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Yasmo in Full Power

Rapperin, Slampoetin und Synchronstimme von Lisa Simpson. Yasmin Hafedh gilt zu Recht als eine der erfolgreichsten Texterinnen Österreichs. Nun ist ihr neues Album „Laut und Lost“ erschienen.
Text: Ursula Scheidl / Foto: Karo Pernegger

Yasmin Hafedh nennt sich Yasmo, wenn sie als Rapperin auf der Bühne steht. 2011 veröffentlichte sie ihr Debütalbum „Keep it realistisch“. Als erste Österreicherin schaffte sie den ersten Platz in der Kategorie U-20 in der deutschsprachigen Poetry-Slam-Meisterschaft sowie den ersten Platz beim Ö-Slam 2013. 2018 wurde sie als erste Künstlerin in der Kategorie Best HipHop/Urban für einen Amadeus Austrian Music Award nominiert. Zusammen mit ihrer neunköpfigen Jazzband Klangkantine bildet Yasmo seit 2015 eine perfekte Symbiose aus Hip-Hop und Jazz.

Du stehst seit deinem 15. Lebensjahr auf der Bühne und dichtest. Was treibt dich an? Wäre auch eine andere Berufswahl für dich möglich gewesen?

Yasmin Hafedh: Die Frage hab ich mir schon oft gestellt. Ich glaube, ich wäre sonst Floristin geworden. Aber die Bühne, Sprache, Publikum, Austausch – das ist schon mein absoluter Antrieb. Dazu muss ich aber schon sagen, dass ich mit 15, 16 noch lange nicht daran gedacht hätte, das, was ich liebe, zum Beruf machen zu können. Schreiben hat mir immer Spaß gemacht – ich hab eine sehr extrovertierte Seite, kann gut mit Menschen und mag Menschen grundsätzlich auch. Aber dann gibt es noch eine sehr introvertierte Seite von mir, die kann ich ausleben, wenn ich allein mit einem Notizbuch irgendwo sitze und versuche, mir die Welt zu erklären.

Deine Songs haben fast immer einen politischen Unterton. Welche Dinge nerven dich im Moment?

Haben wir ein paar Stunden? Nein, im Ernst, womit ich mir sehr schwer tue, ist so eine gewisse Selbstgefälligkeit. Damit kann ich gar nicht. Und es gibt solche Menschen, die denken, dass ihnen alles zusteht, aber das ist nun mal nicht so. Ich bin große Verfechterin von Solidarität und halte wenig von diesem ganzen „Ich, ich, ich“. Und unsere Gesellschaft und Kultur driftet immer mehr ab in Egoismus und ich kann mir eh vorstellen, dass sich das für kurze Zeit gut anfühlt, aber es ist eben nichts, das auf Dauer hält. Ich glaube, wir kommen mit grundlegendem Respekt vor und für Menschen auf Dauer weiter.

Wo hast du die besten Einfälle?

Die einen kommen vorm Schlafengehen, das ist meist problematisch, weil ich es in 15 Jahren schreiben immer noch nicht ganz drauf habe, mir die Sachen aufzuschreiben. Ich denke mir dann „Ja, das merke ich mir schon bis morgen.“ Jo eh … da ist schon viel verloren gegangen. Und ansonsten tatsächlich im Alltag, das kann überall sein.

Wie wichtig sind dir Auszeichnungen?

Auszeichnungen sind natürlich etwas Schönes und vor allem gut fürs Ego, aber es gibt keine Auszeichnung, die so viel Wert sein kann, wie der Moment, in dem man auf einer Bühne steht, das Publikum dich anlächelt, annickt und man so einen kurzen Augenblick hat, wo man das Gefühl haben kann: ok, wir sind alle verbunden, wir verstehen uns. Ich war immer schon Fan von nachhaltiger und langfristig denkender Arbeit, die meisten Auszeichnungen sind dann doch eher Momentaufnahmen – die auch nett sind.

Wer sind deine beruflichen Vorbilder und warum?

Beyoncé! Ich habe so viel Respekt vor dieser Frau, ihrer Kunst, ihrem Team und der Karriere, die sie die letzten Jahre hingelegt hat. Mieze Medusa ist auch ein großes Vorbild für mich, sie hat nie nur für sich Bühnen gebaut, sondern auch für andere und hat immer solidarisch gedacht. Außerdem ist sie sprachlich eine der spannendsten Autorinnen Österreichs und eine tolle Freundin mittlerweile. Und, wenn auch völlig aus der Zeit gefallen und gar nicht meinem Stil entsprechend, Peter Alexander. Der hat ganz viel Verschiedenes gemacht und ich finde, dass es eher ein Vorteil ist, breit aufgestellt zu sein.

