Die US-Serie „Shameless“ erinnert an Hinterbergers „Mundl“

Bild: ©BRIAN BOWEN SMITH/SHOWTIME

Von 1975 bis 1979 wurde in Österreich, begleitet von zahlreichen Protesten wegen der Wortwahl des Hauptprotagonisten Edmund Sackbauer, die ORF-Serie „Ein echter Wiener geht nicht unter“ ausgestrahlt. Hervorgegangen aus einem Roman Ernst Hinterbergers (1966, Salz der Erde) konfrontierte der „Mundl“ – wie die Serie von den meisten genannt wurde – das Fernsehpublikum erstmals mit dem Leben der Arbeiterschicht. Sackbauer ist Elektriker, der mit seiner Frau dem kleinen Glück in Favoriten nachjagt. Damals kannte man natürlich kein internationales Fernsehen – in England, Deutschland und den USA gab es schon früher durchaus ähnliche Projekte.

Die erfolgreichste moderne Serie mit ähnlichem Hintergrund heißt „Shameless“ und wurde zwischen 2011 und 2021 vom US-Pay-TV-Sender Showtime produziert – alle 11 Staffeln sind jetzt auf Netflix abrufbar. Die amerikanische Adoption einer englischen Serie besticht durch abwechslungsreiche Drehbücher (Idee: Paul Abbott), jede Menge Witz und tolle Schauspielleistungen.

Hauptfigur ist der irischstämmige arbeitsscheue Alkoholiker und Drogenkonsument Frank Galaggher, der seine 6 Kinder der Verwahrlosung preisgibt – denn die bipolare Mutter ist entweder gerade nicht hier oder schon wieder unzurechnungsfähig. Angesiedelt ist die dysfunktionale Familie auf der South Side von Chicago, dem Stadtteil wo sich die Abgehängten, die Migranten und Schwarzen wiederfinden. Im Laufe der Staffeln wird gerade dort allerdings ein heftiger Gentrifizierungsdruck aufgebaut – statt Waschsalons und Bars machen sich Coffee-Shops und Yogastudios breit. Sehr zum Missfallen der Gallaghers. Die Serie versteht es geschickt, auch schwierigere soziale Spannungen und aktuelle Themen anzusprechen. Sogar die „gestohlene Wahl“ von Trump findet sich in einer Szene. Und die 6 Kinder sind alle ganz eigene Persönlichkeiten und sehr divers, ohne dass das aufgesetzt wirken würde. Trotz vieler Vorurteile, die alle Figuren hegen – Herkunft lässt sich nicht verleugnen – findet man schließlich immer wieder irgendwie zusammen. Bestohlen werden eher die Reichen – nur der von allen gehasste Frank macht keine Unterschiede, wenn es um seinen Vorteil geht. Letztendlich funktioniert man doch als Familie, zumal die älteste Tochter lange Zeit die Mutterrolle übernimmt.

134 Folgen (zu je 44 bis 52 Minuten) in 11 Staffeln – das ist ordentlich viel Fernsehstoff. Aber allzuviel Auswahl bei intelligenter TV-Unterhaltung gibt es momentan ja sowieso nicht.     


Der stillere Revoluzzer – Zum Tod von Achim Benning

Bild aus dem Film. – ©ORF/MultiSonora/Christine de Grancy

Gemeinhin teilt man die Geschichte des Burgtheaters in die Ära vor und nach Claus Peymann ein, um das verschlafene Abonnementtheater vom weltoffeneren, neuen Burgtheater zu trennen. Das ist insofern falsch, weil Peymanns Vorgänger – der von Unterrichtsminister Fred Sinowatz 1976 berufene Achim Benning – viele der späteren Revolutionen vorwegnahm und das größte deutschsprachige Sprechtheater in eine neue Zeit führte. Er tat dies allerdings ohne großen Medienrummel, wenngleich er nicht wenige Kämpfe mit der sehr konservativen Öffentlichkeit und Presse ausfechten musste. Weil er etwa auch Regisseure aus der DDR (Manfred Wekwerth und andere) ans Haus lud, war der Parteilose auch sofort als Linker und Kommunist verschrien. Dabei öffnete er sein Haus vielen Dissidenten aus dem Panzerkommunismus wie Václav Havel und Pavel Kohout.  Man erblödete sich auch nicht, gegen ein Stück des Literaturpreisträgers Elias Canetti – „Komödie der Eitelkeiten“ – zu polemisieren, im Publikum soll es antisemitische Äußerungen gegeben haben. Und das sich gegen unverbesserliche Nazis richtende neue Stück „Das Alte Land“ (1984, Regie Achim Benning) von Klaus Pohl wurde ebenfalls heftig angegriffen. Auch weil in dieser Inszenierung ein nackter Mann zu sehen war – damals eine Ungeheuerlichkeit.

