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Eine STADT. Ein BUCH. – Große Eröffnung im Rathaus

Bild: ©Bubu Dujmic

Am 19. 11. um 11 Uhr wird im Rathaus die große Leseaktion „Eine STADT. Ein BUCH.“ eröffnet, die ersten Gratisexemplare von Andrij Kurkows „Picknick auf dem Eis“ werden verteilt.

Wer sich sein Gratisexemplar sichern und gleich von Autor Andrij Kurkow signieren lassen will, kann ins Nordbuffet des Rathauses kommen – zur Eröffnung von „Eine STADT. Ein BUCH.“ mit dem Wiener Bürgermeister Michael Ludwig und natürlich dem ukrainischen Autor Andrij Kurkow, der direkt aus Kiew anreist.

In dem Roman geht es um einen Schriftsteller, der Nachrufe auf Vorrat schreibt und einen Pinguin aus dem Zoo gerettet hat. Nach und nach wird das Buch zum Krimi (siehe Beschreibung in diesem Newsletter).

Andrij Kurkow wurde 2000 mit „Picknick auf dem Eis“ weltberühmt. Seither hat er noch zahlreiche weitere Bestseller veröffentlicht, seit dem Angriff Russlands auf die Ukraine ist er weltweit unterwegs, um auf die Situation in seiner Heimat aufmerksam zu machen.

Am 20. November wird Andrij Kurkow im Kundenzentrum der Wien Energie Spittelau, ab 18.30 Uhr mit Helmut Schneider über sein Buch und die Ukraine diskutieren und kurz aus dem Roman lesen. Der Eintritt ist frei und natürlich kann man auch dort ein Exemplar von „Picknick auf dem Eis“ bekommen.

Ort: Spittelauer Lände 45, 1090 Wien
einestadteinbuch.at

Drei Tage Lyrikfestival in Wien

Bild: Clemens Setz liest bei der Poesiegalerie aus seinem aktuellen Gedichtband. – ©CC BY-SA 4.0/Amrei-Marie

Das 7. Lyrikfestival der Poesiegalerie vom 14. bis 16. November in Wien stellt Lyrik aus und in Österreich 2024 vor – mit 60 Poet*innen.

Die 7. Poesiegalerie findet vom 14. bis 16. November 2024 in der Gumpendorfer Straße 63B im 6. Bezirk (in den Räumlichkeiten der ig architektur) statt. Auf dem Programm stehen in diesem Jahr rekordverdächtige rund 50 Lesungen, die Ausstellung und Performances der Transmedialen Poesiegalerie mit u. a. Tex Rubinowiz, Linde Waber, Kinga Tóth, Alain Barbero und Barbara Rieger sowie united queendoms, die Eröffnungsdiskussion „Schreiben in Zeiten des inflationären Ichs. Was können experimentelle Formen leisten?“ mit der frischgebackenen H.C. Artmann-Preisträgerin Margret Kreidl, Hannah K Bründl, Ilse Kilic, Christian Steinbacher und dem Mitbegründer der legendären Wiener Gruppe und „Urgestein“ zeitgenössischer und avantgardistischer Lyrik, Gerhard Rühm.

Letzterem, der in diesem Jahr seinen 94. Geburtstag feierte, widmet sich auch das Künstlergespräch „Im Fokus“, das von Udo Kawasser moderiert wird und das Gesamtwerk des Universalkünstlers im Zentrum haben wird. Zum zweiten Künstlergespräch begrüßt die Poesiegalerie den u. a. mit dem Georg-Büchner-Preis 2021 ausgezeichneten Schriftsteller Clemens J. Setz (Foto), der seinen aktuellen Gedichtband „Das All im eigenen Fell“ vorstellen wird.

Bei den rund 50 Lesungen werden aus ihren Neuerscheinungen lesen u. a. die Autor*innen Bettina Balàka, Franz Dodel, Elke Laznia (Nominierung für den österreichischen Buchpreis), Frieda Paris, Tamara Štajner (Meraner Lyrikpreis 2024) und viele mehr. 2024 kooperiert die Poesiegalerie erstmals mit dem Vienna Poetry Film Festival.