Glaubst du, dass die Pandemie das Verständnis für Kunstschaffende verändert hat?

Ich glaub, das kann ich selbst als Kunstschaffende gar nicht beantworten. Aber wahrscheinlich schon, weil das Leben und der Beruf von Kunstschaffenden ganz bestimmt schon lange nicht mehr so viel öffentlich diskutiert wurde. Auch das Rufen und die Sehnsucht nach Kulturveranstaltungen war sehr spürbar. Im besten Fall sind im Herbst alle Veranstaltungen voll, weil wenn wir etwas gelernt haben, dann doch, dass kollektives Erfahren von Kultur schon die schönste Form der Seelennahrung ist.

Du hast den Poetry Slam Text der neuen Milka-Kampagne #zartstattzwider kreiert. Warum?

Ich glaube, ich habe mittlerweile in der Öffentlichkeit etabliert, dass ich für 1000 Prozent Liebe stehe, dass ich ein Miteinander extrem wichtig finde, und da hat diese Kampagne, netter zueinander zu sein, perfekt gepasst. 

Wie bist du zur Synchronsprecherrolle der Lisa Simpson gekommen?

Ich bekam eines Tages einen Anruf und hielt es zuerst für einen Scherz. Weil das so ungefähr die größte Ehre ist, die ich mir vorstellen kann. Und dann meinten sie es aber ernst und ich kann es immer noch nicht fassen, dass ich Österreichs Lisa Simpson bin. Da sind nämlich auch ein paar Parallelen – ich wollte immer Saxophon lernen, vielleicht werde ich noch irgendwann Präsidentin und ich mag Perlenketten. Als ich von der restlichen Cast gehört hab, bin ich – glaube ich – durch meine Wohnung gesprungen, vor Freude. Fun fact: Paul Pizzera und ich kennen uns noch aus Slam-Zeiten und waren damals schon großer Bruder und kleine Schwester – das hat also auch sehr gut gepasst.

Hat sich die Poetry-Slam-Szene in Österreich seit deinen Anfängen verändert und wie?

Absolut! Also ich war bei den richtigen Anfängen noch gar nicht dabei. Da hatten Mieze Medusa und Markus Köhle schon sehr viel Szenearbeit gemacht. Die Szene hat sich professionalisiert, füllt große Hallen und – was ich ganz besonders in Österreich finde – hat trotz ihrer Professionalität noch Platz für alles. Die österreichische Szene ist um einiges vielfältiger und breiter geworden und wächst stetig. Der vorläufige Höhepunkt wird am 5. November im Wiener Burgthea-
ter beim Finale der deutschsprachigen Meisterschaften sein.

Was erwartet uns auf eurem neuen Album?

Ein bisschen Pierre Bourdieu ist drinnen, ein paar Ratschläge meiner Therapeutin und der Versuch, nicht verloren zu gehen. Wir haben unser Team erweitert und uns musikalisch so sehr ausgetobt wie noch nie mithilfe der Produzenten Mirac und Luca Pivetz und meine lieben Freundinnen Mira Lu Kovacs und W1ZE sind auch dabei. Es ist sehr intim und gleichzeitig allumfassend, zumindest für uns.


INFO
Yasmo Live.
Konzertabende am 1. & 2. 12. im Porgy & Bess. 
2.– 6. 11. SLAM 22 – Europas größtes Live-Literatur-Festival, zum ersten Mal in der Geschichte finden die deutschsprachigen Poetry Slam Meisterschaften in Wien statt – vom Spektakel bis zum Volkstheater, vom MuTh bis zum Konzerthaus, vom Aera bis zum Burgtheater.
slam22.at

„LAUT UND LOST“ von Yasmo & Die Klangkantine

„Der Würgeengel“ von Luis Buñuel im Volkstheater

„Der Würgeengel“ ist ein Film aus dem Jahr 1962 von Luis Buñuel und galt schon damals als schwer zugänglich. Es muss also einen Grund geben, warum das Volkstheater gerade jetzt in einer Zeit, in der die Theater über mangelnde Auslastung klagen, diesen Stoff für sein Publikum anbietet. Ist es die auf die zwei Jahre Pandemie erinnernde Handlung? Da können nämlich ein paar Reiche nach einer Party ihr Haus nicht mehr verlassen ohne dass klar wird, warum. Schließlich türmen doch die Bediensteten der Reihe nach ohne Probleme. Eine soziale Anklage? Wer schließt hier wen aus?

