war Österreich nicht nur geopolitisch eine Großmacht, sondern auch auf dem Gebiet des Schach. Denn der Wiener Wilhelm Steinitz wurde Schach-Weltmeister. Typisch seine Karriere: Da er sich kein Studium leisten konnte, spielte er in den Wiener Kaffeehäusern Schach – um Geld zu gewinnen. Daran erinnert der Österreichische Schachbund (ÖSB) in einem – im echo medienhaus erschienenen – schönen Magazin anlässlich seines 100-jährigen Jubiläums. In diesem Magazin erfährt man etwa, dass Arnold Schwarzenegger im Lockdown Schach spielt – gegen seine Eselin Lulu („Sie wird immer besser…“) und Kabarettist Dieter Chmelar erzählt von seinen Schacherlebnissen sowie tischt uns ein paar Schach-Anekdoten auf (Weltmeister Alexander Aljechin auf die Frage einer Reporterin: „Wo ist Ihnen eine Dame lieber? Auf dem Brett oder im Bett?“ – „Das kommt auf die Stellung an.“). Dazu eine Geschichte des Schachspiels im letzten Jahrhundert mit seinen legendären Duellen.

Anya Taylor-Joy als Beth Harmon in The Queen’s Gambit. – ©Phil Bray/Netflix 2020

Übrigens spielen und spielten auch Frauen eine große Rolle beim Schach. Dazu passt, dass im momentanen Netflix-Hit „The Queen’s Gambit“ eine außergewöhnliche Schachspielerin – ein Waisenkind, das vom Hausmeister des Waisenheims das Spiel lernt – die Hauptrolle spielt. Unbedingte Empfehlung – allein die Ausstattung im Ambiente der Nachkriegsjahre und die Hauptdarstellerin Anya Taylor-Joy (Bild) sind sensationell. Und Schach ist irgendwie auch das Spiel des Lockdowns, das man problemlos auch mit weit entfernten Partnerinnen und Partnern spielen kann.