Das vollständige Programm der diesjährigen Poesiegalerie unter: poesiegalerie.at

20 Jahre Kriminacht in den Kaffeehäusern

©Stefan Diesner

Bereits zum 20. Mal verwandelte die Kriminacht Wien in eine Bühne des literarischen Verbrechens und brachte am 29. Oktober 2024 Krimifans und namhafte Autor:innen aus dem In- und Ausland zusammen.

Die zahlreichen Lesungen und Veranstaltungen in über 30 Cafés und ausgesuchten Sonderlocations fesselten die Besucher:innen und machten das Event zu einem vollen Erfolg. Das Jubiläum, das bei Wiener:innen seit Jahren beliebt ist, bot wie immer freien Eintritt und ein abwechslungsreiches Programm.



Wenn das Wiener Kaffeehaus zum Tatort wird

Im Café Imperial fand ein anregender Talk statt, der die letzten zwei Jahrzehnte der Kriminacht Revue passieren ließ. Stefan Slupetzky und Sabina Naber sowie die Moderatorin Uschi Pöttler-Fellner brachten spannende Anekdoten und Einblicke mit. Besonderes Augenmerk zog die international bekannte Psychoanalytikerin Dr. Erika Freeman auf sich, die als Special Guest beim Talk anwesend war.

Gänsehaut zwischen Espresso und Cappuccino

Ein besonderes Highlight der Kriminacht 2024 war der Abend im traditionsreichen Café Weidinger. Hier feierten Dieter Chmelar, Konstanze Breitebner und Joesi Prokopetz gemeinsam mit einem prall gefüllten Saal und sorgten für eine Stimmung, die prickelnder kaum sein konnte. Das Café Landtmann bot ebenfalls Nervenkitzel pur, als der renommierte Krimiautor Martin Walker seine Werke präsentierte. Die Kombination aus spannendem Lesestoff und gemütlicher Wiener Kaffeehausatmosphäre zog die Besucher:innen in ihren Bann.

Nicht nur renommierte Krimistars kamen zum Zug – im Café Schwarzenberg lasen die vier Gewinner:innen des vorMagazin Kurzkrimiwettbewerbs ihre selbstverfassten Geschichten. Die besten 15 dieser packenden Kurzkrimis sind im neuen Sammelband „Mörderischer Mokka“ enthalten, der pünktlich zur Kriminacht im echomedia Buchverlag erschienen ist (zu finden im ausgewählten Buchhandel).

Jubiläumsabend und Preisverleihung voller Thrill

Ein weiterer Höhepunkt der Kriminacht 2024 war die Verleihung des Leo-Perutz-Preises im Café Gerstner mit anschließender Abschlussparty. Der diesjährige Preisträger Heinrich Steinfest wurde für seinen neusten Kriminalroman ausgezeichnet und erhielt die verdiente Anerkennung für seine fesselnden Geschichten, die Leser:innen regelmäßig in eine Welt voller Spannung und Geheimnisse entführen.

Beitragsbilder: © Elisabeth Lechner / Sandra Oblak / Stefan Diesner / Bubu Dujmic

Martin Walker liest bei der 20. Kriminacht in den Kaffeehäusern

Martin Walker liest bei der Kriminacht am 29. Oktober ab 19 Uhr im Café Landtmann Passagen aus „Im Château“.
Text: Ursula Scheidl

Der vielfach ausgezeichnete Schriftsteller, Historiker und politische Journalist Martin Walker ist heuer bei der Kriminacht zu Gast in Wien und entführt Leser*innen mit seinem 16. Fall von Bruno, Chef de police, wieder in die französische Provinz.