Nun, nach dem Abend im Volkstheater ist man nicht wirklich klüger. Ein gut abgestimmtes Ensemble  spielt brav auf Effekte, allein die Figuren geben nicht viel her – ihr Agieren bleibt bedeutungslos. Am besten ist noch das surreale Bühnenbild, das der deutsche Bildhauer Tobias Rehberg für diese freie Film-Adaption kreiert hat. Regisseur Sebastian Baumgarten kann leider in keiner Phase des Abends vermitteln, wofür diese Party der Reichen, die sich plötzlich eingeschlossen wähnen, steht. Zusätzlich verwirrt sein Einfall, ein Theaterstück  Buñuels, nämlich die Shakespeare-Persiflage „Hamlet“, vor dem Vorhang quasi als Draufgabe zu spielen. Zu viel Meta, zu wenig Dramatik. Würde mich sehr wundern, wenn dieser Abend ein Hit würde.


INFO
volkstheater.at

Kneipengespräche – Daniel Kehlmanns „Nebenan“ am Burgtheater

Daniel Kehlmann hat sein Drehbuch zum Film von Daniel Brühl fürs Burgtheater adaptiert. Es geht um einen erfolgreichen Schauspieler (Florian Teichtmeister), der gerade zu einem Casting in die USA aufbrechen will, und seinen armen Nachbarn (Norman Hacker), der über Kreditkartenrechnungen Peinliches über ihn herausfindet. Doch das präsentiert der ehemalige Ossi in der herabgekommenen Berliner Kneipe nur in kleinen Dosen, sodass der gestresste und nervös auf seinem Handy telefonierende Promi erst nach und nach das Ausmaß dieses Stalkings erkennt. Das ist mäßig spannend und höchstens so komplex wie weniger gute Netflix-Serien. Klar betrügt ihn die Partnerin und klar benützt er halblegale Sexplattformen. Warum ihn der Nachbar aber so hasst, wird nicht schlüssig erklärt. Weil er ihn ignoriert? – na da könnte man viele Menschen ans Messer liefern wollen. Weil er in einem Haus wohnt, das gentrifiziert wurde? Weil er ihn beneidet? Gar ein Klassenkampf? 

Martin Kušej inszenierte mit allerhand netten Details – die dünne und wenig komplexe Berliner Kneipen-Suppe wird aber dadurch auch nicht gehaltvoller. Die riesige Burg-Bühne (Jessica Rockstroh) wirkt deplatziert. Für die meiste Spannung sorgen da noch zwei Nebenfiguren mit ganz wenig Text: Katharina Pichler als resolute Wirtin und Stefan Wieland als Trinker am Tresen, der von Zeit zu Zeit einen unverständlichen Wutsager loslässt, den die Chefin sofort unterbindet. Und das Publikum ist schon erheitert, wenn im Radio von kilometerlangen Staus an der österreichischen Grenze berichtet wird.


INFOS: burgtheater.at

„Er flog voraus“ – ein Film über den Wiener Architekten Karl Schwanzer

Er hatte das größte Architekturbüro Österreichs mit 100 Angestellten und gewann den prestigeträchtigsten internationalen Auftrag seiner Zeit. Die von Karl Schwanzer geplante Firmenzentrale von BMW in München – von den Einheimischen wegen der vier Türme in Anklang an das Betätigungsfeld der Hausherren auch „Vierzylinder“ genannt – war 1972 technisch revolutionär und spielt ästhetisch auch heute noch – 50 Jahre später – in der allerersten Liga. Das Gebäude funktioniert wie eine Hängebrücke – jedes Geschoß wurde von oben nach unten aufgefädelt. Dadurch erreicht der 22-geschoßige Turm eine elegante, schwebende Anmutung.

Der Wiener Autor und Filmemacher Max Gruber beschäftigt sich schon seit Jahren mit dem Architekten, den man in Wien vor allem als Erbauer des Philips-Hauses auf der Triester Straße und des Österreich-Pavillons auf der Weltausstellung von Brüssel 1958, der später zum 20er-Haus wurde und heute als Belvedere 21 geführt wird. Gruber verfasste den Text zur Graphic Novel „Schwanzer –Architekt aus Leidenschaft“ (Zeichnungen: Benjamin Swiczinsky) und drehte jetzt die Biopic „Er flog voraus – Karl Schwanzer – Architektenpoem“.