Mir persönlich ist vor allem Robert Musils Dreiecksstück „Die Schwärmer“ am Akademietheater 1980 in der Regie von Erwin Axer in Erinnerung – nicht nur weil es seither in Wien (warum eigentlich?) nicht mehr zu sehen war. In der Traumbesetzung (Joachim Bißmeier, Gertraud Jesserer, Erika Pluhar, Karlheinz Hackl, Wolfgang Gasser und Wolfgang Hübsch) wurde die – für heutige Begriffe – ziemlich werktreue Inszenierung zum Kult. Auf youtube kann man sie glücklicherweise zur Gänze anschauen.

So nebenbei führte Benning auch die Kinderschiene am Haus ein und stärkte die Mitbestimmung des Ensembles.

Achim Benning wurde 1935 in Magdeburg geboren und kam 1956 für ein Auslandssemester nach Wien, wo er auch das Max Reinhardt Seminar besuchte. Ernst Haeusserman engagierte ihn 1959 als Schauspieleleve ans Burgtheater, wo er später auch zu inszenieren begann.

Am Samstag, 3.2., um 22.45 Uhr, wird – schon vor Bennings Tod geplant – auf ORF III der Dokumentarfilm „Achim Benning – Homo Politicus“ gezeigt.  

Die Schwärmer auf youtube:

Neue Geschichten für Kafka – Buchpräsentation „Für K.“ in der Nationalbibliothek

Am Montag, 29. Jänner, wird im Augustinertrakt der Nationalbibliothek ein ganz besonderes Buch präsentiert. Zum 100. Todestag von Franz Kafka bat Herausgeber Otto Brusatti Autorinnen und Autoren um einen Text in Gedanken an den Prager Schriftsteller, der die Weltliteratur beeinflusst hat wie kaum ein anderer. Theodora Bauer, Arno Geiger, Max Gruber, Monika Helfer, Bodo Hell, Paulus Hochgatterer, Franz Hohler, Radek Knapp, Natasha Korsakova, Thomas Macho, Kurt Palm, Rafik Schami, Stefan Slupetzky, Renate Welsh und Anton Zeilinger schrieben Neues für diesen Band, der vom Künstler Edgar Tezak mit Zeichnungen versehen wurde. Drei davon – Stefan Slupetzky, Kurt Palm und Renate Welsh – werden bei der Präsentation ihre Geschichten vorlesen, die Cellospielerin Anna Schweizer wird Stücke von Bach und Webern zum Besten geben. Der Eintritt ist frei, anschließend wird zu einem Umtrunk geladen!


„Für K. Neue Geschichten und Bilder für Franz Kafka“
29. Jänner 2024
Österreichische Nationalbibliothek
Einlass 18.30 Uhr, Beginn 19 Uhr
Josefsplatz 1, 1010 Wien
Oratorium im Augustinertrakt (Halbstock)

Der Vegan Ball 2024

Der Vegan Ball 2024 findet im Hilton Vienna statt. – ©Melanie Reinisch

Rund 100.000 Menschen leben in Wien vegan, und das feiert der Wiener Vegan Ball bei schwungvoller Musik, stilvollem Ambiente und pflanzlichen Genüssen am 19.1.24 im Hilton Vienna Park. Kulinarisch wird ein exklusives viergängiges Gala-Dinner von Hilton Executive Chef Ademir Husagic aufgetischt, zusätzlich gibt es Snacks und Cocktails, Live-Acts sowie abwechslungsreiche Musik auf zwei Floors.

Programm

Das exklusive 4-Gänge-Menü von Ademir Husagic und Gast-Chefkoch Luca Sordi aus Italien garantiert pflanzliche Küche auf höchstem Niveau. Köstliche rein pflanzliche Speisen und Cocktails werden den ganzen Abend lang an der Snackbar serviert. Nach der feierlichen Eröffnung des Balls erwartet die Gäste mitreißende Tanzmusik von den „Wanna Dance?“-DJs im Ballsaal mit großzügigem Tanzparkett und im Clubbingsaal kann bis in die Nacht hinein getanzt werden. Natürlich darf auch die traditionelle Mitternachtsquadrille nicht fehlen. Alle DJs verzichten außerdem auf ihr Honorar und der Erlös kommt zu 100 % dem gemeinnützigen Projekt Vegucation zugute. Unterstützt wird der Ball vom veganen Startup THE GREEN MOUNTAIN, von Climate Aid United sowie Veganuary.