Martin Walker versteht es blendend, Geschichte, Aktuelles, die politische Kultur Frankreichs und das einzigartige Flair des Périgord zu vermengen. Sein neuestes Buch „Im Château“ beginnt mit der Aufführung der Befreiungsschlacht um das malerische Mittelalter-Städtchen Sarlat. Die halbe Stadt ist in historischen Kostümen auf dem Marktplatz unterwegs, auch Bruno. Doch der Hauptdarsteller bleibt schwer verletzt in seiner Rüstung liegen. Sofort stellt sich die Frage: Unfall oder Absicht? Zumal es sich bei dem Schauspieler um einen sehr hochrangigen Geheimdienstmitarbeiter mit weitreichenden internationalen Beziehungen handelt. Und natürlich sind alle von Brunos Freunden mit Feuereifer dabei, Licht ins Dunkel der Sache zu bringen. 

Autor Martin Walker. – ©Klaus Maria Einwanger
Martin Walker. – ©Klaus Maria Einwanger

vormagazin: Sie leben seit fast 30 Jahren im Périgord. Was fasziniert Sie an dieser Region?

Martin Walker: Es begann mit meiner Faszination für die prähistorischen Höhlenmalereien, dann für die neuere Geschichte, von den Römern bis zur arabischen Invasion, Karl den Großen, die Ankunft der Engländer und der Hundertjährige Krieg, die Verfolgungen der beiden ketzerischen Bewegungen hier, der Katharer und der Protestanten – so viel Menschheitsgeschichte konzentriert sich an einem Ort. Und dann war da noch das Essen, der Wein …

Es gibt viele Krimireihen, die in bestimmten Regionen spielen. Warum eignet sich das Périgord besonders für Ihre Geschichten mit Bruno?

Ich war überrascht, dass noch niemand das Périgord als Kulisse für einen Krimi verwendet hatte, und ich war fasziniert von dem Ort. Ich hatte bereits „Schatten an der Wand“ veröffentlicht, das ist eher ein Geschichtsroman, und genoss es, das zu tun, aber dann erkannte ich, dass mein Tennispartner, Dorfpolizist Pierrot, ein perfekter Typ für einen Krimi war.

Der 16. Fall von Bruno ist internationaler denn je zuvor. Wie kam es zur Entwicklung vom Polizisten eines kleinen Dorfes zum Ermittler großer internationaler Zusammenhänge?

Es begann eigentlich schon früh mit meinem Buch „Reiner Wein“, in dem es um eine große US-amerikanische Weinfirma geht. Dann erkennt Brunos große Liebe, Isabelle, die Assistentin des Innenministers in Paris ist, dass Bruno eine entscheidende Bereicherung in seiner Region ist. Dann haben wir einen baskischen Terroristen, einen britischen Gauner im Antiquitäten-handel, Kinder einheimischer arabischer Familien, die für die Taliban rekrutiert wurden, ein britischer Meisterspion zieht sich in Brunos Dorf zurück, dann taucht der russische Geheimdienst auf … Vieles davon kommt aus meinem Hintergrund als Journalist im Nahen Osten, in Russland und den USA.

Welche Rolle spielt der französische Geheimdienst?

Frankreichs wichtigstes Zentrum für elektronische Aufklärung befindet sich hier, in Domme im Dordogne-Tal, und ich traf englische Freunde, die für sie arbeiteten und französischen Technikern alle Varianten des Englischen, wie sie von Arabern, Afrikanern, Chinesen und so weiter gesprochen werden, beibrachten. Und wenn Sie wissen, wo Sie schauen müssen, sind die Antennen und Satellitenkuppeln nicht zu übersehen. Unvermeidlich, dass es zu einem Ziel wird.

Sie geben in diesem Buch auch Finanztipps. Was reizt Sie daran, immer wieder abseits der Haupthandlung Dinge zu recherchieren und einzustreuen? 

Ich bin im Herzen immer noch Journalist und liebe es zu erklären, wie die Welt meiner Meinung nach funktioniert. Eines habe ich gelernt: Nationale Sicherheit und Hightech sowie Investitionen und Steuerpolitik gehen fast immer Hand in Hand.

Prinzipiell, wie finden Sie die Ideen für Ihre Bücher?

Ich halte meine Augen und Ohren offen, bleibe in Kontakt mit alten Kontakten auf der ganzen Welt, versuche, nie die Dinge für bare Münze zu nehmen und immer daran zu denken, dass sich auf lange Sicht alles um Menschen dreht.