Für die Titelrolle konnte er Burgstar Nicholas Ofczarek gewinnen, der kluge Worte Schwanzers über Architektur und Stadtplanung wiedergibt. Gruber: „Schwanzer war eine ganz außergewöhnliche Mehrfachbegabung, ein Universalgenie und auch ein hochmusikalischer Dichter.“ Zu Wort kommen auch Kollegen wie Roland Rainer und viele Schüler Schwanzers wie Laurids Ortner oder Wolf D. Prix. Die Österreichische Botschaft in Brasilia war Schwanzers letztes Bauwerk, der Architekt schied 1975 mit nur 57 Jahren freiwillig aus dem Leben. Sein umfangreicher Nachlass wurde vor wenigen Jahren dem Wien Museum übergeben.

Max Grubers bewegender Film „Er flog voraus – Karl Schwanzer, Architektenpoem“ ist ab 14. Oktober in heimischen Kinos zu sehen, etwa im CineCenter Wien.


Informationen & Details:
www.filmdelights.com/verleih/erflogvoraus

Die 18. Kriminacht in den Wiener Kaffeehäusern – Wachsende Zahl an Zuhörer*innen

Bild: Georg Haderer, Heidi Emfried, Uli Brée, Gudrun Lerchbaum und Josef Kleindienst waren für den Leo-Perutz-Preis nominiert. – ©Stefan Burghart

KRIMI UND WIEN – wieder einmal ein Erfolgsgespann, wie die 18. Kriminacht in den Wiener Kaffeehäusern bewies. Eine wachsende Zahl begeisterter Zuhörer*innen folgte den Lesungen bekannter österreichischer und internationaler Granden des literarischen Mordens, wie Eva Rossmann und Andrej Kurkow, bei der 18. Kriminacht in Wien.

Spannend begann die Kriminacht in Wiener Kaffeehäusern bereits am Nachmittag bei der Leo-Perutz-Preisverleihung im Hotel Imperial. Wohlverdient – wegen seines Kriminalromans „Du wirst mich töten“ wurde der Preis von Benedikt Föger, Präsident des Hauptverbandes des österreichischen Buchhandels an den Wiener Autor Uli Brée überreicht.

„Ein Pageturner mit Tiefgang, der mit all seinen überraschenden Wendungen noch lange nachwirkt.“ waren die lobenden Worte von Sabina Naber, die die Begründung der Jury verlas.

Neben vielen honorigen Autor*innen hieß der Generaldirektor des Hotel Imperial, Herr Mario Habicher, die Wiener Kulturstadträtin Veronica Kaup-Hasler willkommen, ebenso wie Wolfgang Binder, Obmann der WKW Fachgruppe Kaffeehäuser. Als Hauptsponsor ermöglichte dieser bereits zum 18. Mal die Kriminacht im Wiener Kaffeehaus. Binder begrüßt diese Veranstaltung, die heuer mehr Zuhörer*innen anlockte als all die Jahre zuvor und als Booster nach der schweren Corona-Zeit mehr als willkommen war:
„Die Wirtschaftskammer Wien Fachgruppe Kaffeehäuser weiß sehr gut um die Probleme in der Gastronomie Bescheid – Stichworte Mitarbeiter*innen, Corona-Nachwirkungen, Inflation und extrem gestiegene Energiekosten. Daher bekommen die Kaffeehäuser in diesen schwierigen Zeiten von uns sogar eine eigene und direkte finanzielle Kriminacht-Unterstützung.“

KRIMI UND WIEN – wieder einmal ein Erfolgsgespann, wie die 18. Kriminacht in den Wiener Kaffeehäusern bewies.
„Die Wirtschaftskammer Wien Fachgruppe Kaffeehäuser weiß sehr gut um die Probleme in der Gastronomie Bescheid … Daher bekommen die Kaffeehäuser in diesen schwierigen Zeiten von uns sogar eine eigene und direkte finanzielle Kriminacht-Unterstützung“, so Wolfgang Binder, Obmann der WKW Fachgruppe Kaffeehäuser. – ©Stefan Burghart

Heuer war erstmals das Taxiunternehmen 40100 Partner der Kriminacht. „Sollte man sich allein auf der Straße fürchten, sorgen wir dafür, dass jeder sicher nach Hause kommt. Taxi 40100 ist ganz einfach per Telefon oder App zu bestellen!“, so die Generalsekretärin Eveline Hruza, die selbst passionierte Krimileserin ist.