Als besonderes Highlight erwartet die Gäste ein Live-Auftritt von Musical-Star Stefanie Mayer, die dem österreichischen Publikum vor allem durch ihre Starmania-Performance von 2021 bekannt ist. Mit ihrem eigenen Musical hat sich die 27-jährige Kärntnerin einen Kindheitstraum erfüllt:
„Wenn man ganz fest daran glaubt, dann stellt man fest: Einhörner, die gibt es wirklich!“, so erklärt sie ihre Idee für dieses magische Musical-Erlebnis. Dieser Auftritt wird durch „Climate Aid United“ ermöglicht, der weltweit ersten Mind-Change-Bewegung mit Fokus auf Musik und Unterhaltung, um Menschen, Institutionen, Organisationen, Wirtschaft und Politik für den Klimaschutz zusammenzubringen.

Vegan muss man als Gast selbstverständlich nicht zwingend sein: Jede Person, die gerne das Tanzbein schwingt und köstlich speisen will, ist bei diesem Ball bestens aufgehoben.


19.1.24
Hilton Park Vienna
veganball.at

Süsses Gold

Europameisterin. Mit nur 23 Jahren wurde Anna Saurer bei der Berufseuropameisterschaft EuroSkills im polnischen Danzig von einer internationalen Jury zur besten Patissière Europas gekürt. – ©Elisabeth Lechner

Text: Ursula Scheidl

Anna Saurer, Jung-Konditorin im Wiener Café Central, holte sich bei der Berufseuropameisterschaft EuroSkills den sensationellen ersten Platz.

Wir treffen die gebürtige Tirolerin während ihres Dienstes. Mit einem strahlenden Lächeln kommt die 23-Jährige direkt aus der Backstube, wohin sie gleich nach dem Interview zurückeilt, um frische Croissants zu machen. Der Beruf ist ziemlich fordernd, aber die Zusammenarbeit im 15-köpfigen Team „klappt sehr gut. Wenn wir nicht harmonieren würden, wäre es schwierig“, plaudert Anna Saurer aus der Praxis. 

Früh übt sich 

Im Außerfern aufgewachsen, hat sie in Innsbruck das Konditor-Handwerk gelernt. Schon als sehr kleines Kind half sie immer in der Küche.
„In meiner Familie sind zwar alle handwerklich sehr talentiert, aber ich bin die erste Konditorin. Bereits mit sechs habe ich meinen ersten Kuchen gebacken, einen Karottenkuchen. Meine Mutter kommt aus der Schweiz, und da gibt es die Rüblitorte“, erzählt Anna Saurer.

„Bei einem Wettbewerb ist nicht nur fachliches Können, sondern auch men-tale Stärke gefragt.“ – Anna Saurer | ©Elisabeth Lechner
„Bei einem Wettbewerb ist nicht nur fachliches Können, sondern auch men-tale Stärke gefragt.“ – Anna Saurer | ©Elisabeth Lechner

Das Wettbewerbsfieber hat sie schon während ihrer Lehrzeit gepackt.
„Mir hat es so viel Spaß gemacht mitzumachen, man sieht ganz andere Dinge, die man im Alltag nicht hat“, ist sie begeistert.
Wenn man bei Wettbewerben mitmacht, bekommt man eine Expertin/einen Experten zur Seite gestellt. Letztes Jahr pendelte Anna jede Woche zum Trainieren nach Wien zu Veronika Schmidt, der Sous Chefin Patissière des Café Central. 2022 gewann Anna dann auch eine Medaille bei den WorldSkills-Meisterschaften.

Die engagierte Trainerin Schmidt holte das Ausnahmetalent vor rund neun Monaten dann fix nach Wien.
„Ich bin sehr anpassungsfähig und flexibel. Daher hatte ich keine Schwierigkeiten mit der Wiener Umgebung“, lacht Anna.