Ich schätze, Brunos 17. Fall ist schon geschrieben?

Der 17. Fall, „A Grave in the Woods“, ist soeben in Großbritannien und den USA veröffentlicht worden
(die deutsche Übersetzung ist bei Diogenes für 2025 in Vorbereitung), und ich habe bereits das Manuskript des 18. an meinen Verleger geschickt – der Titel steht noch nicht fest. Jetzt plane ich die Nummern 19 und 20. 

Sie haben gemeinsam mit Ihrer Frau Julia auch ein Kochbuch geschrieben. Wie haben Sie kochen gelernt?

Zuerst von meiner Mutter, dann vom Reisen und dem Versuch, die Gerichte, die ich in Afrika und dem Nahen Osten genossen hatte, wieder zu kreieren, und dann von Julia, die eine brillante Köchin ist. 

Sie produzieren auch selbst Wein. Wie kam es dazu?

Julien, unser örtlicher Weinhändler, ist ein guter Freund und hat ein Familienweingut. Er half mir dabei, den Cuvée Bruno herzustellen.

Sie waren ja schon mehrere Male in Wien. Was mögen Sie besonders in der Stadt?

Das Wiener Schnitzel im Gasthaus „Zu den 3 Hacken“ und die Bruegels im Kunsthistorischen Museum.

Martin Walker liest bei der Kriminacht am 29. Oktober ab 19 Uhr im Café Landtmann Passagen aus „Im Château“.


„Im Château“, der sechzehnte Fall für Bruno, Chef de police, von Martin Walker
Aus dem Englischen von Michael Windgassen
Diogenes
384 Seiten
€ 26,80

Die Kriminacht in den Kaffeehäusern wird 20 Jahre alt

2004 startete die Kriminacht mit Donna Leon. In den nächsten Jahren folgten zahlreiche Stars des Genres aus dem In- und Ausland. Heuer besuchen neben zahlreichen heimischen Publikumslieblingen der Brite Martine Walker und der Pole Tomasz Duszyński das Festival.

Mit diesem Ansturm hatte man 2004 nicht gerechnet. Im Café Museum gab es nicht einmal mehr Stehplätze, als Krimiqueen Donna Leon bei der ersten Kriminacht in den Wiener Kaffeehäusern auftrat. Aber auch die österreichischen Stars wie Eva Rossmann, Stefan Slupetzky, Alfred Komarek, Andreas Pittler, Ernst Hinterberger oder Beate Maxian wurden in der Folge von ihren vielen Fans gefeiert. Die Wiener Kriminacht entwickelte sich zum alljährlichen Treffpunkt der Szene, denn: Schwarzer Kaffee und tiefschwarze Storys gehören eben einfach zusammen. Weil das Kaffeehaus Teil der Wiener Kultur ist und weil man in Wien immer noch gerne Bücher liest und sehr gerne auch die Autorinnen und Autoren kennenlernen will.

Programm

Wolfgang Böck, Patrick Budgen, Ernst Geiger und Edith Kneifl – das Programm der 20. Kriminacht am 29. Oktober ist wie gewohnt vielfältig. Mit Tomasz Duszyński kommt endlich wieder ein Pole zur Kriminacht – Stammgäste des Festivals erinnern sich sicher noch an die Lesungen von Marek Krajewski. Duszyński lädt in der preisgekrönten Glatz-Reihe zu einer Reise ins niederschlesische Städtchen Glatz/Klodzko. Der Brite Martin Walker war schon öfters in Wien, bei seiner diesjährigen Lesung im Café Landtmann wird die Schauspielerin und Autorin Chris Pichler die deutsche Übersetzung seines neuesten Krimis lesen.