KRIMI UND WIEN – wieder einmal ein Erfolgsgespann, wie die 18. Kriminacht in den Wiener Kaffeehäusern bewies.
„Sollte man sich allein auf der Straße fürchten, sorgen wir dafür, dass jeder sicher nach Hause kommt. Taxi 40100 ist ganz einfach per Telefon oder App zu bestellen!“, versicherte Eveline Hruza, Generalsekretärin von Taxi 40100. – ©Stefan Burghart

Im 18. Jahr ihres Bestehens setzte die mittlerweile schon traditionelle Kriminacht auf geballte spannungsgeladene Atmosphäre in klassischen Kaffeehäusern ebenso wie in den vielen kleinen, gemütlichen Cafés. Selbst in außergewöhnlichen Locations gab es wieder kriminelle Lesungen, wie beim 48er Tandler, in der Aufbahrungshalle 2 am Wiener Zentralfriedhof oder auf der „MS Kaiserin Elisabeth“ in der DDSG Donaumarina.

KRIMI UND WIEN – wieder einmal ein Erfolgsgespann, wie die 18. Kriminacht in den Wiener Kaffeehäusern bewies.
Bekennende Krimi-Leserin Veronica Kaup-Hasler bei der Kriminacht-Eröffnung. – ©Stefan Burghart

Eine besondere Performance lieferten Ernst Geiger, vormals Leiter der Abteilung 3 des Bundeskriminalamts und die junge Schauspielerin Katharina Schmirl. Sie las Passagen aus seinem neuen Roman „Goldraub“ vor, die der Autor fachmännisch und detailgenau kommentierte. Der Inhalt dieses Krimis spielt um den spektakulären Diebstahl der Saliera aus dem Kunsthistorischen Museum im Jahre 2003.

Im Café Schwarzenberg durften zahlreiche Besucher*innen dem Interview von Helmut Schneider (Initiator der Kriminacht aus dem echo medienhaus) und dem Philosophen Konrad Paul Liessmann folgen. Thema: Warum das Böse in unserer Zeit wieder Konjunktur hat.

Radio Wien organisierte die Lesungen in der Donaumarina auf dem Schiff DDSG MS Kaiserin Elisabeth: Eva Rossmann las aus ihrem neuesten Mira-Valensky-Krimi „Tod einer Hundertjährigen“ vor und machte damit Gusto auf mehr Mord, mehr Sardinien und mehr Leben.

Spannend, kurzweilig, gesellig – so präsentierte sich die Kriminacht in den Wiener Kaffeehäusern. Die langjährige Fangemeinde war begeistert und freut sich auf die Kriminacht in den Wiener Kaffeehäusern nächstes Jahr am Dienstag, den 10.10.2023.


Theater als Comic – „Mehr als alles auf der Welt“ im Akademietheater

Vier Schauspielerinnen (Isabella Knöll, Stefanie Dvorak, Alexandra Henkel und Andrea Wenzel) und ein Schauspieler (Markus Meyer) bewegen sich in einem höchst originell gezeichneten und animierten Comic (Bühne: Paul Barritt) – eine Comicfigur, ein kleiner Junge (Stimme: Gregor Benner), spielt sogar mit. Das funktioniert am Akademietheater erstaunlich gut, die Geschichte für junge Menschen ab 8 könnte ein Theaterhit werden.

Die 2005 gegründete britische Theatergruppe „1927“ hat mit „Mehr als alles auf der Welt“ ein ungemein bewegendes Stück über die Schwierigkeiten für Heranwachsende mit einem abwesenden Elternteil geschaffen – verschärft dadurch, dass der Vater im Gefängnis sitzt und die beiden Kinder es noch nicht wissen. Geld ist auch knapp, ein höchst prekärer Unterschichtshaushalt könnte man sagen. Dafür gibt es jede Menge Fantasie und Träume. Der abwesende Vater schickt seiner Tochter nämlich laufend Berichte über seine gerade erlebten Abenteuer – als Erklärung, warum er nicht bei ihnen sein kann. Er wird bestohlen und auf der Suche nach dem Dieb gerät er von einem Schlamassel ins andere. Die Lebenswirklichkeit der Familie daheim ist dabei auch nicht gerade frei von Herausforderungen. Da gibt es die böse Nachbarin und eine mafiöse Schulgang. Und die Sozialarbeiterin, die sie mit Keksen anfüttert, entpuppt sich als Abgesandte einer Internatsschule, die mittellose Kinder anwirbt.