Siegerstück. Fünf Stunden arbeitete die talentierte Zuckerbäckerin an diesem kunstvollen Schokoladenschaustück zum Thema Flora und Fauna. Insgesamt dauerte der Wettbewerb 18 Stunden über drei Tage. – ©Elisabeth Lechner
Siegerstück. Fünf Stunden arbeitete die talentierte Zuckerbäckerin an diesem kunstvollen Schokoladenschaustück zum Thema Flora und Fauna. Insgesamt dauerte der Wettbewerb 18 Stunden über drei Tage. – ©Elisabeth Lechner

Nach dem Sieg bei den Staatsmeisterschaften war Annas Ehrgeiz geweckt. In den letzten Monaten hat sie mit Feuereifer und Liebe zum Detail mit Veronika Schmidt trainiert. Drei Monate vor dem Wettbewerb machte sie ein Testprojekt, bei dem sie die verschiedenen Module, die vor Ort verlangt werden, simulierte. Ein Modul war zum Beispiel ein Schokoladen-Schaustück, weitere Module waren Petit Fours, Marzipanfiguren, Pralinen, eine Torte, Tellerdesserts und auch eine Mystery-Aufgabe.
„Mit dem Sieg bei den Europameisterschaften ist für mich ein süßer Traum in Erfüllung gegangen. Mein Erfolgsrezept war, handwerklich exakt und zugleich kreativ zu arbeiten“, freut sie sich offen und ehrlich.

Konditorin aus Leidenschaft

Sie könnte sich nicht vorstellen, in einem anderen Beruf zu arbeiten.
„Der kreative Teil macht mir am meisten Spaß. Ich probiere gerne neue Sachen aus, eher kleine Desserts, wo jedes Stück für sich besonders ist. Wenn ich in einem anderen Land oder einer anderen Stadt bin, koste ich mich gerne durch und hole mir Ideen, die ich dann auch nachmachen kann.“ 

Dass sie früh aufstehen muss, daran hat sie sich inzwischen gewöhnt. Ihr Arbeitstag beginnt um 05:30 Uhr und endet um 14:00 Uhr. Den Nachmittag hat sie frei, wo sie sich in der Natur oder beim Sport neue Kreationen überlegt oder Schaustücke plant – stets ausgerüstet mit einem Skizzenblock, in den sie mit der Hand Notizen schreibt, denn „am Computer arbeite ich nur, wenn es sich nicht vermeiden lässt“, lacht sie.

„Bei einem Wettbewerb ist nicht nur fachliches Können, sondern auch men-tale Stärke gefragt.“ – Anna Saurer | ©Elisabeth Lechner
„Mein Ziel ist es, einfach besser zu werden, neue Techniken und neue Fähigkeiten zu erlernen.“ – Anna Saurer | ©Elisabeth Lechner

Richtig misslungen ist ihr schon lange nichts: „In meiner Lehrzeit habe ich Kastanienmousse gemacht mit der doppelten Menge, die Gelatine allerdings nur in der einfachen Menge. Als die 20 Moussetorten zusammengesackt sind, war das ein schrecklicher Moment“, erinnert sie sich.
Im Café Central fühlt sie sich sehr wohl: „Oft gibt es in Konditoreien verschiedene Posten, wo jeder jeden Tag das Gleiche macht. Im Café Central ist es cool, da kann jeder alles machen, vom Anfang bis zum Ende eines Produktes. Auch aufgrund der Veranstaltungen oder Limited Editions ist es sehr abwechslungsreich. Und wir verwenden keine Convenience-Produkte.“

Der Weg in die Selbstständigkeit ist derzeit nicht geplant.
„Das Wichtigste ist dranzubleiben, besser zu werden und die Chance zu nutzen, bei Wettbewerben mitzumachen.“ 

Jugend im Wettbewerb

EuroSkills ist ein internationaler Berufswettbewerb, der alle zwei Jahre ausgetragen wird. Junge Fachkräfte aus aller Welt stellen hier ihr fachliches Geschick in mehr als 50 Wettbewerbsberufen auf internationalem Parkett unter Beweis. Die nächsten EuroSkills finden 2025 in Dänemark statt.


Paparazzi im WestLicht – Schauplatz für Fotografie

Stars wie Al Pacino hatten oft mit ungebetenen Fotografen zu kämpfen. – ©Ron Galella Ltd.

Bis 11. Februar sind Fotos zu sehen, die von den Fotografierten nicht gewollt, von Millionen aber gesehen wurden. Paparazzi sind ebenso unbeliebt wie erfolgreich, wenngleich man ihre Namen kaum kennt. Der Begriff Paparazzi geht auf den gleichnamigen Fotografen in Federico Fellinis „La Dolce Vita“ zurück. Das Foto oben – von Ron Galella – zeigt Al Pacino vor dem Regency Hotel in New York, 1971.