Dass das Krimi-Genre nach wie vor eine sehr hohe Anziehungskraft ausübt, beweisen Neo-Krimiautor*innen wie etwa Konstanze Breitebner und Patrick Budgen. Der ORF-Moderator legt heuer bereits seinen zweiten Krimi („Die Teigtascherl-Intrige“) vor, die Schauspielerin und Drehbuchautorin bleibt ihrem Umfeld treu und präsentiert einen Theaterkrimi („Tod auf der Unterbühne“). Breitebner wird gemeinsam mit ihrem Kollegen Josi Prokopetz, der seinen allerneuesten Krimi („Der Frauenausborger“) mitbringt, lesen – Talkmaster: Dieter Chmelar.

Wettbewerb

Aus Anlass des Jubiläums rief das vormagazin zu einem Kurzkrimiwettbewerb auf. Die Aufgabe: Es sollte ein Kaffeehaus vorkommen. Aus den zahlreichen Einsendungen wählte eine Jury (unter anderem mit dem Autor Manfred Rebhandl) die 15 besten aus, die zur Kriminacht in einem Buch („Mörderischer Mokka“) veröffentlicht und präsentiert werden. Die allerbesten drei Kurzgeschichten werden am 29. Oktober im Café Schwarzenberg von den Autorinnen und Autoren selbst gelesen.

Ernst Hinterberger, der Autor des Mundl sowie Trautmann und Kaisermühlen Blues, war ein Stammgast bei der Kriminacht. In einer Gedenkveranstaltung im Café Frauenhuber erinnert Wolfgang Böck – der Darsteller des Trautmann in der gleichnamigen ORF-Krimiserie – an den 2012 verstorbenen Bestsellerautor.

Diskussion

Krimifeinspitze freuen sich aber auch schon auf die Lesungen von Edith Kneifl mit ihrem Wien-Krimi „Der Wolf auf meiner Couch“, Manfred Rebhandl („Hundert Kilo Einsamkeit“), Theresa Prammer („Schattenriss“), Beate Maxian („Tod auf dem Opernball“), Constanze Scheib („Mordshochzeit, Herrschaftszeiten“) oder Herbert Dutzler („Letztes Zuckerl“). Der Publikumsliebling Stefan Slupetzky wird nicht nur lesen, sondern anschließend auch mit seiner Krimikollegin Sabina Naber über die Entwicklung des Krimigenres in den vergangenen 20 Jahren diskutieren (Café Imperial). 

Preis

Auch die Verleihung des Leo-Perutz-Preises gehört seit einigen Jahren zum festen Bestandteil der Kriminacht. Heuer sind Peter Lorath, Theresa Prammer, Manfred Rebhandl, Annemarie Mitterhofer und Heinrich Steinfest nominiert – alle lesen natürlich bei der Kriminacht. Kommen Sie vorbei!


29. Oktober 2024
In zahlreichen Kaffeehäusern in ganz Wien
kriminacht.at

Musik & gute Stimmung beim 4. D-Day für Doderer im Café Landtmann

Bild: ©Sandra Oblak

Es ist fast schon eine kleine Gemeinschaft, die alljährlich beim D-Day für Doderer zusammenkommt, um einen der originellsten Wiener Schriftsteller – den 1966 verstorbenen Heimito von Doderer – zu feiern. Besonders auffällig waren die vielen Schriftstellerinnen und Schriftsteller im Publikum. Nächstes Jahr steht sogar ein 100-Jahr-Jubiläum an, denn „Die Studlhofstiege“ spielt ja exakt am 21. September 1925. An diesem Tag verliert bekanntlich Mary K ein Bein bei einem Unfall mit der Straßenbahn.

Heuer versuchte wienlive-Autor Otto Brusatti, die literarischen Konzeptionen in Doderers Kurzgeschichten zu erhellen. Viele Erzählungen funktionieren wie Sonaten in der Musik. Besonders eindrucksvoll gelang dies bei Doderers dreiteiligem Text „Sonatine“. Brusatti las abwechselnd mit der Schauspielerin und Regisseurin Chris Pichler die kurzen Texte und spielte dazwischen jeweils einen Satz aus Mozarts „Sonate facile“ auf der mitgebrachten CD (interpretiert von Glenn Gould). Dass Doderer Musik auch als Thema seiner Werke einbaute, wurde mit einer Szene aus den „Dämonen“ – Quapps desaströses Vorspielen als Geigerin bei einem Dirigenten – unterstrichen. Nach der Podiumsdiskussion mit wienlive-Herausgeber Helmut Schneider blieben die Gäste noch lange für Gespräche im Café.