Das alles wird sehr liebevoll und mitreißend gespielt. Quasi die Hauptperson sind die wunderbaren, animierten Zeichnungen, die unschwer als die englischen Originale zu erkennen sind. Regisseurin und Autorin Susanne Andrade lässt die nachdenklich machende Geschichte perfekt ablaufen. Eine Produktion, die tatsächlich – wie es im Programmheft heißt, für alle „von 8 bis 108“ zu empfehlen ist.


Infos: burgtheater.at

Kriminacht – im Café und bei den Toten

Die 18. Ausgabe der Kriminacht bringt am 12. Oktober Lesungen in Wiener Cafés, auf dem Zentralfriedhof, auf dem Schiff und bei einem Bestattungsinstitut. Neu: Es gibt auch Philosophie.

Radio Wien, langjähriger Partner der Kriminacht, lädt zu Lesungen von Eva Rossmann und Manfred Rebhandl aufs DDSG-Schiff am Schwedenplatz, auf dem Zentralfriedhof kann man Autor und Performer Max Gruber erleben und bei der Bestattung Unvergessen beim Praterstern feiert Heidi Emfried „Wiener Wieder-auferstehung“. In ihrem Krimi will ein Programmierer den Tod überlisten. Und schon am Vorabend der Kriminacht (11. 10. 2022) stellt Andrej Kurkow, Bestsellerautor aus der Ukraine, in der Hauptbücherei am Gürtel seinen neuesten Krimi „Samson und Nadjeschda“ vor.

Auch die 18. Kriminacht ist wieder ein Treffpunkt heimischer Krimiprominenz – insgesamt 40 Autorinnen und Autoren sind zu Gast. Darunter alle fünf, die auf der Shortlist des Leo-Perutz-Preis stehen (Uli Brée – „Du wirst mich töten“; Heidi Emfried – „Wiener Wiederauf-erstehung“; Georg Haderer – „Seht ihr es nicht?“; Josef Kleindienst – „Mein Leben als Serienmörder“; Gudrun Lerchbaum – „Das giftige Glück“). Erstmals dabei ist der Philosoph Konrad Paul Liessmann, der mit dem Kriminacht-Programmchef Helmut Schneider über „Das Böse“ diskutieren wird. Liebhaber „echter“ Kriminalfälle kommen bei Ernst Geiger auf ihre Kosten, der ein Buch über den Diebstahl der Saliera geschrieben hat. Zu den Partnern der Kriminacht zählt auch Taxi 40100: „Mit uns wird die Taxifahrt sicher nicht zum Krimi – solltest du dich fürchten, sorgen wir dafür, dass du sicher nach Hause kommst. Bestell dein Taxi ganz einfach per Telefon oder App“, so CCO Stefan Müllner.


Ein Tschechow wie von Beckett – „Onkel Wanja“ im TAG-Theater in der Gumpendorfer Straße

Die russische Provinz als der Ort, an dem zumindest alle denkenden Wesen an Stumpfsinnigkeit und Langeweile leiden, ist in den Dramen von Anton Tschechow immer präsent. In seinem vielgespielten Stück „Onkel Wanja“ landet ein Kunstprofessor, weil er sich das Leben in der Stadt nach seiner Pensionierung nicht mehr leisten kann, auf dem Gut seiner ersten Frau. Für Spannung dort sorgt, dass seine zweite Frau ungewöhnlich schön und auch viel jünger ist.

Der litauische Theatermacher Arturas Valudskis inszeniert im Theater TAG mit dem engagierten kleinen Team mit Georg Schubert, Andreas Gaida, Ida Golda, Michaela Kaspar und Jens Claßen einen „Onkel Wanja“, der sehr gestrafft, aber auch punktgenau wirkt. Im TAG war man in den vergangenen Jahren ja oft mit starken Neubearbeitungen konfrontiert. Dieser „Onkel Wanja“ hält sich freilich ziemlich an Tschechow. Wobei das Komödiantische auch diesmal nicht zu kurz kommt. Es gibt witzige Pantomimen und die Mannsbilder messen sich von Zeit zu Zeit an einem schweren Steinblock. Was auffällt ist die Nähe Tschechows zum Existenzialismus und zum absurden Theater. Oft scheinen die Protagonisten einem Beckett-Stück entsprungen. Viel verdienter Applaus bei der Premiere.