PAPARAZZI! vereint rund 120 Arbeiten von etwa 20 Bildautor:innen und spannt einen Bogen von den späten 1950er-Jahren bis in die 2000er. Ein Schwerpunkt liegt auf den 1960er- und 1970er-Jahren, als Fotografen wie Galella, Geppetti, Tazio Secchiaroli oder Elio Sorci das Metier zwischen Rom und den USA, Cinecittà und Hollywood definierten. Auf der Suche nach dem ultimativen Scoop rückten sie mit ihren Kameras Schauspieler:innen und anderen Persönlichkeiten des öffentlichen Lebens, darunter Brigitte Bardot, Marlon Brando, Romy Schneider, Richard Burton oder Jackie Kennedy, zu Leibe – und fingen en passant den Glamour der High Society ein. Dabei kam es mitunter zu denkwürdigen Begegnungen: Anita Ekberg, Star aus La Dolce Vita, wehrte sich gegen die aufdringlichen Paparazzi mit Pfeil und Bogen, Ron Galella kostete seine hartnäckige Verfolgung von Marlon Brando mehrere Zähne.

Infos & Details: westlicht.com

Rickerls Wien – Voodoo Jürgens über seine erste Rolle und seine Karriere

Voodoo Jürgens im Café Weidlinger. – ©Stefan Diesner

Liedermacher Voodoo Jürgensentwickelte mit Regisseur Adrian Goiginger den Musikfilm RICKERL, in dem er einen traumtänzerischen Wiener Sänger und Vater spielt. Beim Interview im Café Weidinger erzählt der Austropopstar über den Film und seine Karriere.

Heite grob ma Tote aus“: Mit dieser – auf FM4 viel gespielten – Single im breiten Wiener Dialekt wurde Voodoo Jürgens 2016 schlagartig berühmt. Es folgten die Alben „Ansa Woar“, „’S klane Glücksspiel“ und zuletzt 2022 „Wie die Nocht noch jung wor“, sowie zahlreiche Auftritte in Österreich und Deutschland. In der Theaterproduktion mit Stephanie Sargnagel spielte er im Rabenhof und sogar im „Tatort“ hatte er einen Gastauftritt. In „RICKERL – Musik is höchstens a Hobby“ spielt er aber seine erste Hauptrolle in einem Film. Wobei der Streifen von Adrian Goiginger (Regisseur u.a. von „Die beste aller Welten“ und „Der Fuchs“) doch ein bisschen autobiografisch geworden ist. Der Plot wurde bei vielen Gesprächen entwickelt, das Drehbuch schrieb aber Goiginger selbst.

„Ich wollte auf keinen Fall vermitteln, dass harte Arbeit immer zum Erfolg führt.“

Voodoo Jürgens

„RICKERL“ erzählt die Geschichte eines Wiener Musikers, der seinen Job auf einem Friedhof verliert – Voodoo Jürgens hat auch einmal in diesem Gewerbe gearbeitet – und jetzt als Musiker über die Runden kommen muss. Er besitzt zwar schon viele auf Schmierzettel geschriebene Songs, aber Selbstvermarktung gehört zweifelsohne nicht zu seinen Talenten. Als Musikmanager mit Herz hat der Schriftsteller Georg Biron einen Gastauftritt.

Zum eigentlichen Movens des Films wird allerdings Rickerls Beziehung zu seinem Sohn, der nach der Trennung bei seiner Mutter und dessen neuen Partner lebt. Der etwas chaotische Rickerl verliert seinen ihn innigst liebenden – von Ben Winkler sehr authentisch dargestellten – Sohn zwischendurch. Ausgespart wird auch nicht das zwiespältige Verhältnis des Protagonisten zu seinem sich immer auf der Suche nach Geld befindenden Spieler-Vater. 

Und während üblicherweise bei einem Musikfilm der Durchbruch des Stars das Grande Finale bildet, verweigert RICKERL das A-Star-Is-Born-Happy-End. 

Helmut Schneider: Waren Sie Autodidakt beim Schreiben und in der Musik?

Voodoo Jürgens: Ja, mein Großvater war ein Sportler und ich bin dann auch in eine Sportschule gegangen. Kunst und Kultur waren lang gar kein Thema in unserer Familie. Ich bin damals ziemlich viel Skateboard gefahren. Das Gitarrespielen habe ich mir beigebracht, damit ich Lieder singen kann. 