D-Day für Doderer: Am 21. September diskutieren Otto Brusatti und Helmut Schneider über Musik im Werk des Großschriftstellers

Bild: ©picturedesk

Am 21. September diskutieren Otto Brusatti und Helmut Schneider über Musik im Werk des Großschriftstellers Heimito von Doderer. Chris Pichler liest ausgewählte Stellen.

Heimito von Doderer, 1966 verstorben, war gewiss einer der eigenständigsten Autoren, die Wien je hervorgebracht hat. Wienlive und das echo medienhaus erinnern seit 2021 alljährlich am 21. September – das ist der Tag, an dem sein bekanntestes Werk, „Die Strudlhofstiege“, spielt und mit einem brutalen Unfall mit einer Straßenbahn beginnt – an diesen Schriftsteller, der in der Nachkriegszeit als der wichtigste Dichter Österreichs galt und beinahe den Literaturnobelpreis erhalten hätte. Heuer, beim 4. D-Day für Doderer, geht es mit dem Autor, Regisseur, Ausstellungsmacher und Musikexperten Otto Brusatti um „Musik, Lärm und Stille“ im Werk von Heimito von Doderer. Die Schauspielerin Chris Pichler wird ausgewählte Stellen lesen, wienlive-Chefredakteur Helmut Schneider wird moderieren.

Doderer war ein großer Bewunderer Beethovens, auf seinem Schreibtisch stand stets eine Partitur der 7. Symphonie. Sein letztes, unvollendet gebliebenes Romanprojekt nannte er im Tagebuch nach seiner Lieblingssymphonie „Roman No 7“ – davon wurde nur der Teil „Die Wasserfälle von Slunj“ veröffentlicht, „Der Grenzwald“ erschien posthum als Fragment. Nach dem Erscheinen des Monumentalwerks „Die Dämonen“ war Doderer der bekannteste Schriftsteller Österreichs, sogar der SPIEGEL widmete ihm ein Cover.

Brusatti: „Doderer war auch ein heimlicher Musikstrukturalist – wie viele andere und vor allem in der öster-reichischen Literatur, wie Ingeborg Bachmann oder Thomas Bernhard. Er baute musikalische Formen ein, in seine Texte. Man merkt es vorerst kaum, man soll es zumeist auch gar nicht merken.“ Dazu gibt es passende Musik aus der Konserve. Die Buchhandlung analog wird vor Ort einen Büchertisch aufstellen.


INFO
21. 9. 24
19.00 Uhr
Café Landtmann
Freier Eintritt, keine Reservierung möglich

D-Day für Doderer am 21. September – Heimito von Doderers „Divertimenti“

Heimito von Doderer entstammte einer wohlhabenden Familie, sein Großvater und Vater waren Architekten und Techniker, sie wurden etwa mit dem Bau von Eisenbahnen und Wasserregulierungen reich, ein Gutteil ihres Vermögens ging allerdings im 1. Weltkrieg verloren. Sohn Heimito geriet als Leutnant im Weltkrieg bald in russische Gefangenschaft und konnte erst nach 4 Jahren über St. Petersburg in den Wirren der russischen Revolution nach Wien fliehen. In Sibirien hatte er den Entschluss gefasst, Schriftsteller zu werden und so nahm Doderer in Wien nicht nur ein Studium (Geschichte) auf, sondern versuchte auch – meist vergebens – in Zeitschriften zu veröffentlichen. Finanziell war er nach wie vor von seinen Eltern abhängig. Und das blieb er auch bis zum Erscheinen der „Strudlhofstiege“ 1951.

Doderer wollte anders schreiben als die anderen und folgte – bezugnehmend auf musikalische Formen – einem strengen Konzept. Darüber wird heuer am 21. September der Musikwissenschaftler und Autor Otto Brusatti im Café Landtmann sprechen. Die Schauspielerin Chris Pichler wird entsprechende Szenen aus Doderers Werk vorlesen.