Infos & Karten: dastag.at

Die „ORF Lange Nacht der Museen“ 2022 – Eine Auswahl

In der Nacht von Samstag, den 1. Oktober 2022 auf Sonntag, den 2. Oktober 2022 findet von 18.00 Uhr bis 1.00 Uhr Früh wieder die „ORF-Lange Nacht der Museen“ in ganz Österreich statt. Auch heuer öffnen bei dieser Gelegenheit unzählige Museen und Häuser ihre Tore Abends für Kunst- und Kulturbegeisterte. Eine Auswahl.

Haus der Musik

Geboten wird eine Kuratorenführung gemeinsam mit Heinz Palasser durch die aktuelle Kabinettausstellung „Vom Erhabenen zum Abscheulichen“, ein Walzer-Würfelspiel, bei dem die Teilnehmer*innen spielerisch und intuitiv ihren eigenen Walzer würfeln, der interaktive Terminal „Namadeus“, wobei die Gäste ihre eigenen Namen in eine historische Komposition von Wolfgang Amadeus Mozart verwandeln können und der virtuelle Dirigent, mit dem Musikbegeisterte die Möglichkeit haben, selber die Leitung des berühmtesten Orchesters der Welt zu übernehmen.

Haus der Musik, Seilerstätte 30, 1010 Wien

Jüdisches Museum Wien

Das Jüdische Museum Wien bietet im Palais Eskeles Ausstellungen zur österreichisch-jüdischen Geschichte, Religion und Tradition. Anlässlich der „ORF-Lange Nacht der Museen“ erwarten die Gäste dort zahlreiche Themenführungen sowie Kinder-Workshops. Zudem können auch das Museum Judenplatz und die Ausgrabungen der mittelalterlichen Synagoge besucht werden. Hier gibt es weiters die Ausstellung „Endlich Espresso! Das Café Arabia am Kohlmarkt“ zu bestaunen. Führungen zu allen Ausstellungen.

Jüdisches Museum Wien, Dorotheergasse 11, 1010 Wien
Museum Judenplatz, Judenplatz 8, 1010 Wien

KUNST HAUS WIEN

Das Museum Hundertwasser sowie Wechselausstellungen zu Fotografie und Ökologie machen das KUNST HAUS WIEN zu einem einmaligen Ort. Neben dem Werk Friedensreich Hundertwassers widmet das KUNST HAUS WIEN dem Fotokünstler Gregor Sailer seine erste große Ausstellung „Unseen Places“ in Österreich.

Walking Concert mit Alicia Edelweiss: 18.00 Uhr und 19.00 Uhr

Bei einem Konzert im Gehen kann die unvergleichbare Stimme der österreichisch-britischen Musikerin und Performerin Alicia Edelweiss im Ambiente des KUNST HAUS WIEN erlebt werden. Mit Kopfhörern und einem einzigartigen Klangerlebnis wird durch den Innenhof und das Museum gewandert.

KUNST HAUS WIEN, Untere Weißgerberstraße 13, 1030 Wien

Mozarthaus Vienna

Führungen durch das Mozarthaus Vienna: 19.00 Uhr, 20.00 Uhr, 21.00 Uhr und 22.00 Uhr

In der Domgasse 5 befindet sich die einzige bis heute erhaltene Wiener Wohnung Mozarts, in der der Komponist von 1784 bis 1787 geradezu herrschaftlich logierte. An keinem anderen Ort hat das Musikgenie mehr Stücke komponiert als hier. Die Besucher*innen erwartet neben der historischen Wohnung eine umfassende Präsentation bezüglich seiner wichtigsten Werke und der Zeit, in der Mozart lebte.

In der aktuellen Sonderausstellung „Mozart & Frauen“ sind Kunstwerke von Oskar Stocker zu Frauen im Umfeld Mozarts zu sehen – Frauen, die zum Teil sein Leben begleiteten und Frauenfiguren, die aus seinen Opern bekannt sind.

Mozarthaus Vienna, Domgasse 5, 1010 Wien

Franzensburg in Laxenburg

Nachtschwärmer*innen, die auch außerhalb Wiens auf Entdeckungstour gehen wollen, können im Schlosspark Laxenburg die Franzensburg – das kleine Schatzhaus Österreich – bei Nacht erleben.