Im Film ist Autobiografisches dabei. Sie waren auch Friedhofsgärtner …

Ich habe dem Adrian – meistens hier im Weidinger – viele Geschichten erzählt. Aber wir wollten beide nicht meine Biografie machen, wenngleich einige Anekdoten dann doch in den Film gekommen sind. 

Der Sohn ist sehr präsent. Haben Sie selbst Kinder?

Ich habe eine Tochter, aber die Idee, ein Kind in die Handlung einzubauen, ist von Adrian gekommen. 

Im klassischen Künstlerfilm hat ja der Künstler zwar am Anfang keinen Erfolg, aber dann wird er entdeckt. Das wird bei RICKERL verweigert, warum? 

Genau das war mir wichtig. Ich wollte eine Geschichte erzählen, wo das zumindest offen bleibt. Eben keine 0815-Erfolgsstory. Ich kenne ja viele, die es probieren und hart daran arbeiten und bei denen es niemals aufgeht. Ich wollte auf keinen Fall vermitteln, dass harte Arbeit immer zum Erfolg führt.



Rickerl – Musik is höchstens a Hobby. Der Spielfilm von Adrian Goiginger kommt am 19. Jänner in die österreichischen Kinos.

Rickerl – Musik is höchstens a Hobby. Der Spielfilm von Adrian Goiginger kommt am 19. Jänner in die österreichischen Kinos.

Was war Ihnen noch wichtig? 

Es ist ja ein sehr schmaler Grat, wo etwas kitschig, das Wienerische platt wird und in Klischees abdriftet. Auch die Schauplätze im Film sind keine Ansichtskartensujets von Wien. 

Wo in Wien fühlen Sie sich persönlich am wohlsten? Ihr Klischee wären ja die Beisln …

Ich bin jetzt eher weniger in Beisln als früher. Es gibt ja auch immer weniger Beisln. Aber dieses Gefühl, dass an einem Ort die Zeit stehen geblieben ist, mag ich schon sehr. 

Sie sind sehr viel auf Tournee, auch in Deutschland – werden Sie da überhaupt verstanden?

Ich bin sogar mehr in Deutschland unterwegs als in Österreich, weil es dort mehr Auftrittsmöglichkeiten gibt. Im bayerischen Raum werde ich gut verstanden. Im Norden wird die Textebene natürlich weniger wichtig, aber die Band gleicht das dann gut aus. Da geht es dann mehr um das Feeling, das ich vermitteln kann. 

Der klassische Spruch, den ich dann oft in Deutschland höre, lautet dann: „Kein Wort verstanden, aber richtig geil!“ 

Ich habe aber schon das Gefühl, dass bei meinen Konzerten mehr rüberkommt, als es den Leuten wirklich bewusst ist. Meine Texte lassen sich über die Musik schon gut vermitteln. Mir geht das ja genauso manchmal bei amerikanischen Songs, wo ich auch nicht immer so auf den Text achte. 

Voodoo Jürgens ist natürlich eine Kunstfigur, Sie stehen ja für ein gewisses Lebensgefühl?

Ja, deswegen habe ich ja auch ein Pseudonym gewählt. Das hat sich natürlich erst entwickelt. Der Voodoo ist quasi eine Version von mir, bei der ich mehr draufdrücke.


Voodoo Jürgens mit Ben Winkler als Sohn und Agnes Hausmann als Ex. – ©FILMLADEN Filmverleih


Sie sind in Tulln aufgewachsen, aber schon lange in Wien. Fühlen Sie sich inzwischen als Wiener?

Ja, klar. Ich habe mit 15 in Wien eine Lehre angefangen, lebe also schon lange hier. Für mich war aber schon lange vorher klar, dass ich Tulln verlassen würde.

Der Schriftsteller Georg Biron spielt auch im Film mit, wie ist das entstanden?

Lustigerweise hat Adrian das Drehbuch in seinem Salzburger Heimatdialekt geschrieben und so brauchten wir jemanden, der das ins Wienerische übersetzt. Für mich war das neben der Musik nicht machbar und so ist der Georg eingesprungen und hat dann auch gleich eine kleine Rolle übernommen. 

 Der Film scheint aus der Zeit gefallen, es tauchen zwar Handys auf, aber auch Schreibmaschinen und Kassettenrekorder. War das gewollt?