Zu den ersten Texten, die Doderer nach seiner Heimkehr schrieb, gehören seine „Divertimenti“. Entgegen Doderers Absicht scheinen sie ungeordnet. Freilich behauptete der Autor stets mehr an der Form und weniger am Inhalt, an der Thematik, interessiert zu sein. In den 7 Divertimenti – das letzte erschien allerdings sehr viel später nach dem Krieg unter dem Titel „Die Posaunen von Jericho“ – geht es etwa um ein blindes Mädchen, das zur Pianistin und dann sehend wird, um den Traum eines Unfallopfers vom Kampf  Überlebender nach einem Weltuntergang, um einen jungen Mann, dessen Probleme sich ohne sein Zutun lösen, um einen Professor, dessen Frau bei der Geburt der Tochter stirbt oder um eine Sitzkassierin in einem Café, die verrückt wird und sich verantwortlich für eine Hungerrevolte fühlt. Doderer hat zweimal jeweils einen Text öffentlich vorgetragen und dabei kein Manuskript gebraucht. Die Zuhörer sollen begeistert gewesen sein. Und er dachte sogar an die Ablöse des Buches durch die Schallplatte und das Radio. Am 21. September werden wir über Musik und Literatur bei Doderer viel zu diskutieren haben.

Samstag, 21. September – 4. D-Day für Doderer, 19 Uhr, Café Landtmann, Eintritt frei!

Freiluftkonzert vor der Oper zum 150. Geburtstag Arnold Schönbergs

Arnold Schönberg, der große Wiener Erneuerer der Musik litt an Triskaidekaphobie, also der Angst vor Freitag, dem 13. (Und er ist ja auch just an einem solchen 1951 in Los Angeles, vertrieben und im Exil verstorben.)

Das echo medienhaus begeht nun den 150. Geburtstag Arnold Schönbergs, am Freitag, 13. September, um 16 Uhr mit einem öffentlichen Outdoor-Konzert bei der Wiener Staatsoper (vor der Skulptur für Berg, Schönberg, Webern und Mahler). Die Idee dieses Freiluftkonzerts stammt von einer  wahrscheinlich sehr wahren Anekdote: „Glaubst Du, dass die Leute unsere Melodien in 50 Jahren [tradiert wird auch „in 100 Jahren“] auf den Straßen Wiens pfeifen werden?“, so fragten
einander Schönberg und sein Freund und Schüler Anton Webern. Das soll überprüft werden!.

Der Regisseur & Musikexperte, Otto Brusatti, hat ein exquisites Bläserensemble zusammengestellt, das Werke von Schönberg, aber auch von Johann Strauß (nächstes Jahr: 200. Geburtstag) zur Aufführung bringen wird.

Mit: Maria Jauk, Flöte; Barbara Ritter, Oboe; Kurt Franz Schmid, Klarinette; Sebastian Kolarz-Löschberger, Horn; Andor Csonka, Fagott

Das Programm:

Schönberg:

aus dem Bläserquintett op. 26

Strauß: Leichtes Blut

Schönberg:

aus dem Bläserquintett op. 26

Strauß:

Tritsch-Tratsch

Freitag, dem 13. September, um 16 Uhr: Karajanplatz vor der Oper zwischen Denkmal und Brunnen

Eintritt frei

Freiner Wirtschaftstage – Networking in der Natur

©Bubu Dujmic

Die vom echo medienhaus veranstalteten dritten Freiner Wirtschaftstage fanden in hochkarätiger Besetzung und mit anregenden Diskussionen im idyllischen steirischen Ort an der Mürz am Freitag (30. August) und Samstag (31. August) statt.

Eröffnungstalk mit Heinz Fischer: Sorge um politische Entwicklungen

Den Eröffnungstalk betritt gleich der ehemalige Bundespräsident Heinz Fischer, der von Florian Gasser (Die Zeit) zur aktuellen Außen- und Innenpolitik befragt wurde. Fischer äußerte sich besorgt über die derzeitige Weltlage sowie die innenpolitische Situation in Österreich: „Wenn der Zweck die Mittel heiligt, sind wir auf dem Weg zur Hölle“, betonte der Ex-Präsident. Er erinnerte daran, dass bei der Befreiung Osteuropas niemand gedacht hätte, dass aus Ungarn einmal eine prekäre Demokratie werden könne.