Franzensburg-Führungen: von 18.00 Uhr bis 23.00 Uhr zu jeder halben und vollen Stunde (letzte Führung um 23.00 Uhr)

Ein Shuttlebus fährt in regelmäßigen Abständen zur Fähre bei der Franzensburg und zurück.

Schlosspark Laxenburg, Schlossplatz 1, 2361 Laxenburg

DDSG Blue Danube

Schifffahrt „Street Art River Cruise“: 18.00 Uhr, 19.45 Uhr, 21.15 Uhr und 22.45 Uhr

Etwas mehr als eine Stunde dauert die Rundfahrt mit dem Stadtschiff MS Wien an den Ufern des Donaukanals im ersten Bezirk, die nahezu durchgängig mit Graffitis verziert sind. Diese Kunstwerke an den begrenzenden Mauern stellen eine spezielle künstlerische Outdoor-Ausstellung dar, die per Schiff auf dem Wasser erlebt werden kann – aber nicht alleine: Ein Street-Art-Experte der Levin Statzer Foundation bringt den Besucher*innen die Wandbilder und deren Künstler*innen näher.

DDSG Blue Danube, Schiffstation Wien / City am Schwedenplatz, Franz-Josefs-Kai 2, 1010 Wien

Tickets und Preise

Tickets und Booklets für die „ORF-Lange Nacht der Museen“ 2022 sind bei allen teilnehmenden Häusern im Vorverkauf sowie am Tag der Veranstaltung am „Treffpunkt Museum“, der in jeder Landeshauptstadt (in Wien auf dem Maria-Theresien-Platz) eingerichtet wird, erhältlich.

Die Karten kosten regulär 15 Euro und ermäßigt zwölf Euro. Die Ermäßigung gilt für Schüler*innen, Studierende, Senior*innen, Menschen mit Behinderungen, Präsenzdiener und Ö1-Club-Mitglieder. Regionale Tickets kosten sechs Euro und berechtigen zum Besuch der regionalen Museen. Kinder bis zwölf Jahre haben freien Eintritt.

Populismus siegt über Wahrheit – Henrik Ibsens „Ein Volksfeind“ im Theater in der Josefstadt

Schon 140 Jahre hat Henrik Ibsens Paradestück über die Mechanismen politischer Entscheidungsfindung „Ein Volksfeind“ auf dem Buckel. Aber jede Generation findet für sich heraus, wie dieses Drama gerade wieder zur aktuellen Themenlage passt. Die Handlung ist relativ simpel: Ein Kurarzt findet heraus, dass das Wasser der gerade wieder erweiterten Therme gesundheitsgefährdend ist und sein Bruder, der Bürgermeister tut alles, um diesen Bericht zu verunglimpfen. Volk und Presse stehen bald schon auf der Seite des Bürgermeisters, denn eine auch nur vorübergehende Schließung der Therme würde sie Wohlstand kosten. Wenn wie aktuell der Populismus scheinbar wirtschaftlich begründet ist, lässt sich schwer mit Vernunft dagegen ankämpfen.

Denn natürlich hat der Kurarzt (den Roman Schmelzer in der Josefstadt als naiven Wissenschaftler interpretiert) gegen den allglatten und rhetorisch exzellenten Politiker (Günter Franzmeier) nicht die geringste Chance. Regisseur David Böschs „Ein Volksfeind“-Inszenierung in der spielerprobten Arthur-Miller-Bearbeitung ist bewusst eingängig, aber in einigen Details durchaus auch witzig. So gibt es lustige Plakate zur schönen neuen Thermenwelt und gespielt wird auch auf einer Baustelle. Denn nicht nur die Therme wird gebaut, sondern auch das neue Eigenheim für die Familie des Kurarztes. Als es letztendlich  um die Existenz der eigenen Familie geht, hat der Kurarzt praktisch keine Wahl mehr.

So nebenbei zerlegt Ibsen in diesem Stück auch gleich die Illusion einer freien Presse. Erst knickt der Eigentümer des Volksblatts (André Pohl), dann auch der anfangs kämpferische Chefredakteur (Oliver Rosskopf) ein. Die Wahrheit kostet nicht nur der Zeitung, sondern auch den Steuerzahlern einfach zu viel Geld.

Dem Premierenpublikum gefiel es – viel Applaus für eine unterhaltsame Politfarce, die ihre Aktualität wohl – leider – niemals verlieren wird.


Infos: www.josefstadt.org