Na ja, es gibt durchaus auch heute Menschen – zu denen auch ich gehöre –, die auf das Analoge, das Haptische abfahren. Und der Rickerl ist eben so einer. 

Der Hauptkonflikt ist aber die Geschichte mit dem Sohn …

Der Rickerl muss eben schauen, wo er seinen Platz findet – er hat ja eine Trennung hinter sich, ist arbeitslos. Und in seiner Rolle als Vater ist er sich genauso unsicher wie beim Musizieren.

In einer Szene gibt es eine Schlägerei auf einer Hochzeit, wo der Rickerl spielt. Haben Sie so etwas schon erlebt?

Ja, tatsächlich – aber in meiner Kindheit, wo ich mit den Eltern bei einer Hochzeit war und irgendwer die Braut angebraten hat. Da gab es dann eine Schlägerei. 


Informationen & Details zum Film: filminstitut.at

Ikonen der Pop Art: Roy Liechtenstein in der Albertina

Drowning Girl, 1963. By Roy Liechtenstein. – ©The Museum of Modern Art, New York/Scala, Florence

Anlässlich seines 100. Geburtstages ist ab 8. März das Werk eines der einflussreichsten Künstler zu sehen. Roy Lichtenstein (verstorben 1997) schuf Ikonen der Pop Art im Stil von Comics oder Fotos. In der Albertina werden aber auch seine weniger bekannten Skulpturen ausgestellt.

Ausstellung

Roy Lichtenstein, der Meister der Pop Art, wird 100 Jahre alt. Die Albertina feiert den Künstler mit einer umfassenden Retrospektive, die über 90 Gemälde, Skulpturen und Grafiken versammelt. Dank der großzügigen Leihgaben von 30 Leihgebern – internationalen Museen und Privatsammlern – werden die bedeutendsten Werke seines umfangreichen Schaffens aus aller Welt nach Wien reisen, darunter das New Yorker Museum of Modern Art, das Whitney Museum, die National Gallery, Washington, die Yale University Art Gallery, New Haven, das Museum Ludwig, Köln, das Louisiana Museum, Humblebaek, das Moderna Museet, Stockholm, und das Museo Thyssen-Bornemisza, Madrid.

Stil

Roy Lichtenstein ist für seine klischeehaften Blondinen, Kriegshelden und Comic-Figuren mit Sprechblasen bekannt. Mit knalligen, leuchtenden Farben, klaren Linien und den charakteristischen Ben-Day-Punkten, die die billige Drucktechnik der Comics imitierten, prägte er in den 1960er Jahren mit seiner Cartoon-Ästhetik die amerikanische Kunstszene. Die Ausstellung startet mit den Frühwerken der 1960er Jahre, darunter zwei Ikonen dieser Ära: Look Mickey und Popeye, die erstmals seit Jahrzehnten wieder gemeinsam zu sehen sein werden. Des Weiteren präsentiert die Ausstellung Lichtensteins ikonische Gemälde von Objekten der Produktwerbung in Schwarz-Weiß, sowie Landschaften in Emaille-Technik und Kunst-nach-KunstBilder nach Picasso, Dalì, Kirchner oder Pollock.

Informationen & Details auf albertina.at

Helmut Qualtinger im Gartenbaukino

Bild: ©Georg Biron (CC BY-SA 4.0)

Autor und Regisseur Max Gruber gestaltet am 12. Dezember im Gartenbaukino im Rahmen der Reihe Wiener Vorlesungen eine Lesung und Diskussion zum Wiener Ausnahmekünstler Helmut Qualtinger mit der Germanistin und Literaturkritikerin Brigitte Schwens-Harrant und dem Burgschauspieler Robert Reinagl.

Helmut Qualtinger war ein Multitalent. Als Schriftsteller und Dramatiker schuf er (gemeinsam mit Carl Merz) er etwa den legendären Bühnenklassiker „Der Herr Karl“, den er als Schauspieler auch gleich im Fernsehspiel kongenial verkörperte. Er war Sänger, Aphoristiker und Kabarettist wiewohl er sich bescheiden als bloßen „Menschenimitator“ bezeichnete.

Diese Wiener Vorlesung wird Helmut Qualtinger vor allem als literarische Stimme würdigen, deren Bedeutung durch seine überragende darstellerische Präsenz gerne übersehen wird.
Doch Qualtinger steht in einer literarischen Tradition, die sich von Johann Nestroy über Karl Kraus, Anton Kuh und Alfred Polgar bis zu H. C. Artmann und Ernst Jandl erstreckt.