Podiumsdiskussion: Herausforderungen im heimischen Tourismus

In mehreren großen Podiumsdiskussionen wurde unter anderem der heimische Tourismus thematisiert. Staatssekretärin Susanne Kraus-Winkler, der Kaffeehausvertreter Wolfgang Binder, der Wien-Tourismus-Chef Norbert Kettner und Unternehmer Sepp Schellhorn (Neos) diskutierten über die Fortschritte und Herausforderungen des österreichischen Tourismus. Es wurde deutlich, dass Österreich zwar auf einem guten Weg ist, aber in Bereichen wie Föderalismus und Steuerentlastung des Faktors Arbeit noch viel zu tun bleibt.

Special Guest Dr. Erika Freeman: Ein Leben für die Psychoanalyse

Ein besonderes Highlight war die Anwesenheit der weltberühmten Psychoanalytikerin Dr. Erika Freeman, die als eine der wenigen Frauen ihrer Zeit in den USA promovierte. Freeman erklärte, warum sie auf ihren Doktortitel besteht und beschrieb eindrucksvoll ihren Abscheu vor Hass: „Hass ist extrem ungesund!“, betonte sie.

C3-Business Talk: Steiermark als Musterregion für Klimaschutz

Am Samstag sprach der steirische Landeshauptmann Christopher Drexler im C3-Business Talk mit Thomas Prantner über die Politik und die aktuellen Herausforderungen des Bundeslandes, insbesondere in den Bereichen Wirtschaft und Klima. Drexler hob hervor: „Unser Land soll eine Musterregion sein, die wirtschaftliche Dynamik und Klimaschutz miteinander vereint.“

Diskussion über Schulden und Inflation: Die Herausforderungen der Armut

Im Talk „Ohne Geld ka Musi“ diskutierten Tanja Wehsely (CEO Volkshilfe Wien), Helmut Ettl (Finanzmarktaufsicht) und Matthias Schroth (Notenbank) mit Stefan Ratzenberger über die Auswirkungen von Schulden und Inflation auf die ärmsten Bevölkerungsgruppen in Österreich. Dabei wurde auch die Rolle des Bargeldes in einer zunehmend digitalen Welt besprochen.

Digitalisierung in Unternehmen: Chancen und Risiken

Das Thema „Wie viel Digitalisierung ist gut für ein gesundes Unternehmen?“ wurde von Martina Hacker (ÖBB), Reinhard Hanusch (Austro Holding) und Harald Kräuter (ORF) behandelt. Die Diskussion umfasste Themen wie die Sicherheit im Umgang mit neuen Technologien, die Gefahr von Abhängigkeiten und die Notwendigkeit, Digitalisierung mit Bedacht voranzutreiben.

Innovative Ansätze im Kampf gegen den Klimawandel

Jungunternehmer Mario Wagner und Matthias Göth stellten ihr Start-Up Evercraft Ecotechnologies vor, das mit seinen bahnbrechenden Technologien einen wesentlichen Beitrag zur Bekämpfung des Klimawandels leisten möchte.

Schlussdiskussion: Marketing, Sponsoring und nachhaltiger Tourismus

Den Abschluss bildeten Astrid Steharnig-Staudinger (Österreich Werbung) und Gerhard Fritsch (Saalbach 2025 WM), die mit Moderator Stefan Ratzenberger über Marketing, Sponsoring bei Großevents und die Herausforderungen des nachhaltigen Tourismus in Österreich sprachen. Steharnig-Staudinger wies darauf hin, dass Overtourism in Österreich als ein Verteilungsproblem gesehen wird und betonte die Wichtigkeit, den Facettenreichtum Österreichs hervorzuheben und die Besucherströme besser zu verteilen.

©Bubu Dujmic