Der Eintritt ist kostenlos, es ist allerdings eine Anmeldung erforderlich:
vorlesungen.wien.gv.at

Alternativ lässt sich der Abend auch via Livestream: Youtube Wienbibliothek im Rathaus verfolgen.

GROSSER ANDRANG BEI DER 22. AUSGABE VON „EINE STADT. EIN BUCH“ MIT BERNHARD SCHLIN

Bürgermeister Michael Ludwig mit Autor Bernhard Schlink. – ©Stefan Burghart

100.000 Exemplare des 1995 erschienenen Romans „Der Vorleser“ werden in Wien in Buchhandlungen, Volkshochschulen, Büchereien und bei fast 500 Partnern verteilt.

Das Interesse war riesengroß, ist doch „Der Vorleser“ das erfolgreichste deutschsprachige Buch seit Erich Maria Remarques „Im Westen nichts Neues“ vor bald schon 100 Jahren. Kate Winslet gewann in der Verfilmung 2008 einen Oscar in der Rolle der Analphabetin Hanna Schmitz.

Eröffnung

Bei der Eröffnung in der Hauptbücherei verteilte Bürgermeister Michael Ludwig gemeinsam mit Bernhard Schlink die ersten Exemplare. Ludwig: „Leider gibt es noch immer viele Menschen, die nicht sinnerfassend lesen können. Trotz Schulpflicht und trotz den Anstrengungen von Bildungsinstitutionen. Deshalb halte ich den heurigen Roman für besonders wichtig“.

Der Autor

Bernhard Schlink, 1944 im heutigen Bielefeld geboren, war auch nach seinem globalen Bestseller Professor für Recht und unterrichtete zuletzt an der Humboldt Universität in Berlin. Bei der Gala zu seinen Ehren im Festsaal des Wiener Rathauses las er auch selbst aus dem Vorleser. Moderatorin Chris Pichler antwortete er auf die Frage nach der Idee zu seinen Büchern: „Ich suche nie nach einem Thema. Die Geschichten kommen zu mir und ich schreibe sie dann auf.“

100.000 Exemplare von „Der Vorleser“ wurden in Wien in Buchhandlungen, Volkshochschulen, Büchereien und bei fast 500 Partnern verteilt.
Vorsitzender der Geschäftsführung Wien Energie DI Mag. Michael Strebl, Autor Bernhard Schlink, Kulturstadträtin Veronica Kaup-Hasler und Bildungsminister Martin Polaschek bei der Gala. – ©Stefan Burghart

Gala

Mehr als 700 Menschen nahmen an der Gala teil. Unter den Gästen: Kulturstadträtin Veronica Kaup-Hasler, Unterrichtsminister Martin Polaschek und der Vertreter des Hauptsponsors Wien Energie Michael Strebl, Chris Lohner, Michael Schottenberg und zahlreiche Autorinnen und Autoren wie Arno Geiger. Überraschungsgast war die 96jährige weltbekannte Wien-Heimkehrerin und Analytikerin Erika Freeman. Sie erzählte über ihre Begegnungen mit Frederic Morton – dem ersten Autor der Buchaktion „EineSTADT.EinBUCH“.

Autorengespräch

Das Wiener Stadtkino ermöglichte am Tag darauf 200 Wiener Schülerinnen und Schülern gemeinsam mit Bernhard Schlink den Film „Der Vorleser“ anzusehen und im Anschluss Fragen an den Autor zu stellen.

Und bei der Diskussion mit Bernhard Schlink im Dachsaal der Urania mit Blick über Wien sprach Wien live Chefredakteur Helmut Schneider vor einem interessierten Publikum mit Bernhard Schlink auch über den Zustand unserer Demokratien, Rechtsextremismus, KI und das Lesen. In den Wiener Volkshochschulen werden kostenfreie Kurse für Menschen mit Leseschwächen angeboten. Das Vorlesen ist – wie Bernhard Schlinks Roman eindrucksvoll zeigt – ein wichtiger erster Schritt zum Erlernen des Lesens.

Partner

Ein Projekt wie „Eine STADT. Ein BUCH.“ wäre ohne finanzielle Unterstützung nicht möglich. Mehr als 15 zahlende Sponsoren finanzieren diese Buchaktion – allen voran und von Beginn an, also seit 22 Jahren, Wien Energie und die Wiener Städtische Versicherung. Der Dank gilt aber selbstverständlich allen Förderern!


INFO
einestadteinbuch.at